GR/MK/RS/HU: Rennbahn Budapest-Belgrad-Piraeus? (Allgemeines Forum)
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 05.06.2020, 15:56 (vor 2070 Tagen)
Hallo ICE-Fans,
Coronavirus oder nicht, Planungen gehen weiter, also auch die Planung neuer Renn- und Cargobahnen.
In diesem NL-Artikel war die Rede einer Rennbahn Budapest-Belgrad. Das konnte ich kaum glauben. Wiki behauptet auch, dass besagte Strecke bestenfalls "higher speed" wird.
Dieser Wiki-Passus "mag" ich (soll man als ICE-Fan eher nicht gut finden):
The port of Piraeus is still 4 to 8 days away by train from Belgrade, the 4 hours of saved travel time on the leg to Budapest are negligible. COSCO can already transport everything, so this new railway can't really help them.
Eine Google-Suche ergab allerdings dieses Dokument. Es war zu erwarten, und das Eröffnungsbild zeigt es schon: ein "China-ICE". Mit CN-Moneten soll die Strecke finanziert werden:
Last month, Hungary and Serbia moved one significant step closer to building a high-speed train line between Budapest and Belgrade when the Hungarian government officially secured a Chinese loan to bankroll the much-anticipated project.
Hmmm... "much-anticipated project"... von wem? Ungarn, Serbien, oder doch China?
Die restlichen Gedanken überlasse ich Euch.
gruß,
Oscar (NL).
--
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GR/MK/RS/HU: Rennbahn Budapest-Belgrad-Piraeus?
GibmirZucker, Freitag, 05.06.2020, 22:36 (vor 2069 Tagen) @ Oscar (NL)
Leider ist das ganze weder Fisch noch Vogel. Selbst kann/will Serbien und Ungarn die Strecke nicht kurzfristig bauen, freie Hand will auch niemand den Chinesen geben. Also geht das Rumheheule weiter. Dabei zeigen gerade in Afrika verschiedene Infrastrukturprojekte, dass chinesische Firmen durchaus in der Lage sind, sich den lokalen Gegebenheiten anzupassen. Man muss ihnen nur freie Hand geben, chinesische Ingenieure ohne Schikanen einreisen lassen, die Sorgen schon dafür, dass mit lokalen Arbeitskräften es schnell vorwärts geht.
GR/MK/RS/HU: Rennbahn Budapest-Belgrad-Piraeus?
Tabernaer, Irgendwo im grünen Nirgendwo, Freitag, 05.06.2020, 22:42 (vor 2069 Tagen) @ GibmirZucker
Leider ist das ganze weder Fisch noch Vogel. Selbst kann/will Serbien und Ungarn die Strecke nicht kurzfristig bauen, freie Hand will auch niemand den Chinesen geben. Also geht das Rumheheule weiter. Dabei zeigen gerade in Afrika verschiedene Infrastrukturprojekte, dass chinesische Firmen durchaus in der Lage sind, sich den lokalen Gegebenheiten anzupassen. Man muss ihnen nur freie Hand geben, chinesische Ingenieure ohne Schikanen einreisen lassen, die Sorgen schon dafür, dass mit lokalen Arbeitskräften es schnell vorwärts geht.
Die Frage ist doch zu welchem Preis kommen die Chinamänner zum Bauen. Nicht das man die Chinaleute die Strecke bauen lässt um danach dann die Strecke zurück kaufen zu müssen oder sonstwie Miete zu zahlen dafür. Ich meine sowas schon mal mit einer Autobahnbrücke in Portugal? Spanien? gelesen zu haben. Auch gibt es m.W.n. unrühmliche Beispiele aus Afrika mit div. Häfen. Der Chinamann kommt sicherlich nicht aus reiner Nächstenliebe zum Bauen oder weil er zu viel Geld hat und nicht weis wohin damit... ;)
GR/MK/RS/HU: Rennbahn Budapest-Belgrad-Piraeus?
heinz11, Freitag, 05.06.2020, 22:51 (vor 2069 Tagen) @ GibmirZucker
Leider ist das ganze weder Fisch noch Vogel. Selbst kann/will Serbien und Ungarn die Strecke nicht kurzfristig bauen, freie Hand will auch niemand den Chinesen geben. Also geht das Rumheheule weiter. Dabei zeigen gerade in Afrika verschiedene Infrastrukturprojekte, dass chinesische Firmen durchaus in der Lage sind, sich den lokalen Gegebenheiten anzupassen. Man muss ihnen nur freie Hand geben, chinesische Ingenieure ohne Schikanen einreisen lassen, die Sorgen schon dafür, dass mit lokalen Arbeitskräften es schnell vorwärts geht.
Da bist Du aber sehr blauäugig. China kauft sich gezielt in Größenordnungen in Afrika ein, um die Länder abhängig von sich zu machen und sich gleichzeitig strategisch wichtige Rohstoffe ausschließlich für sich zu sichern.
Und beim Umbau des Hafens von Piräus hat man sich einen Scheiß um lokale und europäische Lohn-und Arbeitsstandards geschert mit der Begründung, daß sei exterritoriales Gebiet. So weit ist es schon. China tritt heute mit dem kolonialen Gehabe auf, den man ehemals den europäischen Kolonialmächten vorgeworfen hat.
GR/MK/RS/HU: Rennbahn Budapest-Belgrad-Piraeus?
GibmirZucker, Samstag, 06.06.2020, 00:12 (vor 2069 Tagen) @ heinz11
Edle Beweggründe sind sicher nicht zu finden. Aber Beispiel Äthiopien; in fünf Jahren fast 800 km Hochleistungsstrecke gebaut. Natürlich primär für den Güterverkehr. Oder die Straßenbahn. Wenn ich täglich mit einer funktionierenden Straßenbahn zur Arbeit fahren kann und nicht im rostigen Kleinbus im Stau stehen muss, interessieren mich die Beweggründe des Erbauers wenig. Und es gibt derzeit keine Anhaltspunkte dafür, dass China sich nur im Ansatz derart daneben benehmen würde, wie es Belgier, Franzosen etc. in Afrika getan haben.
Wenn mich der Chinese in zweieinhalb Stunden von Budapest nach Belgrad bringt, nehme ich das Angebot gerne entgegen.
Global Player China
Jäkii, Samstag, 06.06.2020, 07:09 (vor 2069 Tagen) @ GibmirZucker
Wenn die Straßenbahn in Addis Abeba dann funktionieren würde und zuverlässig wäre: Süddeutsche Zeitung. Der Artikel ist zwar zwei Jahre alt und die Situation kann sich verbessert haben, aber zumindest Deutsche Welle reißt in einer Bilderreihe zu autofreien Sonntagen in der äthiopischen Hauptstadt nochmal kurz das Problem an (vor einem Jahr).
Aus persönlicher Erfahrung aus Mosambik kenne ich die Investitionsfreude der Chinesen, die aber vor Ort total fehl am Platz wirkt.
Global Player China
GibmirZucker, Samstag, 06.06.2020, 11:12 (vor 2069 Tagen) @ Jäkii
Der Bericht der Süddeutschen Zeitung widerspricht einem Erfahrungsbericht eines Bekannten, der später vor Ort war und restlos begeistert von der Angebotsqualität der Straßenbahn. Ich kann beides leider nicht verifizieren. Aber danke für den Link.
Das ist ein Trauerspiel.
ktmb, Samstag, 06.06.2020, 10:54 (vor 2069 Tagen) @ Oscar (NL)
Die EU sollte doch selbst in der Lage sein, entsprechende Investitionen in die Infrastruktur zu fördern. So lässt man eine Diktatur ohne Abwehr gewähren.
Sammelantwort.
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 08.06.2020, 09:49 (vor 2067 Tagen) @ Oscar (NL)
GibMirZucker:
Leider ist das ganze weder Fisch noch Vogel. Selbst kann/will Serbien und Ungarn die Strecke nicht kurzfristig bauen, freie Hand will auch niemand den Chinesen geben. Also geht das Rumgeheule weiter. Dabei zeigen gerade in Afrika verschiedene Infrastrukturprojekte, dass chinesische Firmen durchaus in der Lage sind, sich den lokalen Gegebenheiten anzupassen. Man muss ihnen nur freie Hand geben, chinesische Ingenieure ohne Schikanen einreisen lassen, die Sorgen schon dafür, dass mit lokalen Arbeitskräften es schnell vorwärts geht.
Ich habe den Eindruck, dass die EU lieber in spanische Rennbahnen investiert als in z.B. die vier Länder im Themastart. Etwas mit Lobbys und Renditen und so (wobei ich mich wundere, wie gut die spanischen Rennbahnen wirklich rentieren). Das führt dann zum Sentiment der Zweiträngigkeit in HU/RS/MK/GR. Und die Chinesen wissen das. Also zielen die vor allem auf die Regionen, wo es an Infra fehlt und wo die Zukunft nicht gerade hell aussieht.
Aber Beispiel Äthiopien; in fünf Jahren fast 800 km Hochleistungsstrecke gebaut. Natürlich primär für den Güterverkehr.
Welche Güter werden da transportiert?
a. Güter, die Äthiopien selber braucht
b. Güter, die China braucht, aber nicht in China vorhanden sind
Ähnliche Frage für die Strecke Piraeus-Budapest: welche Güter sollen da transportiert werden? Vermutlich nicht die Güter, die dort erstellt werden. Dafür reicht die bestehende Infra aus; ich habe zumindest noch nichts über einen Verkehrsinfarkt in Mittel-/Osteuropa gelesen.
Es durfte sich eher um massenhaft produzierte Billigware aus China handeln. Mit tausenden Containern zugleich auf Ozeanriesen verschifft. Das ganze kommt dann in Piraeus an und wird dort auf die Bahn verlagert, mit Zielorten kreuz und quer durch Europa.
Zudem kann man die Frage stellen, wieso Piraeus-Budapest eine Rennbahn werden soll, wenn es primär um Gütertransport geht.
Tabernaer:
Die Frage ist doch zu welchem Preis kommen die Chinamänner zum Bauen...
...Der Chinamann kommt sicherlich nicht aus reiner Nächstenliebe zum Bauen oder weil er zu viel Geld hat und nicht weis wohin damit... ;)
Also Geld durfte den Chinesen zwar wichtig sein, aber nicht so wichtig wie EINFLUSS.
ktmb:
Die EU sollte doch selbst in der Lage sein, entsprechende Investitionen in die Infrastruktur zu fördern. So lässt man eine Diktatur ohne Abwehr gewähren.
Also in der Lage schon. Vor einigen Wochen hatte die EU sich für einen Förderprogramm zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Coronakrise ausgesprochen. S.i.w. eine dreizehnstellige Zahl an Euros.
Aber auch bereitwillig? Bin ich mir nicht sicher. Kann es sein, dass die EU lieber die ernsthaft getroffenen Verkehre auf den italienischen Rennbahnen wieder zu Normalzustand bringt, als in neue Rennbahnen durch dünnbevölkerte Regionen investiert?
gruß,
Oscar (NL).
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Sammelantwort.
GibmirZucker, Montag, 08.06.2020, 17:42 (vor 2067 Tagen) @ Oscar (NL)
Natürlich sind Gedanken im Spiel, mehr Waren im chinesischen Hafen abzulaufen und über Belgrad nach Mitteleuropa zu transportieren, statt über Genua oder Amsterdam. Wie günstig Piräus für die Chinesen liegt, weiß ich nicht (Suez-Kanal wäre ein Vorteil für Piräus). Über Gibraltar wohl eher nicht.
Natürlich. China hat einen Hafen in Piräus. Und chinesische Waren werden nach Europa transportiert. Logisch dass man das Geschäft nicht ausländischen Häfen überlassen wird.
Dass es eine echte Rennstrecke wird, glaube ich nicht. Die Mehrkosten sind ja überschaubar, ob eine Strecke für 160 oder 200-250 gebaut wird.
Sammelantwort.
Re 8/12, Winterthur, Mittwoch, 10.06.2020, 14:57 (vor 2065 Tagen) @ Oscar (NL)
Dieser Wiki-Passus "mag" ich (soll man als ICE-Fan eher nicht gut finden):
The port of Piraeus is still 4 to 8 days away by train from Belgrade, the 4 hours of saved travel time on the leg to Budapest are negligible. COSCO can already transport everything, so this new railway can't really help them.
Den Passus sollte man nicht nur als ICE-, sondern vor allem auch als Wiki-Fan nicht gut finden. Laut Satzungen der Enzykopädieprojekts sind solche personliche Einschätzungen und Theriebildungen nämlich zu vermeiden.
Zudem kann man die Frage stellen, wieso Piraeus-Budapest eine Rennbahn werden soll, wenn es primär um Gütertransport geht.
Der Güterverkehr dürfte eine solche Strecke kaum voll auslasten. Und mit Blick auf den Klimaschutz wäre es doch wahrlich nicht daneben, wenn man Griechenland auch auf dem Landweg innert einigermassen nützlicher Frist erreichen könnte.
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