Seltsames [SK]-Schlängeln im saublöden Seuchenjahr – Kap 4/5 (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Samstag, 13.02.2021, 11:44 (vor 1861 Tagen)

Hallo liebes Forum,

weiter geht es wieder mit meiner Slowakei-Tour im Spätsommer des saublöden Seuchenjahres.
In Kapitel 2 und Kapitel 3 hatten wir den Nordwesten & Südwesten der Slowakei erkundet. Diesmal geht es in den Osten des Landes.

Stehengeblieben waren wir zuletzt in der Hauptstadt Bratislava. Dort geht es nun weiter: Abends holte ich mein einschlossenes Gepäck am Hbf. ab und fuhr zum Bahnhof Bratislava-Nové Mesto (Neustadt).
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255 Der Hauptbahnhof
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256 Der Bahnhof der Neustadt
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257 Hier noch ganz links klein mit der Tram
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258 – 259 Dicher Zugverkehr
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260 Warum gibt es Oberflächen mit Anti-Graffiti-Beschichtung nicht auch bei uns?
In Seuche-Zeiten würde ich niemals mit mehreren Fremden in einem Abteil übernachten. Selbst wenn es eine Maskenpflicht auch beim Schlafen gäbe, bin ich mir sicher, dass niemand sie befolgen würde. (Im Nightjet gibt es übrigens offiziell keine, und außer auf den Italien-Strecken können durchaus mehrere Fremde in ein Abteil…). Bei der ŽSSK gibt’s die Fahrt quer durchs Land im Einzelabteil zum Glück schon für 39 €. =)
Mein Bett war im Wagen 8. Ich hievte meinen Koffer die Treppe hoch und landete beim Übergang zwischen zwei Wagen. Einer war mit 7 beschriftet – check! Die andere Tür verschlossen, ebenso der Durchgang zwischen den Wagen… Ich schleifte meinen Koffer weiter, um zu schauen in welche Richtung die Nummerierung geht. Der nächste war mein Wagen 8. Yäy! Drinnen schaute mir ein Schlafwagen-Betreuer interessiert zu und fragte mich nun, ob ich im Schlafwagen gebucht habe. „Ja, sogar in Wagen 8, da wo du gerade stehst – na Mensch, wasn Zufall!“, verkniff ich mir. Ich wuchtete meinen Koffer in den Wagen. Der Mensch verklickerte mir nun, dass mein Abteil am Ende des Wagens sei. Ich versuchte mich dorthin durchzukämpfen, aber dabei hätte ich mir den Koffer den Teppich komplett aufgerollt.^^ Deshalb sagte ich zum Betreuer, es wäre für mich deutlich besser, den Koffer draußen langzuschleifen. Obwohl er ja sah, was Phase war, musste ich ihn zweimal bitten, den Wagen am anderen Ende zu öffnen. -.- Dann hievte ich den Koffer nach draußen, schleifte ihn eine Wagenlänge weit, hievte ihn wieder in den Zug und zu meinem Abteil. Meine Fresse! Spätestens nach dieser Kraftanstrengung war es praktisch, dass ich ein Einzelabteil hatte. ;-)
Der Wagen war mega alt… Als ich den Tisch überm Waschbecken hochklappte, begrüßten mich ein Käfer und eine Spinne. Wenigstens funktionierte das Wasser, um die beiden zu entfernen. Es funktionierte über schon von Anfang mit einem kleinen Strahl, den ich nie ganz ausschalten konnte. Meine Sorge, es könnte deshalb morgens nicht mehr funktionieren, war zum Glück unbegründet.^^ Der Wagen hatte offensichtlich den ganzen Tag in der Sonne gestanden und war entsprechend temperiert... -.-
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261 Mein Nachtlager
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262 Der Gang
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263 Blick auf den Bahnsteig
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264 Guten Abend zusammen!
Die ganze Zeit dachte ich, es wäre noch keine Lok am Zug, weil noch keine Klimaanlage an war. Erst als sich der Zug pünktlich in Bewegung setzte, wurde mir klar: Hier gibt’s keine Klimaanlage… Steckdosen gab es auch nicht – interessant, was ŽSSK ausgerechnet für die zahlungskräftigsten Kunden bereitstellt… 22:34 – 22:42 fuhr der Zug von Bratislava-Neustadt nach Bratislava-Hbf. Dort hatte er planmäßigen Aufenthalt bis 23:30 Uhr. Die Abfahrt in Neustadt ist natürlich praktisch, um länger Zeit zum/vorm Schlafen zu haben, aber während des Aufenthaltes am Hbf konnte das Abteil natürlich nicht runterkühlen. Ich wollte ja auch nicht, dass jeder auf dem Bahnsteig in mein Abteil gucken konnte.^^ Erst nach 23:30 Uhr bewegten sich die Temperaturen in erträgliche Regionen… Wenigstens schlief ich ganz gut, sicher weil ich nach dem anstrengenden Tag mit viel Lauferei echt müde war.^^
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265 Los geht die wilde Hatz,…
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266 …aber nur das kurze Stück bis zum Hbf.

Da hätte ich einmal ne Verspätung gebrauchen können, und da war der Zug pünktlich. :D Um 6:47 Uhr, eine Minute vor Plan, erreichte er Košice. Mit einer Viertelmillion Einwohner ist es die zweitgrößte Stadt des Landes und die größte Stadt weit und breit (die nächstgrößeren müssten Budapest 260 km entfernt, Krakau ebenfalls 260 km weg bzw. Lemberg 320 km weiter östlich sein).
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267 Košice am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen
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268 – 269 Leider pünktlich angekommen -.-
Das Tram-Netz von Košice weist mit der Linie zum Stahlwerk eine Überland-Strecke auf. Genau genommen ist es nicht eine Linie, sondern mehrere „Verstärker“-Linien, die an den verschiedenen Endhaltestellen in der Stadt beginnen und alle zum Stahlwerk führen. In der Tram hing noch ein alter Liniennetzplan, auf dem angegebenen war, dass die Linien zum Stahlwerk nur morgens, frühnachmittags und abends verkehren würden (wenn im Stahlwerk Schichtwechsel ist). Das stimmt nicht mehr, inzwischen fahren die Bahnen tagsüber durchgehend min. alle halbe Stunde, zu Stoßzeiten teils alle paar Minuten (eben ab verschiedenen Startpunkten). Für die Strecke ab dem Bahnhof benötigt man 26 min. Die Trasse verläuft hinter der Stadtgrenze zunächst auf dem Mittelstreifen der Schnellstraße, doch bald überquert sie die Straße und verläuft neben ihr her. Hier gibt es mehrere Bedarfshalte, zu meinem großen Erstaunen stieg jedes Mal jemand aus.^^ Die Bahnen fahren hier gut 60 km/h schnell, allerdings gibt es etliche Überleitstellen, für die jedes Mal ordentlich heruntergebremst wurde. War das denn früher mal eine Vollbahn? :-s Am Ende biegt die Strecke nach links ab und führt zum Eingangsbereichs des riesigen Geländes.
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270 Tram auf dem Mittelstreifen der Schnellstraße
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271 Einfahrt ins Ziel
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272 Wendeschleife
Nachdem ich ja die halbe Strecke schon geschafft hatte, wollte ich von hier nach Veľká Ida laufen. Laut Google Maps waren es noch 4,5 km, in 1:15 h sollte das locker zu schaffen sein. Die Datenkrake lotste mich von der Endhaltestelle Richtung Süden – genau zum Zufahrtstor des Stahlwerks, aber gleich dahinter sollte ich schon wieder rechts abbiegen. Dem Wachmann am Tor näherte ich mich mit einem ganz blöden Gefühl.^^ Ich fragte ihn, ob ich hier nach Veľká Ida komme. Er hielt mich wahrscheinlich für Gott wie blöd, aber erklärte mir ganz geduldig und auf Nachfrage auch langsam und deutlich, wie ich außen rum laufen müsste. Gut, dass ich nicht die Tram eine halbe Stunde später genommen hatte. :D Ich lief entlang des Stahlwerks Richtung Südosten. Am Ortsrand von Veľká Ida sollte ich links abbiegen – doch dort war das Roma-Lager. Ich verwende den Begriff „Lager“ ganz bewusst. Die Roma werden in der Slowakei systematisch und massiv ausgegrenzt. Touristen fallen sie oft als Bettler an (Bus-)Bahnhöfen und in Innenstädten auf. Doch die meisten von ihnen leben ohne großen Kontakt zur restlichen Bevölkerung zusammengepfercht in, naja, „Notunterkünften“ wäre immer noch übertrieben. Es war zwar längst nicht das erste Roma-Lager, das ich sah, und auch bei weitem nicht das schlimmste, aber nachdem ich es gesehen hatte, nahm ich mir vor, Roma zukünftig wenigstens anzulächeln… Natürlich durchquerte ich das Lager nicht, sondern lief außen rum. Damit waren es bereits 5,1 km statt 4,5, aber ich erreichte den Zug, der nur alle 4 h fuhr.^^
Von Veľká Ida fuhr ich 18 min weit bis zur Endstation Moldava nad Budvou mesto. Ein Kin war anwesend, beobachtete auch die ein- und aussteigenden Leute, aber machte keine Anstalten, irgendjemandem Fahrkarten zu verkaufen. So sparte ich 82 ct – #Schwabenhimmel. Sonst habe ich aber den Eindruck, dass die slowakischen Zubs/Kins inzwischen tendenziell etwas engagierter sind als noch vor ein paar Jahren. Nur um die Strecke abzuhaken, fuhr ich die Zweigstrecke von Moldava nad Budvou nach Moldava nad Bodvou mesto. Die 1,3 km dauern 2 min.^^ Ich hatte mich schon darauf eingestellt, in diesem Loch anderthalb Stunden zu warten (im Slowakischen gibt es kein separates Wort für „Kaff“, man sagt einfach „Loch“ :D). Doch bei Ankunft stand direkt neben dem Bahnhof ein Reisebus nach Košice. Ich fragte den Fahrer, er meinte, er fährt jetzt gleich los. Das Ticket für die 40 min kostete 1,90 €. =) Mittags war ich dann wieder in Košice.
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273 Zum Schutz des Areals des Stahlwerks setzt man auf Altbewährtes: Stacheldraht & Hundis
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274 – 276 Das Roma-Lager von Veľká Ida
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277 Das „prächtige“ Bahnhofsgebäude
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278 Hier nutzt nun wirklich niemand die Unterführung^^
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279 Lange nicht mehr mitgefahren -.-
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280 Am Abzweig der Strecke nach Moldava nad Budvou mesto. Die gezeigte Strecke führt Richtung Rožňava – Plešivec – Lučenec – Zvolen.
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281 Karte der internationalen Ziele, die per Bahn ab Košice erreichbar sind
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282 Verknüpfung der Verkehrsträger an der Endstation
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283 Die Strecke führt weiter nach Medzev, doch seit Ende 2012 ist der Personenverkehr eingestellt
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284 – 285 Die Überland-Tram-Strecke überquert die Richtungsfahrbahn der Schnellstraße
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286 Die Überland-Strecke auf dem Mittelstreifen
So etwas wie kreisfreie Städte gibt es in der Slowakei nicht. Bratislava ist unterteilt in fünf Landkreise, Košice in vier (wobei zumindest letztere wesentlich mehr abdecken als das reine Stadtgebiet). Durch Košice III führt keine Bahnstrecke und keine Tram-Linie. Nur deswegen fuhr ich jetzt mit einem normalen Bus dort hoch. :D
Übrigens gab es in Košice einen O-Bus-Betrieb. Im September 2015 war der Betrieb schon einmal eingestellt worden. 2019 wurde er wieder aufgenommen, allerdings nur sonntags, zuletzt stündlich von 14 – 17 Uhr, bis die Fahrten im März des Jahres „Du weißt schon wann“ erneut eingestellt wurden (vermutlich wegen Der Seuche). Und genau einen Monat nach meinem Besuch wurde der Betrieb wieder aufgenommen, nun sogar sonntags stündlich 11 – 18 Uhr.^^
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287 – 288 Košice III erinnert an Marzahn^^
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289 Die Wendeschleife vom Obus in Košice III im Osten der Stadt („hinterm“ Bahnhof)
Nachdem ich kurz den Ausblick genossen hatte, fuhr ich mit dem Bus zurück in die Innenstadt. Danach befuhr ich die fehlenden Strecken des Tram-Netzes. ;-) Eine Einzelfahrt mit Umstieg für 60 min kostet 1 €, für 30 min werden 90 ct fällig. Es gibt aber auch Tageskarten. In Überland-Bussen in der Slowakei kauft man ja entweder sein Ticket beim Fahrer, oder man hält seine Karte ans Piepsi. Die Piepsis gibt es auch in den Trams in Košice. Wenn ich mich recht entsinne, waren sie in Bussen bereits 2015 im Einsatz. Kann man jemand was dazu sagen? Bekommt man so eine Karte auch als Tourist, und wann rechnet die sich? :-s Wäre ja für mich durchaus überlegenswert. Wenn man keine Karte hat, kauft man übrigens in Bussen auch in Seuche-Zeiten die Tickets grundsätzlich beim Fahrer. (Für die Trams gibt es natürlich Automaten.) In der App CP können für einzelne Betreiber Tickets mobil gekauft werden, eine betreiberunabhängige Möglichkeit gibt es nicht, auch keine Schalter an Busbahnhöfen.
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290 Die Wendeschleife der Tram an der Säule Johannes Pauls II. (für den ist die Büste rechts) am südlichen Stadtrand
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291 Für die längste Fahrt (westlich an der Innenstadt vorbei) von über 20 min musste natürlich ein nicht klimatisiertes Fahrzeug kommen -.-
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292 – 293 Grüne Trams
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294 Das Tram-Netz von Košice. Die Betriebszeiten unten rechts sind veraltet, der Stand ist hier abgeschnitten und auch im Original schlecht erkennbar, müsste 2010 – 2015 sein. :D
Abends streifte durch das Zentrum von Košice. Auf das griechische Konsulat kam ich ja noch halbwegs klar, aber ich staunte nicht schlecht, als ich sogar ein türkisches Konsulat sah – dabei ist Košice sehr sicher der einzige Ort Europas, wo es im Umkreis von 200 km keinen einzigen Türken gibt. :-O In Vor-Seuche-Zeiten flog Turkish Airlines sogar nach Košice – aber auch nur, weil sie einfach aus Prinzip überallhin geflogen ist: mehr Ziele und Länder auf der Welt als jede andere Airline, so war früher die Werbung.^^
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295 – 297 In der Innenstadt von Košice. Die Tram-Schienen werden regulär nicht mehr befahren. Es soll dort wohl eine romantische Pferdebahn geben, allerdings hab ich die noch nie zu Gesicht bekommen.^^
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298 Die Westfassade des Doms
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299 – 300 An der Straße Mlynská, die den Dom mit dem Bahnhof verbindet

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Seltsames [SK]-Schlängeln im saublöden Seuchenjahr – Kap 4/5

Krümelmonster, München, Samstag, 13.02.2021, 11:44 (vor 1861 Tagen) @ Krümelmonster

Wir haben mittlerweile schon wieder Samstag.
Morgens ging ich zum Bahnhof. Wenn ich schon hier war, wollte ich natürlich auch nochmal mit einem der Ausflugzüge von ŽSSK über eine reaktivierte Strecke fahren. ;-) Drei davon gab es im Sommer in der Ostslowakei. I. d. R. wurde immer sonntags nach Muráň gefahren und samstags im Wechsel alle zwei Wochen nach Slavošovce oder Dobšiná. Da ich danach ja noch nach Niedersachsen wollte, blieb kaum Auswahl. Die Strecke nach Dobšiná hätte ich sehr schön gefunden, da sitzt man an der Endstation nämlich nicht fest, sondern die Bahnstrecke durchs Slowakische Paradies ist sogar zu Fuß erreichbar. Aber dafür war ich eine Woche zu spät dran. Die anderen beiden Strecken sind Sackgassen. Die längste der Strecken führt nach Muráň – dort würde morgen ein Zug fahren, aber da war ich schon verplant. Blieb nur die Strecke die Strecke nach Slavošovce. Vorteil: Hier gibt es eine Alternative zur sechsstündigen Wendezeit, die bei allen Strecken eingelegt wird. Nachteil: Wenn man diese Alternative nutzt, fährt man nicht die gesamte Strecke. Ich gab mich damit zufrieden, nur 17,4 km der 23,8 km langen Stichstrecke zu befahren. ;-) Es wäre äußerst blöd gewesen, diesen Zug verpassen, denn es war der letzte dieses Jahr. ;-) Noch blöder wäre es freilich, die Rückfahrt zu verpassen, denn ob man nächstes Jahr per Zug von dort wegkommt, weiß aktuell noch niemand. :D
Planmäßig wird für jene Ausflugszüge ein stinkendes Urzeitmonster vor recht moderne Wagen gespannt. Aber an meinem Tag war wohl irgendwas kaputt, jedenfalls bekam ich die gefühlt hundertste Brotbüchse – siehe auch hier… -.- Kurz vor acht startete der Zug und fuhr die Südstrecke Richtung Westen. Hier war ich noch nie bei Tageslicht langgefahren. In Rožňava stiegen ein Deutscher und ein Schweizer ein, die sich miteinander über Streckenkunde unterhielten – genau solche Freaks wie ich. :-O Einer von ihnen konnte (immerhin) in ganz gebrochenem Slowakisch mit dem Kin kommunizieren. Nach 1:15 h gab es 10 min Kunstpause in Plešivec, bevor der Zug die Hauptbahn verließ und in die Stichstrecke einbog. Hier war der PV 2003 eingestellt worden, wie auf vielen anderen Nebenstrecken. Selbst wenn es hier in den letzten Jahren immer mal wieder Sonderfahrten gegeben hatte (teilweise sogar über mehrere Wochen hinweg mit festem Fahrplan), finde ich die logistische Leistung, für wenige Züge im Jahr einen Fahrplan zu bauen sowie Material und Personal bereitzustellen (letzteres sollte ja auch Streckenkunde haben) nicht zu verachten! Der Zug fuhr tatsächlich mit 60 km/h durchs Tal, das müsste die Streckenhöchstgeschwindigkeit sein. Auch in diesem Ausflugszug war die Auslastung nicht sonderlich hoch (max. 20 %). Während des Haltes in Plešivec hatte jemand den Tf gefragt, ob er auch in Kunova Teplica hält. Der Tf schaute nach und sagte, nein, er fährt dort durch. Also ich hätte es in Ordnung gefunden, wenn wir dort gehalten hätten. Hier ist der Fahrplan ja wirklich egal. :D An einem Bahnübergang stand ein Stinktier mit Zittauer Kennzeichen und daneben ein älterer Herr mit Kamera Richtung Zug – ich vermute da mal ganz fuchsig einen Zusammenhang. ;-) Der hätte bestimmt auch lieber ein Urzeitmonster gehabt statt der Doppeldoppelbrotbüchse. -.- Da, wo die App CP den Bahnhof Štítnik in der Karte eingezeichnet hatte, rauschten wir einfach durch. :D Kurz darauf hielten wir und ich stellte fest, dass sich dort, wo der Bahnhof in der App eingezeichnet war, früher der Haltepunkt Štítnik mesto befunden hatte.^^ 25 min nach Abfahrt in Plešivec wurde immer noch pünktlich Ochtiná erreicht, wo ich und viele andere den Zug verließen. Ich ließ die Weißhaarigen ziehen und vernichtete das Lunch-Paket aus dem Hotel, bevor ich mich auch auf den Weg machte.
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301 Versprochen wurde ein stinkendes Urzeitmonster mit modernen Wagen, die sogar WLAN bieten sollten. Stattdessen gibt's zum 100. Mal dieses Gerümpel. -.-
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302 Nostalgische Wagen gibt’s da drüben
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303 Hier steht mittig der Schnellzug über die Hauptstrecke (via Poprad, Žilina, Trenčín & Trnava) nach Bratislava, rechts daneben der 861er als Ausflugszug ins Slowakische Paradies
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304 – 305 Das gigantische Stahlwerk
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306 Weiter westwärts
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307 Das hintere Tal der Turňa
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308 Die Spannung steigt!
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309 Die exotische Strecke ist blumenbestanden
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310 Sie führt durch ein Tal (ok, das ist in dem Land alles andere als exotisch :D)
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311 Nicht schön, aber selten ;-)
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312 Ankunft in Ochtiná
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313 Ich dachte, wenn ich die Strecke nicht bis zum Ende fahre, wird das Bahnhofsrätsel noch schwieriger, aber nein -.-
Um zehn machte auch ich mich auf den Weg hinauf zur Aragonithöhle von Ochtiná. Ich peilte die Führung um zwölf an. Laut Google waren es 8,6 km sowie 400 Höhenmeter bergauf & 50 Höhenmeter bergab. Der vorgeschlagene Weg führte ziemlich weit außen rum, ich hoffte, dass ich wenigstens die Entfernung kürzen können würde. Einen entsprechenden Abzweig fand ich auch, jener Weg war aber nicht passierbar, weil völlig zugewuchert. Beschilderung gab es übrigens nirgendwo.^^ Ein paar Mal fragten mich Leute aus dem Zug nach dem Weg, ich meinte, ich wisse es auch nicht und verlasse mich bloß auf Google. :D
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314 – 315 Die Kirche von Ochtiná
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316 Dieser „Weg“ wäre wohl kürzer gewesen^^
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317 Ausblick von unterwegs
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318 – 319 Da unten ist Ochtiná
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320 Oben angekommen!
Bereits nach 1:45 h Wanderung erreichte ich die Höhle und stellte deprimiert fest, dass es keine Führung um 12 gab, sondern nur um 12:30 Uhr. Das müsste immer noch reichen, um früher als geplant zurück zu fahren… Ich brauchte erstmal eine Pause… 12:20 Uhr kaufte ich das Ticket für die Führung. Dummerweise war in der Führung um 12:30 Uhr kein Platz mehr frei. -.- Erst hieß es, dass es um 12:40 Uhr noch eine Führung geben werde, aber dafür waren wir dann zu wenige Leute. Eventuell werde es demnächst nochmal spontan eine Führung geben, wenn sich genug Leute finden. Auf jeden Fall würde es um 14 Uhr noch eine Führung geben. Na toll. Ich versuchte, etwas zum Essen zu finden. Von 2015 wusste ich, dass es in der Nähe ein Hotel mit Restaurant gab. „In der Nähe“ ist relativ, immerhin 1,5 km entfernt. Dort angekommen stellte ich fest, dass eh nicht mehr genug Zeit für ein Hauptgericht war. Ich fragte an der Rezeption, und die Dame erklärte mir äußerst unwirsch, jetzt seien erstmal die Hotelgäste dran, ich könnte es vielleicht um 14 Uhr nochmal probieren. -.- Hungrig lief ich zurück zur Höhle. Die Führung um 14 Uhr musste pünktlich sein, sonst käme ich nämlich heute nicht mehr hier weg. :-/ Das war sie zum Glück auch. Löblich finde ich übrigens die Kommunikation, dass während der gesamten Führung eine Maske zu tragen ist und Menschen, die ein Attest vorweisen, dass sie keine Maske tragen können, dann eben nicht an der Höhlenführung teilnehmen können. (Wenn ich ein Attest habe, dass ich keine Badehose tragen kann, darf ich ja auch nicht nackt ins Schwimmbad – obwohl ich dabei ja nicht einmal jemanden gefährden würde. :p). Charakteristisch für die Höhle sind die weißen Gesteine mit interessanten Formen. Solche Aragonit-Höhlen gibt es nur drei auf der Welt, die anderen beiden sind in Lateinamerika. Leider abschreckende Nachrichten für Interessiere: Die Erreichbarkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln ist hundsmiserabel, und die Führungen finden nur auf Slowakisch statt. Wer damit kein Problem hat, dem sei ein Besuch aber sehr ans Herz gelegt!
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321 Innen wird’s schöner ;-)
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322 – 326 Sag ich doch O:-)
Von Samstagmittag bis Sonntagmittag gab es nur zwei Möglichkeiten, von dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Košice zu kommen… Selbst dazu muss man erstmal 2,5 km vor zur Straße laufen.^^ Die erste Möglichkeit klappte nach der verpassten Führung von 12:30 Uhr nicht mehr. Nach der Führung hatte ich 35 min Zeit, die 2,5 km zu laufen, ansonsten müsste ich in diesem Wald übernachten. :D Es klappte.^^ Ich wartete sehr nervös 3 min auf den Bus, mit dem ich dann 10 min in die eigentlich entgegengesetzte Richtung hinunter ins Tal nach Jelšava fuhr. In diesem Ort mit gut 3.000 EW hatte ich nun 70 min Wartezeit. Ich freute mich sehr auf einen Restaurant-Besuch, der Hunger war ja in der Zwischenzeit nicht weniger geworden. Doch das ganze Kaff war komplett tot. Das erste Restaurant lt. Google erwies sich bloß als ein Wohnblock, von einem Restaurant keine Spur. Da, wo das zweite Restaurant eingezeichnet war, stand eine Polizeistation – keine Spur von Restaurant. An der Stelle des dritten Restaurants war eine Pension, die auch ein Restaurant hatte – aber sie war geschlossen. Direkt an der Bushaltestelle war auch ein Restaurant, das nirgendwo eingezeichnet war, aber natürlich auch geschlossen... -.- Wenigstens fand ich einen Kiosk. Der hatte nicht einmal Sandwiches. In meiner Verzweiflung kaufte ich drei Bananen und vernichtete sie direkt. :D
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327 – 328 Restaurierungsbedürftige Architektur am Platz der Republik in Jelšava
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329 An der Bushaltestelle von Jelšava
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330 – 331 Der helle Turm gehört zur Evangelischen Kirche, die beiden ockerfarbenen Türme im Hintergrund gehören zur Kirche des Hl. Peter & Paul
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332 Auch hier gibt es eine Bahnstrecke. Der nächste Zug fährt allerdings erst morgen, der übernächste nicht mehr im selben Jahr…
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333 Leider war sogar der zweite Tod im Rätsel lösbar, hmpf…^^
Von Jelšava gab es zwei tägliche Direktbusse nach Košice: nachmittags und nachts. Erst ein Blick in die Details der Verbindung offenbarte als Betreiber ausgerechnet Flixbus. :-O Die Flixbus-App wollte mir ein Ticket für 9,99 € verkaufen, das hielt ich für übertrieben. Ich löschte die App direkt wieder und beschloss, das Ticket beim Fahrer zu kaufen. Etwas nervös fragte ich mich, ob der Bus ohne weitere Zusteiger überhaupt hier anhalten würde. Auf der Flixbus-Seite kann man die Pünktlichkeit der Busse einsehen. Für meinen Bus stand dort, dass er an den letzten Zwischenhalten immer pünktlich war. Darunter war eine Karte, wo sich der Bus gerade befindet. Bloß beides passte irgendwie nicht zusammen. Tatsächlich hatte der Bus eine halbe Stunde Verspätung. :D Fahrer & Steward waren beide Tschechen, der Bus kam ja aus Prag. Der Fahrer trug kein Maultäschle. -.- Ich kaufte mein Ticket wie in der Slowakei üblich beim Fahrer und zahlte 6,50 €. :p Auf dem Ticket stand nicht einmal der Name von Flixbus. :p Eine innerslowakische Mitfahrt war nur auf dem hinteren Abschnitt möglich, der die kleinen Ortschaften mit Košice verbindet (weiß nicht mehr genau ab wo, der Bus fährt mittlerweile nicht mehr), wahrscheinlich werden die Tickets hier wie auch bei den anderen Überland-Bussen subventioniert. Eine Reisende stieg in Jelšava aus – mein Beileid… Mit mir waren sieben Fahrgäste an Bord. Die Fahrt nach Košice sollte nicht ganz 2 h dauern, tatsächlich war der Bus sogar eine Viertelstunde schneller.
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334 Ich hab’s getan :-O
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335 Groß andere Möglichkeiten hatte ich auch nicht. :D Die erste Verbindung um halb zwei hatte ich angepeilt, aber nach den Verzögerungen in der Höhle verpasst. Bis nachts halb vier wollte ich nicht warten - zumal das dann auch Flixbus gewesen wäre.^^ Und die Verbindung morgens würde fast 6 h dauern (via Poprad). :D
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336 Blick hinab ins Tal des Štítnik, wo auch der gleichnamige Ort liegt
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337 Die Kirche von Štítnik
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338 Die Straße trifft aufs Tal der Turňa
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339 Nochmal am Stahlwerk vorbei
In Košice kaufte ich statt geplantem russischem Wodka nun Tatratea, um mit dem Endgegner unter den Jahren klarzukommen. -.- Er reichte bis wenige Stunden nach dem Jahreswechsel...
Abends streifte ich nochmal durch die Innenstadt.
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340 Die Singenden Fontänen vor der Oper von Košice
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341 Die Fassade des Doms bei Nacht
Heute war ich tatsächlich nur einmal Zug gefahren. :D Dafür war heute einer von nur zwei Tagen in den letzten anderthalb Jahren (länger habe ich den Schrittzähler nicht), an dem ich mehr als 30.000 Schritte machte. :-O

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Seltsames [SK]-Schlängeln im saublöden Seuchenjahr – Kap 4/5

Krümelmonster, München, Samstag, 13.02.2021, 11:45 (vor 1861 Tagen) @ Krümelmonster

Am nächsten Morgen ging ich zunächst nochmal eine Runde durch die leere Innenstadt im Morgenlicht.
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342 Der Dom von Košice mit der vergammelnden Oberleitung des Trolley-Busses
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343 Wir trauen uns etwas näher heran
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344 Hier nun der Dom aus der Nähe
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345 Die Oper
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346 Das griechische Konsulat
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347 – 352 Im Zentrum von Košice
Halb zehn verließ ich die Stadt mit einem Regionalzug auf der Hauptstrecke Richtung Poprad. Er fuhr pünktlich los, allerdings gab es schon im Stadtgebiet von Košice eine Baustelle, die ihm + 6 aufbrummte. Daran änderte sich auch während der einstündigen Fahrt bis Spišské Vlachy nichts mehr.^^ In Spišské Vlachy wartete der 3-min-Anschluss, obwohl nur eine halbe Stunde später die nächste Verbindung fuhr (nämlich derselbe Zug im Pendelverkehr :D). Es war wieder ein Ausflugszug der ŽSSK. Er fuhr die Strecke nach Spišské Podhradie. Wieder begrüßte mich eine Brotbüchse. Gestern war hier noch ein schönes GTW unterwegs, allerdings war das nicht planmäßig.^^ Diesmal war die Auslastung etwas höher als in den bisherigen Ausflugszügen, aber bei nur 53 Plätzen ist das freilich keine Kunst. :D Auf der Strecke gab es mehrere ungesicherte Bahnübergänge, die mit 10 km/h befahren wurden. Letztes Jahr hat die Gemeinde Spišské Podhradie selbst einen Schienenbus betrieben, der Fahrpreis betrug pauschal 1 €. Es waren glaube vier Zugpaare/Tag an den Sommerwochenenden. Dieses Jahr fuhr ŽSSK die Ausflugszüge, es gab mehr Fahrten, Durchgangstarife waren möglich, der Fahrpreis separat lag 60 ct für die Viertelstunde (9 km^^).
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353 Zugpferd
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354 Wir haben noch eine 460 im Schlepptau, die ist aber leer & verschlossen
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355 Die Plattenbauten von Košice III
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356 Umstieg
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357 Gern hätte ich die 460 in voller Länge fotografiert, aber die Kine und die Fahrgäste warteten schon
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358 Seltener Besuch in Spišské Podhradie
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359 Die charakteristische Burg
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360 Zerfall
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361 Weg
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362 Normalerweise hat die Gemeinde den Zugverkehr selbst organisiert, das Plakat hing noch^^
Auch wenn ich hier schon einmal gewesen war, lief ich natürlich hoch zur Burg. Es handelt sich eine der größten Burganlagen in Mitteleuropa. Bei dem guten Wetter war erwartungsgemäß Himmel und Hölle los, sodass ich auf einen Besuch der Anlage selbst verzichtete. Ich lief noch ein Stück weiter zu den Felsen von Dreveník, wo etliche Kletterer ihr Talent unter Beweis stellten. Dann lief ich wieder runter in den Ort.
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363 Blick auf die Burg
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364 – 365 Blick zurück auf den Ort
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366 Der Bahnhof
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367 – 368 Das gewaltige Areal
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369 Die eindrucksvolle Felsenstadt Dreveník
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370 Die Landschaft zwischen den beiden
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371 Unten am Stadtplatz
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372 Blick zurück
Am frühen Nachmittag fuhr ich mit dem Bus nach Prešov. Die Fahrt dauerte im langsamen Bus 50 min, mit der Bahn hätte ich zweimal umsteigen müssen. In Prešov ging ich was futtern.
Danach kümmerte ich mich mal um meine Weiterfahrt nach Niedersachsen. Damit war ich einen guten teil der 70-minütigen Fahrt von Prešov nach Bardejov beschäftigt. ;-)
In Bardejov hatte ich leider nur noch eine Stunde übrig, um nochmal den wunderschönen Stadtplatz zu genießen.
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373 Direkt dahinter befindet sich der Bahnhof von Prešov
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374 Wer diesen Burger mit insg. 1,35 kg, davon 710 g Fleisch, allein binnen 20 min komplett aufessen kann, bekommt ihn umsonst :D
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375 Endlich: ein ersehnter 861er! Hier in Prešov.
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376 Angekommen in Bardejov
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377 Der wunderhübsche Bahnhof – keine Angst, es wird gleich besser^^
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378 Nordost-Zugang zur Altstadt
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379 St. Ägidius von seiner Westseite
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380 – 381 Basilika St. Ägidius
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382 Der Stadtplatz von Bardejov ist für mich der schönste der (Ost-)Slowakei!
Halb sieben verließ ich Bardejov. Der Zug fährt nur alle 2 h, deshalb nahm ich den Bus. Sonntagabend herrschte vom Land in die Großstädte Prešov & Košice Hochbetrieb! Nach einer Dreiviertelstunde verließ ich den Bus in Kapušany pri Prešove, wo sich die Bahnstrecken Prešov – Bardejov und Prešov – Humenné trennen. Nach einer Viertelstunde fuhr ich mit dem nächsten Bus weiter. In der Ostslowakei fehlten mir nämlich noch ein paar Landkreise ohne Bahnanschluss. ;-)
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383 Sonnenuntergang zwischen Bardejov und Kapušany pri Prešove
Nun fuhr ich entgegen der Lastrichtung: nicht mehr in Richtung der Großstädte, sondern von ihnen weg. Anfangs waren wir zu zweit im Bus, in Giraltovce (Kreis Svidník) stieg für ein paar Stationen noch jemand zu. :D
Dieser Moment, wenn der Bus (mit nur noch zwei Fahrgästen) nachts am Ende der Welt in eine kleine Nebenstraße im Wald abbiegt…
Doch es kam kein Sensenmann, sondern bald wieder eine Hauptstraße und kurz darauf der Busbahnhof der Kreisstadt Stropkov. Hier hatte ich in einer Pension in der Nähe vom Busbahnhof reserviert. Der freundliche ältere Herr traute wahrscheinlich seinen Augen & Ohren nicht, dass ausgerechnet an diesem abgelegenen Ort ein junger Deutscher, der halbwegs Slowakisch sprach, übernachten wollte. Leider versäumte ich die Gelegenheit zu fragen, ob ich der erste war. :D

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Seltsames [SK]-Schlängeln im saublöden Seuchenjahr – Kap 4/5

Krümelmonster, München, Samstag, 13.02.2021, 11:46 (vor 1861 Tagen) @ Krümelmonster

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384 Das Ende der Welt: Stropkov!
Wenn ich schon hier übernachtete, wollte ich mir natürlich auch den Ort anschauen. Viele Sehenswürdigkeiten gibt es freilich nicht. :D Aber die Kirchen waren interessant. =) In der Ostslowakei ist der Katholizismus nicht so vorherrschend wie im Rest des Landes. Zusätzlich sind auch die Orthodoxe sowie die Griechisch-katholische Kirche verbreitet. Letztere hat nichts mit Griechenland zu tun, sondern Griechisch-katholisch wird verwendet als Bezeichnung für die Katholischen Ostkirchen. Die Katholischen Ostkirchen (gibt’s in mehreren Ländern Mittel- bzw. Osteuropas) stehen zwar den Orthodoxen Kirchen nahe und folgen in ihren Gottesdiensten auch dem byzantinischen Ritus, erkennen aber den Papst als Oberhaupt an. Falls jemand das besser erklären kann, immer her damit, ich bin atheistisch erzogen worden. ;-)
Zudem fuhren durch Stropkov ungeheuer viele LKWs. Die meisten kamen aus Polen. Zudem welche aus Russland, auch ein paar Ukrainer & Litauer. Slowakische gab es allerdings so gut wie keine. :-s Einmal fuhren gleich vier hintereinander mit türkischen Kennzeichen durch. :-O Ich frage mich, was die alle transportieren…
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385 Die Orthodoxe Kirche
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386 Die Griechisch-katholische Kirche sah auch von innen toll aus mit ihrer großen Ikonostase, aber dort saßen mehrere alte Frauen und haben mich schief angeguckt, also hab ich die Tür gleich wieder zugemacht :D
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387 – 388 Die katholische Kirche
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389 Im einstigen Kastell sitzen heute Städtisches Museum & Galerie
Zwanzig nach acht verließ ich Stropkov per Bus (anders geht es ja nicht^^). Ich fuhr vorbei am Ort, wo besonders viele Frösche wohnen: Kvakovce. In gut einstündiger Fahrt Richtung Süden kam ich bis Vranov nad Topľou. Dort hatte ich eine halbe Stunde Umsteigezeit (auch wenn mir die App schnellere Verbindungen ausspuckte, wollte ich lieber nicht mit knappen Umsteigezeiten planen). Ich nutzte die Zeit, um die Kirche und den gerade am Bahnhof eintreffenden Zug zu fotografieren. ;-)
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390 Das Innere der katholischen Kirche Mariä Geburt in Vranov nad Topľou
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391 Der Altar
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392 Wenn ich schon etwas Zeit habe, kann ich auch kurz den Regionalzug von Prešov nach Humenné knipsen ;-)
Weiter ging es mit dem Bus Richtung Osten in die Region Zemplín nach Michalovce. Diese Strecke hätte ich zwar auch per Bahn fahren können, aber die Umsteigezeit in Strážšké wäre 1:29 h gewesen (von dort 0:11 h bis Michalovce), daher doch lieber per Bus.^^ Ich nahm den etwas langsameren Bus (eine Stunde), der nicht parallel zur Bahnstrecke fuhr. Michalovce ist mit knapp 40.000 EW die größte Stadt östlich von Košice, sogar größer als Humenné. Seit einer Woche war der Kreis der erste offizielle Seuchenhotspot des Landes, gemeinsam mit dem Kreis Bratislava I (Innenstadt). Nach nur 20 min fuhr ich weiter mit dem nächsten Bus in die östlichste Kreisstadt des Landes: Sobrance. Ausgerechnet hier im Seuchenhotspot trugen auffällig viele ihre Maske à la Depp… -.- Die Fahrt dauerte eine gute halbe Stunde.
Ich hatte Angst, dass ich gleich auf eine riesige Katze treffen würde, die am Rand der Welt alles runterschubst. :-/ Die Stadt war wie erwartet unansehnlich.^^ Aber jetzt hatte ich alle slowakischen Landkreise besucht, auch die ohne Bahnstrecken. B-) Eigentlich wollte ich noch nach Sobranecké Kúpele. Das ist ein Kurort nördlich der Stadt, der seit 2004 komplett ungenutzt ist und vor sich hin gammelt – quasi ein ostslowakisches Stillleben. Aber bei dem schlechten Bustakt hätte ich in mindestens eine Richtung die 3 km entlang in der prallen Mittagssonne laufen müssen, deshalb verzichtete ich.^^
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393 Jetzt klar, warum ich die Gegend als Ende der Welt bezeichne? ;-) (Das Bild ist aus meinem Bericht von 2018, aber groß was verändert hat sich eher nicht^^)
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394 Der Bahnhof von Michalovce
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395 In Michalovce die Griechisch-katholische Kirche Mariä Geburt, daneben ihr Pfarramt
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396 In der linken Bildhälfte das kleine Sowjetische Denkmal auf dem Stadtplatz von Sobrance
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397 – 398 Die protzige, fette Griechisch-katholische Kirche von Sobrance
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399 Das Rathaus
Ich nutzte deshalb die seltene Gelegenheit, Richtung Süden umsteigefrei weiterzufahren. Nur zwei direkte Verbindungen am Tag gibt es nach Veľké Kapušany, sonst muss man in Michalovce umsteigen. Für die einstündige Busfahrt von 40 km Fahrt zahlte ich 2,10 €.^^ Weiter weg von daheim habe ich es im saublöden Seuchenjahr nie geschafft: ziemlich genau 1.000 km sind es von München bis Sejkov, von dort nur noch gut 6 km bis zur ukrainischen Grenze. Ich schaffte es sogar, mich ins ukrainische Netz einzuwählen, allerdings hatte ich es mit der manuellen Betreiberauswahl wirklich darauf angelegt. :D Die durchfahrenen Dörfer wirkten längst nicht so traurig, wie ich vermutet hätte – das könnte aber auch am guten Wetter liegen.^^
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400 Hiermit geht’s jetzt wirklich durchs absolut äußerste Ende der Welt
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401 Hübsche Maske, nur…
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402 Go East
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403 Die bereits in die Ukraine liegende Stadt Ужгород (Uzhhorod)
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404 Typische Landschaft der Region Zemplín: Ödnis -.-
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405 Bei Veľké Kapušany sehen wir zunächst die elektrifizierte Breitspurstrecke vom Stahlwerk…
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406 …und dann ein Rangiergleis der (eigentlich ebenfalls elektrifizierten) Normalspurstrecke, die gleich hinter dem nahen Maťovce endet.
Kurz darauf endete die Fahrt in Veľké Kapušany. Der Ort hat eine mehrheitlich ungarischsprachige Bevölkerung. Ich hatte 1:10 h Zeit. Endlich fand ich einen Supermarkt, der meine Kekse im Angebot hatte. Die Betonung liegt auf „hatte“ – in der Vergangenheitsform. ;-) In Veľké Kapušany und auch schon in Sobrance war mir eine erstaunlich hohe Zahl an Stinktieren mit britischem Kennzeichen aufgefallen. Keine Ahnung, was die alle ausgerechnet da hinten wollten. :-s
Für heute war ich genug Bus gefahren. Weiter ging es per Zug.^^ Nach Veľké Kapušany fuhren erst seit Juni 2019 wieder Personenzüge. Es gibt vier Zugpaare: zwei früh, zwei nachmittags. Am Wochenende fährt nichts.^^ Die Normalspurstrecke mit dem PV verläuft weitestgehend parallel zur Breitspurstrecke, welche das Stahlwerk von Košice mit der Ukraine verbindet. Das Ende der 50er Jahre aufgebaute Stahlwerk ist zwar bis heute einer der größten Arbeitgeber der Region, doch Eisenerz gibt es hier gar nicht – das wird nämlich aus der Ukraine und Russland geliefert. Dafür wurde die Breitspurstrecke gebaut. Auch die parallele Normalspurstrecke ist zwar durchgehend elektrifiziert, aber ich saß mal wieder in einer Brotbüchse, denn man hat es bis heute nicht geschafft, ein elektrisches Fahrzeug mit geringer Kapazität zu entwickeln. Es gibt etliche elektrifizierte Strecke mit geringem Aufkommen, die angeblich nur mit Brotbüchsen wirtschaftlich zu betreiben sind. -.-
Selbst von Košice nach Humenné könnte man zu zwei Drittel der Zeit elektrisch fahren. Stattdessen dieselt man lieber eine Stunde bis Bánovce nad Ondavou unter Fahrdraht. -.- Früher ist man elektrisch von Košice bis Michaľany gefahren, hat dort Kopf gemacht und auf Diesel gewechselt. 1985 hat man die Verbindungskurve unter Umgehung von Michaľany in Betrieb genommen und bis 1989 sogar elektrifiziert. Damit konnte man die Fahrzeit von Košice nach Humenné deutlich verkürzen. Aber nun hat man keine Zeit für einen Lokwechsel unterwegs, da der die Anschlüsse in Košice und Trebišov (oder eben die in Strážske und Humenné) zerschießen würde. Es gibt sogar durchgehende Züge aus Richtung Žilina mit Lokwechsel, die fahren aber im Takt, deshalb muss bei denen aus demselben Grund schon in Košice auf Diesel gewechselt werden. Die Elektrifizierung soll den Güterzügen dienen, denn die Strecke ist bis zum Güterbahnhof Maťovce hinter Veľké Kapušany durchgehend elektrifiziert, dort endet ohnehin das Normalspurgleis. Doch Güterverkehr von der Grenze über Košice hinaus gibt es heute kaum noch. Der Großteil verkehrt auf der Breitspurstrecke zum Stahlwerk. Im Wesentlichen vergammelt also heutzutage die Oberleitung – wie so vieles in der Ostslowakei. :-/
Meine pünktliche Fahrt in der Dieselbüchse unter Fahrdraht dauerte eine Dreiviertelstunde, dann war Bánovce nad Ondavou an der Strecke Košice – Humenné erreicht. Weiter ging es in einem Schnellzug mit modernen Wagen, doch der Gegenzug ließ mal wieder auf sich warten. Mensch, da hätte man doch auf ne E-Lok wechseln können.^^ Ich fuhr nur eine Station weit bis Trebišov. Denn eine Strecke fehlte mir immer noch: Von Trebišov brachte mich die letzte Brotbüchse in gut halbstündiger Fahrt bis Michaľany. Heute Vormittag war hier noch SEV, aber nicht nicht mehr. Nach Ankunft hatte ich alle Vollbahnen innerhalb der Slowakei mit ganzjährigem planmäßigem Personenverkehr befahren! Ich Monster, ich! B-) Ich muss mich auch mal selbst loben: Die Organisition, alle Strecken in den 11 Tagen in der Slowakei unterzubringen und zudem noch die Ausflugszüge einzubauen, war nicht ohne. ;-)
Von Michaľany bis zum Stadtrand von Košice gelangte ich in einer guten Dreiviertelstunde in einem Opa.
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407 Veľké Kapušany: Schön hier!
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408 Der Busbahnhof sieht echt einladend aus
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409 Da macht sogar der Bahnhof einen besseren Eindruck…
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410 Der Personenverkehr wurde erst im Sommer 2019 wieder aufgenommen
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411 Von Košice bis Bánovce (und sogar weiter bis Veľké Kapušany) könnte man komplett elektrisch fahren. Macht man aber nicht… -.-
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412 Auf zur letzten Strecke!
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413 Bauvehikel in Michaľany (nicht zu verwechseln mit der Kreisstadt Michalovce weiter nördlich)
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414 Und zum Abschluss mitm Opa
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415 Der linke wäre mir lieber gewesen, aber mir kommt es ja auf die Strecken an und nicht auf die Fahrzeuge ;-)
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416 Landschaft kurz östlich von Košice
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417 Krásna nad Hornádom
Warum ich ausgerechnet dort ausstieg? Nun, dort in der Nähe endet eine Tram-Linie von Košice, die wollte ich natürlich noch mitnehmen. ;-) In Košice fehlte mir nun nur noch der ca. 350 m lange Abzweig zum Betriebshof. Der soll zwar befahren werden, ich konnte aber während meines Besuchs keinen Fahrplan finden.^^
Ich ging noch in der Stadt essen und holte meinen Koffer ab. Netterweise hatte ich ihn die zwei Tage im Hotel lassen dürfen.

Und um euch nicht mit zu viel Text auf einmal zu erschlagen, beginne ich demnächst ein letztes Mal ein neues Kapitel. ;-)

Eine monströse Frage hab ich aber unbedingt noch!
@Sunny007 & @MC_Hans – wie zum Geier konntet ihr die Rätsel lösen!? :D

Es grüßt
Das Krümelmonster

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Seltsames [SK]-Schlängeln im saublöden Seuchenjahr – Kap 4/5

Zugfahrer, Sonntag, 14.02.2021, 16:27 (vor 1860 Tagen) @ Krümelmonster

Vielen Dank für den sehr informativen und außerordentlich interessanten Bericht.

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