Alpen-U-Bahn und hundert Täler (3/3, 37 Bilder) (Reiseberichte)

TD, Samstag, 29.08.2020, 14:45 (vor 2033 Tagen) [O]

Hallo zusammen,

willkommen zum dritten und letzten Teil unserer kleinen Alpen-Rundfahrt. Im zweiten Teil hatten wir die Mission Kuchenkauf im oberitalienischen Mantua erfolgreich abgeschlossen und waren am Abend in Mailand angekommen.

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Heute wollen wir eigentlich nur noch nach Hause fahren, der direkte Weg über die Gotthardstrecke ist mir aber zu kurz, und so bauen wir noch einen Umweg über das Centovalli ein.


Tag 3: Milano – Lugano – Giubiasco – Locarno – Domodossola – Bern – Zürich – Konstanz

Wir starten nach dem Frühstück am Bahnhof Milano Centrale. Der erste Teil des Tages ist sehr nahverkehrslastig, die Fahrt bis Locarno legen wir mit drei wechselnden Flirt-Triebzügen zurück.

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Die grenzüberschreitenden Nahverkehrszüge zwischen Italien und der Schweiz werden von der TILO (Treni Regionali Ticino Lombardia) betrieben, ein Tochterunternehmen von SBB und Trenord. Die Fahrzeuge werden von den jeweiligen Muttergesellschaften gemietet.

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Über Monza und Como fahren wir nun nach Norden zur Grenze bei Chiasso. Bei diesem Bild sind wir bereits in der Schweiz und blicken über den Luganersee nach Riva San Vitale am Osthang des Monte San Giorgio.

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In Lugano heißt es Umsteigen, nun geht es mit der S 50 weiter, auch dies ist wieder ein Flirt. Wir fahren jetzt über die Bergstrecke am Monte Ceneri. Bis zum Jahresende soll der neue Ceneri-Basistunnel fertiggestellt werden, Fernreisenden wird dadurch zukünftig der Ausblick von der Bergstrecke über die Magadinoebene verwehrt bleiben.

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In Giubiasco am Fuße der Ceneri-Bergtrecke zweigt von der Gotthardbahn die Bahnstrecke nach Locarno ab. Ab Giubiasco geht es mit dem nächsten TILO-Flirt weiter, mit der S 20 fahren wir durch die Magadinoebene bis Locarno.

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Nach der Ankunft in Locarno wechseln wir in den Untergrund, die Züge der Centovallibahn starten an einem unterirdischen Bahnsteig. Es passt ganz gut, dass wir diesmal eine Verbindung mit einem Gelenktriebwagen der schweizerischen FART erwischt haben, denn die Panoramatriebzüge der italienischen SSIF kenne ich schon.

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Der erste Abschnitt der Schmalspurbahn verläuft als Tunnelstrecke unter dem Stadtgebiet von Locarno, dann folgt die Strecke dem Fluss Melezza hinauf in das Centovalli.
Unterwegs müssen wir auf einen Gegenzug warten, aus Domodossola kommt einer der eigentümlichen Panoramatriebzüge.

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Zu den bekanntesten Bauwerken der Bahnstrecke gehört das Viadukt von Intragna, das in 82 Metern Höhe über den Fluss Isorno führt. Über dem Zug sehen wir den Kirchturm San Gottardo, er ist der höchste Kirchturm im Kanton Tessin. Der Ort Intragna markiert den Beginn des eigentlichen Centovalli.

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Centovalli bedeutet wörtlich „hundert Täler“ und meint die zahlreichen vom Haupttal ausgehenden Seitentäler. Das Centovalli ist dicht bewaldet, die Bahnstrecke folgt dem Tal der Melezza. Hier sind wir am Stausee Lago di Palagnedra.
Wenig später erreichen wir bei Camedo die Grenze zu Italien.

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Der höchstgelegene Bahnhof der Strecke ist in Santa Maria Maggiore auf 831 Meter über dem Meer. Wir sind nun im Valle Vigezzo, dem italienischen Teil des Centovalli. Anschließend beginnt der zunächst sanfte Abstieg durch das Tal der Melezzo occidentale.

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Nach der Station Trontano windet sich die Bahn in engen Kurven und mit einem Gefälle von bis zu 60 Promille hinab ins Tocetal und quert dann das Tal. In Domodossola endet die Bahnstrecke wie auch in Locarno an einem unterirdischen Bahnsteig.

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Für die Weiterfahrt von Domodossola in die Schweiz entscheiden wir uns für einen Regionalzug. Mit einem Lötschberger-Triebzug der bls fahren wir nach Bern. Der Zug fährt über die Lötschberg-Bergstrecke, das ist auch nochmals etwas Abwechslung zu den sonst häufigen genutzten Verbindungen.

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Das letzte Bild aus Italien gibt es aus dem Ossolatal, dann geht es durch zahlreiche Tunnel und schließlich den Simplontunnel in die Schweiz.

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Nach dem Halt in Brig geht es hinauf auf die Lötschberg-Südrampe. Die Bahnstrecke windet sich mithilfe von zahlreichen Kunstbauten am Talhang der Rhone nach oben. Vom Baltschiederviadukt fällt der Blick auf die Bergwelt des Oberwallis.

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In Fahrtrichtung links bietet sich den Fahrgästen ein Panoramablick weit über das Rhonetal, bevor der Zug dann schließlich im über 14 Kilometer langen Lötschbergtunnel verschwindet. Im Tunnel befindet sich der Scheitelpunkt der Strecke auf 1.240 Meter über dem Meer, das ist der höchstgelegene normalspurige Alpendurchstich.

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Auf der anderen Seite des Lötschberg-Scheiteltunnels ist es mit dem strahlenden Sonnenschein vorbei, über dem Kandertal hängen dicke Wolken. Eine Wolkenlücke gibt es dann nochmals über dem Thunersee.

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Schließlich wird die Wolkendecke immer dichter und wir fahren in den Regen. Insofern habe ich nun keine weiteren Bilder mehr. Und die Strecke Bern-Zürich-Konstanz hat ja auch schon in vielen meiner Reiseberichte Erwähnung gefunden, so dass wir mit diesem Bild aus der Aareniederung den Reisebericht beenden.

Ich bedanke mich fürs Mitkommen und die Rückmeldungen zu den bisherigen Teilen.
In chronologischer Reihenfolge ging es nach dieser Herbsttour weiter mit einer weihnachtlichen Reise nach Nancy und Zagreb, dieser Reisebericht ist schon online, insofern kann ich nun mit der Aufbereitung der Reisen aus 2019 beginnen…

Viele Grüße und einen schönen Sonntag

Tobias

PS: meine bisherigen Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

Wie immer eine Genußreise: Vielen herzlichen Dank!

heinz11, Samstag, 29.08.2020, 14:54 (vor 2033 Tagen) @ TD

- kein Text -

Super! Danke fürs Mitnehmen! :)

sflori, Samstag, 29.08.2020, 15:48 (vor 2033 Tagen) @ TD

- kein Text -

Danke + ? zum Centovalli

Math5D, Samstag, 29.08.2020, 21:07 (vor 2032 Tagen) @ TD

Vielen Dank für den Bericht! Was mich noch interessiert, musstest du bei deiner früheren Fahrt im SSIF-Panoramazug den Zuschlag zahlen?

Zum Panoramazug-Zuschlag

TD, Samstag, 29.08.2020, 22:23 (vor 2032 Tagen) @ Math5D
bearbeitet von TD, Samstag, 29.08.2020, 22:24

Was mich noch interessiert, musstest du bei deiner früheren Fahrt im SSIF-Panoramazug den Zuschlag zahlen?

Meine Fahrt mit dem Panoramazug war schon vor vielen Jahren, als es den Deutschlandpass noch gab und dieser sogar zwei Tage in der Schweiz und in Österreich galt. Damals musste ich den Zuschlag nicht bezahlen.

Viele Grüße

Tobias

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Danke + ? zum Centovalli

bahnfahrerofr., Sonntag, 30.08.2020, 19:02 (vor 2031 Tagen) @ Math5D

Hi,
vor zwei Wochen bin ich ein Stück mit dem Panoramazug gefahren (aber nur zwei Stationen). Zum Ticino Ticket musste ich keinen Zuschlag zahlen.

Grund ist mir nicht bekannt.

VG

Alpen-U-Bahn und hundert Täler (3/3, 37 Bilder)

GibmirZucker, Sonntag, 30.08.2020, 19:08 (vor 2031 Tagen) @ TD

Übrigens zeigen die Bilder, dass man selbst in einem Schmalspurtriebwagen eine doch abnehmbare 1. Klasse unterbringen kann. Und privat auf Normalspur ein RE doch einen gewissen Luxus bieten kann. Im Gegensatz dazu die "Staatsbahn" im Flirt.

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