Blaschi in Gefahr. Wenn wer eine Reise tut ... (Reiseberichte)

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Dienstag, 10.11.2020, 20:50 (vor 1956 Tagen)

Hey.

Da schimpfen hier die Bahnfuzzys ja ab und an auf die Preisvielfalt. Dabei ist die erstens prima. Und zweitens ist die Auskunft der Bahn noch primarerer. Weil sie mitdenkt.

Nur einmal umsteigen und dadurch über eine Stunde in einer der weltweit gefährlichsten Bahnhöfe abzuhängen; und das auch noch abends, wo msn von marodierenden Fremdländerbanden erst ausgeraubt und dann erschlagen wird - nein, da bietet die DB von sich aus Alternativen an. Aussteigen in Büchen. Eben runter nach Lünebest Lüneburg. Dann ICE-Komfort. Und der Umstieg nach Osnabrück muss in Harburg erfolgen.

Und bevor wer 'Diskriminierung' ruft, weil nur DB-Züge - und bevor wer schimpft über den Preissprung, geht es auch etwas weniger teurer mit dem Metronom. Da ist die Pause in Lüneburg zum rote Rosen sammeln etwas länger und der Umstieg in Harburg so knapp, dass das eigentlich eines Abenteuerzuschlages bedürfte.


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Nun, was turnt Blaschi denn so fern der Heimat herum? Der Arbeitstag fing gut an. Der IC um 10.08h ab Osnabrück war nur minimal verspätet und herrlich leer. Bis hinter Wolfsburg ging auch alles gut. Aber dann wurde es zäh. Stehen. Zuckeln. Stehen. Zuckeln. Die Chefin verkündete eine Signalstörung, das Internet eine Oberleitungsstörung. Nun, im Ergebnis wurde aus dem Päuschen in Stendal nix. Flugs mußte ich durch diesen Nebentunnel rüber von 1 auf 3. Immerhin wird da mal richtig neu gebaut in Stendal. Früher war der Hausbahnsteig an Gleis 1 das modernste am Bahnhof; aktuell ist er dann der älteste Bahnsteig.

Dann trudelte die S-Bahn ein in Form eines einzelnen Quietschies 425. Sapperlot, was ein Luxus! Mit Monitoren, großen Mülleimern an den Türen, gepolsterte Sitze, helle Beleuchtung mit dem Gimmick der Zusatzerhellung an den Einstiegen bei Türfreigabe. Sowas bin ich ja von der S-Bahn Hannover, wo ich sonst immer rumdüse, gar nicht gewohnt.

Und noch ein Unterschied ist ein Problem. In Hannover sind es 424er. Und da geht es ebenerdig rein und raus. Im Gegensatz zum Quitschie hier. Der hat ne Stufe. Und wenn ich mich wie üblich an der sich öffnenden Tür gegenüberliegenden Tür stelle, um meine Zusteiger zu begrüßen, dann segele ich da doch tatsächlich mal den Abgrund hinunter. Lebensgefährlich ist das!

Vorweg: ich lebe natürlich noch. Und habe auf der Fahrt der S 1 von Wittenberge nach Schönebeck-Bad Salzelmen wieder einiges gelernt. Dass Tangerhütte nicht Tangermünde ist, worüber sich ein Fahrgast empörte. Dass man in ganz Sachsen-Anhalt immer und überall umsonst mitnehmen darf. Ich lernte den MAREGO kennen. Und die Endstadion Bad Salzelmen. Rechts das Gradierwerk. Links alles tot - aber wenn man um die Ecke schaut, gibt's da ein irres Einkaufszentrum. Ich lernte, dass ich nicht die Wendezeit zurück nach Wittenberge im Zug verbringen kann, weil der früher wegdüst und dann ein anderer kommt.

So geht der Dienst dahin, ich stürze öfters mal ab, aber Zug und Blaschi bleiben heil. Ein paar Fahrgäste zum Befragen finden sich auch.

In Wittenberge ist dann Feierabend. Aber bis zum Zug Richtung Heimat sind es ca 1 1/2-Stunden. Das alte Bahnhofsgebäude ist zwar riesig, aber der Kollege sagt, dass es nur den Mini-Servicestore und einen Döner-Fritzen auf dem Vorplatz gibt. Also beschließe ich, mit der S-Bahn nach Seehausen zu fahren, 10 Min Pause und wieder zurück nach Wittenberge, um da dann mit dem 172 gen Hamburg zu scheppern. Wenn man im Dunklen in Seehausen am Bahnsteig steht, wirkt bis auf diesen das Drumherum noch an frühere Zeiten. Und ich bilde mir ein, auch noch den alten Geruch in der Nase zu haben.

Das dort beobachtete Signalsystem ist für einen Bundesbahn-Sozialisierten auch interessant: 2 gelbe Lampen leuchten parallel nebeneinander. Und wenn ein Zug kommt, geht eine weiße Leuchte darüber an.

In Wittenberge liegt Hundeschiet auf der Treppe (oder auch von einem anderen Lebewesen; vielleicht die Geburtsstunde eines neuen Virus), ich gehe zum hinteren Bahnsteig. Fern ganz hinten steht eine Dieselmühle, muss der Prignitz-Express sein.

Dann trudelt mein Zug ein. 3 Waggons weniger, verkündet die DB. Maxl zieht die ganze Fuhre. Fast pünktlich. Plus 2 oder so. Während der IC in Gegenrichtung aus Hamburg kommend plus 10 hat. Aus Budapest aber ist man plan. Aber ich sehe dann auch, warum. Die Anzeige im Wagen zeigt regelmäßig 202 km/h an.

Ach ja, ungarische Wagen sind's ja. Falls sich noch wer ans Nachbarforum erinnert: die sind lebensgefährlich. Gummifett an der Wange, fast wird man 'erquetscht' und man kann sein Leben an sich vorüberziehen sehen.

https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?003,1882386,1882386,sv=0#msg-1882386

Nach meinen Abstürzen im Quietschie also genau der richtige Zug. Von weitem von außen im Dunklen machen die Wagen auch durchaus was her. Drinnen sieht es etwas bewohnt aus. Und das Klappfensterchen ist definitiv nicht ganz dicht. Nun ja. Ich ja auch nicht.

Und so sitze ich hier und schreibe. Jetzt vor Büchen mal 198 km/h. Ich beschließe dann jetzt, nicht am Hbf in Hamburg aussteigen zum Sterben und zum ausgeraubt werden. Sondern werde wohl, wenn wir weiter so rasen und pünktlich sind - aktuell jetzt nur 194 km/h; wie fährt der denn? Gibt's da kein Tempomat? - bis Altona düsen. Immerhin mal ohne Halt in Dammtor. Und Altona ist ja auch bald Geschichte; so in 80 Jahren; da muss man rechtzeitig da wieder mal hin.

Und mal schauen, was mich dann noch so erwarten wird auf dem abendlichen Weg mit dem 2021 ins dann nächtliche Osnabrück.

Gestern hatte ich mein Auto übrigens mal in HÖVELRIEGE geparkt. Weil ich abends von Holzminden nicht mehr nach Osnabrück gekommen wäre. Eine irre Zugangsstelle zur Bahn. In beiden Richtungen fahren die Züge laut Aushang von Gleis 1 - was auch stimmt, denn mehr Gleise gibt's nicht. Dafür aber gibt es ZWEI Bahnsteige - damit in jeder Richtung hinter dem Bü gehalten wird. Ortskunde schadet nicht. Und es gibt Züge, die durchfahren. Und einen P+R-Parkplatz für so um die 10 Pkw. Wo mittags sogar 3 belegt waren. Um 23:30h hielt ich aber als letzter die Stellung. Zu der Zeit kommt man da auch noch hin. So schlecht ist die Eisenbahn gar nicht.

So, Landeanflug Büchen. 20:43h und nur noch 153 km/h.

Und jetzt mit dem Abschicken warten, bis es mal Netz gibt ...

2 min vor Plan in Büchen - ja ja, 202 sag ich nur ....

Schöne Grüße von jörg

Ach ja: HEY J-C,Halt in BERGEDORF! JETZT!

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Dienstag, 10.11.2020, 21:03 (vor 1956 Tagen) @ Der Blaschke

Hey.

Den Boden knutschen werde ich mal nicht. Aber hier will wer raus. Da werde ich mal Luft einatmen vom Bahnsteig.


Übrigens toll hier: die Tür geht direkt nach dem Stillstand auf. Keine Gedenksekunden! Das ist zulässig? Schocking ...

Nachträglich, äh, nachtragend, äh, also Grüße von jörg

Episch

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 10.11.2020, 21:58 (vor 1956 Tagen) @ Der Blaschke

Dann warst du nur wenige Minuten von der Wohnung entfernt, wo ich meine ersten 18 Jahre lang gelebt habe.

Türen, die beim Stillstand öffnen, sind aber nichts neues. Würde es Corona nicht geben, würde ich mit Zügen reisen, die sogar kurz vor Stillstand die Türen freigeben.

Tatsächlich war ich in Hamburg-Bergedorf zum ersten Mal in einen ziemlich gut gepolsterten ÖBB-Bmpz gestiegen. Das war damals, als der 172/173 noch Vindobona hieß und bis Villach fuhr. Da ging es von Hamburg nach Berlin. So schade, dass ich nie die volle Dröhnung bis Villach mir gönnen konnte

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Danke Euch Beiden!

GUM, Mittwoch, 11.11.2020, 09:42 (vor 1956 Tagen) @ J-C

- kein Text -

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Sicherheitshinweis: Lassen Sie Ihre Politiker nicht unbeaufsichtigt!
Security advice: Don't leave your politicians unattended!

Vindobona

ktmb, Mittwoch, 11.11.2020, 10:41 (vor 1956 Tagen) @ J-C

Hej,
Habe den Vindobona in zwei Etappen absolviert:
Villach-Dresden (deklass. Variante)
und später noch einmal
Bad Schandau-Hamburg (1. Klasse)

Hej hej,
Jörg

'umsonst ein Fahrrad mitnehmen kann' muss es heißen ...

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Dienstag, 10.11.2020, 21:12 (vor 1956 Tagen) @ Der Blaschke

- kein Text -

'umsonst ein Fahrrad mitnehmen kann' muss es heißen ...

Stephan.B, Köln, Mittwoch, 11.11.2020, 10:25 (vor 1956 Tagen) @ Der Blaschke

Umsonst nehme ich mein Fahrrad nie mit: ich radle nämlich am Zielort weiter. Aber mit meinen Falträdern ist die Mitnahme überall kostenlos.

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Stephan

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