Satireprojekt "RheinJet" teilt wieder aus (Allgemeines Forum)

J-C, In meiner Welt, Donnerstag, 26.09.2019, 00:43 (vor 2430 Tagen)
bearbeitet von J-C, Donnerstag, 26.09.2019, 00:44

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Das Satireprojekt war anscheinend in Sachen Pressemeldungen keine Eintagsfliege, jetzt gibt es einen neuen Artikel auf der Webseite, bei der geübte Nutzer schnell verstehen, dass man sich nicht wirklich ernst nimmt.

In der ersten Pressemeldung durften wir davon lesen, wie jenes "Unternehmen" durch sporadisch verkehrende Einzelzüge einen substanzielleren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten als Greta Thunberg und all die anderen da draußen.

Heute dürfen wir neue Schöpfwerke der Kleinkünstler aus Meerbusch.

Ich zitiere:

Mit einem massiven Preisdumping hat die im Staatsbesitz befindliche Deutsche Bahn auf die Streckenankündigungen von RheinJet reagiert. Insbesondere auf der Strecke Frankfurt-München wurden die Preise drastisch reduziert, dies auffällig und ausschließlich an den RheinJet Verkehrstagen. Aus diesem Grund werde nun Beschwerde beim Bundeskartellamt sowie Europäischen Wettbewerbskommission zum Missbrauch einer Marktbeherrschenden Stellung eingereicht.

Pointiert beklagt man an der DB Fernverkehr AG die simple Tatsache, dass sie sich der Dynamik des Marktes beugt, sofern die Vermutungen über die Preispolitik stimmen. Das ist eine wahrlich gewagte Überspitzung über die Klagefreude mindestens einer gewissen Privatbahn. Gar nicht so schlecht gelungen! Oder will der Kleinkünstler durch die Pointe, dass ein Unternehmen, das als Mitbewerber auftreten will, den Wettbewerb scheut, aufwarten? Das wird wohl offen bleiben.

Bereits vor Monaten wurde die Preisgestaltung durch RheinJet engmaschig beobachtet und ausführlich protokolliert. Diese Daten werden in den kommenden Tagen an das Bundeskartellamt sowie der Europäischen Wettbewerbskommission gesendet. „Wenn die Bahn auf der Strecke Frankfurt-München vor unserem Marktstart ausschließlich 59-89€ an Freitagen verlangt hat, jetzt an unseren Verkehrstagen auf 19-29€ reduziert, dann ist das Dumping und kein Wettbewerb“, sagt RheinJet Geschäftsführer M.Michael.


Auch eine gern angewandte Methode: Der Tunnelblick in der Kausalkette. Die Mentalität, die Umwelt auf sich zu fokussieren wurde hier mit chirurgischer Präzision seziert.

Zudem könne der eingesetzte Zug deutlich schneller fahren, wird jedoch durch die Vorgaben der Deutschen Bahn Tochter DB Netz vorgegeben, ohne Einflussmöglichkeit von RheinJet.

Eine weitere Methodik wird für uns sehr offensichtlich vorgeführt: Das Auslassen der Information. Gibt es Gründe, warum die Züge nicht schneller fahren können? Könnte es an dem höchst wahrscheinlich prähistorischen Wagenmaterial liegen, das eben nicht überall sicher geführt werden kann? Das könnte der Rhetorik schaden! Wie hier vorgeführt, werden solche Details daher ausgelassen. Wahrlich ein eindrucksvolles Exemplar einer oft angewandten Praxis in vielen Anwendungsbereichen.

Neben den Beschwerden werden nun auch enge Kooperationen mit anderen Marktteilnehmern wie FlixTrain/Flixbus, BlaBlaCar oder Pinkbus angestrebt. Erste Gespräche sind hierzu bereits erfolgt. In verschiedenen Formen der Zusammenarbeit soll so dem Monopol erfolgreich Paroli geboten werden.

Und zum Schluss das obligatorische Sahnehäubchen auf das Ensemble: die metaphorische Kriegserklärung, Kampfbereitschaft, Kampfeswille, das Feeling des David gegen den Goliath, das Image des Underdogs! Großartige Inszenierung! Bravo!

Da fällt mir bezüglich des ganzen nur eines ein, was ich in einem Bild ausdrücken will:

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

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