DB Speisekarte richtig gut und guenstig. (Allgemeines Forum)

moonglum, Hagen, Montag, 09.12.2019, 16:38 (vor 2315 Tagen) @ br752
bearbeitet von moonglum, Montag, 09.12.2019, 16:42

Gut und günstig ist nicht umsonst die "Marke" in einem uns allen bekannten Supermarkt mit dem Niveau im unteren Qualitätssegment. Anders sind diese Preise ja auch nicht denk- und realisierbar.

Dann noch alles in die Schüssel geschmissen, um nicht zu sagen gepampt. Es ist eben kein gemischter Salat mehr sondern ein geschichteter, und das ist etwas ganz Anderes.

Probiert dann mal dieses Zeugs, das sich Hühnerbrühe nennt. Wem das schmeckt, der sollte mal gelegentlich zum Arzt gehen und die Zunge überprüfen lassen. Und korrekt: Die Hühnerbrühe sieht nicht nur komisch aus, sie riecht genauso wie diese 40 Cent-Brühe aus wiederum einem einschlägigen Supermarkt. Stets benutzt man hier "Ingwer" als das schlechte Niveau übertünchende Gewürz - ein ganz alter Trick, den jeder Gastronom kennt, der Kunden täuschen will.

Wenn wir zurückdenken, was im Bordrestaurant alles gezaubert werden konnte, egal ob von Biolek oder Poletta oder sonstwem entworfen, dann kommt einem das aktuelle Angebot auf einem erschreckend niedrigen Niveau entgegen. Und dann der ganze Zauber auch noch aus der Mikrowelle, die selbst in immer mehr Firmen auf Empfehlung der Medizin abmontiert wird, so auch bei meinem Biz-Partner am Bodensee.

Und die bezahlten DB-Schreiberlinge sind nun dazu verdammt, den günstigen Preis zu loben und finden was eigentlich gut? Den Preis oder die mindere Qualität?

Gut und günstig als Begriff ist ein preisgekröntes erfolgreiches Framingkonstrukt für das einfach denkende Hirn, welches dann denkt, es erhalte gute Ware zum günstigen Preis. Dem ist aber nicht so, das ist eine vorsätzliche und erfolgreiche Täuschung. Es gab einen Preis für die Agentur, die das erfunden hat.

Und was immer das DB-Gastro-Management behauptet und in die Köpfe einfältiger Menschen framen möchte: Es ist definitiv nicht so, dass alle Reisende das toll finden und hipp. Und wie reihenweise das Gastropersonal betont: Auch und gerade sie sind NICHT gefragt worden, ob sie Schüsselpampe auf Pommesbudenniveau und Mikrowelle für eine gute Idee halten. Sie halten es nämlich nicht dafür. Die Rückmeldungen vieler Reisender, die nur ein ganz klein wenig Niveau erwarten, wenn es um das Thema Essen geht, sind ihnen aus meiner Sicht vollkommen zurecht unangenehm.

Auch mit dem seltsamen Kuchen in Folie hat es in Wirklichkeit nicht so hingehauen. Man hatte es mit einem Kombiangebot versucht: Heissgetränk und Kuchen. Das war der Klassiker all die Jahre mit dem guten Coppenrath und Wiese Butterkuchen, den nicht einmal ich trotz Beziehungen zur Firma verkauft bekam. Er ging exklusiv zur DB.

Der Verkauf der neuen Kombi zum höheren Preis war gelinde gesagt ganz schnell "sch....". Das sagen die Gastromitarbeiter und verstehen nur zu gut, warum das so ist. Es heisst, das Kombi-Angebot sei inzwischen wegen Erfolglosigkeit gestrichen.

In den Schweizer DoSto-IC älterer Generation, wo es "oben" ein Restaurant und "unten" ein Bistro hat, gibt es sowohl Steamer als auch Mikrowelle (im Gegensatz zu den SBB-Restaurantwagen in den EC nach München/Hamburg, wo es nur Steamer gibt). Wir haben da ein Beutelgericht einmal im Steamer (20 min.), einmal in der Mikrowelle (3 min.) zubereiten lassen. Der geschmackliche Unterschied ist eklatant, das letztere schmeckt unangenehm grell und liegt gefühlt lange im Magen, genauso wie es das aktuelle Chili con Carne tut: Grell im Geschmack und lange im Bauch liegend. Wenn Keksi oder Blaschke das anders empfinden, dann gehören sie eben zu jener kleinen Gruppe spezieller Menschen, die einen Magen wie ein Spülstein haben, bitte sehr. Glückwunsch. Bahntauglichkeitsstufe 1! Wie nennen die Gastromitarbeiter das im Gespräch mit ihren Kunden? Das Zeugs sei mikrowellen-optimiert, äh: Die Rezeptur sei mikrowellen-optimiert.

Eigentlich ist es einfach nur billiger Fraß auf Pommesbudenniveau, den die DB beschlossen hat, ihren Reisenden vorzusetzen. Das passt doch irgendwie zu den unbequemeren neuen Sitzen mit engerem Raum und immer mehr attraktiven Wand(fenster)plätzen und so vielem, was nicht mehr ist, was es einst gewesen ist. Billiger, unbequemer und beengender wird als Fortschritt und Zukunft angepriesen. Und genau diese Täuschungen schaffen den stetig wachsenden Frust bei den Reisenden zu wesentlichen Aspekten.

Unterm Strich:
Es ist logistisch und qualitativ billig und deswegen auch vglw. preiswert abzugeben.

Man kann nur hoffen, dass sich der Mist irgendwann wieder abschafft und wieder bessere Zeiten kommen. Ich hab leicht reden, ich steige einfach in die SBB-Züge und basta, andere haben sich die ÖBB-Restaurants herausgepickt, die auch nach wie vor ordentlich sein sollen. Aber die DB-Kost ist wie vieles andere aus dem Hause DB einfach unten angekommen. Obwohl es mit Leichtigkeit besser gehen könnte. Bessere Tütenkostprodukte, Steamer reaktivieren, Teller wieder her.

Wenn man sich überlegt, dass man als Fortschritt feiert, dass es Currywurst jetzt auch im Restaurantteil des Wagens gibt, wo sind wir auch kulturell dann angekommen? Die Zuggastronomie ist immer auch kulturelles Aushängeschild. Sie war schon einmal gasnz ganz unten, mit den Quick-Pick-Wagen, jene durften irgendwann dann nicht einmal mehr nach Austria und in die Schweiz rollen. Man wollte den Schrott dort nicht haben und den Reisenden nicht zumuten. So schlimm ist es nun noch nicht, aber die Richtung stimmt wieder mal.


Ich saß letztens mit einem Kollegen in einem ICE, wir beließen es bei Tee und erinnerten uns an alte Zeiten, als das Biolek-Essen gereicht wurde.

Wir fuhren damals gemeinsam vor Weihnachten im ICE von Neumünster zurück ins Ruhrgebiet, um noch einmal mit Genuss das Weihnachtsgericht mit "Ente mit Orangensoße usw." zu genießen. Die geniale Gastro-Mitarbeiterin mit dem Namen der Stadt, die es gar nicht gibt, hatte Dienst, wusste den besten Wein dazu zu empfehlen und hat eine der ganz herausragenden positiven Erfahrungen gestaltet. Das Licht im ICE1-Restaurant war dezent, und ab Hamburg Hbf bis in den Ruhrpott hinein war der WR voll und es wurde getafelt und gelacht. Das Biolek-Kochbuch lag dann auf dem Weihnachtsgeschenketisch, ich liebe es heute noch.

Nun will uns die DB einreden, dass weil es der logistischen Vereinfachung dient, dass wir Reisenden doch den Ramsch, der jetzt geboten wird, wollen.

Man sagt uns:
Der Kunde will attraktive Preise, was mit BILLIG gleichgesetzt wird und dieses unsägliche Mikrowellenangebot mit sich bringt. Nur, wer von uns wurde gefragt, ich habe bis zum heutigen Tag keinen einzigen Menschen getroffen. Schreiberlinge auch in diesem Forum bekunden ihren schlechten Geschmack anhand der Erkenntnis, wie gut die Currywurst schmecke. Hallo, toll! Es leben die Massen an Geschmacksverstärkern hoch.

Man sagt uns:
Die Zeiten haben sich geändert. Ja, das Angebot wird seit Fahrplanwechsel 2018/2019 schlechter und bei den Warmgerichten in der Schüssel ein, zwei, drei Euro preiswerter. Na und? Warum muss man das standardisieren für alle? Es gibt zahlreiche Mitreisende, die mehr bezahlen würden, wenn die Qualität auch deutlich besser wäre. Und das wäre möglich.

Dazu kommt, dass man immer öfter nun eine lautstarke Prollgruppierung im Restaurant vorfindet, die Frikadelle und Bier und noch ein Bier und noch eines nehmen. Genau dieses dumpfe Gegröhle und Gewitze, das man nach anstrengendem Tagwerk im Zugrestaurant einfach NICHT braucht. Nun, wo es den Pamp auch im Restaurantteil des Wagens gibt, setzt man sich auch dahin, ist ja doch etwas schöner dort....

Kürzlich fuhr mein Kompagnon von der Uni Göttingen zur Familie nach Bochum. Er war derartig begeistert über just solche fröhlichen Mitreisenden im Donnerstag abendlichen ICE2 samt der Schüsseldarreichung, dass er nur meinte: Die können sich demnächst "f...en" gehen. Da esse ich nichts mehr. Ich habe ihn noch nie solch einen vulgären Ausdruck benutzen hören, aber.... er passt irgendwie.

Das Fatale in unserer Zeit ist, dass nun bezahlte Schreiberlinge dieses geschilderte niedrige Qualitäts-Niveau bei kritischen Beiträgen geradezu zwanghaft schönreden müssen. Die stetig wachsende Glaubwürdigkeitskrise auch bei der Bahn kommt unter Anderem genau daher. Dieses das momentane Thema schönredende Gelaber schafft ja keine bessere Qualität. Es ist ein dürftiger Klimmzug, um einen wahrgenommenen Koflikt oder eine Auseinandersetzung JETZT abzuwehren und in andere Bahn zu lenken. Das macht man dann, wenn man eigentlich weiss, dass der Kritiker recht hat, aber wenn nman zugleich seine Pläne nicht ändern möchte.

Auch ein beliebter Trick: Auf Bahnverwaltungen verweisen, die es noch schlechter machen. Sich mit den Versagern messen ist anscheinend das Gebot der Stunde. Loser unter sich. Aber mal ehrlich:

Dieses Essen kann man sich sparen. Es taugt für Notfälle, wenn man eben wirklich Hunger hat und je nach Tageslage und Tagesablauf einfach jetzt etwas Warmes im Bauch haben muss. Wenn etwas gerade noch geht, dann Rindsgulasch mit Teigwaren oder jetzt dieses Hirschgulasch mit Knöpfli, Schulnote 3, okay. Kostet dann aber auch schon 12,xy Euro.

Viele der mir seit Jahr und Tag bekannten Gastrokräfte wissen nun auch, dass die neue Linie des Angebots alles Andere als mehr essende Kunden gebracht hat. Und sie halten damit auch nicht hinterm Berg. Insbesondere die Mikrowellenfokussierung lehnen jene Mitarbeiter/innen mit letzten gastronomischen Idealen ab - aber wie sooft: Das Management kocht sein eigenes Süppchen, und das, welches jene verspeisen, dürfte kaum diese unsägliche Hühnerbrühe sein, wetten?

So oder so: Wie oft ist das Bistro, die Küche etc. pp. defekt, wann kann man überhaupt mal geordnet arbeiten? Und dann auch noch nun die Umstellung auf das neue Kassensystem. Es gibt sooo viele Herausforderungen anderer Art...

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Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen, keine Mikrowelle und kein in Schüsseln gepamptes Essen gibt.

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