Unfalluntersuchungsbericht Hoffenheim - Reilsheim (Link) (Allgemeines Forum)

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 19.01.2021, 16:48 (vor 1904 Tagen)

Ein paar mehr Infos als nur ein Link waren nicht möglich

Ost-Lok-Fan, Metropole Ruhr, Dienstag, 19.01.2021, 16:51 (vor 1904 Tagen) @ ICETreffErfurt

Hallo

auch wenn man unterwegs ist, ein paar Rahmeninfos wären schon ganz gut. Vorallem wenn es sich um einen mehr als 5 Jahre zurückliegenden Unfall handelt.

Danke

--
Gruß
Uwe

Hier der Link zum damaligen Beitragsbaum

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 19.01.2021, 16:59 (vor 1904 Tagen) @ Ost-Lok-Fan

Unfalluntersuchungsbericht Hoffenheim - Reilsheim (Link)

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 19.01.2021, 17:30 (vor 1904 Tagen) @ ICETreffErfurt
bearbeitet von ICETreffErfurt, Dienstag, 19.01.2021, 17:31

Der Tf wurde nach dem Ereignis aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder als Mitarbeiter im Bahnbetrieb eingesetzt. Der Grund für die partielle Dienstunfähigkeit am Ereignistag ist der BEU bekannt.

Unfalluntersuchungsbericht Hoffenheim - Reilsheim (Link)

EK-Wagendienst, EGST, Dienstag, 19.01.2021, 17:47 (vor 1904 Tagen) @ ICETreffErfurt

Der Tf wurde nach dem Ereignis aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder als Mitarbeiter im Bahnbetrieb eingesetzt. Der Grund für die partielle Dienstunfähigkeit am Ereignistag ist der BEU bekannt.

Es ist aber zu keinem Unfall gekommen, sondern nur eine Betriebsgefährdung.

--
Ein Fahrplan ist ein VORSCHLAG an den Lokführer, wie man fahren könnte.

Unfalluntersuchungsbericht Hoffenheim - Reilsheim (Link)

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 19.01.2021, 17:53 (vor 1904 Tagen) @ EK-Wagendienst

Der Tf wurde nach dem Ereignis aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder als Mitarbeiter im Bahnbetrieb eingesetzt. Der Grund für die partielle Dienstunfähigkeit am Ereignistag ist der BEU bekannt.


Es ist aber zu keinem Unfall gekommen, sondern nur eine Betriebsgefährdung.

Ja, es heißt aber nun mal "Unfalluntersuchungsbericht". Für mich klingt das irgendwie nach Zuckerschock und Eintrübung des Bewusstseins. Ein Bekannter von mir war mal Tf bei HLB und musste aufhören nachdem bei ihm Diabetes diagnostiziert wurde.

Unfalluntersuchungsbericht Hoffenheim - Reilsheim (Link)

sibiminus, Dienstag, 19.01.2021, 18:56 (vor 1904 Tagen) @ ICETreffErfurt

Ja, es heißt aber nun mal "Unfalluntersuchungsbericht".

Aha, wo hast du das denn her? In der Überschrift auf der allerersten Seite heißt es "Untersuchungsbericht [...] Gefährliches Ereignis im Eisenbahnbetrieb [...] Ereignisart: Störung durch betriebliche Fehlhandlung"

Unfalluntersuchungsbericht Hoffenheim - Reilsheim (Link)

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 19.01.2021, 19:09 (vor 1904 Tagen) @ sibiminus

Okay, dann habe ich mich halt verguckt.

Untersuchungsbericht Hoffenheim - Reilsheim (Link)

sflori, Dienstag, 19.01.2021, 19:16 (vor 1904 Tagen) @ ICETreffErfurt
bearbeitet von sflori, Dienstag, 19.01.2021, 19:17

Okay, dann habe ich mich halt verguckt.

Bei der Domäne eisenbahn-unfalluntersuchung.de kann man aber auch schnell durcheinanderkommen. :D

Ich kann mich noch gut an den Vorfall erinnern. Da ich die NBÜ-Implementierung dieser Baureihen nicht kannte, habe ich es gar nicht für möglich gehalten, dass eine NBÜ mit aktiver Tf-Handlung zur Notbremsung im nicht(!)-NBÜ-Abschnitt überhaupt zulassungsfähig war. Das liest sich alles sehr gruselig.

Naja. Gut, dass das seit NBÜ 2004 Geschichte ist...


Bye. Flo.

Untersuchungsbericht Hoffenheim - Reilsheim (Link)

EK-Wagendienst, EGST, Dienstag, 19.01.2021, 19:25 (vor 1904 Tagen) @ sflori

Okay, dann habe ich mich halt verguckt.


Bei der Domäne eisenbahn-unfalluntersuchung.de kann man aber auch schnell durcheinanderkommen. :D

Ich kann mich noch gut an den Vorfall erinnern. Da ich die NBÜ-Implementierung dieser Baureihen nicht kannte, habe ich es gar nicht für möglich gehalten, dass eine NBÜ mit aktiver Tf-Handlung zur Notbremsung im nicht(!)-NBÜ-Abschnitt überhaupt zulassungsfähig war. Das liest sich alles sehr gruselig.


Auch interessant das am Lf6 (9) die Wachsamtaste betätigt wurde, wenn dort PzB verbaut ist, dann wäre sie aber erst über 105 km/h wirksam gewesen.

Es steht auch nicht dabei wie man auf die Sache aufmerksam wurde,
der Tf ist nach 12 Minuten Halt, dann ja weiter gefahren, mit dem Hinweis das Notbremsen gezogen worden wurden.

Müssen sich dann ja einige Fahrgäste beschwert haben, und das es dann zu einer Untersuchung gekommen ist.

--
Ein Fahrplan ist ein VORSCHLAG an den Lokführer, wie man fahren könnte.

Untersuchungsbericht Hoffenheim - Reilsheim (Link)

bahnfahrerofr., Donnerstag, 21.01.2021, 00:47 (vor 1903 Tagen) @ EK-Wagendienst

Es steht auch nicht dabei wie man auf die Sache aufmerksam wurde,
der Tf ist nach 12 Minuten Halt, dann ja weiter gefahren, mit dem Hinweis das Notbremsen gezogen worden wurden.

Müssen sich dann ja einige Fahrgäste beschwert haben, und das es dann zu einer Untersuchung gekommen ist.

Der "Meldeweg" würde mich auch mal interessieren.

Ich glaube aber schon, dass seitens der Fahrgäste in irgend einer Form reagiert wurde. In dem Bericht ist ja zu lesen, dass insgesamt zahlreich und auch an vielen verschiedenen Türen die Notbremsen gezogen wurden. Das heißt für mich, dass es nicht nur einem Fahrgast aufgefallen sein muss. Eventuell hat ein Fahrgast nach erfolglosem Betätigen der Notbremse andere Fahrgäste auf die Unregelmäßigkeiten hingewiesen und dazu aufgerufen die anderen Notbremsen ebenfalls zu betätigen. Kann mir auch gut vorstellen, dass dabei leichte Panik bei den Fahrgästen aufkam.

Irgendwie kann ich mir dann nicht vorstellen, dass alles wieder "normal" war, nachdem der Zug in Reilsheim zum stehen kam. Ich wäre als Fahrgast nach so einem Ereignis (insbesondere wenn keine Durchsage o.ä. erfolgt) wahrscheinlich mal zum TF gegangen..

Unfalluntersuchungsbericht Hoffenheim - Reilsheim (Link)

Manitou, Donnerstag, 21.01.2021, 00:42 (vor 1903 Tagen) @ ICETreffErfurt

Nach der DV 423 der DR gab es 4 Kategorien von Bahnbetriebsunfällen. Zuggefährdungen galten als Kategorie 2. Die Kategorien 3 und 4 betrafen nur Unfälle im Rangierbetrieb.
Ähnliche Einstufungen dürfte es im heutigen Vorschriftenwesen immer noch geben.

Kurze Zusammenfassung - für mich schockierendes Ergebnis

gsg, Mittwoch, 20.01.2021, 23:05 (vor 1903 Tagen) @ ICETreffErfurt
bearbeitet von gsg, Mittwoch, 20.01.2021, 23:07

Hallo,

Ich gebe eine kurze Zusammenfassung:

  • 2015 ist bei einer Zugfahrt von Sinsheim nach Heidelberg der Tf an mehreren geplanten Halten durchgefahren
  • Daraufhin haben die Fahrgäste die Notbremse gezogen, die aber nicht zu einer Bremswirkung geführt hat
  • Zu Schäden ist es nicht gekommen


Ermittelte Gründe für den Vorfall:

  • Der Tf schien gesundheitliche Probleme gehabt zu haben. Diese haben dazu geführt, dass er zwar noch die SiFa (Totmannschalter) bedient hat, aber nicht mehr reagiert hat. Er ist im Nachgang aus dem Dienst ausgeschieden.
  • Die Fahrgast-Notbremsung bei den Baureihen 423-426 hat keine direkte Bremswirkung. Sondern führt nur zu einer Anzeige im Führerstand mit einem Warnton, die eigentliche Notbremsung muss dann aktiv durch den Tf eingeleitet werden. Dies wird Notbremsüberbrückung (NBÜ) genannt und soll eigentlich verhindern, dass ein Zug im Tunnel zum stehen kommt (und damit schwieriger rettbar ist).
  • Diese Ausführung nutzt eine Sonderregel im damaligen technischen Regelwerk für Stadtschnellbahnen, die eine solche Ausführung der Notbremse erlaubte. Was eine Stadtschnellbahn ist, ist nirgendwo ordentlich definiert.


Was ist seither passiert:

  • Für Neubaufahrzeuge gibt es neuere Regelwerke, sodass eine heute neu gebautes Fahrzeug eine andere Funktionalität haben müsste. Altfahrzeuge (insbesondere BR 423-426 genießen Bestandsschutz.
  • DB Regio hat bei einem Teil ihrer entsprechenden Flotte die Anweisung gegeben, die Notbremsüberbrückung auszuschalten. Dadurch haben diese Fahrzeuge (unter anderem S-Bahnen München und Stuttgart) jetzt eine funktionierende Fahrgastnotbremse, aber keine Notbremsüberbrückung mehr.


Sicherheitsempfehlungen der Untersuchungsstelle:

  • keine


Und genau der letzte Punkt schockiert mich! Offensichtlich liegt hier eine schwere Fehlfunktion vor, die in anderen Betriebsfällen schnell zu einer großen Betriebsgefahr werden könnte. Die von DB Regio verfolgte Lösung behebt zwar dieses Problem, führt aber zu weiteren Sicherheitsproblemen, da jetzt brennende Züge zum Beispiel in Stuttgart oder München mitten im Tunnel anhalten werden (Gott bewahre). Und aus dieser Unsicherheit zeiht eine für die Sicherheit des Bahnbetriebs zuständige Stelle keine Schlüsse? Hier einige Sicherheitsempfehlungen meinerseits:

  • Ermittlung aller mit dieser Fehlfunktion ausgerüsteten Fahrzeuge (auch andere Baureihen)
  • Nachrüstung, sodass eine Fahrgast-Notbremsung wirksam wird, falls der Fahrer nicht innerhalb einiger Sekunden quittiert, dass er sie wahrgenommen hat.
  • Dabei ebenfalls Ausrüstung so, dass bei Quittierung innerhalb einer festgelegten Zeit eine Bremsung eingeleitet werden muss (um z.B. Amokfahrten zu verhindern)
  • Deutlich engere Auslegung möglicher Ausnahmen für Stadtschnellbahnen in der Fahrzeugzulassung. Es darf nicht sein, dass Fahrzeuge mit solchen Ausnahmen landauf landab in jede Menge Regionalbahnlinien eingesetzt werden!
  • Schaffung von Kommunikationswegen der Fahrgäste mit dem Notfallmanagement z.B. durch eine eigene Notfallrufnummer (und Leitzentrale). Aktuell gibt es keine Telefonnummer über die ein Fahrgast z.B. Fahrdienstleiter auf eine drohende Gefahr hinweisen kann. Dadurch sind sie ohne Möglichkeit für eine Sicherung an der Strecke zu sorgen (indem z.B. Signale durch den Fdl auf rot gestellt werden).


Warum werden aus diesem Fall keine Lehren gezogen? Besteht hier keinerlei Sinn für Null Toleranz beim Thema Sicherheit? (das ist natürlich polemisch, aber mein aktueller Gemütszustand nach Lesen des Berichts). Geht es nur mir so oder euch auch?

Liebe Grüße
gsg

Kurze Zusammenfassung - für mich schockierendes Ergebnis

Manitou, Donnerstag, 21.01.2021, 00:45 (vor 1903 Tagen) @ gsg

Ich würde es sogar für sinnvoll halten, wenn die Ein- und Ausschaltung der NBÜ über die Zugbeeinflussung erfolgt, so daß z.B. vor einem Tunnel die NBÜ eingeschaltet und vor einem Bahnhof/Haltepunkt ausgeschaltet wird.

Kurze Zusammenfassung - für mich schockierendes Ergebnis

sflori, Freitag, 22.01.2021, 16:18 (vor 1901 Tagen) @ Manitou

Ich würde es sogar für sinnvoll halten, wenn die Ein- und Ausschaltung der NBÜ über die Zugbeeinflussung erfolgt, so daß z.B. vor einem Tunnel die NBÜ eingeschaltet und vor einem Bahnhof/Haltepunkt ausgeschaltet wird.

Ja, sinnvolle Idee. Bei ETCS geht das dann auch, da das Fahrzeug über diese Abschnitte informiert wird. Mit alten Systemen ist das hingegen nicht im Einsatz.


Bye. Flo.

Interessante NBÜ !

611 040, Erfurt, Donnerstag, 21.01.2021, 22:27 (vor 1902 Tagen) @ ICETreffErfurt

Ich kenne die NBÜ auch nur so dass durch ziehen der Notbremse ein Warnton ertönt und ein Leuchttaster aufleuchtet. Wenn der Tf die Meldung durch Tastendruck bestätigt kann weiterfahren und an der nächsten geeigneten Stelle halten. Falls nicht erfolgt innerhalb von x Sekunden eine Zwangsbremsung.

Aus welchem Grund hat die BR 425 eine andere NBÜ die garnicht bremst? Welche Vorteile bringt die bei Stadtschnellbahnen (S Bahn?)
Nur geringere Sicherheit und keine Vorteile oder? Eventuell kostengünstiger in der Herstellung da nicht auf das Bremssystem eingewirkt wird. Aber darf das Einsparen auf Kosten der Sicherheit gehen... ?
Eine klassische NBÜ wäre sinnvoller gewesen.

Grüße 611 040

--
❤ 611, 612, 642, 644, 425, ICE-T, IC1 ❤

Interessante NBÜ !

EK-Wagendienst, EGST, Freitag, 22.01.2021, 15:21 (vor 1901 Tagen) @ 611 040

Ich kenne die NBÜ auch nur so dass durch ziehen der Notbremse ein Warnton ertönt und ein Leuchttaster aufleuchtet. Wenn der Tf die Meldung durch Tastendruck bestätigt kann weiterfahren und an der nächsten geeigneten Stelle halten. Falls nicht erfolgt innerhalb von x Sekunden eine Zwangsbremsung.

Aus welchem Grund hat die BR 425 eine andere NBÜ die gar nicht bremst? Welche Vorteile bringt die bei Stadtschnellbahnen (S Bahn?)
Nur geringere Sicherheit und keine Vorteile oder? Eventuell kostengünstiger in der Herstellung da nicht auf das Bremssystem eingewirkt wird. Aber darf das Einsparen auf Kosten der Sicherheit gehen... ?
Eine klassische NBÜ wäre sinnvoller gewesen.

Das Entwicklungsjahr ist entscheidend:

Die normale NBü wurde für schnellfahrende Züge entwickelt, weil es erst mal zu einer Bremsung kommt, und der Zug deutlich langsamer wird, aber dann weiter fahren kann, das wollte man bei den S-Bahn ähnlichen Zügen vermeiden, weil der dann gleich gestanden hätten, und dann nicht mehr hätten anfahren können, wenn ggf. schon ein Reisender per Notgriff eine Tür geöffnet hätte.

Darauf wurde das hier entwickelt, kommt wohl aus dem Straßenbahnbereich.

Erst die nachfolgenden Züge erhielten dann die modernisierte, wobei beim Nahverkehr diese über ein separates Kabel gemacht wird, oder eine fahrzeugbezogene Funktion.

Die Technik entwickelt sich auch weiter.

Auf der Strecke ist die NBü auch nicht zwingend vorgeschrieben, darf aber angewandt werden (Königstuhltunnel).

Was deine so geliebten 611 hatten weiß ich nicht, aber könnte auch so was sein, oder aber auch keine NBü.

--
Ein Fahrplan ist ein VORSCHLAG an den Lokführer, wie man fahren könnte.

DB Regio NBÜ 2004

ffz, Freitag, 22.01.2021, 18:17 (vor 1901 Tagen) @ EK-Wagendienst

Hallo,

wie von EK-Wagendienst schon richtig geschrieben wurde verwenden DB Fernverkehr und DB Regio völlig grundverschiedene NBÜ. Bei DB Regio wird die NBÜ 2004 über ein Kabel angesteuert und muss vor der NBÜ Strecke über einen Schalter aktiviert werden. Damit wird wenn der Schalter aktiv ist, die Wirkung der Notbremse elektronisch überbrückt. Damit sind alle Fahrzeuge von DB Regio ausgerüstet, die NBÜ Strecken befahren (selbst VT 628 und 143er hat man für den neuen Mainzer Tunnel damit nachgerüstet) und über eine aktiv gesteuerte HBL (Hauptluftbehälterleitung) und HLL (Hauptluftleitung) verfügen. Da die Baureihen 423-426 und die Baureihe 650 (Regioshuttle 1) im Regelbetrieb auch in Traktion mit druckloser und damit funktionsloser HBL und HLL gefahren werden, musste man sich für diese Fahrzeuge etwas anderes überlegen und hat sich das Bremssystem aus derm Straßenbahn und Stadtbahnbereich genommen und für höhere Geschwindigkeiten und Gewichte modifiziert.

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum