Rund um das Dreiländereck Basel 1/3: Kandertalbahn (m 36 B) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
nachdem wir zuletzt eine deutsch-französische Ostertour unternommen hatten, möchte ich Euch nun auf den nächsten grenzüberschreitenden Ausflug mitnehmen. Diesmal widmen wir uns dem Dreiländereck um Basel mit der Kandertalbahn, dem grenzüberschreitenden Tram von Weil am Rhein nach Basel, der Birsigtalbahn und der Waldenburgerbahn.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/098-Triregio-Basel/98-000Karte.jpg)
Wir fahren von Konstanz nach Basel und erkunden von dort aus die Strecken. Die Tour hätte ein Tagesausflug sein können, aufgrund des bescheidenen Wetters beim ersten Teil war ich jedoch zweimal in der Region unterwegs. Der erste Teil mit der Kandertalbahn entstand im Mai 2019, der Rest im Oktober 2019.
Teil 1: Basel – Kandern – Haltingen – Weil am Rhein
Bei kurzfristig planbaren Ausflügen achte ich auf den Wetterbericht und starte ungern an wolkenverhangenen oder gar regnerischen Tagen. Diesmal ging es jedoch nicht anders, dazu gleich mehr. Bei wenig einladendem Wetter fahren wir am frühen Morgen von Konstanz nach Basel; da es grau und dunkel ist, habe ich von dieser ersten Etappe keine Bilder. Im dritten Teil wird es dann bei der Rückfahrt einige Bilder von der Hochrheinbahn geben.
Wir beginnen den Bericht somit am Badischen Bahnhof von Basel. Das heutige Empfangsgebäude wurde 1913 eröffnet. Damals wurde auch der Kunst am Bau viel Raum gegeben, dazu gehören die beiden Figurengruppen vor dem Gebäude. Ursprünglich waren das zwei Brunnen, die den Zusammenfluss der Flüsse Wiese und Rhein symbolisieren - übertragen auf den Bahnhof Wiesentalbahn und Hochrheinbahn. Links Wiese, rechts Rhein. Früher führte eine repräsentative Treppe zwischen beiden Brunnen zum Bahnhof. Heute dienen die Brunnentröge als Blumenbeete.
Wir sind aber nicht zum Brunnengucken hier, sondern haben es auf einen besonderen Zug abgesehen: die Regionalbahn nach Kandern.
Kandern ist der Endpunkt der Kandertalbahn, auf der Strecke verkehren normalerweise nur Museumszüge. Durchgehende Züge von Basel nach Kandern gibt es eigentlich nicht und mit Regionalbahnen von DB Regio kann man im Normalfall auch nicht auf der Kandertalbahn fahren.
Anlässlich des Delegiertentags des Districtsrats des Trinationalen Eurodistrict Basel am 4. Mai 2019 in Kandern fanden Schnupperfahrten mit einem Talent-Triebzug auf der Kandertalbahn statt. Der Zug sollte nicht nur die Delegierten zu der Sitzung nach Kandern bringen, sondern auch die Öffentlichkeit ansprechen und einen Impuls zur Reaktivierung der Strecke im regulären Schienenverkehr geben.
Häufig ist es ja so, dass ein Dampfzug für Aufmerksamkeit sorgt, wenn er auf einer modernen Strecke auftaucht. Nun, Dampfzüge sind nicht meine Welt und deshalb kehren wir das um und nutzen die Möglichkeit, eine Strecke mit einem vergleichsweise modernen Nahverkehrszug zu befahren, auf der sonst nur Dampfzüge verkehren.
Der erste Zug beginnt in Basel, später gibt es noch eine zweite Fahrt ab Haltingen. Und tatsächlich nutzen einige Delegierte aus der Schweiz den Zug zur Anreise nach Kandern. Und auch in der ansonsten bahnaffinen Schweiz scheint es Politikerinnen zu geben, die mit den Grundzügen des Bahnverkehrs noch nicht so ganz vertraut sind. Gut, ich habe etwas gelauscht, aber es war schon herzig, wie die Dame sich verwundert an ihre Begleiter gewandt hat, wie der Zug denn ohne Lokführer losfahren könne, schließlich sei der Führerstand doch leer. Und etwas Mitleid hatte ich mit den Herren auch, die der Dame zu erklären versuchten, dass dies der hintere Führerstand ist. Die Tatsache, dass es vorne nochmals einen Führerstand gibt, fand die gute Frau sehr verschwenderisch.
Wir fahren nun zunächst auf der Rheintalbahn nach Norden, hier sind wir gerade an der schweizerisch-deutschen Grenze bei Weil am Rhein. In Haltingen zweigt die Kandertalbahn von der Rheintalbahn ab, sie kann aus Richtung Basel aktuell aber nur über eine Sägefahrt erreicht werden.
Die Kandertalbahn ist eine 13 Kilometer lange Stichstrecke, sie wurde 1895 in Betrieb genommen und hatte anfangs ein hohes Güteraufkommen, insbesondere durch Steinbrüche in der Region. Der Personenverkehr auf der Strecke war nur mäßig, ein Dammrutsch besiegelte 1983 das Ende des regulären Verkehrs auf der Strecke. 1986 wurde die Infrastruktur von einem Zweckverband übernommen, der gemeinsam mit einem Verein eine Museumsbahn betreibt. Hier sind wir am ersten Haltepunkt Binzen.
Binzen markiert den Beginn des Kandertals, die Strecke führt nun durch das weite Tal leicht ansteigend zum Fuße des Schwarzwalds. Die Strecke verläuft durch mehrere Ortschaften, beim nächsten Bild fahren wir über einen Bahnübergang in Rümmingen.
Ab Hammerstein rücken Bahnlinie und Fluss enger zusammen, der letzte Abschnitt der Strecke führt jetzt entlang der Wolfsschlucht nach Kandern. Von Haltingen bis Kandern überwindet die Bahn einen Höhenunterschied von 77 Metern.
Schließlich erreichen wir die Endstation in Kandern. Der Ort heißt alemannisch Chander oder auch Chandre, entsprechend wird die Kandertalbahn auch Chanderli genannt. Während viele der ursprünglichen Bahngebäude an der Strecke heute nicht mehr stehen, blieb das Bahnhofsgebäude von Kandern erhalten.
Die Zeit bis zur Rückfahrt nutzen wir für einen kleinen Rundgang durch die 8.000-Einwohner-Gemeinde im Markgräflerland. Aufgrund seiner Tonvorkommen wurde der Ort als Töpferstadt bekannt.
Bei einer Potenzialanalyse der Landes Baden-Württemberg wurde der Strecke ein mittleres Nachfragepotenzial bescheinigt. Es gibt unterschiedliche Überlegungen für eine Reaktivierung, von der Elektrifizierung der Strecke bis hin zu wasserstoffbetriebenen Zügen und eine Einbindung in das Netz der S-Bahn Basel.
Die Kandertalbahn ist heute die einzige normalspurige Nebenbahn in Baden-Württemberg, die als reine Museumsbahn betrieben wird. Bei der derzeitigen Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde wird es bei einer Reaktivierung sicherlich nicht bleiben können, daher ist auch der heutige Fahrplan der Regionalbahn nicht repräsentativ.
Hier erreichen wir den ersten Haltepunkt Hammerstein, der Ort geht auf eine Erzgrube und eine Hammerschmiede zurück. Hinter dem Baum verbirgt sich ein ehemaliger Wagen der Kandertalbahn, er dient als Nebenzimmer einer Gaststätte.
Bei dem trüben Wetter fällt es schwer, schöne Eindrücke der Strecke zu sammeln. Mit am besten gelingt das beim Blick durch den hinteren Führerstand auf die Strecke, hier bei der Ausfahrt aus Hammerstein.
Die Streckenführung ist unspektakulär, es gibt kaum Kunstbauten. Rechts sehen wir den Turm der St. Michaels-Kirche von Wittlingen.
Hier sind wir wieder in Binzen. Gegner einer Reaktivierung der Verbindung fürchten um den historischen Charakter der Strecke, der durch barrierefreie Bahnsteige, neue Technik oder gar eine Oberleitung verloren ginge.
Das letzte Bild durch den Führerstand zeigt einen Kreisverkehr, der sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat – wobei sich das weniger auf den Kreisel selbst bezieht, sondern auf das Kunstwerk Dreispitz. Die Skulptur aus Aluminium nimmt Bezug auf das Dreiländereck.
Der Zug wendet in Haltingen, die Kandertalbahn hat einen eigenen Bahnsteig abseits der Bahnsteige der Deutschen Bahn. Im Hintergrund verläuft die Rheintalbahn.
Das Bahnhofsgebäude von Haltingen wurde 1851 eingeweiht, 1910 wurde es letztmalig umgebaut. Seit dem Jahr 2009 wird das Gebäude nicht mehr genutzt und mittlerweile ist dieses Bild auch historisch, denn das Gebäude wurde im Mai 2020 abgerissen, da es dem viergleisigen Ausbau der Rheintalbahn im Weg stand.
Für die Zeit der Bauarbeiten wurden Behelfsbahnsteige errichtet, die über einen Fußgängersteg erreichbar sind. Hier blicken wir vom Fußgängersteg nach Norden in Richtung des alten Bahnhofs…
…und hier nach Süden. Am rechten Bildrand liegt das Betriebswerk Haltingen. Die historische Stahlbrücke links muss ebenfalls dem Bahnausbau weichen. Unter der Brücke verläuft die Kehrschleife um das Betriebswerk.
Haltingen ist heute ein Stadtteil von Weil am Rhein, gut 3 Kilometer liegen zwischen den Bahnhöfen der beiden Orte. Mit dem nächsten Regionalexpress legen wir die kurze Etappe bis Weil am Rhein zurück.
Als kleinen Appetithappen gibt es hier schon mal das erste Bild des nächsten Teils des Reiseberichts, da geht es dann bei deutlich freundlicherem Wetter von Weil am Rhein weiter mit der Tram in die Schweiz. Aber dazu mehr in den nächsten Tagen.
Viele Grüße und einen schönen Sonntag
Tobias
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