Mont Blanc & Chablais 6/7: der Pass (42 B) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum sechsten Teil unserer Rundfahrt zwischen Genfersee, Mont Blanc und Chablais. Im letzten Teil waren wir am Genfersee und sind dann nach Leysin gefahren.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/092-MontBlanc-Chablais/92-000Karte.jpg)
Wir starten nun in den vierten und damit letzten Reisetag. Wir haben aber ein so großes Tagesprogramm, dass die Ausbeute auch diesmal für zwei Teile reicht.
Tag 4a: Leysin – Aigle – Bex - Villars-sur-Ollon - Col-de-Bretaye
Wir haben in Leysin übernachtet und starten mit einem Panoramablick über Leysin bis über das Rhonetal. Dann machen wir uns auf den Weg in Richtung Bahnstation.
Die Endhaltestelle der Aigle-Leysin-Bahn ist seit dem Jahr 1915 die Station Leysin-Grand-Hôtel. Sie liegt recht abgelegen am Ortsrand oberhalb des Zentrums. Benannt wurde die Station nach einem ehemaligen Grand Hotel, das heute als Internat genutzt wird.
Die Strecke endet recht unspektakulär einige Meter hinter der Endstation. Es gab Pläne, die Strecke bis zum Gipfel des Bergs Berneuse zu verlängern, die hierfür erteilte Konzession ist jedoch mittlerweile verfallen, da Plangenehmigung und Finanzierung nicht zustande kamen.
Der Steuerwagen 352 stammt aus dem Jahr 1966. Die Züge der früher eigenständigen Eisenbahngesellschaft Aigle–Leysin (AL) waren ursprünglich braun-creme, mittlerweile präsentieren sie sich im einheitlichen grünen Erscheinungsbild der Transports Publics du Chablais (TPC).
Zur Orientierung: wir fahren nun auf der orangefarbenen Linie von Leysin nach Aigle. (Offenbar war man bei der Erstellung der Karte noch optimistisch in Bezug auf die Verlängerung und hat schon die Strecke Richtung Berneuse gestrichelt dargestellt). Von Aigle geht es dann weiter nach Bex zur roten Linie, aber da kommt nachher die nächste Karte.
Bei Leysin-Village ist die Strecke zweigleisig, in diesem Abschnitt liegt auch das größte Viadukt der Strecke. Im weiteren Verlauf folgende mehrere Tunnel und die Strecke führt durch den Wald am Talhang der Grande Eau.
Durch die Weinberge von Aigle klettert die Bahn weiter hinab zum Talgrund des Rhonetals. Hierbei fällt die Blick auch auf die berühmteste Sehenswürdigkeit von Aigle, nämlich das Château d’Aigle (Adlerburg) aus dem 11. Jahrhundert.
Unterhalb der Weinberge fahren wir in das Gleis zum Depot ein, nach dem dortigen Fahrtrichtungswechsel geht es dann in Straßenlage durch Aigle bis zum Bahnhof. Der Betriebsablauf war früher zweigeteilt, die Wagen nach Leysin wurden auf dem Straßenbahnabschnitt von einer Tram gezogen und am Depot von Zahnradloks übernommen.
Und hier erreichen wir den Bahnhofsvorplatz. Für die 6,3 Kilometer lange Strecke von Leysin bis Aigle waren wir knapp 40 Minuten unterwegs. Wir werden später nochmals nach Aigle zurückkehren, jetzt wechseln wir aber...
...zu den Normalspurgleisen der SBB. Mit dem nächsten Interregio fahren wir eine Station weiter bis nach Bex. Gerade mal sechs Minuten dauert die Fahrt auf der Simplonstrecke durch das Rhonetal.
Auf dem Bahnhofsvorplatz von Bex machen wir jetzt Bekanntschaft mit der nächsten Meterspurbahn der TPC, nämlich der ehemaligen Bex-Villars-Bretaye-Bahn (BVB). Diese Bahn ist isoliert von den anderen Meterspurbahnen der TPC. Vor der Fusion waren die Fahrzeuge der BVB rot.
Wir fahren nun auf der roten Linie von Bex zum Col-de-Bretaye, die Linie wird allerdings nicht durchgehend betrieben, in Villars-sur-Ollon müssen wir umsteigen.
Der erste Abschnitt der Bahn wurde als Straßenbahn gebaut und wir fahren nun durch das Zentrum der 8.000-Einwohner-Gemeinde Bex (ausgesprochen „Be“). In der Ebene des Rhonetals verkehrt der Zug im Adhäsionsbetrieb.
Am Depot in Bévieux steht eine ältere Garnitur in den Farben der BVB. Hier beginnt ein Zahnstangenabschnitt aus dem Tal der Rhone hinauf auf eine Geländeterrasse.
Bei Gryon ist der größte Anstieg überwunden, nun geht es ohne Zahnstangen weiter. Auch dieser obere Abschnitt der Bahnlinie wurde ursprünglich als Straßenbahn gebaut. Die Trasse verläuft heute teilweise auf und teilweise neben der Straße.
Schließlich haben wir Villars-sur-Ollon erreicht. Von Bex bis Villars-sur-Ollon hat die Bahn 840 Höhenmeter überwunden. Links der Zug aus Bex, rechts ein Verbindungsgleis weiter Richtung Col-de-Bretaye. Für die umsteigenden Fahrgäste zum Col-de-Bretaye geht es zu Fuß ins Gebäude. Während die Strecke von Bex bis hierher ÖPNV-Charakter hat, wird es nun touristisch, vor dem Zugang zum Bahnsteig des Anschlusszuges findet erstmal eine Ticketkontrolle statt.
Auch die weitere Strecke gehört zur TPC, die Fahrzeuge sind aber noch nicht ganz ergrünt. Die Strecke bis Villars-sur-Ollon wurde 1901 eröffnet, um die Dörfer über dem Rhonetal zu erschließen. Der Bau einer Zahnradbahn auf den Col-de-Bretaye wurde erst später in Angriff genommen, diese Strecke wurde 1937 eröffnet.
Dieser Streckenabschnitt ist eigentlich eine klassische Bergbahn, die Touristen, Wanderer und Wintersportfreunde hinauf zum Pass Col-de-Bretaye bringt. Knapp fünf Kilometer klettert die Bahn am Berg nach oben und bietet den Fahrgästen einen Panoramablick über die Landschaft der Waadtländer Alpen.
An der Endstation Col-de-Bretaye bekommen wir den Zug auch noch als Ganzes aufs Bild. Die Station liegt auf 1.808 Meter über dem Meer. Auf der Passhöhe gibt es eine kleine Siedlung und Gastronomie, den Skianlagen nach zu urteilen, dürfte hier im Winter mehr los sein.
Wir unternehmen einen kleinen Spaziergang bis zum Bergsee Lac des Chavonnes und verbringen die Mittagspause an der Passhöhe.
Und dann machen wir auch hier eine Pause. In den nächsten Tagen folgt der siebte und letzte Teil des Reiseberichts, darin fahren wir wieder hinab nach Bex, widmen uns anschließend der Aigle-Ollon-Monthey-Champéry-Bahn und treten dann den Heimweg an den Bodensee an.
Viele Grüße
Tobias
--
"Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/