Mit tåg und tog durch Skandinavien (6/7 m. 36 B) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum sechsten Teil unserer kleinen Skandinavien-Rundfahrt. Im letzten Teil waren wir von Finse nach Myrdal zur Flåmsbana gefahren, nun setzen wir die Fahrt von Myrdal fort nach Bergen und Oslo.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/101-Skandinavien/101-000Karte.jpg)
Tag 6b: Myrdal – Bergen – Oslo
Wir sind aus Flåm zurück und haben nun in Myrdal eine Stunde Aufenthalt. Wir nutzen die Zeit, um einige Eindrücke rund um den Bahnhof zu sammeln. Der Bahnhof wurde 1908 errichtet, es gibt keine Straßenverbindung nach Myrdal.
Myrdal liegt am Westrand der Hochebene Hardangervidda. Der westliche Teil des Gebiets bietet einen für einen Fjell verhältnismäßig hohen Pflanzenreichtum. Der Fluss Myrdøla kommt hier aus dem Gebirge.
Wir wollen nun den weiteren Abschnitt der Bergensbane erkunden, bis Bergen sind es noch 135 Kilometer. Mit gut 20 Minuten Verspätung fährt der Zug aus Oslo in den Bahnhof Myrdal ein.
Von Myrdal fährt der Zug zunächst durch den über fünf Kilometer langen Gravhals-Tunnel, der Tunnel wurde überwiegend in Handarbeit gebaut, hierfür wurden sechs Jahre benötigt. Anschließend windet sich die Bahnstrecke am Hang des Tals Raundalen hinab. Beim nächsten Bild am Evangervatnet-See sind wir nur noch 50 Meter über dem Meeresspiegel.
Wir haben heute noch ein längeres Programm vor uns, da ist ein Koffeinschub angesagt. In dem Wagen ist der Heißgetränkeautomat defekt – das tut dem Service aber keinen Abbruch, es werden regelmäßig Kannen mit frischem Kaffee und Heißwasser aus dem Bistro gebracht.
Wir fahren nun recht malerisch am Ufer des Bolstadelvi.
Die letzte Etappe der Strecke führt am Ufer des Sørfjords entlang. Gegenüber liegt die Insel Osterøy. Aufgrund von Zugkreuzungen erhöht sich die Verspätung bis Bergen auf 30 Minuten – das passt so gar nicht in meine Reiseplanung. Aufgrund verschiedener Rahmenbedingungen hat mir für die Reise eigentlich ein Tag gefehlt. Letztendlich ist dann eine Übernachtung in Bergen rausgefallen und wir fahren wenig später mit demselben Zug zurück nach Oslo.
In Bergen begrüßt ein Kopfbahnhof die Reisenden. Eine Stele im Bahnhof wirbt für den Status als UNESCO-Weltkulturerbe, welcher für die hanseatische Baukunst verliehen wurde.
Vorbei am Lille Lungegårdsvannet, einem natürlichen See im Zentrum, laufen wir…
…zum Torgallmenningen. Das Sjømannsmonumentet erinnert an die Tradition der Seefahrer aus Bergen.
Das ärgert mich jetzt schon, dass wir nicht mehr Zeit in Bergen haben. Vor allem auch, weil wir nun endlich mal schönes Wetter haben – und das ausgerechnet in der „regenreichsten Großstadt Europas“. Hier blicken wir über die Bucht Vågen zum Hanseviertel Bryggen.
Und schon sind wir wieder zurück am Bahnhof. 1883 wurde eine erste Bahnstrecke von Bergen nach Voss eröffnet, sie war in Kapspur ausgeführt. Sie wurde später als Teil der Bergenbahn in Normalspur umgebaut. Mit dem Umbau erhielt Bergen auch einen neuen Bahnhof, das heutige Gebäude wurde 1913 eröffnet.
Na toll, jetzt haben wir uns so beeilt und nun ist der Zug noch gar nicht da. Für die Rückfahrt kommt dieselbe Garnitur zum Einsatz (erkennen wir an der defekten Kaffeemaschine), offenbar erfolgt das Umsetzen der Lokomotive außerhalb der Bahnhofshalle.
Vor uns liegen nun 6,5 Stunden Fahrt über 505 Kilometer von Bergen bis Oslo. Gut, die Strecke der Bergensbane kennen wir jetzt zwar schon, aber bei dieser Landschaft fahren wir gerne wieder über dieselbe Strecke zurück. Hier fahren wir am Sørfjord und blicken auf die über einen Kilometer lange Osterøybrua. Beim nächsten Bild sind wir am Seimsvatnet.
Der Bahnhof Reimegrend wurde 1908 eröffnet. Nun geht es wieder ins Gebirge, hier war früher ein Schneeräumbetrieb für den westlichen Teil des Hochgebirgsabschnitts der Bergensbane stationiert. Der Google-Übersetzer behauptet bei der Wikipedia-Seite in bokmål, hier sei die „westliche Schnupftabakstation für Schneeräumungsdienste“ gewesen – das mag ich aber nicht so recht glauben.
Diese Perspektive kennen wir doch schon! Wir fahren in den Bahnhof Myrdal ein, wo wir am Vormittag die Flåmsbana besucht hatten.
Auf dem nächsten Bild sehen wir die Kehrschleife der Flåmsbana am Reinungavatnet.
So langsam wird es Zeit für das Abendessen und so schauen wir im Bistro (NSB Kafé) vorbei. In Norwegen ist der Verkauf von Alkohol stark reglementiert, so werden im Zug zwar alkoholische Getränke angeboten, diese dürfen aber nur im Bistrowagen konsumiert werden.
Mittlerweile fahren wir wieder über die Hardangervidda-Hochebene. Die Bergensbane ist eine der höchstgelegenen Hauptbahnen Europas. Der Bau durch das Hochland war sehr aufwändig, Tunnel und Einschnitte mussten durch massives Gneisgestein gegraben und gesprengt werden.
Beim Bau der Strecke wurde 182 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 73 Kilometern gegraben, um einen Ganzjahresbetrieb zu ermöglichen, kommen noch Lawinenschutzbauten hinzu. Die Strecke führt über rund 300 Brücken. Erste Planungen für die Bahnstrecke gab es ab dem Jahr 1870, eröffnet wurde die Strecke 1909. Seither wurden immer wieder Abschnitte neu trassiert.
Das letzte Bild aus dem Zug entstand am Bahnhof von Drammen. Am gegenüberliegenden Ufer des Drammenselva ist die beleuchtete Innenstadt zu sehen. Die Stadt gehört bereits zur Metropolregion um Oslo.
Gegen 22.30 Uhr endet mit der Ankunft in Oslo ein langer aber auch eindrucksvoller Reisetag. So spät komme ich eigentlich ungern am Ziel an, aber egal, wir drehen trotzdem noch eine kleine Runde. Hier sind wir in der Karl Johans gate mit Blick zum königlichen Schloss.
Den Abschluss bildet das Opernhaus in Oslo. Das Gebäude wurde 2008 am Hafen errichtet, es hat ein frei begehbares Dach. Der Blick vom Dach geht hinüber zum Hafenspeicher Havnelageret.
Damit sind wir am Ende dieses Teils angekommen. In den nächsten Tagen folgt der siebte und letzte Teil, darin werden wir noch einen halben Tag Oslo bei Tageslicht erkunden und dann die Heimreise antreten.
Viele Grüße
Tobias
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