Mainzer Ausflüge (5/5): Pfalz und Elsass (m. 48 B.) (Reiseberichte)

TD, Samstag, 28.03.2020, 17:37 (vor 2183 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum fünften und letzten Teil unserer Mainzer Ausflüge. Im vierten Teil hatten wir eine Drei-Länder-Rundfahrt entlang von Mosel und Nahe nach Luxemburg und Metz unternommen. Heute steht die Rückfahrt an den Bodensee auf dem Programm.

[image]


Teil 5: Mainz – Worms – Schifferstadt – Neustadt – Wissembourg – Straßburg – Kehl – Offenburg - Konstanz

Zum Abschluss unserer Tour wollen wir natürlich auch bei der Rückfahrt von Mainz an den Bodensee nicht die schnellste oder verkehrsübliche Strecke wählen, sondern die Chance nutzen, zum Streckensammeln die Verbindung über Wissembourg mitzunehmen.

[image]

Unser erstes Ziel ist Worms, und so fahren wir zunächst ganz banal mit einem Intercity von Mainz linksrheinisch nach Süden. Vor über 280 Millionen Jahren entstand hier durch den Einbruch des Rheingrabens die sogenannte Niersteiner Formation, die heute als Weinanbaugebiet „Roter Hang“ bekannt ist.

[image]

[image]

Nach gut 20 Minuten sind wir schon in Worms. Wir drehen nun eine kleine Runde durch die Stadt, das Lutherdenkmal ist eines der weltweit größten Reformationsdenkmale und erinnert an Luthers Rolle auf dem Reichstag zu Worms von 1521, als er vor Kaiser Karl V. seine Thesen verteidigte.

[image]

Bekanntestes Bauwerk der Stadt ist der Wormser Dom. Er gehört zu den drei rheinischen Kaiserdomen, wobei er kleiner und jünger ist als die Dome in Speyer und Mainz. Er wurde im Wesentlichen von 1130 bis 1181 erbaut und liegt auf dem höchsten Punkt der Innenstadt, er ist das bedeutendste Bauwerk der Wormser Romanik.

[image]

Doch nun zurück zum Wormser Hauptbahnhof. Als man im 19. Jahrhundert Pläne für eine Bahnstrecke am Rhein schmiedete, ging Worms zunächst leer aus, weil man der rechtsrheinischen Riedbahn den Vorzug gab. Erst auf Initiative der Städte Mainz und Worms wurde schließlich 1853 auch Worms an das Bahnnetz angeschlossen. Das heutige Empfangsgebäude ist deutlich jünger, es wurde 1904 als drittes Empfangsgebäude errichtet, nachdem die Vorgängerbauten zu klein geworden waren.

[image]

[image]

Weiter geht es mit dem RE 4 im SÜWEX-Netz. Das Netz wird von DB Regio mit Flirt 3-Triebzügen bedient, die Farbgebung der Züge in Fliederweiß wurde vom Aufgabenträger vorgegeben. Eine knappe halbe Stunde fahren wir durch die Oberrheinische Tiefebene nach Schifferstadt.

[image]

[image]

[image]

In Schifferstadt wechseln wir auf die S 2 der S-Bahn Rhein-Neckar. Hier gibt es ein Wiedersehen mit der Baureihe 425, die Züge waren uns bereits im ersten Teil des Reiseberichts bei der Fahrt am Neckar begegnet. Auch mit diesem Zug fahren wir nur eine kurze Etappe, nach einer viertelstündigen Fahrt durch die Vorderpfalz erreichen wir Neustadt an der Weinstraße.

[image]

[image]

[image]

In Neustadt an der Weinstraße können wir eine kurze Runde um das Empfangsgebäude aus dem Jahr 1866 drehen, dann geht es weiter mit dem „RE WX“. Hinter dem Kürzel verbirgt sich der Weinstraßen-Express, der von Koblenz über Neustadt an der Weinstraße nach Wissembourg fährt. Betrieben wird der Ausflugszug von vlexx mit einem LINT.

[image]

[image]

[image]

Wir fahren nun auf der Pfälzischen Maximiliansbahn oder kurz Maxbahn nach Süden. Die Strecke war früher eine Fernverkehrsmagistrale und hatte auch strategische Bedeutung. Nachdem das Elsass französisch geworden war, sank die Bedeutung. 1975 wurde schließlich der grenzüberschreitende Personenverkehr nach Wissembourg ganz eingestellt und erst 1997 reaktiviert.
Wir fahren landschaftlich reizvoll am Fuße der Haardt, der Mittelgebirgszug bildet die Grenze des Pfälzerwalds zum Oberrheingraben. Über den Weinbergen der Region Weinstraße ist das Hambacher Schloss zu sehen.

[image]

Über Landau und Winden führt die Strecke in den Viehstrich, ihren Namen verdankt die Region der einstigen ausgeprägten Viehhaltung. Der letzte Haltepunkt auf der deutschen Seite ist Schweighofen, wenig später überqueren wir mit dem Fluss Lauter die deutsch-französische Grenze.

[image]

[image]

Das FIS von vlexx kann auch Französisch. Wir erreichen jetzt Wissembourg, der Bahnhof liegt rund zwei Kilometer hinter der Grenze. Wissembourg hat einen Kopfbahnhof, in dem die Strecken aus Deutschland und Frankreich zusammentreffen. Die vlexx-Züge haben für die Strecke eine französische Zulassung erhalten. Neben den Ausflugszügen wird Wissembourg von der deutschen Seite auch stündlich mit Regionalzügen der DB im Rheinland-Pfalz-Takt angefahren.

[image]

[image]

Wenn eigens Ausflugszüge hier hinfahren, muss es sich bei Wissembourg / Weißenburg ja um ein lohnenswertes Ausflugsziel handeln – und so erkunden wir jetzt die 8.000-Einwohner-Stadt im Elsass.

[image]

[image]

Zu den Sehenswürdigkeiten von Wissembourg gehört die gotische Kirche St. Peter und Paul, sie wurde zum Ende des 13. Jahrhunderts errichtet und war Abteikirche eines mittelalterlichen Klosters.

[image]

Wissembourg ist die nördlichste Stadt im Elsass, Fachwerkhäuser und enge Gassen prägen die historische Altstadt. Das Zentrum von Wissembourg wird von mehreren Armen der Lauter durchflossen, der Fluss entspringt im Pfälzerwald und mündet in den Rhein.

[image]

[image]

[image]

Der Bahnhof Wissembourg wurde 1855 eröffnet, zu jener Zeit gehörte die Pfalz zu Bayern, und so war hier an der Grenze der bayerische Zoll vertreten. Nachdem Elsass und Lothringen an Deutschland gefallen waren, erübrigten sich die Grenzkontrollen, der Bahnhof hieß sodann Weißenburg und die Strecke entwickelte sich zu einer Fernverkehrsmagistrale zwischen Amsterdam und Straßburg. Allerdings war hierbei der Kopfbahnhof hinderlich, so dass schließlich eine Verbindungskurve gebaut wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der Bahnhof an Bedeutung. Das heutige Empfangsgebäude wurde 1968 fertiggestellt.

[image]

Die deutschen Züge halten am Hausbahnsteig (Gleis A), die französischen Züge an den Gleisen B und C. Wir fahren jetzt mit einem TER weiter nach Straßburg, zum Einsatz kommt ein Régiolis-Triebzug / Coradia Polyvalent mit Diesel- und Elektroantrieb.

[image]

[image]

[image]

Der erste Streckenabschnitt von Wissembourg nach Vendenheim ist nicht elektrifiziert. Wir fahren durch die hügelige und teilweise bewaldete Landschaft des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Vosges du Nord. Beim nächsten Bild überqueren wir einen Bahnübergang in Soultz-sous-Forêts (Sulz unterm Wald).

[image]

[image]

[image]

In Vendenheim trifft die Strecke auf die Verbindung Paris-Straßburg. Kurz darauf überqueren wir den Canal de la Marne au Rhin (Rhein-Marne-Kanal). Die Fahrt von Wissembourg bis Straßburg dauert rund 50 Minuten. Für die Weiterfahrt über den Rhein wollen wir diesmal die Tram nutzen, hierzu könnten wir direkt am Bahnhof von Straßburg umsteigen. Wir entscheiden uns jedoch zunächst für einen kleinen Zwischenstopp...

[image]

...und so stehen wir wenig später auf dem Place de la Cathédrale (Münsterplatz) vor der Hirschapotheke. Mit Gründungsjahr 1268 war sie lange Zeit die älteste Apotheke in Frankreich, sie wurde 2000 geschlossen. In unserem Rücken erhebt sich die Westfassade des Straßburger Münsters.

[image]

[image]

Vorbei am Kammerzellhaus mit seiner auffälligen Schnitzfassade machen wir uns nun auf den Weg zur nächsten Tramhaltestelle.

[image]

1878 fuhr in Straßburg die erste Pferdebahn, sie wurde ab 1894 elektrifiziert. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Niedergang der Straßenbahn, 1960 wurde sie schließlich stillgelegt. Wie in anderen französischen Städten besann man sich später auf dieses Verkehrsmittel und 1994 begann die Renaissance der Straßenbahn mit der Neueröffnung der ersten Strecke.
Auch früher schon gab es eine Tramverbindung von Straßburg über den Rhein nach Kehl, 2017 schließlich wurde der grenzüberschreitende Verkehr wieder aufgenommen.

[image]

Mit der verlängerten Linie D fahren wir aus dem Zentrum von Straßburg nach Kehl. Hier haben wir auf der Pont Saint-Nicolas die Ill überquert, am gegenüberliegenden Ufer das Alte Zollhaus, früher ein Zolllager und Kontor.

[image]

Für die Tram wurde eine neue Brücke über den Rhein gebaut, hier fahren wir auf der Beatus-Rhenanus-Brücke über die Grenze, links der Turm der St. Johannes Nepomuk-Kirche von Kehl. Während unseres Besuchs war die Endstation der Tram am Bahnhof von Kehl, zwischenzeitlich wurde die Strecke zum Rathaus verlängert.

[image]

Anschließend drehen wir noch eine kleine Runde durch Kehl, hier stehen wir vor der Evangelischen Friedenskirche. Anschließend wenden wir uns...

[image]

...dem Bahnhof zu. Der Bahnhof liegt 400 Meter von der französisch-deutschen Grenze entfernt. Seit dem Jahr 1861 führt zwischen Kehl und Straßburg eine Eisenbahnbrücke über den Rhein, Kehl war dadurch wichtiger Grenz- und Lokwechselbahnhof. Seitdem der Fernverkehr zwischen Deutschland und Frankreich auf Hochgeschwindigkeitszüge umgestellt wurde, ist die Bedeutung des Bahnhofs gesunken.

[image]

So halten mittlerweile auch keine Fernverkehrszüge mehr in Kehl. Wir fahren mit einem Regioshuttle der SWEG nach Offenburg. Der Zug kommt aus Straßburg – wären wir dort gleich auf den Zug umgestiegen, hätte das vermutlich die Chancen auf Sitzplätze erhöht. Aber diesmal war die Tramlinie D ja als Ziel bewusst gewählt. Knapp 20 Minuten dauert die Fahrt durch die Ortenau.

[image]

[image]

Einen letzten Zug haben wir nun noch auf dem Reiseplan stehen: von Offenburg fahren wir mit der Schwarzwaldbahn zurück an den Bodensee.

[image]

[image]

Und damit sind wir nun am Ende des Reiseberichts angelangt. Vielen Dank für das Interesse und fürs Mitkommen sowie für die Rückmeldungen und Kommentare zu den bisherigen Teilen.

Viele Grüße und ein gesundes Wochenende

Tobias


PS: Meine früheren Bahnreiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

--
[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum