Eine fast perfekte Reise (Reiseberichte)

Hustensaft @, Sonntag, 12.01.2020, 20:19 (vor 213 Tagen)

Entgegen aller Unkenrufe (und teilweise leider auch eigenen Erfahrungen), man kann tatsächlich (fast) pünktlich mit der Deutschen Bahn fahren - aber im Detail:

Samstag, 5:38 Uhr - die Reise hätte äußerst unerfreulich begonnen, hätte ich den Verspätungsalarm, der zu dieser Zeit abgesandt wurde, direkt gelesen. Noch bin ich aber guter Dinge, von dem Umstand abgesehen, dass der örtliche Busanbieter am frühen Samstagmorgen einen tollen Stundentakt anbietet, der drei Minuten nach Abfahrt der S-Bahn am Bahnhof ankommt und mir daher rund 20 Minuten Fußweg mit Gepäck beschert - der Busbetrieb (ich würde nie verraten, dass es sich um die Mainzer Verkehrsgesellschaft handelt, die unter der Marke "Mainzer Mobilität" auftritt, Spötter sagen ob ihrer Fahrplangestaltung, dass es Immobilität heißen müsste, aber das gehört nicht hierher) wird am Ende der Reise noch einmal auftauchen.

Samstag, 5:42 Uhr - die S-Bahn nach Frankfurt Hbf soll abfahren und die Reise beginnt doch mit etwas Sorge, denn die lässt auf sich warten. Mit gut zwei Minuten Verspätung (bei elf Minuten Umsteigezeit ist das schon ein Wort) kommt sie zum Glück dann doch und schafft es sogar, die Verspätung bis auf ein paar Sekunden aufzuholen.

Samstag, 6:29 Uhr - der ICE gen Brüssel setzt sich pünktlichst in Bewegung und ist nach den Zwischenstopps an den Fluhäfen Frankfurt und Köln/Bonn auch pünktlich am Kölner Hauptbahnhof. Die planmäßige Standzeit verdoppelt sich aber leider ohne ersichtlichen Grund und bis zum Umstieg in Aachen bleibt diese Verspätung auch erhalten. Weit ärgerlicher ist der Umstand, dass der Sitz (Wagen 27 Platz 61) über keine Steckdose verfügt und zusätzlich die Arretierung defekt ist, gerade Lehne ist also nicht.

Der Aachener Hbf ist, was das Warenangebot angeht, keine Erleuchtung, also weiter in den Zug nach Maastricht, der bereits am Bahnsteig steht, aber die tolle Anzeige mit einer Versionsnummer und einer IP-Adresse hat - die Informationsbildschirme im Wageninneren blieben bis zum Schluss schwarz. Der Betreiber ist arriva, die Triebzüge in den Niederlanden registriert, aber die Aufschrift verweist deutlich auf den Eigentümer von arriva (die Deutsche Bahn).

Samstag, 8:46 Uhr - auf die letzte Sekunde der Pünktlichkeit geht es aus den Aachener Hbf und am Ende werden wir superpünktlich in Maastricht ankommen. Aber der Kulturschock: Nicht nur, dass man am Baustil der Häuser deutlich erkennt, dass man die Grenze überschritten hat, nein, auch die Bahnanlagen sehen anders aus - aber nicht wegen Signalen oder Oberleitung, nein, die Bahnsteige sehen wie geleckt aus, zugewucherte Gleise und Bahndämme Fehlanzeige, lediglich bei den Bahnhofsschildern ist man in den Niederlanden doch sehr sparsam.

Sonntag, 14:19 Uhr - schon vor der Abfahrt erneut die Erkenntnis, wo die DB bei den NS sich etwas abschauen könnte: Die Anzeiger am Bahnsteig sind tatsächlich "schwarz auf weiß" und damit bestens lesbar, auch habe ich keinen einzigen Fehler in den Bildschirmen gesehen. Trotz Knotenpunktes diverser Strecken kein einziger Ausfall und auch keine Verspätung, auch der Zug aus Lüttich, wenn auch im Aussehen sehr antiquiert, kam superpünktlich an. Und: Obwohl trotz allem eher ein provinzieller Bahnhof und Wochentag Sonntag, da liefen drei Männer mit auffälligen gelben Westen umher, Leute der DB Sicherheit habe ich auf einem entsprechenden deutschen Bahnhof noch nicht gesehen. Superpünktlich fahren wir ab und kommen, trotz zweimaligem Personalwechsel, auch so an.

Sonntag, 15:39 Uhr - der ICE aus Brüssel wird vollmundig angekündigt, letztlich kommt er gerade noch so pünktlich an und wird den Frankfurter Flughafen auch ein wenig vor der Zeit erreichen. Highlight des Tages: Die Zugbegleiterin, die in Köln den Zug übernommen hat, schafft in der knappen Stunde sogar die Goodies zu verteilen (auch der APS funktionierte reibungslos), was andere Kollegen auf meinen letzten Reisen in der dreifachen Zeit nicht hinbekommen hatten.

Sonntag, 17:23 Uhr - nach soviel guten Taten musste die DB doch dann noch einmal zeigen, wozu sie fähig ist: Wenige Minuten vor Abfahrt des RE 2 kommt ein Laufband auf die Anzeige, dessen Text man sich auf der Zunge zergehen lassen muss (ganz wörtlich kriege ich es wohl nicht mehr hin): "Heute auf Gleis . Gleis wird später bekannt gegeben." Toll vom Regio- zum Fernbahnhof wäre es nicht mehr zu schaffen und die Information ist so toll, damit können alle Fahrgäste etwas anfangen … Der Zug kommt dann doch - immer, wenn es wichtig ist, spart sich die DB dann doch die Ansagen -, aber abweichend auf Gleis 1, da es am selben Bahnsteig ist, kein Problem, gleichwohl lässt sich der Anzeiger nicht dazu bewegen, den Zug anzuzeigen. Am Ende ist der Zug pünktlich in Bischofsheim, nur ist der dortige Anzeiger noch schlimmer: Er ist der Auffassung, dass in Kürze eine S 8 nach Wiesbaden fahre (die ist schon lange weg), dann der RE 2 und danach in 9 Minuten eine S 8 nach Wiesbaden (das haut sogar hin).

Der örtliche Busanbieter hat zwar auch die S-Bahn in der Anzeige (auch hier die Mainzer (Im)Mobilität), meint aber, dass die bereits in 5 Minuten führe, was vollkommene Grütze ist. Dafür kommt der eigene Bus erst in einer Minute, obwohl er bereits die Rampe emporkommt und dabei knapp drei Minuten verspätet ist. Die Krönung aber beim Umstieg: Obwohl ich den Bus in der Gegenrichtung noch zur Endhaltestelle fahren sehe, wo er hinreichend Zeit hat (gut 10 Minuten), macht er was? Genau, die Anzeige, wann der denn kommen sollte, zählt auf "1 Minute" herunter und schläft dann ein - er kommt, eine schlappe Haltestelle hinter dem Start, mit sage und schreibe acht Minuten Verspätung an - und das ist ein Fahrzeug der DB als Subunternehmer …

Fazit:
Man kann also durchaus gut mit der Bahn reisen, gleichwohl, siehe Niederlande und der Zustand der Bahnhöfe sowie die Pünktlichkeit und weitestgehend auch die Informationen, ist da noch Luft nach oben. Was aber stark verbesserungsfähig ist, ist die Abstimmung der Verkehrsträger auf Straße und Schiene untereinander - und die Kommunikation bei Abweichungen.


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