Erlebniswelt Eisenbahn ... (Reiseberichte)

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Freitag, 03.07.2020, 19:49 (vor 2088 Tagen)

Hallöchen.

Ich gebe zu, ich habe neulich was ganz verrücktes geplant: den 8-Min-Anschluß in Hannover vom Amsterdam-IC auf den ICE Richtung München bzw Wien. Das klappt seit bestimmt 15 Jahren mal so, mal nicht. Irgendein Planer hat da 'zuverlässig' mit 'zufällig' verwechselt.

Ich schaue daheim online nach. Keine Meldung. Also fröhlich auf zum Bahnhof. Aber 'Optimismus' ist bekanntlich 'Mangel an Information'. Als ich am Bahnhof eintrudele, wird mein IC Zug mit +6 geführt. Verzögerungen im Betriebsablauf. Na toll ...

Gegenüber scheppert derweil der IC nach Amsterdam rein. Etwas forsch. Zack, gibt's eins gewischt und die Fuhre steht. Mal schauen, jau, letzter Wagen auch noch am Bahnsteig. 20 cm Platz. Paßt! Zwischenzeitlich gibt's Kühlwasser als Vorrat für die Kundschaft. Der Tag soll heiß werden und man weiß ja nie. Allzeit bereit ...

Der Amsterdamer zuckelt los, mit der angekündigten Verspätung donnert der Berliner rein. Lokführer und Zugpersonal sind motiviert und gut drauf. Die Zugchefin möchte sogar meine Einsatzverfügung sehen; vorbildlich korrekt. Da erwähne ich bei ihr auch das Bad Oeynhausen-Süd-Problem. Sie notiert sich das sogar. Später wird mir ein Zugchef aber sagen: "Glaubst du ernsthaft, dass das jemanden interessiert, was wir melden?" Äh, nö.

Hinter Kirchlengern geht's plötzlich links. Ui, stoßen wir mal von links statt rechts auf die Strecke nach Hannover. Also an allerlei Brache vorbei, 2x rechts und dann weiter. Nanu? Müßte das nicht noch 2 weiter nach rechts gehen? Heute nicht. Sapperlot, fahren wir mal über die Güterzuggleise. So halten wir in Bad Oeynhausen auf 3 statt 1 - dort auf 1 fährt derweil parallel die WFB ein. Weiter geht's, vor Minden machen wir rüber auf's richtige Gleis. Die Verspätung ist unverändert. Vor Hannover die Durchsage, dass der ICE nach Wien nicht wartet. Womit sich meine geplante Zählung erledigt hat. Damit wir den auch wirklich nicht bekommen, stehen wir noch eine Minute vorm roten Einfahrsignal.

Aber mal schauen. Raus. Treppe runter. Rüber nach 3. Ah ja, den letzten Wagen des ICE sehe ich noch abfahren. 2 weitere Fahrgäste waren auch optimistisch und taten es mir gleich, kennen das System Bahn aber noch nicht und schimpfen erstmal mit der Aufsicht.

Derweil mich ein Geistesblitz durchzuckt. Gegenüber steht der 2083. Mit ca plus 25 und Ersatzpark. Wenn der jetzt nach dem ICE rausfährt, nur ein paar Minuten bis Kassel verliert, dann müßte ich den Anschluss nach Korbach dort noch schaffen. Der Zug ist leer. In meinem Wagen sinniert ein Fahrgast über die nicht vorhandene Sitzplatzreservierung, während der andere schon in Hannover fragt, wie es ob der Verspätung - äh, 'Verzögerung' laut Zugchefin - mit seinem Anschluss in München nach Wien aussieht. Große Planungen werden erstellt, schon mal mit Wien telefoniert, während der Schaffner offenkundig nicht böse ist, dass ab Kassel wer anders die Betreuung übernimmt.

Zwischenzeitlich sind wir tatsächlich direkt nach dem ICE abgefahren. Störungsfrei kommen wir mit nur noch ca plus 25 in Kassel an. Hey, ich bekomme problemlos noch die Kurhessenbahn.

Dort ist man in einer ganz anderen Welt. Man merkt, dass das ein eigenständiges Regionalnetz ist. Immer gepflegte Fahrzeuge, super top Personal, immer freundlich und immer da, herrlich. Und alles fernab der großen weiten Welt in herrlicher Landschaft und tollen Fahrgästen. Schade, dass das so weit weg ist, da könnte ich bis ans Lebensende fahren.

Heute ist aber auch da mal der Wurm drin. Am Kreuzungspunkt hat der Gegenzug +13. Wir kommen in Korbach also erst zur Abfahrtszeit an. Anschlüsse klappen aber. Personalwechsel. Und schon geht es zurück nach Kassel. Und ich zähle. Am Kreuzungspunkt warten wir diesmal 6 Minuten. Dann muss ein Leistungserschleicher der Polizei übergeben werden. Unter etwas Protest; aber klar, wer einen Zugewanderten gleich behandelt wie einen Einheimischen, der ist natürlich Rassist. Später ist dann eine Regiotram im Weg, in Kassel kommen wir im Ergebnis mit +12 an. Also keine Zeit zum Essen fassen, bevor es wieder nach Korbach geht. Ich zähle wieder fleißig. Diesmal ist alles pünktlich!

Ab Korbach ist SEV nach Brilon Wald angesagt. Wow, fährt sogar die DB selbst. Und Begleitpersonal der Kurhessenbahn ist auch dabei. Top! So muss das! Aber so kenne und liebe ich die Kurhessenbahn.

Ab Brilon sah Plan A vor: mit RE bis Dortmund, ICE nach Osnabrück. Der Übergang ist knapp, aber ein Rollbahn-Fernzug wird doch nicht pünktlich sein ...

Er fiel ganz aus ...

Plan B: Umstieg Fröndenberg, Umstieg Unna, Umstieg Münster. Toller Plan. Aber wertlos, wenn der Zug Fröndenberg Unna ausfällt.

Plan C: Umstieg Schwerte, Umstieg Münster. Problem: der PESA aus Brilon hatte recht durchgängig +4; exakt die Umstiegszeit in Schwerte. Die Blechtante im Zug meinte zwar optimistisch, dass alle Anschlüsse erreicht würden, aber während unser RE einfuhr, fuhr gegenüber National Express raus.

Tja, da blieb mir nur noch, ABC-Alarm zu geben; die abendliche Erhebung nach Bremerhaven war nun nicht mehr erreichbar. Also kurze Pause in Schwerte. Dann nach Hamm bummeln. Nach Münster bummeln. Nach Osnabrück bummeln. 4 Std früher daheim als geplant dank ausgefallener Erhebung, aber dafür auch Summe X nicht verdient.

Aber wieder ein Erlebnistag Eisenbahn mehr ... Das letzte Abenteuer in Deutschland. Herrlich.


Schöne Grüße von jörg

so, die Gastfahrt in die Heimat mit dem Schreiben des Beitrags überbrückt. Feierabend. Bevor morgen der "Küstenexpress" ruft. Und vorher natürlich die Zeitung.

Daumen hoch

agw, NRW, Freitag, 03.07.2020, 20:37 (vor 2088 Tagen) @ Der Blaschke

- kein Text -

Erlebniswelt Eisenbahn ...

611 040, Erfurt, Freitag, 03.07.2020, 20:55 (vor 2088 Tagen) @ Der Blaschke

Ja die Kurhessenbahn ist top !
Gefällt mir auch sehr ! Vor 2 Wochen hab ich mir erst die XXL-KHB-Fahrt gegeben:
Erndtebrück mit der RB94 nach Cölbe, dort 10min Anschluss zur RB42 nach Korbach und dann mit der RB4 runter nach Kassel. (Und im RE2 nach Erfurt) 8 Stunden Desiro am Stück, geil ! Und ja das meine ich echt so ! Ich mag die Desiros richtig gerne.

Leider bist du jedes mal ein paar Tage vor oder nach mir auf einer Strecke (Oberweserbahn, Kurhessenbahn,etc.),würde doch gerne mal von dir interviewt werden... ;)

Naja, morgen gehts wieder Richtung NRW, ist die letzen Wochen schon Tradition geworden. Die/Das letzte/n Wochenende für die nächste Zeit wollen genutzt werden.
Und eine Bonusprämie nehme ich auch mit... DB Lounge Eintritt, das passt ja in NRW wie die Faust aufs Auge.

Grüße 611 040

--
❤ 611, 612, 642, 644, 425, ICE-T, IC1 ❤

hat mir schon 3.Mal Hotel-Übernachtung gebracht ...

BahnFanFritzlar, Freitag, 03.07.2020, 23:35 (vor 2087 Tagen) @ Der Blaschke

der 8-Minuten-Anschluß in Hannover von Osnabrück auf den letzten ICE nach Kassel hat mir in den letzten Jahren schon 3x eine Hotelübernachtung gebracht.

Hat mir von der Zeit nix ausgemacht, komfortables Hotel, bomfortionöses Frühstück und dicke FGR-Entschädigung. Hab ich genossen. Mit Notebook/online ist es meinen Kunden egal wo ich mich aufhalte.

Nur letztes Mal hatte ich einen wichtigen Termin und mußte nach Hause.
Da ist 9-Sitz-Taxi mit weiteren Reisenden Hannover-Wabern-Fulda-Hanau-Aschaffenburg gefahren. Fand ich trotz 1.Klasse nicht nicht angenehmen.
Die Strecke hin-zurück = 800 KM, lt.Fahrer gibt für den Kilometer 2 EUR = 1600 EUR.
Jubel für den Fahrer, dickes Minus für die Bahn, und für mich am Zielort nur 59 Min Verspätung.

Und das wg. 4 Minuten !!

Mit unbegreiflich das man das bei der letzten Verbindung nicht koordinieren kann.
Ich hatte mich rechtzeitig beim Zub gemeldet. Die Bahn hätte wissen können das es 7 Umsteiger gibt.

Anschlusse <10 Min. sind Papieranschlüsse

218 466-1, Red Bank NJ / ex-Ingolstadt, Samstag, 04.07.2020, 07:43 (vor 2087 Tagen) @ BahnFanFritzlar

Ich habe mir den Stress nie angetan, wenn es anders ging. Bastelverbundungen über alternative Strecken und nur mit bevorzugtem Rollmaterial. Umstiegszeiten zw. 15 und 116 Min., hat alles (bis auf paar Vollausfälle) immer funktioniert.
Geht natürlich vorzugsweise dann, wenn man Fahrpläne und Umlaufpläne studiert und der Weg das Ziel ist...

--
Dieser Beitrag gibt (sofern nicht anders gekennzeichnet) allein die Meinung der Verfasserin wieder
MET - Der beste Zug den es je gab
[image]

Anschlusse <10 Min. sind Papieranschlüsse

BahnFanFritzlar, Samstag, 04.07.2020, 07:50 (vor 2087 Tagen) @ 218 466-1

dem kann ich zustimmen.
Wenn es mir wichtig ist plane ich diese auch nicht in meiner Reisekette.

Ansonsten geniese ich die Unregelmäßigkeiten, Aufhebnung der Zugbindung, FGR usw.
Hauptsache mein Notebook ist Online

Kommt drauf an !

611 040, Erfurt, Samstag, 04.07.2020, 09:30 (vor 2087 Tagen) @ BahnFanFritzlar

Es gibt kurze Anschlüsse die klappen fast immer, und andere fast nie.
Ein Beispiel für erstere wäre Erndtebrück von der RB93 aus Siegen zur Kurhessenbahn nach Marburg. Sind nur 4min, haben aber bei allen meinen Fahrten geklappt da wir pünktlich waren oder gewartet wurde. Oder der Knoten Gera. Anschlüsse in die meisten Richtungen um die 10min. Klappt auch fast immer, wenn nicht einer sehr stark verspätet ist, wird gewartet. Oder Korbach wäre auch so ein Beispiel. Bin dort schon paar mal verspätet angekommen, aber es wird mit Augenmaß gehandelt und gewartet. Super !

Ein Negativbeispiel ist insgesamt der Knoten Siegen. Hab dort leider schon paar mal Anschlüsse verpasst. RE9 verspätet (leider ziemlich häufig) sodass noch 1min zur RB93 nach Bad Berleburg Übergang wäre. Aber die fährt uns vor der Nase weg.
Friedrichshafen Stadt genauso. RE aus Ulm verspätet, die RB nach Lindau wartet nicht 1-2min. Ist mir auch schon mehr als einmal passiert.

Und noch was topaktuelles:
Gerade eben, Paderborn Hbf. Oberweserbahn NWB RB85 von Göttingen kommt mit +5 an. (Leider in letzter Zeit öfter passiert) Also nix wie raus und rüber zu Gleis 2. RE11 soll 09.11 Uhr abfahren, 9.10Uhr ist es. Aber hat geklappt. Puh...
Ist aber bei Verspätung jedes Mal Zufall. Eine Minute mehr und er wär weg. Gewartet wird keine Sekunde. Hab schon mehrmals den RE11 verpasst.

Grüße 611 040
der auf einen 644 im Sauerland hofft (PESA-Nein danke!)

--
❤ 611, 612, 642, 644, 425, ICE-T, IC1 ❤

Re: Erlebniswelt Eisenbahn ...

michael_seelze, Freitag, 03.07.2020, 23:49 (vor 2087 Tagen) @ Der Blaschke
bearbeitet von michael_seelze, Freitag, 03.07.2020, 23:49

Der Amsterdamer zuckelt los, mit der angekündigten Verspätung donnert der Berliner rein. Lokführer und Zugpersonal sind motiviert und gut drauf. Die Zugchefin möchte sogar meine Einsatzverfügung sehen; vorbildlich korrekt. Da erwähne ich bei ihr auch das Bad Oeynhausen-Süd-Problem. Sie notiert sich das sogar. Später wird mir ein Zugchef aber sagen: "Glaubst du ernsthaft, dass das jemanden interessiert, was wir melden?" Äh, nö.

Warum bloß nicht. Da machen sich die Kunden schon Gedanken und investieren Energie in Meldungen und dann so etwas. Immerhin wird bei potentiellen Betriebsgefahren anders reagiert.

Tja, da blieb mir nur noch, ABC-Alarm zu geben; die abendliche Erhebung nach Bremerhaven war nun nicht mehr erreichbar. Also kurze Pause in Schwerte. Dann nach Hamm bummeln. Nach Münster bummeln. Nach Osnabrück bummeln. 4 Std früher daheim als geplant dank ausgefallener Erhebung, aber dafür auch Summe X nicht verdient.

Bei all den Bahnkenntnissen die vorhanden zu sein scheinen, kommt mir unweigerlich die Frage in den Sinn: Warum schlägt sich der Blaschke u.a. mit mehreren Fahrgasterhebungen (die ja, so man sie gewissenhaft durchführt, kein Zuckerschlecken sind) am Tag durch und ist nie bei einem EVU gelandet?

Re: Erlebniswelt Eisenbahn ...

sfn17, Samstag, 04.07.2020, 01:04 (vor 2087 Tagen) @ michael_seelze

Bei all den Bahnkenntnissen die vorhanden zu sein scheinen, kommt mir unweigerlich die Frage in den Sinn: Warum schlägt sich der Blaschke u.a. mit mehreren Fahrgasterhebungen (die ja, so man sie gewissenhaft durchführt, kein Zuckerschlecken sind) am Tag durch und ist nie bei einem EVU gelandet?

Da kann es viele Gründe geben. Fängt schon damit an, ob Der Blaschke es überhaupt wollen würde: sich an ein EVU zu binden.

Weiter die Frage, ob diese Bahnkenntnisse für das konkrete EVU überhaupt so direkt nützlich sind. Das EVU könnte ja auch das eigene Zub mal befragen.

Gelesen habe ich auch schon, dass die EVUs gar nicht so gerne Bahn-Fans nehmen. (...vielleicht, weil sie immer alles besser wissen wollen?).

Also...

Immer gute Fahrt allerseits!

Re: Erlebniswelt Eisenbahn ...

heinz11, Samstag, 04.07.2020, 10:59 (vor 2087 Tagen) @ michael_seelze

...
Bei all den Bahnkenntnissen die vorhanden zu sein scheinen, kommt mir unweigerlich die Frage in den Sinn: Warum schlägt sich der Blaschke u.a. mit mehreren Fahrgasterhebungen (die ja, so man sie gewissenhaft durchführt, kein Zuckerschlecken sind) am Tag durch und ist nie bei einem EVU gelandet?


Soweit bekannt ist, leidet er an einer speziellen Form der Allergie - gegen Chefs, Vorgesetzte und Plüschetagen. Das scheint sehr ausgeprägt zu sein und ein Medikament dagegen ist noch nicht gefunden.
;-)

Allergie ...

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Samstag, 04.07.2020, 18:20 (vor 2087 Tagen) @ heinz11
bearbeitet von Der Blaschke, Samstag, 04.07.2020, 18:21

Huhu.

Soweit bekannt ist, leidet er an einer speziellen Form der Allergie - gegen Chefs, Vorgesetzte und Plüschetagen. Das scheint sehr ausgeprägt zu sein und ein Medikament dagegen ist noch nicht gefunden.
;-)

Das gibt's bestimmt - aber ich nehme das nicht.

Ich habe ganz allgemein eine Allergie gegen Leute, die mir meinen Job erklären wollen, ohne selbst eine praktische Ahnung von meiner Tätigkeit zu haben. Häufig - und leider zunehmend!!!! - tritt dieses Phänomen nunmal bei der von dir genannten Zielgruppe auf. Natürlich nicht bei allen; es gibt lobenswerte Ausnahmen.

Gern erkläre ich der obigen Zielgruppe auch meine Sicht der Dinge - also quasi von der anderen Seite, von unten -, allerdings ist das recht selten wirklich erwünscht.

Die meisten sind froh, wenn der Arbeitstag vorbei geht, ohne dass was passierte, was mich zu einer Meldung animierte.

Schöne Grüße von jörg

der das Auseinanderdriften von Abi-Uni-Yuppi einerseits und körperlicher Arbeit unten an der Front andererseits für ein zunehmendes Problem des Wirtschaftslebens hält. Die Vermischung Schule-Arbeit-Abi-Arbeit-Uni-Arbeit-Karriere-Arbeit-Boss stirbt ja aus.

Fahrgastbefragungen sind Zuckerschlecken!

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Samstag, 04.07.2020, 18:05 (vor 2087 Tagen) @ michael_seelze

Huhu.

Bei all den Bahnkenntnissen die vorhanden zu sein scheinen, kommt mir unweigerlich die Frage in den Sinn: Warum schlägt sich der Blaschke u.a. mit mehreren Fahrgasterhebungen (die ja, so man sie gewissenhaft durchführt, kein Zuckerschlecken sind) am Tag durch und ist nie bei einem EVU gelandet?

Kein Interesse.

Derzeit gefallen mir meine 3 Jobs ganz prima. Immerhin bin ich sehr treu: 28,5 Jahre Zeitungszustellung. 16 Jahre Kurierfahrerei, 9 Jahre Fahrgastbefragungen (mit Pause dazwischen).

Und Fahrgastbefragung ist doch Zuckerschlecken! Man muss natürlich mit Menschen und Situationen umgehen können und immer wieder individuell reagieren.

Mit 99,642 Prozent der Fahrgäste gibt es auch überhaupt gar keine Probleme. Und auch Verweigerer sind überhaupt kein Problem, solange ein gewisser Umgangston gewahrt bleibt.

Leistungserschleicher kann ich schlussendlich nicht belangen. Ich kann sie an den Schaffner verpfiffen, wenn ich vor ihm da war. Oder ihnen eine Predigt halten. Das ist in gewisser Weise natürlich unbefriedigend - andererseits, da ich ja bei keinem EVU beschäftigt bin, entfällt der Druck, Summe X an FN pro Fahrt/Tag/Schicht zusammenbekommen zu müssen. Wie ich auch sonst keinen Druck habe. Was ich an Interviews schaffe, schaffe ich, was nicht, das nicht.

Man braucht natürlich gewisse Entertainer-Qualitäten. Aber ich bin Sternzeichen Zwilling, da sind die von Natur aus vorhanden. Und nach zig Jahren Fahrgastbefragungen könnte sich auch das ZDF melden wegen 'Wetten, dass ...?'. Ich hab gerne mal die ' Herausforderung' ' Kegelclubs', Fußballfans, Junggesellinnenabschiede etc und fahre gerne nächtliche Züge wie den Nachtstern Hannover z.B. Ich kann da individuell mit den verschiedenen Menschen umgehen und komme mit fast allen gut aus für die Dauer der gemeinsamen Fahrt.

Insofern mache ich den Job nicht, weil ich muss oder es grade nix besseres gibt - sondern weil er mir Freude macht und den Spaß am Zugfahren mit der Herausforderung des Umgangs mit vielen verschiedenen Menschen in unterschiedlichen Situationen verbindet. Und solange es mir gelingt, den meisten Kunden zu einem freundlichen Gesicht oder Lächeln zu animieren - und das auch mal morgens zm 6 im Pendlerzug - und sich so eine gewisse Lebensfreude bei allen Beteiligten ausdrückt, ist alles gut. Natürlich gibt's immer auch ein paar Verrückte, aber die gibt's überall.

Ich kann den Job nur empfehlen. Man sieht was. Man lernt was für's Leben. Und etwas Geld gibt's obendrein. Was will man mehr

Und auch wenn manch lange Tour bei vollbesetzten Hütte durchaus auch anstrengend ist - unterm Strich ist das Ganze deutlich, sehr deutlich mehr Zucker als Salz.

Schöne Grüße von jörg

Fahrgastbefragungen sind Zuckerschlecken?

michael_seelze, Samstag, 04.07.2020, 22:59 (vor 2086 Tagen) @ Der Blaschke
bearbeitet von michael_seelze, Samstag, 04.07.2020, 23:01

Leistungserschleicher kann ich schlussendlich nicht belangen. Ich kann sie an den Schaffner verpfiffen, wenn ich vor ihm da war. Oder ihnen eine Predigt halten. Das ist in gewisser Weise natürlich unbefriedigend - andererseits, da ich ja bei keinem EVU beschäftigt bin, entfällt der Druck, Summe X an FN pro Fahrt/Tag/Schicht zusammenbekommen zu müssen. Wie ich auch sonst keinen Druck habe. Was ich an Interviews schaffe, schaffe ich, was nicht, das nicht.

Aber auf die Zahlen schaut der AG doch sicher.

Ich kann den Job nur empfehlen. Man sieht was. Man lernt was für's Leben. Und etwas Geld gibt's obendrein. Was will man mehr

Eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit und einen schriftlichen Arbeitsvertrag zum Beispiel. Gibts bisweilen (oder meist/oft?) nicht.

Die 3 Merksätze des Lebens.

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Sonntag, 05.07.2020, 00:26 (vor 2086 Tagen) @ michael_seelze

Hey.

Wie ich auch sonst keinen Druck habe. Was ich an Interviews schaffe, schaffe ich, was nicht, das nicht.

Aber auf die Zahlen schaut der AG doch sicher.

Mit du mit AG den Auftraggeber meinst, dann stimmt das. Der schaut auch auf die Zahl der Verweigerer.

Ich habe damit aber kein Problem. Bin ja keine Schnarchnase. Und mit individueller Ansprache hält man auch die Verweigererquote im Durchschnitt.

Ich kann den Job nur empfehlen. Man sieht was. Man lernt was für's Leben. Und etwas Geld gibt's obendrein. Was will man mehr?

Eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit und einen schriftlichen Arbeitsvertrag zum Beispiel. Gibts bisweilen (oder meist/oft?) nicht.

Es gibt natürlich einen Vertrag. Schriftlich. Nämlich einen Honorarvertrag. Und an noch mehr Sozialabgaben habe ich kein Interesse; zahle ich schon in 2 Jobs. Das reicht. Rente bekomme ich eh keine und vielen Hartzlern finanziere ich deren Bequemlichkeit schon mit. Da tue ich genug soziales.

Ansonsten: niemand zwingt mich zu der Tätigkeit. Die kann ich sogar ohne große Kündigungsfrist beenden.

Ich bin jedenfalls mit meiner Situation zufrieden. Ich bin kein Millionär, arbeite in allen Jobs aber relativ frei und mit nur gewissem Leistungsdruck - beim Zeitungszustellen und Pillenfahren ist das kapitalistische 'höher, schneller, weiter' nur bedingt Thema. Und Fahrgäste kann ich nicht mehr zählen und interviewen als im Zug sind. Ich muss also nicht täglich überlegen, wie ich meine Umsatzzahlen erreiche, wie ich meine Position absichere, wie ich meine Stellung in der Gesellschaft festige usw usw. Muß keinen Haufen Steine ('Eigenheim' genannt) finanzieren und keine Familie. Das führt zu einem erholsamen Schlaf (wenn ich denn mal schlafe) und zu einem nervenschonenden Leben.

Für den Kapitalismus und das Fortbestehen der Menschheit bin ich allerdings verloren und nutzlos und gehöre eigentlich elemeniert.

Aber damit kann ich leben. ;-)

Die 3 Merksätze des Lebens:

Spüre die Welt.
Tue, was du willst.
Zahle den Preis.

Satz 3 wird immer vergessen. Jede Entscheidung hat einen Vorteil und einen Nachteil. Jeder trifft jede Entscheidung so, dass für ihn nach seiner Meinung die Vorteile die Nachteile überwiegen. Da es aber ohne Nachteile nicht geht, kann ich doch die Nachteile ignorieren und einfach die Vorteile genießen.

So einfach kann das Leben sein. Und so zufrieden kann man sein. Als fetter Mensch zeigt sich das auch nach außen und ruft bei den Leistungsträgern natürlich Wut und Ablehnung hervor. Dafür gilt ein Dicker in den unteren Schichten als vertrauenswürdig und ehrlich.

So, genug philosophiert, ab ins Bett. 7:29h ruft Bremerhaven.

Schöne Grüße von jörg

Erlebniswelt Eisenbahn ...

Alibizugpaar, Köln (im Herzen immer noch Göttinger), Samstag, 04.07.2020, 05:42 (vor 2087 Tagen) @ Der Blaschke

Erst die Kurhessenbahn zählen und dann nach Bremerhaven rüberwechseln zeugt auch nicht von effektiver Personaleinsatzplanung durch die Bahn. Bekommst Du die Zeit dazwischen bezahlt?

--
Gruß, Olaf

"Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite."

Goethe an Schiller 1797

S.i.w. sucht er sich die Touren selbst aus

Matze86, München, Samstag, 04.07.2020, 08:44 (vor 2087 Tagen) @ Alibizugpaar

- kein Text -

ich beplane mich selbst ...

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Samstag, 04.07.2020, 17:37 (vor 2087 Tagen) @ Alibizugpaar

Hey.

Erst die Kurhessenbahn zählen und dann nach Bremerhaven rüberwechseln zeugt auch nicht von effektiver Personaleinsatzplanung durch die Bahn.


Ich plane mich selbst. ;-)

Nix Bahnplanung. Ich bin als Selbständiger in verschiedenen Projekten tätig. Und da suche ich mir aus den freien Touren nach eigenem Gutdünken was raus, worauf ich Lust habe.

Bekommst Du die Zeit dazwischen bezahlt?

Aus der oben erwähnten Art und Weise ergibt sich für diese Frage logischerweise ein 'Nein' als Antwort. Aber das weiß ich ja vorher. ;-)


Schöne Grüße von jörg

ich beplane mich selbst ...

Gast, Samstag, 04.07.2020, 19:49 (vor 2087 Tagen) @ Der Blaschke

Wird eine Pauschale bezahlt, die sich irgendwie nach "normal langen" Anfahrten bemißt, oder könnten Sie von daher nur Aufträge vom Wohnort aus übernehmen?

ich beplane mich selbst ...

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Sonntag, 05.07.2020, 22:37 (vor 2086 Tagen) @ Gast

Hey.

Wird eine Pauschale bezahlt, die sich irgendwie nach "normal langen" Anfahrten bemisst,

Nein.

oder könnten Sie von daher nur Aufträge vom Wohnort aus übernehmen?

Wenn ich keine Gastfahrten in Kauf nehmen möchte: richtig. Dann geht's nur vom Wohnort.


Schöne Grüße von jörg

Erlebniswelt Eisenbahn ...

Lumi25, Samstag, 04.07.2020, 09:23 (vor 2087 Tagen) @ Der Blaschke

Du musst deinen Dienstplan einfach mit dem von "keksi" abstimmen, dann erreichst Du auch pünktlich alle Anschlüsse.

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