Bahnhof Zoo vor 20 Jahren(Video) (Allgemeines Forum)

Heeni, Hamburg, Donnerstag, 08.04.2010, 15:27 (vor 5962 Tagen)

Mahlzeit!

Habe grade folgendes Video bei Spiegel-Online gefunden.

Es handelt über einen Tag am Berliner Bahnhof Zoo und stellt als Hauptaspekt das "Leben im und am Bahnhof" dar. Eisenbahntechnisch ist kaum etwas enthalten.

Schön einen Eindruck zu bekommen wie es mal 1990 war.

Heeni

--
So lange es voran geht, kommt man weiter!

Bahnhof Zoo vor 20 Jahren(Video)

ICE-T Andernach, Donnerstag, 08.04.2010, 15:52 (vor 5962 Tagen) @ Heeni

Vielen Dank für das Video!
Schon erschreckend, was damals schon dort abging!

Bahnhof Zoo vor 20 Jahren(Video)

Yassakka, Berlin, Donnerstag, 08.04.2010, 16:28 (vor 5962 Tagen) @ ICE-T Andernach

Schon erschreckend, was damals schon dort abging!

Wie sieht's denn da eigentlich heute aus? Immer noch so schlimm oder hat sich da was getan?

Aktueller Zustand

Holger_HAM, Hamm (Westfalen), Donnerstag, 08.04.2010, 18:45 (vor 5962 Tagen) @ Yassakka

Hallo,

Schon erschreckend, was damals schon dort abging!


Wie sieht's denn da eigentlich heute aus? Immer noch so schlimm oder hat sich da was getan?

also gebäudetechnisch sieht es schlimmer aus als im Film. Aber eine offene "Szene" gibt es im Bahnhof nicht mehr.

Der bauliche Zustand ist leider ziemlich verlottert, sobald man den Bereich der Bahnsteige verlässt. Es müsste richtig durchgeputzt werden und eine moderne Beleuchtung installiert werden, dann wäre schon viel gewonnen. In der Bahnsteighalle wirkt es recht finster, weil wohl die Einnahmen durch einen blickdichten Werbevorhang wichtiger sind, als eine ordentliche Atmosphäre im Bahnhof. Sehr schade ist auch, dass das Restaurant geschlossen ist. Der Bahnhof ist kein Totalsanierungsfall, jedoch müsste dringend was geschehen. Naja, auch die anderen Bahnhöfe der Stadtbahn müssten dringend durchgeputzt werden. Sehr unangenehm finde ich den Bahnhof Alexanderplatz mit den stinkenden Fressbuden am Durchgang zur Brücke, unter der auch die Straßenbahn fährt. Also wenn das Nahrungsmittel sein sollen, die da so stinken, dann würde ich die Finger davon lassen. Und Friedrichstraße, hmmh, geht so, finde ich. Also prickelnd ist mit Ausnahme vom Hauptbahnhof kein Bahnhof an der Stadtbahn.

Der Ostbahnhof ist für mich persönlich der Bahnhof mit dem höchsten Nutzwert. Die Wege sind kurz, ich habe alle wichtigen Geschäfte da, wenig bis kein Schickimickikram, der Kaufhof ist nebenan. Mehr brauche ich nicht.

--
Viele Grüße aus Hamm in Westfalen,
Holger
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Aktueller Zustand

Burkhard, Donnerstag, 08.04.2010, 18:57 (vor 5962 Tagen) @ Holger_HAM

Tach zusammen.

Naja, auch die anderen Bahnhöfe der Stadtbahn müssten dringend durchgeputzt werden.

Als ich in den letzten Tagen ein wenig in Berlin unterwegs war, war ich vor allem darüber erschrocken, wie viele Rolltreppen an den wichtigen Bahnhöfen der Stadtbahn kaputt waren - hinzu kam auch der ganze Dreck.

Allerdings war ich auch über den Zustand der S-Bahn schockiert - völlig verdreckte Fahrzeuge! Dagegen ist Regio NRW ja geradezu sauber.

Aktueller Zustand

RhBDirk, Donnerstag, 08.04.2010, 19:19 (vor 5962 Tagen) @ Burkhard

Als ich in den letzten Tagen ein wenig in Berlin unterwegs war, war ich vor allem darüber erschrocken, wie viele Rolltreppen an den wichtigen Bahnhöfen der Stadtbahn kaputt waren - hinzu kam auch der ganze Dreck.

Allerdings war ich auch über den Zustand der S-Bahn schockiert - völlig verdreckte Fahrzeuge! Dagegen ist Regio NRW ja geradezu sauber.

Wann warst Du in Berlin? Ich war am 1. April dort (kein Scherz). Da sind mir auch jede Menge defekter Rolltreppen aufgefallen. Auch am Hbf. Über den Zustand der S Bahnfahrzeuge, die mich beförderten konnte ich nicht meckern.

Aktueller Zustand

Burkhard, Donnerstag, 08.04.2010, 19:59 (vor 5962 Tagen) @ RhBDirk

Wann warst Du in Berlin? Ich war am 1. April dort (kein Scherz). Da sind mir auch jede Menge defekter Rolltreppen aufgefallen. Auch am Hbf.

An den ersten drei Tagen dieser Woche ;)
Solche Zustände bin ich aus NRW und Umgebung (nicht mehr) gewohnt. Es gibt zwar auch hier "Problemkinder", zB die legendären Rolltreppen am Dortmunder Hbf, aber in der Regel läuft es überall ganz gut - eine kaputte Rolltreppe in Essen, Gelsenkirchen, Düsseldorf fällt wirklich auf, weil es (inzwischen) so selten ist.

Über den Zustand der S Bahnfahrzeuge, die mich beförderten konnte ich nicht meckern.

Ich bin nur mit dreien gefahren - aber die waren allesamt dermaßen versaut....

DB investiert 250 Millionen Euro... ;-)

RhBDirk, Donnerstag, 08.04.2010, 20:16 (vor 5962 Tagen) @ Burkhard
bearbeitet von RhBDirk, Donnerstag, 08.04.2010, 20:16

Grad passend:
...in Berlin

DB investiert 250 Millionen Euro... ;-)

sunshine, Donnerstag, 08.04.2010, 20:40 (vor 5962 Tagen) @ RhBDirk

Also als Berliner staune ich, dass bei uns alles so mies sein soll. Ich gebe Recht, dass der Bahnhof Alexanderplatz nicht eben schick aussieht im Gegensatz noch vor ein paar Jahren. Hie läuft seit Herbst 2009 ein Programm des Infrastrukturbetreibers DB Station&Service zur Verbesserung der Qualität vom Bahnhof.

Das die eine oder andere S-Bahn Zug nicht wie gewünscht vorgefunden wird kann ich nachvollziehen, jedoch ist ein Regelzustand. Und nicht alles bei der Berliner S-Bahn ist oder war schlecht. Aber zurzeit nehme ich in Kauf das die S-Bahn fährt und der Zug mal etwas "unsauber " ist als das er ausfällt. Leider gibt es noch nicht so große Reserven das man wegen jeder "Kleinigkeit" den Zug austauschen könnte. Zumal ich anmerken möchte das Ostern stattfand und bekannt ich die Züge nachts durchfahren und zum Teil Partyspuren hinter bleiben.

Zu den Rolltreppen: Am Alexanderplatz und Friedrichstraße läuft noch der Austausch der letzten Rolltreppen gegen neue. Jede neue Rolltreppe entspricht den technischen Anforderungen an die Sicherheit. Dazu zählt unter anderem die Vielzahl von Nothaltaster. Leider werden diese oftmals durch Jugendliche, Partygängern etc. missbraucht und kommen somit zum stehen. Hier sieht es natürlich in erster Linie aus als wären diesen defekt. Nun bitte ich aber keine Debatte loszutreten, warum die Rolltreppen keine Bahnmitarbeiter zum Beispiel Service wider einschalten. Das dürfen die Mitarbeiter schlicht nicht. Und das ist auch gut so. Nur geschultes Personal darf die Rolltreppen in Betrieb setzen. Die Rolltreppe könnte nämlich auch durch einen technischen Defekt gestoppt haben der für einen Laien ist dieser nicht auf den ersten Blick sichtbar. Und beim wider einschalten Entstand so manch großer Folgeschaden. Eine Stufe einer Rolltreppe ist nicht mal eben nicht um die Ecke für 2,50 € zu kaufen.

DB investiert 250 Millionen Euro... ;-)

Burkhard, Donnerstag, 08.04.2010, 20:49 (vor 5962 Tagen) @ sunshine

Zu den Rolltreppen: Am Alexanderplatz und Friedrichstraße läuft noch der Austausch der letzten Rolltreppen gegen neue. Jede neue Rolltreppe entspricht den technischen Anforderungen an die Sicherheit. Dazu zählt unter anderem die Vielzahl von Nothaltaster. Leider werden diese oftmals durch Jugendliche, Partygängern etc. missbraucht und kommen somit zum stehen. Hier sieht es natürlich in erster Linie aus als wären diesen defekt. Nun bitte ich aber keine Debatte loszutreten, warum die Rolltreppen keine Bahnmitarbeiter zum Beispiel Service wider einschalten. Das dürfen die Mitarbeiter schlicht nicht. Und das ist auch gut so. Nur geschultes Personal darf die Rolltreppen in Betrieb setzen. Die Rolltreppe könnte nämlich auch durch einen technischen Defekt gestoppt haben der für einen Laien ist dieser nicht auf den ersten Blick sichtbar. Und beim wider einschalten Entstand so manch großer Folgeschaden. Eine Stufe einer Rolltreppe ist nicht mal eben nicht um die Ecke für 2,50 € zu kaufen.

Hallo.

Also ganz ehrlich: Von Rolltreppen scheinst Du nicht wirklich viel Ahnung zu haben.
Moderne Rolltreppen schalten sich nach Nothalt ganz von alleine wieder an. Und die sind auch soweit überwacht, dass - vereinfacht - jede Putzkraft eine Rolltreppe wieder in Betrieb nehmen kann, wenn sie sich aus bestimmten Gründen eben nicht wieder einschaltet.
Ansonsten kann auch der Laie sehr gut erkennen, ob eine Rolltreppe "nur" mal steht, oder ob sie schon etwas länger ausgefallen ist.

Aktueller Zustand

Frank Winkel, Freitag, 09.04.2010, 18:50 (vor 5961 Tagen) @ Holger_HAM

also gebäudetechnisch sieht es schlimmer aus als im Film. Aber eine offene "Szene" gibt es im Bahnhof nicht mehr.

Zu Mauerzeiten war der Bahnhof Zoo ein Schandfleck.

Der bauliche Zustand ist leider ziemlich verlottert, sobald man den Bereich der Bahnsteige verlässt.

Das stimmt allerdings.

Sehr unangenehm finde ich den Bahnhof Alexanderplatz mit den stinkenden Fressbuden am Durchgang zur Brücke, unter der auch die Straßenbahn fährt. Also wenn das Nahrungsmittel sein sollen, die da so stinken, dann würde ich die Finger davon lassen.

Manchmal stinkt es sehr doll. Gerade auf der Seite mit der Straßenbahnhaltestelle Alexanderplatz/Gontardstraße.

Bahnhof Zoo vor 20 Jahren(Video)

cheaper1511, Freitag, 09.04.2010, 00:16 (vor 5961 Tagen) @ Heeni

Hallo,

ich hätte da mal eine Verständnisfrage:

Da im Film noch von der DDR die Rede ist, die freie Einreise aber schon möglich war, muss der Film ca. Anfang/Mitte 1990 gedreht worden sein. Die DR gab es bis 1993(?).

Ich dachte, der Bahnhof Zoo war der "Westberliner Hbf": Wieso wurde er dann von der DR betrieben (= befand sich doch auf Westberliner Boden)? Ich weiß zwar, dass die gesamte Berliner S-Bahn durch die (D)DR betrieben worden ist, aber man musste doch glaube vom Osten kommend an der Friedrichstraße aussteigen und den Zoll passieren (bzw. wieder in den Osten fahren). Das heißt, die S-Bahn wurde komplett "geleert" und dann wieder "gefüllt" - und das auf Westgebiet (= Friedrichstraße? Schon komische Vorstellung, dass dann bereits vor Mauerfall DR-Personal in Westberlin den Dienst verrichtet haben sollen...

Zum Betrieb vor 20 Jahren

Holger_HAM, Hamm (Westfalen), Freitag, 09.04.2010, 05:38 (vor 5961 Tagen) @ cheaper1511

Hallo,
die S-Bahn (Ost) auf der Stadtbahn endete in Friedrichstraße im heutigen S-Bahn-Bereich, der durch eine hohe Sichtschutzwand vom übrigen Bahnhof abgetrennt war. Der heutige Regio-Teil der Friedrichstraße war sowohl Grenzbahnhof für Fernzüge, wie auch der Endpunkt für die S-Bahn (West). Es gab keinen durchgängigen S-Bahn-Verkehr auf der Stadtbahn. Den gab es aber im unterirdischen Teil. Gehalten wurde dann aber auf Ostberliner Gebiet nur in der Friedrichstraße, die anderen Stationen wurden ohne Halt durchfahren, sog. "Geisterbahnhöfe".

Die Betriebsdurchführung müsste auch in Westberlin komplett in Händen der DR gelegen haben. Lediglich die S-Bahn (West) wurde 1984 in Eigenregie von der Westberliner BVG betrieben.

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Viele Grüße aus Hamm in Westfalen,
Holger
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DR in West-Berlin

Heeni, Hamburg, Freitag, 09.04.2010, 12:30 (vor 5961 Tagen) @ Holger_HAM

Mahlzeit!

Folgender wiki-Artikel erklärt einiges zur "Lage" von und zwischen Reichsbahn, Bundesbahn und BVG.

Einfach war es wohl nicht.
Habe den Artikel selbst vor einiger Zeit gelesen und mich auch mit den etlichen Querverweisen für Berlin beschäftigt. Sehr sehr interessant wie es hier mal war!

Heeni

--
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DR in West-Berlin

cheaper1511, Freitag, 09.04.2010, 13:49 (vor 5961 Tagen) @ Heeni

Einfach war es wohl nicht.
Habe den Artikel selbst vor einiger Zeit gelesen und mich auch mit den etlichen Querverweisen für Berlin beschäftigt. Sehr sehr interessant wie es hier mal war!

Heeni

Liebe Heeni,

Danke für den Tipp. Ich selbst kenne Berlin nur von den Erzählungen meiner Oma und einem Tagesausflug 1995.

Ich kann mir aber das immer noch nicht so ganz vorstellen:
Also das DR-Personal im "Westen" waren bestimmt auch BRD-Bürger, ansonsten wäre doch die Fluchtgefahr viel zu groß (= "Republikflucht"; ein Widerspruch in sich).

Interessant ist bei Wikipedia aber auch der Aufbau des Bahnhofs "Friedrichstraße", der offensichtlich (teilweise) als Westterritorium zu betrachten war, und dessen U-Bahn-/S-Bahn-Tunnel wohl ein inoffizieller Übergang war. Dennoch kann ich mir das nicht so ganz vorstellen und Bilder konnte ich dazu im Netz nicht finden. Der zugehörige Wikipedia-Artikel ist zwar sehr interessant, aber leider nur mit wenigen Bildern illustriert. Sogar auf den Gleisen selbst bestanden Sicherheitsvorkehrungen, die eine Durchfahrt der Züge verhinderten (= nicht alle Gleise waren unterbrochen).

Aber warum legte man einen "West"-FERN-Bahnhof im Osten an?

@Heeni: Tragen die Bahnhöfe Zoo und vor allem Friedrichstraße noch Spuren der Vergangenheit?

Ich finde immer, das ist ein zweischneidiges Schwert:
Einerseits sollten wir mit diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte abschließen, und entsprechende Spuren verwischen. Andererseits ist es wichtig zu verstehen, wozu ein derartiges Regime führen kann. So kann ich bspw. nicht nachvollziehen, wie das Leben im "Osten" gewesen ist, welchen Ängsten die Menschen dort täglich ausgesetzt waren, und was sie dazu bewegt hat, und eine Flucht zu wagen, die (teilweise) überhaupt keine Aussicht auf Erfolg hat: Ich denke da speziell an journalistische Bilder - von westlicher Seite aus gedreht - über einen ca. 20jährigen Jungen Mann, der versucht, über einen Grenzübergang zu fliehen. Er wurde natürlich sofort geschnappt und abgeführt; aber wie schlimm, muss das für den Journalisten gewesen sein (= ebenso für die "West"-Polizei) nur einen Steinwurf entfernt zu stehen und dennoch soweit entfernt, dass sie nichts unternehmen können. Ganz genau diese Impressionen müssen lebendig gehalten werden, vor allem in der heutigen Zeit.

DR in West-Berlin

Burkhard, Freitag, 09.04.2010, 13:59 (vor 5961 Tagen) @ cheaper1511

Also das DR-Personal im "Westen" waren bestimmt auch BRD-Bürger, ansonsten wäre doch die Fluchtgefahr viel zu groß (= "Republikflucht"; ein Widerspruch in sich).

Für Aufgaben auf dem West-Gebiet konnte man auch gut DDR-Bürger einsetzen, bei denen keine Fluchtgefahr bestand, weil sie zum Beispiel "Frau und Kinder" zuhause hatten. Im Zweifelsfall wären diese anschließend Repressalien ausgesetzt gewesen.

DR in West-Berlin

liebe70, Freitag, 09.04.2010, 16:46 (vor 5961 Tagen) @ Burkhard

Also das DR-Personal im "Westen" waren bestimmt auch BRD-Bürger, ansonsten wäre doch die Fluchtgefahr viel zu groß (= "Republikflucht"; ein Widerspruch in sich).


Für Aufgaben auf dem West-Gebiet konnte man auch gut DDR-Bürger einsetzen, bei denen keine Fluchtgefahr bestand, weil sie zum Beispiel "Frau und Kinder" zuhause hatten. Im Zweifelsfall wären diese anschließend Repressalien ausgesetzt gewesen.

Das stimmt so nicht. Es gab beispielsweise Magdeburger und Potsdamer Zub, die im sogenannten "I-Plan" fuhren. Sie waren das DR-Zub für die durchgehenden Züge von und nach Westberlin, mußten SED-Mitglied sein und waren teilweise auch als IM tätig. Sie bekamen zu DDR-Zeiten als einzige Zub pro Schicht 5-10 DM als Verpflegungsgeld.

"Fluchtgefahr" bestand darum keine.

Gruß, Ralf

DR in West-Berlin

Burkhard, Freitag, 09.04.2010, 18:58 (vor 5961 Tagen) @ liebe70

Für Aufgaben auf dem West-Gebiet konnte man auch gut DDR-Bürger einsetzen, bei denen keine Fluchtgefahr bestand, weil sie zum Beispiel "Frau und Kinder" zuhause hatten. Im Zweifelsfall wären diese anschließend Repressalien ausgesetzt gewesen.


Das stimmt so nicht. Es gab beispielsweise Magdeburger und Potsdamer Zub, die im sogenannten "I-Plan" fuhren. Sie waren das DR-Zub für die durchgehenden Züge von und nach Westberlin, mußten SED-Mitglied sein und waren teilweise auch als IM tätig. Sie bekamen zu DDR-Zeiten als einzige Zub pro Schicht 5-10 DM als Verpflegungsgeld.

Und wo ist jetzt der Widerspruch?

DR in West-Berlin

liebe70, Freitag, 09.04.2010, 20:12 (vor 5961 Tagen) @ Burkhard

Für Aufgaben auf dem West-Gebiet konnte man auch gut DDR-Bürger einsetzen, bei denen keine Fluchtgefahr bestand, weil sie zum Beispiel "Frau und Kinder" zuhause hatten. Im Zweifelsfall wären diese anschließend Repressalien ausgesetzt gewesen.


Das stimmt so nicht. Es gab beispielsweise Magdeburger und Potsdamer Zub, die im sogenannten "I-Plan" fuhren. Sie waren das DR-Zub für die durchgehenden Züge von und nach Westberlin, mußten SED-Mitglied sein und waren teilweise auch als IM tätig. Sie bekamen zu DDR-Zeiten als einzige Zub pro Schicht 5-10 DM als Verpflegungsgeld.


Und wo ist jetzt der Widerspruch?

Warum sollte beispielsweise der Genosse APO-Sekretär* des I-Plans seine in der DDR-Gesellschaft hervorgehobene Position gegen ein Dasein "einer von vielen" tauschen?

In der DDR ist er zu einem bestimmten Teil auf der Sonnenseite und in der BRD? Einer von vielen. Das soll erstrebenswert sein?

Der Zub im I-Plan der DR:
* er ist Mitglied der SED und "Parteivorsitzender" der SED-MItglieder im I-Plan
* er kommt regelmäßig in den Westen
* er bekommt zusätzlich "Westgeld" und hat dadurch bestimmte Privilegien
* er fährt ein "besseres" Auto
* er hat eine vernünftige Wohnung
* er hat Telefon

Alles zusammen: er ist was besseres als der Durchschnitt.

Der Zub in der BRD dagegen:
* er bekommt "Westgeld" (bekommt in der BRD im Regelfall jeder weil nationale Währung)
* er fährt einen "Westwagen" (hat auch jeder)
* er hat Telefon (Na? - Hat auch jeder)
* er hat auch nicht die letzte Butze (die haben viele andere auch nicht)
* vielleicht ist er noch Beamter

Alles zusammen ist nur Durchschnitt.

Ist es erstrebenswert Durchschnitt zu sein? Und dafür sollte er eine Republikflucht wagen? Wenn sie schiefgeht (wie fast alle), verliert er alles. Falls sie gutgeht: Er kann sich auch von Frau und Kindern, die in der DDR blieben, lossagen und ein neues Leben beginnen. Dann haben nur die zurückgebliebene Frau nebst der Kinder in der DDR die A***-Karte.

Manche Menschen legen mehr Wert auf Position und "jemand zu sein", als meinetwegen schon die halbe Welt bereist zu haben.

Der Genosse DR-Zub weiß nämlich auch aufgrund des Zusammentreffens mit den DB-Kollegen, daß man sich im "goldenen Westen" zwar alles kaufen kann, aber man muß dazu das nötige (Klein-)Geld haben.

Gruß, Ralf

*APO-Sekretär: Sekretär der Abteilungsparteiorganisation in der SED

DR in West-Berlin

cheaper1511, Freitag, 09.04.2010, 21:49 (vor 5961 Tagen) @ liebe70

Für Aufgaben auf dem West-Gebiet konnte man auch gut DDR-Bürger einsetzen, bei denen keine Fluchtgefahr bestand, weil sie zum Beispiel "Frau und Kinder" zuhause hatten. Im Zweifelsfall wären diese anschließend Repressalien ausgesetzt gewesen.


Das stimmt so nicht. Es gab beispielsweise Magdeburger und Potsdamer Zub, die im sogenannten "I-Plan" fuhren. Sie waren das DR-Zub für die durchgehenden Züge von und nach Westberlin, mußten SED-Mitglied sein und waren teilweise auch als IM tätig. Sie bekamen zu DDR-Zeiten als einzige Zub pro Schicht 5-10 DM als Verpflegungsgeld.


Und wo ist jetzt der Widerspruch?


Warum sollte beispielsweise der Genosse APO-Sekretär* des I-Plans seine in der DDR-Gesellschaft hervorgehobene Position gegen ein Dasein "einer von vielen" tauschen?

In der DDR ist er zu einem bestimmten Teil auf der Sonnenseite und in der BRD? Einer von vielen. Das soll erstrebenswert sein?

Der Zub im I-Plan der DR:
* er ist Mitglied der SED und "Parteivorsitzender" der SED-MItglieder im I-Plan
* er kommt regelmäßig in den Westen
* er bekommt zusätzlich "Westgeld" und hat dadurch bestimmte Privilegien
* er fährt ein "besseres" Auto
* er hat eine vernünftige Wohnung
* er hat Telefon

Alles zusammen: er ist was besseres als der Durchschnitt.

Der Zub in der BRD dagegen:
* er bekommt "Westgeld" (bekommt in der BRD im Regelfall jeder weil nationale Währung)
* er fährt einen "Westwagen" (hat auch jeder)
* er hat Telefon (Na? - Hat auch jeder)
* er hat auch nicht die letzte Butze (die haben viele andere auch nicht)
* vielleicht ist er noch Beamter

Alles zusammen ist nur Durchschnitt.

Ist es erstrebenswert Durchschnitt zu sein? Und dafür sollte er eine Republikflucht wagen? Wenn sie schiefgeht (wie fast alle), verliert er alles. Falls sie gutgeht: Er kann sich auch von Frau und Kindern, die in der DDR blieben, lossagen und ein neues Leben beginnen. Dann haben nur die zurückgebliebene Frau nebst der Kinder in der DDR die A***-Karte.

Manche Menschen legen mehr Wert auf Position und "jemand zu sein", als meinetwegen schon die halbe Welt bereist zu haben.

Der Genosse DR-Zub weiß nämlich auch aufgrund des Zusammentreffens mit den DB-Kollegen, daß man sich im "goldenen Westen" zwar alles kaufen kann, aber man muß dazu das nötige (Klein-)Geld haben.

Gruß, Ralf

*APO-Sekretär: Sekretär der Abteilungsparteiorganisation in der SED

Danke für diese (sehr) detaillierten Informationen, wirklich hochgradig interessant und ein guter Einwand! Ich muss zugeben, dass man hier wohl gründlicher einer "Republikflucht" vorgebeut hat als ich gedachte...

DR in West-Berlin

cheaper1511, Freitag, 09.04.2010, 21:23 (vor 5961 Tagen) @ Burkhard

Und wo ist jetzt der Widerspruch?

Mit "Widerspruch" meinte ich eigentlich nur den Tatbestand der "Republikflucht", da man hiermit ja klar zu verstehen gibt, dass es der Bevölkerung nicht gestattet ist, das Land zu verlassen: Natürlich war das de facto so, aber offiziell wollte man sich ja nur vom Kapitalismus - also vor Immigranten und nicht Emmigranten - schützen.

DR in West-Berlin

liebe70, Freitag, 09.04.2010, 16:36 (vor 5961 Tagen) @ cheaper1511

Ich kann mir aber das immer noch nicht so ganz vorstellen:
Also das DR-Personal im "Westen" waren bestimmt auch BRD-Bürger, ...

Waren sie auch.

Interessant ist bei Wikipedia aber auch der Aufbau des Bahnhofs "Friedrichstraße", der offensichtlich (teilweise) als Westterritorium zu betrachten war, und dessen U-Bahn-/S-Bahn-Tunnel wohl ein inoffizieller Übergang war.

Steht auch so im Wikipediaartikel.

Dennoch kann ich mir das nicht so ganz vorstellen und Bilder konnte ich dazu im Netz nicht finden.

Die wird es auch nicht geben, denn wer wußte damals schon, wie die Geschichte sich verändert?

Aber warum legte man einen "West"-FERN-Bahnhof im Osten an?

"West"-FERN-Bahnhof im Osten? Berlin Zoo war schon immer ein Fernbahnhof gewesen und wurde nicht extra "angelegt", siehe auch hier.

Tragen die Bahnhöfe Zoo und vor allem Friedrichstraße noch Spuren der Vergangenheit?

Ja, man muß aber genau gucken, um sie zu erkennen.

Ich finde immer, das ist ein zweischneidiges Schwert:
Einerseits sollten wir mit diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte abschließen, und entsprechende Spuren verwischen.

Wieso sollte man die Spuren verwischen? Wenn ich beispielsweise ein Buch lesen und jedes gelesene Kapitel herausreiße, dann kann der nächstze, der das Buch lesen will, nichts mehr damit anfangen.

Ich halte es für viel wichtiger statt Spuren zu verwischen, diese zu erhalten, damit andere (nachfolgende) noch etwas davon haben.

Andererseits ist es wichtig zu verstehen, wozu ein derartiges Regime führen kann.

Dann darf man aber keine Spuren verwischen. Verwischte Spuren führen zu Vergessen.

So kann ich bspw. nicht nachvollziehen, wie das Leben im "Osten" gewesen ist, welchen Ängsten die Menschen dort täglich ausgesetzt waren, und was sie dazu bewegt hat, und eine Flucht zu wagen, die (teilweise) überhaupt keine Aussicht auf Erfolg hat: Ich denke da speziell an journalistische Bilder - von westlicher Seite aus gedreht - über einen ca. 20jährigen Jungen Mann, der versucht, über einen Grenzübergang zu fliehen.

Eben. Journalistische Bilder. Sollte man nicht überbewerten. Außerdem wußte jeder DDR-Bürger, daß das Überqueren der Grenze verboten war und kannte die Konsequenzen. Daß das äußerst fragwürdig und eine Ohnmmachtserklärung sondersgleichen für einen Staat ist, seine Bürger einzusperren, steht außer Frage.

Er wurde natürlich sofort geschnappt und abgeführt; aber wie schlimm, muss das für den Journalisten gewesen sein (= ebenso für die "West"-Polizei) nur einen Steinwurf entfernt zu stehen und dennoch soweit entfernt, dass sie nichts unternehmen können.

Aber die Möglichkeit mit der Kamera aus sicherer Entfernung draufzuhalten hatten sie ja. Statt mal zu helfen... Die DDR-Grenzer hätten nicht jeden abschießen können, zumal das Abgeben von Schüssen auf Westberliner Gebiet verboten war. Andererseits wurden von Westberliner Seite auch etliche DDR-Grenzer erschossen, weil gemäß deren Bestimmungen das Feuern auf DDR-Gebiet erlaubt war (siehe dieser Wikipediaartikel). Also hätte zumindest die Westberliner Polizei Feuerschutz geben können und dürfen.

Gruß, Ralf

DR in West-Berlin

cheaper1511, Freitag, 09.04.2010, 21:42 (vor 5961 Tagen) @ liebe70

Interessant ist bei Wikipedia aber auch der Aufbau des Bahnhofs "Friedrichstraße", der offensichtlich (teilweise) als Westterritorium zu betrachten war, und dessen U-Bahn-/S-Bahn-Tunnel wohl ein inoffizieller Übergang war.


Steht auch so im Wikipediaartikel.

Schon, aber Du weißt ja wie verlässlich Wikipedia als Quelle angesehen wird, so dass ich mich von dieser Aussage (etwas) distanzieren.

"West"-FERN-Bahnhof im Osten? Berlin Zoo war schon immer ein Fernbahnhof gewesen und wurde nicht extra "angelegt", siehe auch hier.

Ich habe mich missverständlich ausgedrückt: Ich meinte ausschließlich Friedrichsstraße.

Ich finde immer, das ist ein zweischneidiges Schwert:
Einerseits sollten wir mit diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte abschließen, und entsprechende Spuren verwischen.


Wieso sollte man die Spuren verwischen? Wenn ich beispielsweise ein Buch lesen und jedes gelesene Kapitel herausreiße, dann kann der nächstze, der das Buch lesen will, nichts mehr damit anfangen.

Ich halte es für viel wichtiger statt Spuren zu verwischen, diese zu erhalten, damit andere (nachfolgende) noch etwas davon haben.

Andererseits ist es wichtig zu verstehen, wozu ein derartiges Regime führen kann.


Dann darf man aber keine Spuren verwischen. Verwischte Spuren führen zu Vergessen.

Da hast Du jetzt meine Aussage "zerhackt", denn ich bin gänzlich Deiner Meinung und wollte genau diesem Zielkonflikt Ausdruck verlangen.

Aber die Möglichkeit mit der Kamera aus sicherer Entfernung draufzuhalten hatten sie ja. Statt mal zu helfen... Die DDR-Grenzer hätten nicht jeden abschießen können, zumal das Abgeben von Schüssen auf Westberliner Gebiet verboten war. Andererseits wurden von Westberliner Seite auch etliche DDR-Grenzer erschossen, weil gemäß deren Bestimmungen das Feuern auf DDR-Gebiet erlaubt war (siehe dieser Wikipediaartikel). Also hätte zumindest die Westberliner Polizei Feuerschutz geben können und dürfen.

Diese Reaktion hätte ich mir natürlich auch gewünscht, aber erstens kennen wir die Umstände der Situation nicht und zweitens glaube ich nicht, dass es wirklich so einfach gewesen ist. Natürlich ist es für uns am einfachsten den Sachverhalt zu akzeptieren, wenn den umstehenden Soldaten/Journalisten die Schuld gibt, aber so einfach ist es nun (wahrscheinlich) nicht. Aber wie gesagt, natürlich wünschte ich auch Du hättest recht.

DR in West-Berlin

Dan_P, St. Ilgen/Sandhausen, Samstag, 10.04.2010, 10:52 (vor 5960 Tagen) @ liebe70

Aber die Möglichkeit mit der Kamera aus sicherer Entfernung draufzuhalten hatten sie ja. Statt mal zu helfen... Die DDR-Grenzer hätten nicht jeden abschießen können, zumal das Abgeben von Schüssen auf Westberliner Gebiet verboten war. Andererseits wurden von Westberliner Seite auch etliche DDR-Grenzer erschossen, weil gemäß deren Bestimmungen das Feuern auf DDR-Gebiet erlaubt war (siehe dieser Wikipediaartikel). Also hätte zumindest die Westberliner Polizei Feuerschutz geben können und dürfen.

Ich schätze, wäre sowas regelmäßig vorgekommen, würden wir hier wohl kaum so schreiben können. Die Frage ist, ob auf der Erde dann überhaupt noch ein Mensch leben würde. Oder meinst Du, von Seiten des Warschauer Pakts hätte man zugesehen, wie Grenzer nach und nach abgeschossen werden?

--
bye, Dan

[image]

Meine Fotos im Netz - http://www.dans-photos.net/

DR in West-Berlin

cheaper1511, Samstag, 10.04.2010, 11:45 (vor 5960 Tagen) @ Dan_P

Aber die Möglichkeit mit der Kamera aus sicherer Entfernung draufzuhalten hatten sie ja. Statt mal zu helfen... Die DDR-Grenzer hätten nicht jeden abschießen können, zumal das Abgeben von Schüssen auf Westberliner Gebiet verboten war. Andererseits wurden von Westberliner Seite auch etliche DDR-Grenzer erschossen, weil gemäß deren Bestimmungen das Feuern auf DDR-Gebiet erlaubt war (siehe dieser Wikipediaartikel). Also hätte zumindest die Westberliner Polizei Feuerschutz geben können und dürfen.


Ich schätze, wäre sowas regelmäßig vorgekommen, würden wir hier wohl kaum so schreiben können. Die Frage ist, ob auf der Erde dann überhaupt noch ein Mensch leben würde. Oder meinst Du, von Seiten des Warschauer Pakts hätte man zugesehen, wie Grenzer nach und nach abgeschossen werden?

Ich glaube nicht, dass seine Aussage so wörtlich zu nehmen ist, zumindest habe ich sie nicht so interpretiert. Aus dem Standpunkt des Idealisten ist man geneigt, deren Untätigkeit zu verurteilen.

Sieht es jedoch pragmatisch - wie gesagt habe ich es nicht so eng interpretiert - hättest Du natürlich vollkommen recht: Ein Leben sollte niemals auf Kosten anderer Leben gerettet werden, zumal die Grenzsoldaten ja auch nur ihre Pflicht erfüllten und es im konkreten Fall um Freiheit, jedoch nicht um Leben und Tod ging.

Dennoch muss ich auch hier insofern einlenken, dass die Freiheit für mich das höchste Gut ist und höherwertig als das Leben! Jedoch habe ich nie in einem Staat gelebt, der - wie die DDR - meine Rechte zu beschränken versuchte. Vielleicht würde ich dann meinen Standpunkt ändern (bzw. erst wirklich kennenlernen).

DR in West-Berlin

Burkhard, Samstag, 10.04.2010, 10:57 (vor 5960 Tagen) @ liebe70

Andererseits wurden von Westberliner Seite auch etliche DDR-Grenzer erschossen,

Wieviel waren das denn?

DR in West-Berlin

cheaper1511, Samstag, 10.04.2010, 11:47 (vor 5960 Tagen) @ Burkhard

Andererseits wurden von Westberliner Seite auch etliche DDR-Grenzer erschossen,


Wieviel waren das denn?

Wieviele es auch immer waren, jeder war einer zuviel...

DR in West-Berlin

liebe70, Samstag, 10.04.2010, 12:16 (vor 5960 Tagen) @ Burkhard

Andererseits wurden von Westberliner Seite auch etliche DDR-Grenzer erschossen,


Wieviel waren das denn?

Guckst Du hier und da. Die Namen führen bei weiteren Recherchen zu den Tätern. Bei Helmut Just, Peter Göring, Reinhold Huhn und Egon Schultz dürften bekannt sein, daß sie von Westberliner Seite aus erschossen wurden.

Gruß, Ralf

Egon Schultz

ktmb, Samstag, 10.04.2010, 12:22 (vor 5960 Tagen) @ liebe70
bearbeitet von ktmb, Samstag, 10.04.2010, 12:25

Egon Schultz:

Als er mit zwei Angehörigen des MfS den Hof der Strelitzer Straße 55 betrat kam es zu einem Schusswechsel in dessen Verlauf Schultz von einer Kugel aus der Pistole von Christian Zobel in die Schulter getroffen wurde. Er ging zu Boden und wurde beim Versuch wieder aufzustehen versehentlich von einem Kameraden mit dessen AK-47 erschossen.

Von der DDR-Führung wurde nach dem Tod von Schultz behauptet, dieser sei von „westlichen Agenten“ oder vom Schleuser Christian Zobel erschossen worden. Tatsächlich war ihr aber bereits zu dieser Zeit bekannt, dass Schultz bei dem Feuergefecht versehentlich von seinen eigenen Kameraden erschossen wurde. Öffentlich vertrat die Regierung der DDR aber stets ihre Version und stellte Schultz als Volkshelden dar.

(Quelle Wikipedia)

Habe selber allerdings zu meiner Schulzeit die offizielle DDR-Version vorgesetzt bekommen.

Man sollte den kompletten Artikel lesen...

liebe70, Samstag, 10.04.2010, 12:27 (vor 5960 Tagen) @ ktmb

Ich habe nur die ersten drei Zeilen gelesen - und dazu kam natürlich noch die Erinnerung eines Ossikindes... ;-)

Gruß, Ralf

DR in West-Berlin

Burkhard, Samstag, 10.04.2010, 13:19 (vor 5960 Tagen) @ liebe70

Andererseits wurden von Westberliner Seite auch etliche DDR-Grenzer erschossen,


Wieviel waren das denn?


Guckst Du hier und da. Die Namen führen bei weiteren Recherchen zu den Tätern. Bei Helmut Just, Peter Göring, Reinhold Huhn und Egon Schultz dürften bekannt sein, daß sie von Westberliner Seite aus erschossen wurden.

Ach so. "Etliche" hatte ich jetzt nicht mit drei Menschen übersetzt - auch wenn natürlich auch drei genau drei zu viele sind.

Friedrichstraße

Sören Heise, Region Hannover, Freitag, 09.04.2010, 17:08 (vor 5961 Tagen) @ cheaper1511

Dennoch kann ich mir das nicht so ganz vorstellen und Bilder konnte ich dazu im Netz nicht finden. Der zugehörige Wikipedia-Artikel ist zwar sehr interessant, aber leider nur mit wenigen Bildern illustriert. Sogar auf den Gleisen selbst bestanden Sicherheitsvorkehrungen, die eine Durchfahrt der Züge verhinderten (= nicht alle Gleise waren unterbrochen).

Es gibt (wenige) gedruckte Bilder. Ich weiß bloß gerade nicht, in welchen Publikationen; meistens wohl aus der Zeit, als die Grenze schon durchlässig war, vorher wäre wohl mindestens der Film weg gewesen. Ein Bild aus DDR-Zeiten in Peter Bock, Interzonenzüge. Eisenbahnverkehr im geteilten Deutschland. München 1998, S. 186. Das Buch ist empfehlenswert (die 2. Auflage kenne ich nicht).
Oft vorhanden waren Entgleisungsweichen. Nach einem bei Bock, S. 184, abgebildeten Plan waren in Friedrichstraße Gleissperren zu diesem Zweck vorhanden.

Aber warum legte man einen "West"-FERN-Bahnhof im Osten an?

Friedrichstraße (den meinst Du wohl) war schon im Deutschen Reich Fernbahnhof; während der Teilung war es der Endbahnhof der Transitzüge. Die Züge wurden dann in Rummelsburg abgestellt. Nach der Bereitstellung für die Rückfahrt gen Westen wurden sie am Bahnsteig zunächst von DDR-Organen gründlich durchsucht, erst nach Freigabe durften die Reisenden einsteigen. An die Kontrollen bei der Ein- und Ausreise in die DDR habe ich eigentlich keine Erinnerungen, ich erlebte das nur einmal im Alter von zehn Jahren kurz vor dem 9. November.

Viele Grüße, Sören

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Friedrichstraße

cheaper1511, Freitag, 09.04.2010, 21:58 (vor 5961 Tagen) @ Sören Heise

Dennoch kann ich mir das nicht so ganz vorstellen und Bilder konnte ich dazu im Netz nicht finden. Der zugehörige Wikipedia-Artikel ist zwar sehr interessant, aber leider nur mit wenigen Bildern illustriert. Sogar auf den Gleisen selbst bestanden Sicherheitsvorkehrungen, die eine Durchfahrt der Züge verhinderten (= nicht alle Gleise waren unterbrochen).


Es gibt (wenige) gedruckte Bilder. Ich weiß bloß gerade nicht, in welchen Publikationen; meistens wohl aus der Zeit, als die Grenze schon durchlässig war, vorher wäre wohl mindestens der Film weg gewesen. Ein Bild aus DDR-Zeiten in Peter Bock, Interzonenzüge. Eisenbahnverkehr im geteilten Deutschland. München 1998, S. 186. Das Buch ist empfehlenswert (die 2. Auflage kenne ich nicht).
Oft vorhanden waren Entgleisungsweichen. Nach einem bei Bock, S. 184, abgebildeten Plan waren in Friedrichstraße Gleissperren zu diesem Zweck vorhanden.

Aber warum legte man einen "West"-FERN-Bahnhof im Osten an?


Friedrichstraße (den meinst Du wohl) war schon im Deutschen Reich Fernbahnhof; während der Teilung war es der Endbahnhof der Transitzüge. Die Züge wurden dann in Rummelsburg abgestellt. Nach der Bereitstellung für die Rückfahrt gen Westen wurden sie am Bahnsteig zunächst von DDR-Organen gründlich durchsucht, erst nach Freigabe durften die Reisenden einsteigen. An die Kontrollen bei der Ein- und Ausreise in die DDR habe ich eigentlich keine Erinnerungen, ich erlebte das nur einmal im Alter von zehn Jahren kurz vor dem 9. November.

Ja, meine "Friedrichstraße".

Schade, dass Du keine Erinnerung hast an diese Übergänge, solche sind Gold wert.
Darf ich fragen, ob Du die Kontrolle damals als "DDRler" oder "Westberliner"/"BRDler" passiert hast? Ich glaube, dass das auch noch mal einen Unterschied gemacht hat.

"BRDler" (o.w.T.)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 10.04.2010, 08:55 (vor 5960 Tagen) @ cheaper1511

durchgehende Gleise

fabs, Braunschweig, Sonntag, 11.04.2010, 12:54 (vor 5959 Tagen) @ Sören Heise

Sogar auf den Gleisen selbst bestanden Sicherheitsvorkehrungen, die eine Durchfahrt der Züge verhinderten (= nicht alle Gleise waren unterbrochen).

Oft vorhanden waren Entgleisungsweichen. Nach einem bei Bock, S. 184, abgebildeten Plan waren in Friedrichstraße Gleissperren zu diesem Zweck vorhanden.

Moin!
Zwar nicht in Berlin, aber immer noch vorhanden sind (unter anderem) zwischen Marienborn und Helmstedt Mauern, die so ähnlich wie Brückenwiderlager aussehen, jedoch viel kleiner (ca. 3 Meter hoch) sind.
Zu Zeiten der deutschen Teilung waren diese mit fernzündbaren Sprengstoff versehen und konnte so gezielt zum umkippen auf das Gleis - und dadurch zum Entgleisen des Zuges gebracht werden.

Leider sind die Google-Maps Bilder in diesem Bereich auf hoher Zoomstufe nicht sehr scharf, sodaß ich die entsprechende Stelle leider nicht gefunden habe.

Viele Grüße
fabs

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Es gibt Dinge im Leben, die dich schnell aus der Bahn werfen können!
Zugbegleiter zum Beispiel...

Sehr guter Video-Tipp!

Tob, Samstag, 10.04.2010, 18:27 (vor 5960 Tagen) @ Heeni

Schöne Zeitreise! Danke für den Link!

Gruß

Tobias

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