Hamburg und umzu (Teil 3: Sternschanze, 30 Bilder) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 15.04.2020, 16:48 (vor 2165 Tagen)

Moin.

Beim letzten Mal waren wir irgendwo zwischen Dammtor und Sternschanze stehengeblieben.


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Da gab es nördlich der Bahnstrecke ein fehl am Platze wirkendes weißes Haus zu sehen. Das ist das erste Empfangsgebäudes des Bahnhofs Sternschanze. Errichtet 1866, hat es die Wirren der Zeit überlebt und erinnert an die Anfänge der Verbindungsbahn. In der Nacht auf den 16. Mai 1903 wurde der Bahnhof durch den neuen ersetzt, der sich etwa 500 Meter weiter westlich befindet. Der war so ähnlich wie der Dammtorbahnhof mit einer Bahnhofshalle, die die beiden Bahnsteige überdeckte. Diese Halle war 100 Meter lang, 34 Meter breit und 17 hoch. Im Osten setzten sich die Bahnsteige nach dem Hallenende noch etwa 100 Meter fort. Die Räumlichkeiten des Bahnhofs waren wie am Dammtor unter der Halle angeordnet. Am Westende befand sich eine Art Empfangsgebäude. Einstmals besaß der Bahnhof fünf Stellwerke.
Der S-Bahnsteig erhielt 1910 einen Ausgang auf der Ostseite, dort besteht seit 1912 Anschluss zur dort als Untergrundbahn fahrenden Hochbahn. Die Stellwerke der Fernbahn wurden in den 1920ern durch das Reiterstellwerk „Stz” im Osten des Bahnhofs ersetzt. Das stand auf Höhe des alten Bahnhofsgebäudes - wir sahen es in der letzten Folge im Bild. Die S-Bahn hatte ein eigenes Stellwerk auf dem Bahnsteig. Dessen Außerbetriebnahmetermin ist mir nicht bekannt.
1967 hielt zum letzten Mal ein planmäßiger Reisezug am Fernbahnsteig. 1974/75 erfolgte dann der Abbruch der Bahnsteighalle. Zeitweilig diente der Bahnhof Sternschanze der Autoverladung: Ab Juni 1973 wurden einige Züge hier abgefertigt. Ursache war die steigende Nachfrage nach Autozügen einerseits und der Umbau des Bahnhofs Altona andererseits. Die Autozug-Ära an der Sternschanze dauerte bis Mitte der 1990er. Seitdem müssen die Autofahrer über den Kopfbahnsteig in Altona fahren. Daneben diente der Güterbahnhof 1979 und 1988 als Ausstellungsfläche im Rahmen der Internationalen Verkehrsausstellung.
Sein heutiges Gesicht erhielt der Bahnnhof Strernschanze 2003/2004: Die Gütergleise und das Reiterstellwerk wurden abgerissen, ebenso der alte Fernbahnsteig. Die Kopfgleise, auf denen die Autozüge hielten, wurdem Teil der Messe. Auf den Stumpfgleisen, die den städtischen Viehhof belieferten, entstand ein Verwaltungsgebäude von Eisenbahn-Bundesamt und Bundeseisenbahnvermögen mit etwas merkwürdiger Architektur. Die S-Bahn hat an der Sternschanze noch ein Kehrgleis (seit 1910), die Fernbahn immerhin eine doppelte Weichenverbindung.
Bahnhof und Stadtteil Sternschanze heißen übrigens nach einer 1682 angelegten Befestigungsanlage. Sie trug ihren Teil dazu bei, dass Hamburg vier Jahre später nicht dänisch wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde sie dann geschleift.


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HH03-01 by Christoph Arndt via Sören Heise, auf Flickr

1 Fotos von der Gleisseite des alten Bahnhofsgebäudes sind heute im Gegensatz zum Jahr 1900 nicht mehr problemlos machbar. Am 13. April 1991 aber beschränkte Christoph sich nicht auf die Straßenseite. Mehr von ihm später.


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HH03-02 by Sören Heise, auf Flickr

2 Am 23. Mai 2018 war der Smiley verschwunden.


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HH03-03 by Wolf-Dietmar Loos via Sören Heise, auf Flickr

3 Ein Sprung zurück: Am 8. August 1967 stand Wolf-Dietmar Loos auf dem Fernbahnsteig und lichtete einen nach Bergedorf ausfahrenden 470er ab. Die alte Bahnsteighalle ist immerhin abgeschnitten, am Ende des S-Bahnsteiges befindet sich der Übergang zur U-Bahn. Nicht überdacht.


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HH03-04 by Sören Heise, auf Flickr

4 Und wieder in die Jetztzeit (meine Aufnahmen entstanden auch am 23. September 2017. Also bitte nicht wundern, wenn die Sonne hin und her wechselt). Rechts das Bürogebäude ohne Erdgeschoss. Hinten der Heinrich-Hertz-Turm, diesmal sein Oberteil. Die Ferngleise rechts lassen durch den Abstand voneinander die Position des Bahnsteiges erkennen.


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HH03-05 by Sören Heise, auf Flickr

5 Das Empfangsgebäude.


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HH03-06 by Sören Heise, auf Flickr

6 Der Treppenabgang im Westen.


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HH03-07 by Sören Heise, auf Flickr

7 Hinter der Brücke Schanzenstraße begindet sich das Kehrgleis der S-Bahn.


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HH03-08 by Sören Heise, auf Flickr

8 Ein Blick gen Bahnhofsvorplatz.


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HH03-09 by Sören Heise, auf Flickr

9 „Fernseher” und Fernsehturm.


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HH03-10 by Sören Heise, auf Flickr

10 Wir verlassen den Bahnsteig.


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HH03-11 by Sören Heise, auf Flickr

11 Im Empfangsgebäude.


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HH03-12 by Sören Heise, auf Flickr

12 Zu den Zügen.


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HH03-13 by Sören Heise, auf Flickr

13 Ansicht von außen. Ohne Kenntnis der Geschichte wirkt das Gebäude fehl am Platz.


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HH03-14 by Sören Heise, auf Flickr

14 Am östlichen Bahnsteigende...


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HH03-15 by Sören Heise, auf Flickr

15 ...befindet sich das Gebäude des U-Bahnhofs.


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HH03-16 by Sören Heise, auf Flickr

16 Der dortige Aufgang zur S-Bahn.


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HH03-17 by Sören Heise, auf Flickr

17 Zurück auf dem Bahnsteig.


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HH03-18 by Sören Heise, auf Flickr

18 Ein Blick hinüber zum U-Bahnhof und dem 1910 errichteten Wasserturm. Es war bis 1961 in Betrieb und dient seit 2007 als Hotel.


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HH03-19 by Sören Heise, auf Flickr

19 Am Ostende stehen noch Reste des Fernbahnsteiges.


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HH03-20 by Sören Heise, auf Flickr

20 Wir haben wieder den Beobachtungposten am Westende des Bahnsteiges eingenommen. Wagen 2548 führt eine S 21 zur Elbgaustraße an.


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HH03-21 by Sören Heise, auf Flickr

21 In der Gegenrichtung sind zwei 474er unterwegs nach Süderelbien.


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HH03-22 by Christoph Arndt via Sören Heise, auf Flickr

22 Kehren wir zurück zum 13. April 1991. Um kurz vor 10 war nichts los und das HVV-Haltestellenschild noch gelb.


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HH03-23 by Christoph Arndt via Sören Heise, auf Flickr

23 Oben fuhr ein 471er nach „Nicht einsteigen”.


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HH03-24 by Christoph Arndt via Sören Heise, auf Flickr

24 Eine 140 passiert mit einem buntgemischen Zug.


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HH03-25 by Christoph Arndt via Sören Heise, auf Flickr

25 Nachschuss.


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HH03-26 by Christoph Arndt via Sören Heise, auf Flickr

26 Ansicht von der Ladestraße. Die Reklametafeln stehen auf dem Fernbahnsteig. Auf dem Gleisen im Vordergrund steht heute das Bürogebäude.


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HH03-27 by Christoph Arndt via Sören Heise, auf Flickr

27 Während auf dem Hauptgleis gen Hamburg ein mit einer 120 bespannter Intercity passiert, wartet eine 110 mit einem Nachtzug auf die Weiterfahrt. Ihr könnt sagen, was ihr wollt: Aus Fotografensicht sind tiefstehende Gleissperrsignale schöner. ;-)


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HH03-28 by Christoph Arndt via Sören Heise, auf Flickr

28 Der mittlerweile gleislose Bahnsteig für die Autozüge. Das Reiterstellwerk und das erste Bahnhofsgebäude bereichern die Szene.


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HH03-29 by Christoph Arndt via Sören Heise, auf Flickr

29 Stellwerk „Stz” bei nicht ganz optimalen Lichtverhältnissen.


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HH03-30 by Wolf-Dietmar Loos via Sören Heise, auf Flickr

30 Und da mir jemand passend zum Ostermontag, an dem ich diese Zeilen schreibe, ein Kuckucksei in den Sternschanzen-Ordner gelegt hatte (das war aber ein Versehen), schauen wir noch kurz auf die IVA 1979. Neben zahlreichen zeitgenössisch gekleideten Besuchern lichtete Wolf-Dietmar Loos auch einen in Hamburg nutzlosen S-Bahn-Triebzug, die einzige Lok, bei der ich mir die Kontrollziffer merken kann und die 218 453 ab. Sie 218 war ab 1978 in Regensburg beheimatet und kam nach einem vierjährigen Aufenthalt in Sachsen-Anhalt 2004 nach Schleswig-Holstein.


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Nächster Halt Holstenstraße! Fahrzeit: Etwa eine Woche.


Viele Grüße
Wolf-Dietmar, Christoph, Carsten und Sören


PS: Als Quelle diente, wie auch in früheren und späteren Folgen, unter anderem das empfehlenswerte Buch Hamburgs Tore zur Welt von Benno Wiesmüller.

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Hamburg und umzu (Teil 3: Sternschanze, 30 Bilder)

Math5D, Mittwoch, 15.04.2020, 19:31 (vor 2165 Tagen) @ Sören Heise

Danke für die schönen Bilder!

Die 1111111 fährt ja noch bis Dezember potenziell auf dem NRW-RE4, also wer noch Bilder davon im Einsatz braucht, sollte sich beeilen

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