Über den Rennsteig zur Naumburger Straßenbahn (m 126 B.) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
seit einigen Jahren habe ich es zu einer persönlichen Tradition gemacht, im Advent eine vorweihnachtliche Bahntour zu unternehmen und dabei Bahnziele, Städtereise und Weihnachtsmarktbesuche zu kombinieren.
Nachdem es im letzten Jahr eine größere Auslandstour bis Nancy und Zagreb geworden war (zum Reisebericht), stand 2019 eine verlängerte Wochenendtour durch Deutschland auf dem Programm mit dem Hauptreiseziel Thüringen.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/109-Rennsteig-Naumburg/109-000Karte.jpg)
Wir fahren von Konstanz nach Würzburg, dann von Themar mit dem Dampfzug zum Rennsteig und weiter nach Jena. Am dritten Reisetag nutzen wir die Intercity-Verbindung von Gera, besuchen die Naumburger Straßenbahn und reisen mit dem IC Saaletal wieder in den Süden.
Die erstklassige Tour fand am Wochenende des dritten Advents statt.
Tag 1: Konstanz – Singen – Stuttgart - Würzburg
Die Tour beginnt am Freitagnachmittag in Konstanz. Ich hatte am Vormittag noch gearbeitet, danach geht es direkt zum Bahnhof. Auf dem Weg zum Bahnhof werde ich noch kräftig nass, wenig später scheint die Sonne.
Die erste Etappe bis Singen legen wir mit dem Seehas zurück, die Nahverkehrsverbindung wird von der SBB Deutschland mit Flirt-Triebzügen betrieben. Wir fahren über die Rheinbrücke mit Blick über den Bodensee und anschließend am Ufer des Untersees nach Radolfzell und weiter nach Singen.
In Singen heißt es Umsteigen in den Intercity aus Zürich. Für die Hinfahrt auf der Gäubahn nutzen wir die schnelle Verbindung, die mit SBB-Wagen gefahren wird. Für eine vorweihnachtliche Reise hoffe ich jedes Jahr auf Winterwetter, dieser Wunsch geht mal mehr und mal weniger in Erfüllung. Bei dieser Tour gibt es immerhin einige winterliche Etappen, hier in Singen liegt eine dünne Schneedecke und bei der Fahrt über die Hegaualb kommt man in winterlich-weihnachtliche Stimmung.
Das mit dem Winter ist dann weiter nördlich recht schnell wieder vorbei, auf der Gäuebene dominieren wieder die herbstlichen Braun- und Grüntöne.
Eigentlich war geplant, dass mein Bruder aus Tübingen kommend in Böblingen zu mir in den IC steigt. Allerdings hat er in Herrenberg den Anschluss nach Böblingen verpasst, und so kann ich ihm bei der Durchfahrt durch Herrenberg nur zuwinken. Aber gut, es gibt noch einen Plan B, er wird dann wenig später mit dem nächsten RE nach Stuttgart hinterherfahren.
Ab Stuttgart geht es weiter auf der Frankenbahn nach Würzburg. Es ist der vorletzte Betriebstag von DB Region auf der Verbindung, nach dem Fahrplanwechsel wird die Strecke von Go Ahead als RE 8 betrieben.
Auf dem Nachbargleis kommt nun gleich mein Bruder an. Er fragt mich dann, was ich ihm denn für eine komische Verbindung gebucht hätte, die hätte es ihm in der App gar nicht angezeigt. Da braucht er wohl noch ein bisschen Tarif-Nachhilfe, denn ein kleiner Fernverkehrsanteil von Böblingen bis Stuttgart eröffnet hier die Welt der Sparpreise.
Einen Nachteil haben Reisen im Spätherbst und Winter: es wird früh dunkel. Von der Landschaft rund um Neckar, Jagst, Bauland und Tauber sehen wir deshalb nicht mehr viel, als einziges Alibi-Bild hier ein Blick über die Enz auf Besigheim mit Stadtkirche und Schochenturm. Auf der rund zweieinhalbstündigen Fahrt von Stuttgart nach Würzburg sammeln wir etwas Verspätung an, aber wenn man keinen Anschlusszug mehr erreichen muss, ist das entspannt.
Würzburg ist die erste Zwischenstation mit Übernachtung. Und hier besuchen wir auch den ersten Weihnachtsmarkt, der sich vor der Fassade des Falkenhauses und der Marienkapelle sowie rund um den Obelisken erstreckt.
Wir trotzen dem Regen und laufen noch zur Alten Mainbrücke, wo sich ein Blick hinauf zur Festung Marienberg bietet. Im Hintergrund ebenfalls beleuchtet das Käppele, die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung auf dem Nikolausberg.
Vorbei am Grafeneckart machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Der Bau ist der älteste erhaltene romanische Profanbau in Würzburg und ist ein Teil des Rathauses.
Es geht gleich weiter...
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Über den Rennsteig zur Naumburger Straßenbahn (Teil 2)
Tag 2: Würzburg – Schweinfurt – Bad Neustadt – Grimmenthal – Themar – Rennsteig – Arnstadt – Saalfeld – Rudolstadt - Jena
So, nachdem der erste Reisetag eigentlich nur der Anreise diente, gibt es heute ein abwechslungsreiches Programm. Der neue Tag beginnt, wie der alte aufgehört hat: mit Regen. Gegen halb neun starten wir die heutige Etappe am Hauptbahnhof Würzburg.
Mit einem Talent 2 starten wir auf dem Netz des Franken-Thüringen-Express. Der Zug fährt von Würzburg über Bamberg nach Nürnberg, wir fahren aber nur eine Station bis Schweinfurt mit.
Mein Bruder fragt mich, warum ich ihm denn eine Fahrkarte von Tübingen bis Bad Neustadt gebucht habe. Und so gibt es für ihn jetzt Lektion 2: „Die 10-Uhr-Regel bei Sparpreisen“.
Wir fahren nun über die Gäuhochfläche im Maindreieck, die Strecke ist unspektakulär. Nur in Seligenstadt werde ich kurz aufmerksam, als ich das Gleis der Mainschleifenbahn entdecke, die im Ausflugsverkehr betrieben wird. Das merke ich mir mal als Sommer-Ziel vor.
In Schweinfurt wechseln wir auf einen Zug der Erfurter Bahn, wir steigen allerdings in den hinteren Zugteil mit Fahrtziel Meiningen. Die Regioshuttles tragen das Logo des „Unterfranken-Shuttle“, die Linie EB 40 verbindet Schweinfurt mit Bad Kissingen und Meiningen, Zugteilung ist in Ebenhausen.
Wir fahren mit dem Unterfranken-Shuttle von Schweinfurt bis Bad Neustadt an der Saale, die Landschaft der Vorrhön zeigt sich leicht winterlich.
In Bad Neustadt legen wir einen Zwischenstopp ein. Das hat sich einerseits tatsächlich aufgrund der 10-Uhr-Grenze angeboten, andererseits hatten wir noch etwas Luft im Tagesprogramm und das Städtchen sah im Internet ganz nett aus. Na, dann schauen wir mal.
Die 15.000 Einwohner-Stadt liegt am Rande der Bayerischen Rhön, wir drehen nun eine kleine Runde durch die Innenstadt. Das historische Zentrum ist umgeben von der Stadtmauer, Wahrzeichen der Stadt ist das Hohntor, das 1578/79 errichtet wurde.
Als wir auf dem Marktplatz stehen, kommt die Sonne heraus und über der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist ein Regenbogen zu sehen.
Schließlich kehren wir an den Bahnhof zurück. Mit dem Mainfranken-Thüringen-Express fahren wir nun weiter nach Grimmenthal. Auf dem RE 7 werden Dieseltriebwagen der Baureihe 612 eingesetzt.
Wir queren nun das bayerisch-thüringische Grenzgebiet, hier im Grabfeld zwischen Rhön und Vorland des Thüringer Walds ist die Landschaft leicht schneebedeckt.
Heute haben wir einen reinen Nahverkehrstag und die grün-weißen Regioshuttles von Süd-Thüringen-Bahn und Erfurter Bahn werden uns noch häufiger begegnen. Auf der Werrabahn fahren wir das kurze Stück von Grimmenthal nach Themar.
Fahrplanbedingt ergibt sich auch in Themar die Möglichkeit für einen Spaziergang. Die Geschichte der Landstadt reicht bis ins Jahr 796 zurück, der Ort hat heute knapp 3.000 Einwohner.
Sehenswert sind der Marktplatz mit dem Rathaus und die denkmalgeschützte St.-Bartholomäus-Kirche an der Werra. Während zahlreiche Gebäude in Themar durch Kriege zerstört wurden, ist die Kirche der kleinen Stadt eines der wenigen Gebäude, das alle Stürme der Zeit überdauerte.
Doch nun zurück zum Bahnhof. Der Bahnhof liegt an der Werrabahn von Eisenach nach Eisfeld, außerdem hat hier die Bahnstrecke über den Rennsteig nach Plaue ihren Ausgangspunkt.
Eigentlich mag ich Dampfzüge nicht besonders und der Auflauf rund um solche Sonderfahrten ist mir zuwider. Wenn ein Dampfzug aber die einzige Möglichkeit ist, um eine Strecke überhaupt bereisen zu können, lassen wir uns halt darauf ein. Der Bahnverkehr auf der Strecke von Themar über Schleusingen zum Rennsteig wurde etappenweise eingestellt, seither betreibt die Rennsteigbahn GmbH zusammen mit dem Verein Dampfbahnfreunde mittlerer Rennsteig einen Ausflugsverkehr an ausgewählten Tagen, so auch zur Bahnhofsweihnacht am Bahnhof Rennsteig am dritten Advent. Die historischen Personenwagen werden von Dampflok 94 1538 gezogen.
Die Bahnstrecke folgt noch kurz dem Werratal, dann zweigt sie in das Tal des Flusses Schleuse ab. Bei der Fahrt am Rande des Thüringer Walds gewinnt die Strecke an Höhe und die Landschaft vor dem Zugfenster wird winterlicher. Bei Schleusingen folgt ein erster steiler Streckenabschnitt, der bis 1927 als Zahnstangenabschnitt ausgeführt war.
Beim Fluss Nahe fällt mir zunächst die Nahetalbahn zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz ein, aber auch hier im Thüringer Wald gibt es einen Fluss dieses Namens.
Der Bahnhof Schleusingerneundorf sieht nur noch selten Züge, hier hält der Zug zum Wassernehmen. Dieser Streckenabschnitt wurde 1904 eröffnet. Die Strecke führt nun hinauf nach Schmiedefeld, auch auf diesem Steilstreckenabschnitt gab es früher Zahnstangenbetrieb.
Bei der Fahrt durch den Winterwald am Hang des Nahetals gewinnt die Strecke deutlich an Höhe, auf dieser Seite des Rennsteigs hat die Bahnstrecke Steigungen bis 59 Promille.
Am Bahnhof Schmiedefeld haben wir schon 681 Meter über dem Meer erreicht. Beim Anblick des Gebäudes wird mir klar, warum es im Fahrplan hieß „Wegen der Sicherheit unserer Fahrgäste hält der Zug nicht am Bahnhof Schmiedefeld“.
Das Gebäude wurde 1903 erbaut, im Jahr 2013 wurde das mehrgeschossige Empfangsgebäude mit Nebengebäude zu einem Anfangsgebot von 5.000 € bei einer Versteigerung aufgerufen.
Bis zum Bahnhof Rennsteig ist es nun nicht mehr weit, auf den letzten knapp zwei Kilometern geht es nochmals fast 70 Höhenmeter nach oben zur Kammlinie des Thüringer Walds, auch hier war früher ein Zahnstangenabschnitt.
Der Zug wird bei der Einfahrt in den Spitzkehrenbahnhof Rennsteig bereits von zahlreichen Besuchern und Fotografen erwartet, von der anderen Seite kommt die Bahnstrecke aus Ilmenau herauf. Ich hätte nicht gedacht, dass uns hier oben so ein prächtiges Winter-Wunderland erwarten würde.
Der Bahnhof Rennsteig liegt auf 747 Meter über dem Meer auf dem Scheitelpunkt der Rennsteigbahn. Eigentlich war die Rennsteigbahn als durchgehende Bahnverbindung von Themar bis Plaue konzipiert. Da die anfangs eingesetzten Zahnradlokomotiven immer talwärts stehen mussten, wurde der Bahnhof Rennsteig als Kopfbahnhof angelegt, so dass bei durchgehenden Zügen die Lokomotiven ohne Umsetzen automatisch richtig standen. Das Empfangsgebäude stammt aus dem Jahr 1906. Anlässlich der Bahnhofsweihnacht erwacht der einsam gelegene Bahnhof mit verschiedenen Angeboten zum Leben.
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Über den Rennsteig zur Naumburger Straßenbahn (Teil 3)
Der Rennsteig ist ein etwa 170 Kilometer langer Kammweg und ein historischer Grenzweg im Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und Frankenwald. Er gilt als ältester und meistbegangener Weitwanderweg Deutschlands.
Im Jahr 1998 endete der planmäßige Reiseverkehr durch den Bahnhof Rennsteig zunächst. 2014 wurde auf dem nördlichen Teil von Ilmenau hinauf bis zum Bahnhof Rennsteig ein Probebetrieb an Wochenenden und Feiertagen aufgenommen, seither verkehrt hier das „RennsteigShuttle“ der Süd-Thüringen-Bahn. Insofern ist der Bahnhof Rennsteig wieder gut zu erreichen, die durchgehende Bereisung der Rennsteigbahn auch mit dem südlichen Teil von Themar her ist dagegen nur an wenigen Tagen im Jahr möglich.
Die Züge der STB zum Rennsteig sind durchgebunden von und nach Erfurt, allerdings gilt auf der Bergstrecke ein Sondertarif.
Ach, so ist mir das lieber, denn vor der Abfahrt des Regioshuttles gibt es keinen Auflauf von Fotografen.
Durch den Winterwald geht es nun wieder nach unten. Der Abschnitt vom Bahnhof Rennsteig bis nach Stützerbach ist der steilste Streckenabschnitt der Strecke, mit einer Neigung von über 60 Promille ist sie eine der steilsten im Reibungsbetrieb befahrenen Eisenbahnstrecken Deutschlands.
Der Bahnhof Stützerbach liegt schon knapp 160 Höhenmeter niedriger und der Schnee wird weniger, aber auch die nächste Etappe hat noch den Charakter einer Gebirgsbahn. Ab Ilmenau wechselt das Publikum im Zug, viele der Ausflügler steigen aus, stattdessen bevölkert nun das übliche Reisepublikum den Zug.
Wir sind noch immer auf der historischen Bahnstrecke Themar-Plaue unterwegs. Zu den aufwändigen Kunstbauten der Strecke gehört der Viadukt von Angelroda, aus 26 Metern Höhe gibt es einen Blick auf den Ort im Vorland des Thüringer Waldes – leider mit Regentropfen auf der Scheibe.
Der Zug fährt bis Erfurt, dort waren wir vor zwei Jahren aber schon mal auf dem Weihnachtsmarkt (zum Reisebericht), deshalb steigen wir in Arnstadt um und fahren mit einem Regioshuttle der Erfurter Bahn nach Saalfeld. Allerdings setzt nun die Dämmerung ein, so dass es für diesen Tag keine weiteren Streckenbilder mehr gibt.
Ab Saalfeld geht es mit Abellio weiter, die Linie RE 15 gehört zum Saale-Thüringen-Südharz-Netz und wird mit Talent 2-Triebzügen bedient. Wir fahren nur 8 Minuten mit...
...und legen in Rudolstadt einen Zwischenstopp ein. Die 25.000-Einwohnerstadt an der Saale ist für ihre historische Altstadt bekannt.
Auf dem Rudolstädter Marktplatz gibt es einen Weihnachtsmarkt zu Füßen des Rathauses. Das Rathaus stammt aus dem 17. Jahrhundert und war anfangs ein schmuckloses Amtsgebäude, es erhielt später den Turmanbau als Verzierung einen Erker im Renaissancestil.
Das bekannteste Bauwerk von Rudolstadt ist jedoch das Residenzschloss Heidecksburg, das weithin sichtbar über der Altstadt thront. Die Treppenstufen hinauf nehmen wir gerne in Kauf...
...denn im Innenhof des Barockschlosses gibt es einen Weihnachtsmarkt vor imposanter Kulisse. Das dreiflügelige Schloss wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut und war Residenz des Fürstengeschlechtes von Schwarzburg-Rudolstadt.
Nicht ganz so prächtig illuminiert ist der Bahnhof von Rudolstadt. Der Bahnhof an der Saalbahn ging 1874 in Betrieb, wir fahren nun mit einem RE bis Jena. Diesmal treffen wir auf einen Talent 2 von DB Regio der Linie Nürnberg-Leipzig.
Den Abschluss des Tages bildet der Weihnachtsmarkt in Jena. Im Hintergrund die Stadtkirche St. Michael, sie wurde ab 1380 erbaut und gehört zu den größten spätgotischen Sakralbauten in Thüringen.
Ebenfalls am Marktplatz liegt das Rathaus mit seinem barocken Fachwerkturm und den spitz zulaufenden Walmdächern. Es wurde 1365 erstmals erwähnt und ist damit eines der ältesten erhaltenen Rathausgebäude Deutschlands.
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Über den Rennsteig zur Naumburger Straßenbahn (Teil 4)
Tag 3: Jena – Gera – Weimar – Naumburg – Stuttgart
Für den Sonntag haben wir drei Programmpunkte ausgesucht, die Fernverkehrsanbindung von Gera, die Straßenbahn von Naumburg und den IC „Saaletal“. Damit wir das alles unter einen Hut bringen, fahren wir heute etwas wirr in der Gegend herum.
Zunächst müssen wir nun also mal nach Gera kommen. Durch Jena verlaufen zwei Bahnstrecken, nachdem wir am Vorabend am Bahnhof Jena Paradies an der Saalbahn angekommen waren, starten wir heute am Bahnhof Jena West, der an der Weimar-Geraer Bahn liegt. Das Empfangsgebäude wurde 1878 eröffnet, zwei Jahre nach Eröffnung der Strecke.
Mit der Einstellung der Interregio-Linie Aachen-Chemnitz verlor der Bahnhof für einige Zeit den Fernverkehr, seit 2018 wird er durch die verlängerte Linie IC 51 nach Gera wieder bedient. Wir werden allerdings erst auf der Rückfahrt mit dem Fernverkehr durch den Westbahnhof kommen, zunächst treffen wir zur Fahrt nach Gera wieder auf ein Regioshuttle der Erfurter Bahn.
Die Weimar-Geraer-Bahn ist eine teilweise zweigleisige Hauptbahn, sie ist nicht elektrifiziert und Teil der sogenannten Mitte-Deutschland-Verbindung vom Ruhrgebiet nach Westsachsen. Nach dem Halt in Göschwitz überquert die Bahnstrecke die Saale und führt weiter durch das Tal der Roda und anschließend durch den Zeitzgrund in das Holzland.
Das Thüringer Holzland ist ein waldreiches Hügelland zwischen Jena und Gera, die Bahnstrecke wird deshalb auch Holzlandbahn genannt. Hier fahren wir gerade durch Oberndorf, die Strecke folgt nun dem Tal des Erlbachs bis nach Gera.
Zusammen mit Erfurt und Jena gehört Gera zu den drei größten Städten in Thüringen. Auch hier unternehmen wir eine kleine Stadterkundung, den Anfang macht die Salvatorkirche auf dem Nicolaiberg über dem Stadtzentrum.
Bei Sonnenschein wirken Weihnachtsmärkte nicht so recht, hier sind wir jedenfalls am Markt angekommen. Zu den Sehenswürdigkeiten von Gera gehört das Rathaus, der Renaissancebau wurde nach einem Stadtbrand 1780 neu aufgebaut und hat einen charakteristischen sechsgeschossigen Treppenturm.
Doch nun zurück an den Hauptbahnhof. Gera ist eine der größten deutschen Städte ohne elektrifiziertes Schienennetz. Der Bahnhof wurde ursprünglich als Preußischer Bahnhof an der Strecke nach Halle eröffnet, daneben gab es auch noch den Sächsischen Bahnhof. Zu seiner Blütezeit zwischen beiden Weltkriegen verlief der Fernverkehr Berlin-München teilweise durch Gera, durch Reparationsleistungen nach dem Zweiten Weltkrieg, die Verlagerung des Fernverkehrs und der Stilllegung von Bahnstrecken nach der Wende verlor der Bahnhof an Bedeutung.
Zuletzt gab es bis 2006 mit dem InterConnex nach Berlin und Rostock noch privaten Fernverkehr, danach war Gera ganz ohne Fernverkehrsanschluss. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 kehrte der Fernverkehr mit täglich drei Zügen nach Gera zurück, Gera ist Endpunkt der Züge aus bzw. nach Kassel und Köln. Ursprünglich war der Einsatz von IC2-Zügen geplant, später wurde auf klassische Intercity-Wagen umdisponiert. Die Züge werden von einer Diesellok der Baureihe 245 gezogen, in Gotha gibt es dann einen Lokwechsel. Nach den ganzen Triebwagen gibt es nun für uns mal wieder etwas Fernverkehrskomfort im Abteilwagen.
Von Gera bis Erfurt ist der Zug für Nahverkehrsfahrkarten freigegeben, er hat neben IC 2152 eine zweite Zugnummer als RE 51. Dadurch kommt auch die 7.000-Einwohner-Kleinstadt Stadtroda in den Genuss einer Direktverbindung ins Ruhrgebiet. Zum Streckensammeln fahren wir mit bis Weimar. Von Gera nach Weimar benötigt der IC rund 10 Minuten länger als der sonst hier verkehrende RE.
Die Strecke von Gera bis Jena West kennen wir ja schon von der Hinfahrt, anschließend geht es weiter auf der Holzlandbahn. Im Stadtgebiet von Jena beginnt der Aufstieg durch das Mühltal und den Schwabhäuser Grund hinauf auf die Ilm-Saale-Platte, anschließend geht es hinab nach Weimar.
Eine Weiterfahrt auf der Mitte-Deutschland-Verbindung hätte mir zwar auch gefallen, aber diesmal haben wir ein andere Reiseplanung - und so steigen wir in Weimar um. Der Bahnhof von Weimar war 2005 „Bahnhof des Jahres“.
Nun gibt es ein Wiedersehen mit Abellio Mitteldeutschland. Mit der RB 20 fahren wir auf der Thüringer Bahn nach Naumburg. Auch hier werden Talent 2-Triebzüge eingesetzt.
Die Rudelsburg bei Saaleck gehört zu den Klassikern der Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke. Die Höhenburg wurde im Hochmittelalter zur Sicherung der Handelswege angelegt.
Die Strecke führt mehrfach über die Saale, so auch kurz darauf im Stadtgebiet von Bad Kösen. Dabei ist auch das Gradierwerk zu sehen. Es wurde 1779 zur Salzgewinnung errichtet, heute dient es dem Kurbetrieb.
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Über den Rennsteig zur Naumburger Straßenbahn (Teil 5)
In Naumburg ist nun unser nächstes Ziel erreicht: die Naumburger Straßenbahn. Seit 1892 gibt es – mit Unterbrechungen – in Naumburg eine Straßenbahn. Sie wurde erbaut, um die Altstadt an den über einen Kilometer entfernten Bahnhof anzubinden. Als ich das letzte Mal in Naumburg war, befand sich die Endhaltestelle noch ein Stück entfernt, mittlerweile wurde die Haltstelle direkt auf den Bahnhofsvorplatz verlegt.
Die meterspurige Straßenbahnstrecke war ursprünglich als Ring um die Altstadt konzipiert. Im Jahr 1991 endete der Straßenbahnbetrieb, Verzögerungen bei Bauarbeiten und der Verfall von Fördergeldern bereitete dem Straßenbahnbetrieb ein vorläufiges Ende. Durch private Initiative konnte ab 1995 ein Teil der ehemaligen Ringbahn für den elektrischen Betrieb wiederhergestellt werden. Mittlerweile fährt die Straßenbahn wieder täglich im Halbstundentakt zwischen Hauptbahnhof und Salztor.
Ursprünglich wurde die Ringstraßenbahn in beiden Richtungen befahren, im Uhrzeigersinn fuhr die Linie 1, entgegen die Linie 2. Nachdem die Liniennummern 1 bis 3 später für den Stadtbus vergeben wurden, verkehrt die Straßenbahn heute als Linie 4.
Während unseres Besuchs wird Wagen 37 eingesetzt, die Bahn wurde 1959 von Gotha / LEW gebaut und kam 2003 nach Naumburg.
Seit DDR-Zeit trägt die Straßenbahn den Beinamen „Wilde Zicke“, sie ist heute der kleinste Straßenbahnbetrieb Deutschlands. Der gesamte Ring war ursprünglich 5,4 Kilometer lang, die heutige Streckenlänge beträgt 2,9 Kilometer. Die Strecke umrundet die historische Altstadt entlang des ehemaligen Mauerrings, hier passieren wir gerade das Depot.
In Fahrtrichtung rechts ist derweil das Marientor zu sehen, es ist das einzige noch erhaltene Stadttor von ehemals fünf Toren der Stadtbefestigung. Die Anlage stammt von 1446, für mehrere Jahrhunderte diente sie auch als Gefängnis.
Wir fahren weiter bis zur Endhaltestelle Salztor – das namensgebende ursprüngliche spätmittelalterliche Salztor existiert jedoch nicht mehr.
Naumburg liegt im Süden von Sachsen-Anhalt und kann auf eine lange Stadtgeschichte zurückblicken, die mittelalterliche Altstadt lädt zu einem Stadtbummel ein.
Wahrzeichen der Stadt ist der spätromanisch-frühgotische Dom St. Peter und Paul. Mit dem Bau der dreischiffigen, zweichörigen Basilika mit vier Türmen und einem Kreuzgang wurde bereits vor 1213 begonnen. Seit 2018 ist der Naumburger Dom UNESCO-Weltkulturerbe.
Und natürlich gibt es auch hier einen Weihnachtsmarkt, über dem Markt erhebt sich Stadtkirche St. Wenzel, mit 72 Metern ist ihr Turm der höchste Turm der Stadt. Das Gebäude davor ist das Schlösschen, hier befand sich im 14. Jahrhundert das erste Kaufhaus.
Vor dem Portal der Stadtkirche ist die Naumburger Weihnachtskrippe zu bestaunen.
Am Markt befindet sich auch das Renaissance-Rathaus (erbaut von 1517 bis 1528). Wir sind hier ja in einem Bahnforum, da wird sich der geneigte Leser vielleicht fragen, was die ganzen Weihnachtsmarktbilder sollen...
So besser?
Am Markt finden sich auch Relikte des früheren Ringabschnitts der Straßenbahn durch die Innenstadt. Dieser Abschnitt wurde 1976 aufgegeben. Heute wird es als Nachteil gesehen, dass die zentralen touristischen Attraktionen wie Markt, Altstadt und Dom umfahren werden. Auch wir müssen deshalb ein paar Meter laufen...
...bis zur Endhaltestelle Salztor. Wir fahren nun zurück an den Bahnhof – das Vorzeigen der Fahrkarte ist nicht mehr nötig, die Straßenbahnschaffnerin erinnert sich, uns bei der Hinfahrt Tageskarten verkauft zu haben.
Hier noch ein Blick von der Fahrt um die Altstadt in die Jakobsstraße. Ich bin bei der Zuordnung der Bilder etwas verwirrt, weil Fahrplan und Stadtplan scheinbar nicht zusammenpassen wollen – bis ich merke, dass der Theaterplatz in Curt-Becker-Platz umbenannt wurde.
So, damit ist unser Programm eigentlich abgearbeitet, wir können nun die Heimreise in den Süden Deutschlands antreten. Am Hauptbahnhof von Naumburg halten nur noch einzelne Fernverkehrszüge. Einer davon ist der...
...IC 2060 „Saaletal“. Der Zug gehört zur IC-Linie 61, die eigentlich Karlsruhe und Nürnberg verbindet, wobei ein Zugpaar durch das Saaletal bis Leipzig durchgebunden ist. Der Zug wurde zum Fahrplanwechsel von IC2 auf konventionelle IC-Wagen rückumgestellt.
Falls hier jemand von der Bahn mitliest: die Bemerkungen in der Fahrplanauskunft stimmen für den Zug nicht, dort taucht noch der Hinweise auf den IC2 auf. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Hinweis „Snacks und Getränke am Platz“ noch stimmt, uns ist jedenfalls kein mobiler Verkäufer begegnet.
Während wir am Bahnsteig warten, fährt in Gegenrichtung ein Zug mit Doppelstockwagen und mehreren Steuerwagen durch, die das bwegt-Logo tragen. Offenbar werden hier gerade die durch den Betreiberwechsel arbeitslos gewordenen Wagen aus dem Ländle abgefahren.
Für die nächsten fünfeinhalb Stunden machen wir es uns nun im Abteilwagen bequem. Diesmal begegnet uns eine Modernisierungsvariante mit den herkömmlichen Sitzen in neuem Bezug.
Die Fahrt durch das Saaletal und weiter über Nürnberg nach Stuttgart wäre landschaftlich eigentlich ganz nett – wenn es nicht schon dunkel wäre. Stellvertretend deshalb nur dieses eine Bild, wenn mich nicht alles täuscht, müsste das Ludwigsstadt bei Nacht sein.
Kurz vor Stuttgart gibt es noch einen Nothalt und bringt uns einige Minuten Verspätung ein – aber egal, wir schaffen es heute ohnehin nicht mehr nach Hause. Die letzte Verbindung von Stuttgart nach Konstanz ist schon um 21:16 Uhr, deshalb hatten wir von vornherein eine Zwischenübernachtung in Stuttgart eingeplant.
Die große Halle im Bonatzbau am Stuttgarter Hauptbahnhof ist mittlerweile leergeräumt, ich weiß nicht so recht, was ich von der weihnachtlichen Illumination der Baustellen halten soll.
Tag 4: Stuttgart – Singen – Konstanz
So, der letzte Reisetag ist angebrochen, heute steht nur noch die Schlussetappe von Stuttgart zurück an den Bodensee auf dem Programm. Und eigentlich muss ich an dem Tag auch schon wieder arbeiten, deshalb geht es früh am Morgen auf den Zug.
Wir werfen noch einen kurzen Blick auf die Baustelle von S 21 mit den Kelchstützen, die das zukünftige Bahnhofsdach tragen sollen. Dann trennen sich unsere Wege, mein Bruder fährt weiter nach Tübingen, ich besteige den Zug nach Singen. Diesmal geht es mit dem IC2 auf die Gäubahn.
Anfangs ist es noch dunkel, im Neckartal herrscht Nebel. Insofern gibt es diesmal nur ein Bild aus dem Hegau zwischen Engen und Singen.
Kann es eine Bahnreise geben, bei der alles klappt? Selbstverständlich nicht - der IC2 sammelt munter Verspätung und schließlich ist der Anschluss-Seehas in Singen weg. Aber gut, es hätte auf der Tour weit schmerzhaftere Anschlussverluste geben können, zumal einige Minuten später die Schwarzwaldbahn nach Konstanz eintrifft. (Warum die Zugchefin im IC2 diesen Anschluss bei der Durchsage verschweigt und als nächste Fahrtmöglichkeit nach Konstanz nur den Seehas 30 Minuten später nennt, bleibt wohl ihr Geheimnis).
Und so geht es mit dem Zug der Schwarzwaldbahn nun auf die letzte Etappe der Reise.
Im Nebel am Bodensee endet damit eine kleine weihnachtlich-winterliche Rundfahrt nach Franken, Thüringen und Sachsen-Anhalt.
Vielen Dank für das Interesse und fürs Mitkommen.
Ich wünsche frohe Weihnachtstage und einen guten Start ins neue Jahr!
Viele Grüße
Tobias
PS: Meine früheren Bahnreiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de
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Vielen Dank!
Vielen Dank für den spannenden und vielfältigen Bilderbogen! War sehr schön, mitreisen zu dürfen.
Rundum guter Bilderbogen aus der alten Heimat! Top Danke
- kein Text -
eine Frage
Hallo Tobias,
ein toller Bericht und wirklich tollen Fotos.
Da ich nicht aus dem Ländle komme darf ich sicher danach fragen.....
Was hat es mit den vielen verschieden "Gäu" Bezeichnungen auf sich ?
Oberes Gäu, Zabergäu, Heckengäu, Korngäu, Schlehengäu, Strohgäu.
Vielleicht kannst Du es mir erklären...… vielen Dank
Viele Grüße
Matthias
eine Frage
Vielleicht kannst Du es mir erklären...… vielen Dank
Ich heiße zwar nicht Tobias, kenne aber eine kleine Seite auf der geheime Sachen verraten werden: top secret infos
Vielen Dank
Die Fahrt durch das Saaletal und weiter über Nürnberg nach Stuttgart wäre landschaftlich eigentlich ganz nett – wenn es nicht schon dunkel wäre. Stellvertretend deshalb nur dieses eine Bild, wenn mich nicht alles täuscht, müsste das Ludwigsstadt bei Nacht sein.
Danke für die tollen Eindrücke von deiner Reise.
Ja, das sollte Ludwigsstadt sein. Das wäre mal einen Versuch wert gewesen, das Bild als Bahnhofsrätsel zu bringen.
Die Häuser am Hang gegenüber sind für mich mittlerweile so charakteristisch wie die Vorbeifahrt danach am Kirchturm. Womöglich wirkt das Wort Gottes dort immer noch etwas stärker, wenn es durch das Donnergrollen eines darüber hinwegfahrenden Güterzuges untermalt wird.
Supi berichtet
Ein meisterlicher Reisebericht, sehr informativ berichtet. Vielen Dank fürs "mitfahren".
Vielen Dank, sehr schön.
- kein Text -
Frage zu den Fahrpersonalen in Naumburg
Kann jemand sagen, ob dort jeder Bimmelfahrer auch automatisch Stadtbusfahrer ist? Oder gibt es Personale, die das ganze Jahr über immer nur auf diesen zwei Kilometern Straßenbahngleis hin und her rutschen? Könnte ich mir gar nicht vorstellen.
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Gruß, Olaf
"Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite."
Goethe an Schiller 1797
Antwort zu den Fahrpersonalen in Naumburg
Moin.
Danke für den Bericht!
Kann jemand sagen, ob dort jeder Bimmelfahrer auch automatisch Stadtbusfahrer ist?
Sagen wir es so: Die Straßenbahn wird von der Naumburger Straßenbahn gmbH betrieben, der Stadtbus von der Personenverkehrsgesellschaft Burgenlandkreis mbH. Die Unternehmen sind nicht verwandt und nicht verschwägert.
Viele Grüße
Sören
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![[image]](https://up.picr.de/48317654tz.jpg)
Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr
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