Mannomann, seid ihr ausdauernd :-) (Allgemeines Forum)

liebe70, Samstag, 17.04.2010, 00:08 (vor 5953 Tagen) @ bahn-user

Ihr "belöffelt" euch hier wegen solchem Kleinkram wie den Ansagen, sagenhaft...

Als ich noch in Magdeburg im Zub war (und vor den Ansagevorgaben, die etwa ab dem Jahr mit der Expo kamen), hatten wir einen typischen morgendlichen Berufpendlerszug im Plan. Der fuhr kurz vor 6 Uhr in Magdeburg ab, hielt u.a. in Helmstedt, Braunschweig, Peine und kam gegen 7.30 Uhr in Hannover an, um dann weiter gen Ruhrgebiet zu fahren. In dem Zug sagte ich bei der Erstbegrüßung drei Sätze, nämlich wohin der Zug fährt, wo die 1.Klasse und das Bistro ist - und wenn man weiteres wissen will, soll man das Zub fragen. Die Ankunftsansagen waren kurz und knapp, nur in Hannover wegen der üblichen Umsteiger etwas ausführlicher. Das reichte vollkommen.

Und dann kam die Expo... Plötzlich wurde gefordert, alles in Deutsch und Englisch aufzusagen. Die Magdeburger hatten damals auch einen typischen morgendlichen Berufpendlerszug, dieses Mal aber von Leipzig (ca. 4.45 Uhr ab), mit Halt in Halle/S., Köthen, Schönebeck/E. und Magdeburg (ca. 6.15 Uhr an) und weiter nach Lübeck.

Ein Kollege machte damals die gewünschten Ansagen in deutsch und englisch:
Leipzig Abfahrt Begrüßung
Halle/S. Ankunft Verabschiedung
Halle/S. Abfahrt Begrüßung
Köthen Ankunft Verabschiedung
Köthen Abfahrt Begrüßung
Schönebeck Ankunft Verabschiedung
Schönebeck Abfahrt Begrüßung
Magdeburg Ankunft Verabschiedung

Das machte insgesamt 16 (!)einzelne Ansagen. Die Gastroasagen waren da noch nicht einmal dabei. Da mit dem Zug viele DB-Mitarbeiter nach Magdeburg und teilweise auch nach Hannover zur Arbeit fahren mußten, wollten die natürlich auch noch ein wenig ihre Ruhe. Das ging aufgrund der Forderung der zweisprachigen Ansagen nicht mehr. Es dauerte folgerichtig nicht lange - und die Vorgaben wurden dahingehend korrigiert, daß es nur noch in bestimmten Zügen Pflicht war, zweisprachige Ansagen zu tätigen.

Früher bekam das Zub auch regelmäßige Trainings, wie man am besten die Ansage macht (Sprechweise, Tonfall, Schnelligkeit und wie man auch die Lautstärke direkt beim Sprechen variieren kann). Das gibts heute gar nicht mehr. Also schnattert jeder Zub seine Ansagen so ins Mikro, wie er will. Kein Wunder, wenn es nervt.

Was die Ruhebereiche im Zug betrifft:
Diese sind historisch gewachsen. Beim ICE 1 waren die Raucherwagen (also Wagen 1 und 14) und die Wagen mit den Video-Sitzplätzen (Wagen 3 und 11) mit den Repeatern ausgerüstet. Diese sind immer noch dort zu finden. Da Wagen 12 des Altbau-ICE 1 im Regelfall der einzige 1.Klasse-Wagen ohne Repeater war, wurde der automatisch als Ruhewagen deklariert. Warum Wagen 2 beim ICE 1 auch ein Ruhewagen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

Beim ICE 2 war es ähnlich. Der Wagen x2 wurde deswegen als Ruhewagen deklariert, weil dort die Reisegruppen ihre reservierten Plätze bekamen. Offenbar nahm man an, daß Reisegruppen sich im allgemeinen "gesitteter" und demzufolge "ruhiger" benehmen. Eine Fehlannahme, wie man inzwischen weiß. Der Wagen x3 war den Einzelreisenden vorbehalten und ursprünglich kein Ruhewagen. Das änderte sich vor ein paar Jahren schlagartig, weil ein paar Übereifrige auch dort die Ruhewagensymbole anklebten. Meines Wissens sind in den Faltblättern der ICE 2 die Züge noch nach dem alten Piktogrammschema dargestellt.

Die Lautstärkeregler in den Abteilen aller Wagen - unabhängig ob ICE oder IC - waren nur bei der individuellen Musikbeschallung nutzbar, sonst nicht. Normale Ansagen lassen sich nicht beeinflussen. Der Grund hierfür: Sicherheitsbedenken. Man stelle sich vor, daß man die Lautstärke soweit reduziert, daß fast nichts mehr zu hören ist. Plötzlich kommt eine Durchsage, daß der Zug geräumt werden muß oder sonst etwas sicherheitsrelevantes. Alle reagieren, nur diejenigen nicht, bei denen die Lautstärke der Beschallung fast null ist. Und wenn letztere Pech haben, sind sie anschließend tot. Aus diesem Grund läßt sich die Lautstärke bei Ansagen nicht variieren.

Die RIX-Prüfer kontrollieren, ob der Zugführer auch wirklich die Vorgaben einhält. Ich hatte vor Jahren einen dieser Prüfer im Zug (wir bekamen damals die Kopien der Prüfprotokolle). Der Zug fuhr nach einem Baufahrplan, der vom Regelfahrplan um ca. 5 Minuten abwich. Ich war richtig und nach dem Baufahrplan im System eingebucht, der RIX-Prüfer war dagegen falsch nach dem Regelfahrplan im System eingebucht. Aufgrund seiner falschen Einbuchung hat er demzufolge meine Ansagen allesamt als falsch bewertet. Meine Ansagen in "englischer" Sprache waren alles mögliche, aber keineswegs englisch. Sie klangen nur so. ;-) Mein RIX-Prüfer wertete das als "richtig". Später bestätigte mir einer dieser RIX-Prüfer, daß sie gezielt die Ansagen falsch bewerteten, um ihren Job zu behalten. Hat nix genützt, jetzt machen das andere DB-Mitarbeiter (diverse Führungskräfte der mittleren Leitungsebene innerhalb der einzelnen Regionalbereiche). So prüfen beispielsweise DB-Mitarbeiter aus Regionalbereich West das Zub aus dem Regionalbereich Ost. Da die Regionalbereiche untereinander in Konkurrenz stehen, weiß man was dabei herauskommt. :-(

Dann gibt es zu allem Überfluß Zugführer, die sich gern reden hören. Das scheint eine Berliner Spezialität zu sein. Begrüßung hinter Berlin Ostbahnhof (damit meine ich nicht: "Guten Tag, nächster Halt ist Berlin Hbf" - sonden fast das komplette Programm), nach Berlin Hbf sowieso - und dann nochmals nach Abfahrt in Spandau. Dann hofft man, daß nun endlich Ruhe ist. Aber nein - die Gastroansage folgt auch noch, möglichst das in deutsch und englisch. Kurzum, die quatschen einem die Glucke vom Nest. Die begrüßen die drei zugestiegenen Gestalten in Wolfsburg und lesen einem die halbe Speisekarte vor. Die Kollegen schauen nicht, ob der Speisewagen voll ist und eine Gastroansage Sinn machen würde, sondern die machen die einfach.

Das ist ein unendliches Thema, bei dem ich versuche, einen goldenen Mittelweg zu finden.

Schlußendlich noch eine kurze Anmerkung zu den b.c-Statuskunden.

Ich habe festgestellt, daß es "echte" Comfort-Kunden gibt und andere. Die echten Comfort-Kunden sitzen weitab vom Comfortbereich, weil sie keine Lust auf den ewigen Kampf und die Diskussionen um die Comfortplätze haben und sowieso keinen Wert auf sowas legen. Die bekommt man aber anders.
Ich freue mich regelmäßig, wenn ich diese Reisenden immer wieder verblüffen kann. Hat heute erst wieder geklappt, genauso wie gestern und vorgestern. :-)
Andere "normale" Reisende gucken dann immer ganz verwundert/ärgerlich/erstaunt/was auch immer, wenn ich sage: "Sie sind schließlich Comfort-Kunde, deswegen..." (...und unmittelbar eine nette Geste hinterhergeschoben, die niemandem wehtut - und auch in den BB Bahn verankert ist). Kurzum: Ich habe meine eigne Methode Comfort-Kunden hochleben zu lassen. Klappt immer wieder auf's neue.

In dem Sinne...

Gruß, Ralf


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum