NL: Bahnvorhaben oder Wahlpropaganda? (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 03.03.2021, 14:53 (vor 1866 Tagen)

Hallo ICE-Fans,

am 17. März (ja, einem Mitwoch) sind bei uns in NL Parlamentswahlen angesagt. Mehr als 30 Parteien machen mit.
Da unsere Gesellschaft "post-corona" "vergrünen" soll, möchte man gerne auf die Bahn setzen.
Drei Vorschläge möchte ich hervorheben.

1. Die Christendemokraten möchten einen Inlands-HGV-Netz haben.
Knotenpunkte seien nebst Nationalflughafen etwa die Top 9 Städte in NL: Amsterdam, Rotterdam, Utrecht, Breda, Arnhem, Hengelo, Zwolle, Leeuwarden und Groningen. Lelylijn Amsterdam-Groningen soll selbstverständlich gebaut werden.
Auch ist die Rede von einer Rennbahn Richtung Osten. Da man sowohl Arnhem als Hengelo nennt, bin ich mir nicht sicher welche Strecke genau gemeint wird.

Die Frage die ich mir dann stelle: "high speed", oder "higher speed"? 300 km/h vmax, wie auf Amsterdam-Rotterdam-Breda möglich, würde wenig Sinn machen. Erst recht, weil man auch die vorhandene Infra besser benutzen möchte. Dann muss man die vdurch-Unterschiede minimieren. Dann würde ich eher Lafas beseitigen und Engpässe entscharfen, als neue Rennbahnen bauen.

2. Die Grünen möchten satte 18 Milliarden investieren, inklusive Direktzüge nach Spanien und Schweden.

Obwohl ich gerne sehe dass NL eine bessere international Bahnanbindung bekommt, sollen wir die logistische Bedeutung NL innerhalb Europas nicht überschätzen. Die Zeit, als Hoek van Holland das Festlandäquivalent von London war, liegt schon mehr als zwei Dekaden hinter uns. Heute reist ein Normaleuropäer in die Niederlande, nicht durch die Niederlande.

3. Die Mitte-Demokraten möchten "das EU-Bahn-Fleckenteppich lösen".

Die Partei sieht nicht gerne dass es ein Vielfalt an unterschiedlichen nicht-kompatiblen Bahnprodukten gibt. Es soll eine Europa-Bahngesellschaft kommen.
Irgendwie sieht die Partei mehr Potential in den Hyperloop als in regulär Maglev (berührungsfreie Bahn a.k.a. Transrapid).


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Hype-rloop

Alphorn (CH), Mittwoch, 03.03.2021, 18:51 (vor 1866 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von Alphorn (CH), Mittwoch, 03.03.2021, 18:54

Irgendwie sieht die Partei mehr Potential in den Hyperloop als in regulär Maglev (berührungsfreie Bahn a.k.a. Transrapid).

Ach? Hyperloop hat die Luftkissen-Schwebetechnik aus dem Whitepaper von Elon Musk längst aufgegeben und tendiert jetzt zu... Maglev. Oder.... Rädern.

Auch der Ventilator vorne an den Gefährten ist längst verschwunden. Von den Ideen des Hyperloops ist nicht mehr viel übrig ausser die Vakuum-Röhre - aber das ist eine uraltes Konzept.

Wenn man die versprochenen Geschwindigkeiten erreichen will, werden die Kurvenradien (insbesondere vertikal) so gigantisch, dass man die gesamte Strecke unterirdisch oder auf (bei unebenem Gelände sehr hohen) Brücken führen müsste. Bei 1200 km/h bräuchte es einen Kurvenradius von 100 Kilometern (!!), um die Beschleunigungskräfte unter 1,1 m/s² zu halten.

Ich denke, Elon Musk wollte einfach die California High Speed Rail torpedieren (schliesslich ist er Autohersteller) und hat daher diese Fantasie lanciert... ohne selber wirklich zu investieren.

Nachtrag Beschleunigungskräfte

Alphorn (CH), Mittwoch, 03.03.2021, 19:55 (vor 1866 Tagen) @ Alphorn (CH)

Wenn man die versprochenen Geschwindigkeiten erreichen will, werden die Kurvenradien (insbesondere vertikal) so gigantisch, dass man die gesamte Strecke unterirdisch oder auf (bei unebenem Gelände sehr hohen) Brücken führen müsste. Bei 1200 km/h bräuchte es einen Kurvenradius von 100 Kilometern (!!), um die Beschleunigungskräfte unter 1,1 m/s² zu halten.

Nachtrag: Das wäre ohne Kurvenüberhöhung. Aber Kurvenüberhöhung kann ja die Kräfte nicht verschwinden lassen, sondern nur ihre Richtung ändern. Wenn man in Richtung der Füsse das Dreifache akzeptiert, sind wir immer noch bei 33 Kilometern. Und bei vertikalen Kurven nach unten würde ich nach wie vor von 100 km ausgehen - sonst gibt's Achterbahngefühle.

Hype-rloop

GibmirZucker, Mittwoch, 03.03.2021, 21:41 (vor 1866 Tagen) @ Alphorn (CH)

Ist ein bewährtes Konzept, eine mittelfristig nicht realisierbare Technik zu promoten, um Projekte zu torpedieren. Jetzt eben auch im Holland. Man stelle sich vor, die Schweizer hätten Bahn 2000 und NEAT verzögert, weil Swissmetro die bessere Alternative ist...
In Deutschland wurde mit dem Trick ja der adäquate Ausbau Berlin-Hamburg verzögert, im ersten Anlauf nur auf 160 ausgebaut, weil ja bald der Transrapid fährt...

NL: Nachtrag: Lückenschluss und MaaS.

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 05.03.2021, 11:03 (vor 1864 Tagen) @ Oscar (NL)

Hallo ICE-Fans,

inzwischen sind zwei weitere Wahlprogramme verfügbar.

1. die Christenunion zielt auf Lückenschluss und Gleisverdopplung. Ernsthafte Lücken in unserem Netz seien:

- Almere-Utrecht-Breda
- Boxtel-Veghel-Uden
- Emmen-Stadskanaal-Veendam
- Groningen-Zernike

Von diesen vier ist nur die erste wirklich wichtig. Illustrativ sei, dass ein Schnellbus Utrecht-Breda via A27 (inkl. Ampelvorfahrt und Stauumgehung) genauso schnell ist als die Bahn via Den Bosch oder Rotterdam.
Bei Utrecht-Almere fehlt 8 km Bahnstrecke Loenersloot-Muiderberg. Damit wäre ein "IC" Utrecht-Almere in 18 Minuten möglich (aktuell dreiviertel Stunde mit einem "Sprinter" via Hilversum).
Nachteil ist aber, dass diese Strecke die teure Rennbahn Breda-Amsterdam kannibalisieren würde. Breda-Almere (weiter nach Groningen) wäre via Utrecht (trotz nur 200 km/h vmax) schneller als via Schiphol.

Groningen-Zernike (Unicampus) wäre eher etwas für eine Trambahn und die anderen beiden haben bestenfalls nur regionale Bedeutung.

Die zwei eingleisige Abschnitten die NS noch hat (Deventer Olst, Brücke Ravenstein), sollten doppelspurig werden.
Einige weitere Strecken sollen viergleisig werden, z.B. Breda-Tilburg.

2. die Neoliberalen, doch eher eine "Autopartei", setzen auf Mobility as a Service.
Grundsätzlich gefällt mir das, muss allerdings sehen wie das in der Praxis auswirkt, denn dann muss Jan vom Konzept Privatautomobil weg. Und das Privatautomobil ist bei uns in NL ja eine wichtige Steuerquelle.


gruß,

Oscar (NL).

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Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

All glory to the white paper!

echter HGV, Samstag, 03.04.2021, 22:07 (vor 1835 Tagen) @ Alphorn (CH)

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