Bundesrat für Parallelstrukturen bei Bahnsteighöhe (Allgemeines Forum)

Frecciarossa, Montag, 23.09.2019, 11:29 (vor 2389 Tagen)

Der Bundesrat erteilt dem Streben nach einer einheitlichen Bahnsteighöhe eine Absage. In einer in der letzten Woche beschlossenen Gesetzesinitiative setzt er sich für eine Verankerung des Nebeneinanders der Höhen 55 cm und 76 cm in der EBO ein.

https://www.internationales-verkehrswesen.de/bahnsteig-hoehe-bundesrat-stimmt-fuer-mehr...

Great...

J-C, In meiner Welt, Montag, 23.09.2019, 12:23 (vor 2388 Tagen) @ Frecciarossa

...Immerhin müssen sich die Besteller um die bestehende Barrierefreiheit bei Sanierungen dann nicht fürchten. Aber langfristig wäre m.M.n. 55cm Bahnsteighöhe angebracht. 76cm sind nicht Fisch und nicht Fleisch...

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

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Paladin, Hansestadt Rostock / Güstrow, Montag, 23.09.2019, 12:47 (vor 2388 Tagen) @ J-C

Es ist ganz egal, ob 55cm oder 76cm. Entscheidend wäre eine EU-weite Vorgabe, an der sich alle heutigen und zukünftigen Aus- und Neubauten richten müssen, mit einem Ziel wann wie viel Prozent der Bahnsteige auf die Höhe umgebaut sein müssten. z.B. 80% im Jahr 2050.

Europa: 15 mal 55cm, 3 mal 76 cm

Alphorn (CH), Mittwoch, 25.09.2019, 00:10 (vor 2387 Tagen) @ Paladin

Die EU lässt sowohl 55 cm als auch 76 cm Bahnsteighöhe zu. Der de-facto-Standard ist aber 55 cm:
[image]
grün=55 türkis=gemischt blau=76
Die einzigen zwei 76-cm-Länder in Kontinentaleuropa sind Belgien und die Niederlande, während die deutschen Nachbarländer Dänemark, Frankreich, Schweiz, Österreich und Tschechien auf 55 cm setzen. Insgesamt steht es 15 zu 3 für 55 cm.

Deswegen und weil die angestrebten Passagierzuwächse mit Verzicht auf Doppelstöcker nicht machbar sind halte ich 55 cm für Deutschland immer noch für überlegen. Die 96-cm-S-Bahn-Systeme müsste man wohl trennen oder vorerst auf 76 cm umstellen.

Europa: 15 mal 55cm, 3 mal 76 cm

Celestar, Mittwoch, 25.09.2019, 09:30 (vor 2387 Tagen) @ Alphorn (CH)

Die EU lässt sowohl 55 cm als auch 76 cm Bahnsteighöhe zu. Der de-facto-Standard ist aber 55 cm:
[image]
grün=55 türkis=gemischt blau=76
Die einzigen zwei 76-cm-Länder in Kontinentaleuropa sind Belgien und die Niederlande, während die deutschen Nachbarländer Dänemark, Frankreich, Schweiz, Österreich und Tschechien auf 55 cm setzen. Insgesamt steht es 15 zu 3 für 55 cm.

Deswegen und weil die angestrebten Passagierzuwächse mit Verzicht auf Doppelstöcker nicht machbar sind halte ich 55 cm für Deutschland immer noch für überlegen. Die 96-cm-S-Bahn-Systeme müsste man wohl trennen oder vorerst auf 76 cm umstellen.

Warum soll man die S-Bahn nicht so lassen?
Und bei 55cm, kann man die Triebzüge so bauen, dass der Fahrgastraum bei 55cm ist?

Celestar

Europa: 15 mal 55cm, 3 mal 76 cm

ThomasK, Mittwoch, 25.09.2019, 09:36 (vor 2387 Tagen) @ Alphorn (CH)

Der gesamte Fernverkehr ist in Deutschland auf 76 cm Höhe hin ausgerichtet.

Sollte es dazu kommen, dass auch 55 cm zugelassen werden sollten, dann bezieht sich das nur auf Nebenbahnen.

Und was München anbetrifft: Da werden wir ganz sicher nicht von den 96 cm Bahnsteighöhe bei der S-Bahn München weggehen. Ganz im Gegenteil: Beim BOB-Netz ist es sinnvoll, ebenfalls auf 96 cm zu gehen und an den Verknüpfungsstellen zum übrigen Regionalverkehr wie z.B. in Freising, Markt Schwaben, Geltendorf, Petershausen usw. ist es angezeigt, eigene S-Bahnsteige mit 96 cm zu errichten.

Ansonsten gilt: In München werden wir ganz sicher nicht auf 55 cm gehen; es wird eine Kombination aus 76 cm und 96 cm geben.

Europa: 15 mal 55cm, 3 mal 76 cm

Giovanni, Mittwoch, 25.09.2019, 13:08 (vor 2386 Tagen) @ ThomasK

Der gesamte Fernverkehr ist in Deutschland auf 76 cm Höhe hin ausgerichtet.

Ich würde nicht behaupten, dass der Interconnex der "gesamte Fernverkehr" ist. Nebenbei: Der wurde eingestellt - und war neben dem von DB Regio betriebenen ehemaligen D-Zug Berlin - Usedom der einzige regelmäßige 76cm-Fernverkehrszug.

Für 55cm gibt es hingegen mit IC2, TGV Duplex und Abellio Lint41 zwar auch nicht besonders viele Züge, aber trotzdem 10x so viele wie früher für 76cm.

Eurofima, ICE und co sind an keiner Bahnsteighöhe barrierefrei.

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Wo Logik aufhört fängt das DB-Preissystem an.
2.4.4: "Eine Fahrkarte für eine höhere Produktklasse berechtigt [...] auch zur Beförderung in einer niedrigeren Produktklasse."
Ein Doppelstock-RE ist 4.631,5mm hoch - ein ICE1-Speisewagen nur 4.295mm ;)

76 cm war zu erst da

flierfy, Mittwoch, 25.09.2019, 14:17 (vor 2386 Tagen) @ Giovanni

Für 55cm gibt es hingegen mit IC2, TGV Duplex und Abellio Lint41 zwar auch nicht besonders viele Züge, aber trotzdem 10x so viele wie früher für 76cm.

Es ist aberwitzig aus ein paar Fahrzeugen, die zudem in ein, zwei Jahrzehnten wieder verschwunden sein werden, die Notwendig abzuleiten, bestehende Standards über Bord zu werfen und tausende Bahnsteige umbauen zu müssen.

Fahrzeuge müssen sich an die Infrastruktur anpassen und nicht umgekehrt. Diesen Weg geht nun auch DB Fern. Mit den ECx-Garnituren wurden die ersten Züge für den deutschen Fernverkehr bestellt, die an 76 cm hohen Bahnsteigen einen stufenfreien Zugang ermöglich. So wird endlich ein Schuh draus.

76 cm war zu erst da

J-C, In meiner Welt, Mittwoch, 25.09.2019, 14:20 (vor 2386 Tagen) @ flierfy

Talgo hätte auch für 55cm liefern können, man kann's sich ja vielleicht in einer langfristigen Strategie anschauen, ob 55cm vielleicht die bessere Option sind ;-)

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76 cm war zu erst da

Frecciarossa, Mittwoch, 25.09.2019, 14:23 (vor 2386 Tagen) @ J-C

Talgo hätte auch für 55cm liefern können, man kann's sich ja vielleicht in einer langfristigen Strategie anschauen, ob 55cm vielleicht die bessere Option sind ;-)

Es ist jedenfalls die teurere Option. Wenn es um europaweite Einheitlichkeit geht, müssten sich die Nachbarn an der Umstellung auf 55 cm finanziell beteiligen, dann kann man darüber reden.

76 cm war zu erst da

J-C, In meiner Welt, Mittwoch, 25.09.2019, 14:26 (vor 2386 Tagen) @ Frecciarossa

Wir reden von EU-Standards. Sollte die EU einen Standard festlegen, wird die EU diesen Standard auch finanzieren.

An sich kann's aber auch einfach reichen, an Schnittstellen für entsprechende Barrierefreiheit zu sorgen. Also etwa bei der Bahn nach Berchtesgaden auf 55cm-Bahnsteige setzen.

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76 cm war zu erst da

Frecciarossa, Mittwoch, 25.09.2019, 14:32 (vor 2386 Tagen) @ J-C

Wir reden von EU-Standards. Sollte die EU einen Standard festlegen, wird die EU diesen Standard auch finanzieren.

Zurzeit legt die EU keinen Standard fest, daher wird auch nichts finanziert.


An sich kann's aber auch einfach reichen, an Schnittstellen für entsprechende Barrierefreiheit zu sorgen. Also etwa bei der Bahn nach Berchtesgaden auf 55cm-Bahnsteige setzen.

Das ist ja gerade die strategische Fragestellung. Will man langfristig eine einheitliche Höhe anstreben, um die Schnittstellen zu eliminieren, oder gibt man sich mit der zweitbesten Lösung zufrieden mit dem Vorteil der geringeren Kosten?

76 cm war zu erst da

J-C, In meiner Welt, Mittwoch, 25.09.2019, 14:41 (vor 2386 Tagen) @ Frecciarossa

Beides schließt sich gegenseitig nicht aus - je nachdem, wie man es angeht. Es ist nicht immer die aller beste Lösung, aber es ist eine Llsung, mit der sich die Mehrheit arrangieren kann. Oft heißt es dann einfach nur, die Bahnsteige nicht erhöhen zu müssen. Es ist nicht sehr schwer, etwas nicht zu tun :'D

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76 cm war zu erst da

Frecciarossa, Mittwoch, 25.09.2019, 14:48 (vor 2386 Tagen) @ J-C

Doch, das schließt sich aus. Zwei Bahnsteighöhen bedingen Schnittstellen.

Europa: 15 mal 55cm, 3 mal 76 cm

ThomasK, Mittwoch, 25.09.2019, 14:50 (vor 2386 Tagen) @ Giovanni

Der gesamte Fernverkehr ist in Deutschland auf 76 cm Höhe hin ausgerichtet.


Ich würde nicht behaupten, dass der Interconnex der "gesamte Fernverkehr" ist. Nebenbei: Der wurde eingestellt - und war neben dem von DB Regio betriebenen ehemaligen D-Zug Berlin - Usedom der einzige regelmäßige 76cm-Fernverkehrszug.

Totaler Schwachsinn.

55 cm waren in Deutschland NIE die Norm. Vor dem ersten Weltkrieg - da gab es übrigens Interconnex noch nicht(!) - wurde im gesamten Deutschen Reich 76 cm als Hauptnorm festgelegt und 38 cm mit einer Ausnahmegenehmigung zugelassen.

Eine Ausnahme gab es nur zeitweise in der DDR, was aber irrelevant ist, da dort inzwischen nach der Wiedervereinigung die 76 cm - so wie vor dem Zweiten Weltkrieg - als Hauptnorm definiert wurde. Im neuen Berliner Hauptbahnhof gibt es nicht einen einzigen 55 cm - Bahnsteig. Das hat doch mit Interconnex nichts zu tun.

Fast sämtliche Fernverkehrsbahnhöfe wurden in Deutschland auf die 76 cm Norm gebracht. Erst DANACH kamen die 55 cm Bahnsteige.

Es wäre völliger Irrsinn, jetzt alles wieder umzubauen.

Deutschland wird im Wesentlichen bei 76 cm bleiben; die 55 cm-Zulassung kann sich nur auf einige Sonderfälle beziehen, wie z.B. die S-Bahn Salzburg, die zwischen Freilassing und Berchtesgaden in Deutschland fährt, aber selbst das ist noch nicht sicher; es kann immer noch sein, dass auch zwischen Freilassing und Berchtesgaden auf 76 cm erhöht wird und nicht wie von Österreich gewünscht auf 55 cm.

________


Was München anbetrifft: Fernverkehr und Regionalverkehr 76 cm, S-Bahn 96 cm und dabei wird es auch bleiben.

Europa: 15 mal 55cm, 3 mal 76 cm

agw, NRW, Mittwoch, 25.09.2019, 19:28 (vor 2386 Tagen) @ Giovanni

Der gesamte Fernverkehr ist in Deutschland auf 76 cm Höhe hin ausgerichtet.


Ich würde nicht behaupten, dass der Interconnex der "gesamte Fernverkehr" ist. Nebenbei: Der wurde eingestellt - und war neben dem von DB Regio betriebenen ehemaligen D-Zug Berlin - Usedom der einzige regelmäßige 76cm-Fernverkehrszug.

Für 55cm gibt es hingegen mit IC2, TGV Duplex und Abellio Lint41 zwar auch nicht besonders viele Züge, aber trotzdem 10x so viele wie früher für 76cm.

IC2 hat Hocheinstiege und nur zufällig 55cm-Einstiege am Steuerwagen, weil es den gerade nicht anders gab. -> kann man ignorieren.

TGV Duplex ist auch nicht 55cm, die Stufen sind einfach nur innen statt außen. -> kann man ignorieren.

Die neuen KISS würde ich aber dazu zählen.


Eurofima, ICE und co sind an keiner Bahnsteighöhe barrierefrei.

Hat auch keiner gesagt. Jemand sprach von "Ausrichtung".

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55 cm im Fernverkerkehr

Alphorn (CH), Mittwoch, 25.09.2019, 23:59 (vor 2386 Tagen) @ agw

IC2 hat Hocheinstiege und nur zufällig 55cm-Einstiege am Steuerwagen, weil es den gerade nicht anders gab. -> kann man ignorieren.

Überhaupt nicht. Erstens ist die Entstehungsgeschichte egal, Hauptsache es funktioniert, und zweitens kann ich mir durchaus vorstellen, dass die 55 cm als Vorteil betrachtet wurden; schliesslich fahren die Dinger bald in die Schweiz.

TGV Duplex ist auch nicht 55cm, die Stufen sind einfach nur innen statt außen. -> kann man ignorieren.

Da muss ich Dir teilweise recht geben. Der Duplex hat keine Schiebetritte und einen nur durch Personal bedienbaren Lift im Inneren. Besser als ICE: Der Zug kann losfahren, bevor der Lift unten angekommen ist. Und wenn der Lift ausfällt, schafft man die eine Stufe wohl auch manuell - beim ICE ist man verloren.

Und das die eingesparte Stufe bei 76 cm bei Gebrechlichen angeht: Die bringt relativ wenig, entweder kann man Treppen steigen oder nicht. Hingegen bringt es sehr viel, wenn es keine Stufen hat: Da kommt man auch mit Rollator und Kinderwagen problemlos rein. Daher bringen 76 für den Fernverkehr wenig, solange der mit 76-cm-Einstiege hat. (Leider wurden die Talgos jetzt mit 76 cm statt 55 cm bestellt)

Ein/Ausstieg in den ICE dauert bei 55 cm doppelt so lang

ThomasK, Donnerstag, 26.09.2019, 00:42 (vor 2386 Tagen) @ Alphorn (CH)

Und das die eingesparte Stufe bei 76 cm bei Gebrechlichen angeht: Die bringt relativ wenig, entweder kann man Treppen steigen oder nicht.


Die Realität ist deutlich komplexer.

Um die Fahrgastwechselzeiten zu messen, habe ich etliche Fahrgäste beim Einsteigen in den ICE beobachtet.

Stehst du nun auf einem 76 cm-Bahnsteig, dann muss der Reisende 49 cm Höhenunterschied überwinden, um in den ICE einzusteigen.

Es ist nun keineswegs so, dass, wenn er auf einem 55 cm-Bahnsteig stünde, er dadurch, dass er 70 cm hoch muss, einfach 70 cm / 49 cm = 1,42857... 43% mehr Zeit brauchen würde, sondern tatsächlich braucht er im Schnitt doppelt so lange um in den ICE einzusteigen.

Der Punkt ist der, dass jemand mit einer durchschnittlichen Körpergröße, wenn er einen durchschnittlichen Koffer oder eine Tasche in der Hand hat, diese mit einer einfachen Pendelbewegung - wenn er auf dem Bahnsteig steht - mit Schwung ohne Zwischenabsetzung auf den Fußboden im ICE abstellen kann. Steht dann die Tasche auf dem Fußboden im ICE, dann steigt er danach selbst ein.

Steht er aber auf einem 55 cm-Bahnsteig, dann klappt das nicht, denn da nur die wenigsten Menschen 2 Meter groß sind, würde dieselbe Technik nun bedeuten, dass seine Tasche oder sein Koffer mit Schwung an die dritte ICE-Einstiegsstufe knallen würde und dann die Tasche auf den Bahnsteig zurückfliegt.

Nachdem die ICE-Fahrgäste nicht bescheuert sind und das natürlich vorher wissen, steigen sie mit ihrem Koffer nun anders ein. Sie stellen den Koffer nicht mit Schwung auf die zweite ICE-Trittstufe, sondern stellen sie zuerst behutsam dort ab, um danach, wenn sie selbst auf die erste Stufe geklettert sind, die Tasche im zweiten Schritt von der zweiten Stufe auf die dritte Stufe anzuheben, um danach, selbst einzusteigen. Ich habe mir das mal in Zürich HB genau angeschaut.

Natürlich hängt es immer davon ab, was für Taschen, Koffer, Rucksäcke usw. die Leute dabei haben, aber im Wesentlichen war es so, dass der Einstieg in den ICE vom 55 cm-Bahnsteig etwa doppelt so lange dauert, wie vom 76 cm Bahnsteig.

Natürlich gilt die Rechnung auch nicht für Kinder, weil die Erwachsenentechnik bei 76 cm-Bahnsteigen natürlich nicht bei Kindern funktioniert. Aber im Wesentlichen läuft das so ab, dass auch bei Kinderbegleitung die Erwachsenen die Taschen in den ICE stellen.

Auch das Aussteigen dauert bei einem 55 cm-Bahnsteig etwa doppelt solange. Beim 76 cm-Bahnsteig konnte ich sogar beobachten, dass manche Erwachsene, die kein Gepäck dabei hatten, sogar mit einem Satz aus dem ICE gleich auf den Bahnsteig gesprungen sind. Als ein ICE in Zürich HB stand, habe ich auch da mal darauf geachtet, aber da ist kein Mensch gleich auf den Bahnsteig gesprungen.

OK, man könnte es eine Wissenschaft daraus machen und in Abhängigkeit von Körperbau, Taschengröße, Schwere der Tasche usw. ein mathematisches Modell ermitteln, aber ganz grob ist meine Erfahrung, dass der Einstieg und der Ausstieg in den ICE bei einem 55 cm-Bahnsteig gegenüber einem 76 cm Bahnsteig etwa doppelt so lange dauert.


______________


Wenn man sieht, dass in Hamburg Hbf bei etlichen ICEs die 3 Minuten Aufenthaltszeit kaum ausreichen, dann möchte ich nicht wissen, was los ist, wenn man in Hamburg Hbf von 76 cm auf 55 cm absenken würde. Und auch etliche andere ICE-Bahnhöfe stehen mit ihrer Aufenthaltszeit auf der Kippe.


______________


Aber noch einmal. Die 55 cm Diskussion ist für Deutschland eine Geisterdiskussion. Es geht keineswegs darum, alles in Deutschland auf 55 cm umzubauen, sondern lediglich darum, in begründeten Ausnahmefällen auch 55 cm zuzulassen, damit man in der Planung etwas flexibler ist. Das ist alles.

55 cm im Fernverkerkehr

SPFVG, Donnerstag, 26.09.2019, 03:14 (vor 2386 Tagen) @ Alphorn (CH)

Moin,

Da kommt man auch mit Rollator und Kinderwagen problemlos rein. Daher bringen 76 für den Fernverkehr wenig, solange der mit 76-cm-Einstiege hat.

Der Satz macht keinen Sinn, da hast Du was vergessen

(Leider wurden die Talgos jetzt mit 76 cm statt 55 cm bestellt)

Wieso leider? Der Talgo fährt in die Niederlande, wo sie nur 76cm Steige haben. Dito in Deutschland auf dem Weg nach Berlin. 55cm wären ein Schildbürgerstreich sondergleichen gewesen.

55 cm im Fernverkerkehr

agw, NRW, Donnerstag, 26.09.2019, 09:13 (vor 2386 Tagen) @ Alphorn (CH)

Es sind drei statt zwei Stufen?

Ja, ohne die Möglichkeit, sich festzuhalten. Schon ein Unterschied für gebrechliche Leute.

Und das die eingesparte Stufe bei 76 cm bei Gebrechlichen angeht: Die bringt relativ wenig, entweder kann man Treppen steigen oder nicht.

Ich nehme an, du bist sehr jung und mobil?
Schon mal Leute mit Rollator gesehen? Warum?
"Warum festhalten? Entweder man kann laufen oder nicht!" Oder wie?

Für viele ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht, ob sie ohne Möglichkeit, sich festzuhalten eine Treppe heraufgehen sollen, möglicherweise noch mit Gepäck, oder ob sie sich erst irgendwo festhalten können und dann mit Unterstützung der Arme sicher hochziehen können.

Wie der Kollege hier schon schrieb, ist auch die Gepäckeinladung bei 55cm beim ICE anders.

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55 cm im Fernverkerkehr

J-C, In meiner Welt, Donnerstag, 26.09.2019, 09:29 (vor 2386 Tagen) @ agw

Komischerweise geht das im Railjet recht problemlos. Die haben aber auch mobile Rampen. Weiß nicht, ob die ICEs das haben...

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Europa: 15 mal 55cm, 3 mal 76 cm

s103, Mittwoch, 25.09.2019, 15:28 (vor 2386 Tagen) @ Alphorn (CH)

Lieber Forumsteilnehmerinnen und Teilnehmer,

Die einzigen zwei 76-cm-Länder in Kontinentaleuropa sind Belgien und die Niederlande, während die deutschen Nachbarländer Dänemark, Frankreich, Schweiz, Österreich und Tschechien auf 55 cm setzen. Insgesamt steht es 15 zu 3 für 55 cm.

Deswegen und weil die angestrebten Passagierzuwächse mit Verzicht auf Doppelstöcker nicht machbar sind halte ich 55 cm für Deutschland immer noch für überlegen. Die 96-cm-S-Bahn-Systeme müsste man wohl trennen oder vorerst auf 76 cm umstellen.

Die angesprochene Machbarkeit halte ich hier für die Kernfrage, weniger wie in dieser Diskussion bereits vertieft, was genau Standard ist und war oder welche Fahrzeuge barrierefrei dazu passen.

Was Doppelstöcker betrifft, so sind die Hochflureinstiege für maximale Fahrgastwechselkapazität aufgrund der üppigen Öffnungsbreite überlegen (wozu 76cm im Vergleich zu 55cm besser passen), solange es nicht um Barrierefreiheit geht. Die Unterdeckeinstiege könnten nur auf Kosten der Sitzplatzkapazität im Oberdeck verbreitert werden, was dann ähnliche Konsequenzen nach sich zieht als Doppelstock mit 76cm-Einstiegen zu bauen.

Meine Meinung ist nach wie vor, barrierefreie Einstiege nicht notwendigerweise für alle Wagen anzubieten. Falls jedoch nur an bestimmten Wagen, müssen die entsprechenden Haltepositionen wohlbekannt und kommuniziert sein, und die Züge diesbezüglich symmetrisch zusammengesetzt sein. (Das Stichwort "umgekehrte Wagenreihung" dazu ist bekannt.)

Ich gehe davon aus, dass es für die Praxis in den Ländern ausreichende Gründe gibt, und dass das eine dem anderen nicht so klar überlegen ist, d. h. dass es europaweite Einheitlichkeit wohl nicht so einfach geben kann. Beispiel: Wagenübergänge auf ~55cm Flurhöhe sind extrem schwierig. Auch rein auf Fernverkehre bezogen gibt es genügend bahnsteigtechnische Berührungspunkte mit anderen Verkehren, so dass man diese nicht isoliert betrachten kannn.

Was die Welt braucht ist nicht endloses Abwägen, sondern Entscheidungen! Auch zu gesetzlichen Barrierefreiheitsvorgaben und der technisch möglichen Praxis dazu, selbstverständlich unter Berücksichtigung der real unterschiedlich existierenden Höhen.

Die Bahnen werden länderübergreifende Zielvorstellungen nicht herbeiführen können.

Also müssen sich die Aufgabenträger auf politischer Ebene damit befassen. Das betrifft in Deutschland die Länder und Regionen, aber auch ein Bundesministerium muss sich dazu "herablassen", sich in dieser Frage einmal konkret mit Fahrzeugen zu beschäftigen!

Was nun - Online-Petition starten?


Schöne Grüße
Gero

NL: 76 cm = Fehlentscheidung?

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 25.09.2019, 16:55 (vor 2386 Tagen) @ Alphorn (CH)

Alphorn (CH):

[image]

grün=55 türkis=gemischt blau=76

Deswegen und weil die angestrebten Passagierzuwächse mit Verzicht auf Doppelstöcker nicht machbar sind halte ich 55 cm für Deutschland immer noch für überlegen.

Bei uns sind die absoluten Fahrgastzahlen kleiner als, die prozentuellen Fahrgastzuwächse aber gleich gross wie oder grösser als die von Deutschland. In NL würde man noch eher für Dostos plädieren als in DE.
Dennoch bleibt es in unserem Land bei 76 cm. Für die "Sprinter" ist das kein Problem, diese fahren sowieso einstöckig. Aber die "IC"s werden teilweise mit Dostos gefahren.

In Prinzip kann man die IC200 mit 5+5+8 fahren. Entspricht 385 m Zug und 256+256+417 = 929 Sitzplätze.
Aktuell bieten aber 2x VIRM-6 bei 330 m Zug 1152 Sitzplätze. Das ist also eine Kapazitätsabnahme.
Frage ist nun, wieviele Sitzplätze 2x ET462NL (RRX als IC200) sechsteilig bieten würden. Also Endwagen einstöckig mit stufenlosem Einstieg und Wagen 2-5 doppelstöckig mit stufenlosem Oberstock wie beim TGV Duplex. Kann man die 1152 Sitzplätze des 2x VIRM-6 überbieten?

Ich bin sehr gespannt, was auf Schiphol/Amsterdam - Nijmegen/Eindhoven passiert.
Geplant ist auf beiden Korridoren ein 10-Minutentakt "IC" mit VIRM. Mit dem aktuellen Refit kann man vermutlich noch 10-15 Jahre fahren.
Aber was kommt wenn die VIRM in die Jahre kommen oder wenn auf Amsterdam-Utrecht 200 km/h angesagt ist? Die VIRM schaffen nur 160 km/h.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

In NL kaum vermeidbar

Alphorn (CH), Mittwoch, 25.09.2019, 19:01 (vor 2386 Tagen) @ Oscar (NL)

Dennoch bleibt es in unserem Land bei 76 cm.

In NL verstehe ich die 76-cm-Entscheidung. Viele existierende Bahnsteige im Fernverkehr waren (und sind?) auf 84 cm. Züge mit 84-cm-Einstieg können nicht an 55-cm-Bahnsteigen halten (richtig?). Daher war eine direkte Änderung auf 55 cm unmöglich.

In Deutschland hingegen können alle FV-Züge an 55-cm-Bahnsteigen halten. Und ohne Nachteile für die Rollstuhltauglichkeit, im Gegenteil, den einzigen stufenlosen Einstieg im FV hat der IC2 auf 55 cm.

In NL kaum vermeidbar

agw, NRW, Mittwoch, 25.09.2019, 19:32 (vor 2386 Tagen) @ Alphorn (CH)

Dennoch bleibt es in unserem Land bei 76 cm.


In NL verstehe ich die 76-cm-Entscheidung. Viele existierende Bahnsteige im Fernverkehr waren (und sind?) auf 84 cm. Züge mit 84-cm-Einstieg können nicht an 55-cm-Bahnsteigen halten (richtig?). Daher war eine direkte Änderung auf 55 cm unmöglich.

In Deutschland hingegen können alle FV-Züge an 55-cm-Bahnsteigen halten. Und ohne Nachteile für die Rollstuhltauglichkeit, im Gegenteil, den einzigen stufenlosen Einstieg im FV hat der IC2 auf 55 cm.

Vielleicht ohne Nachteile für Rollstuhltauglichkeit, aber mir massiven Nachteilen für alle andere. Schon mal jemanden gebrechliches in einen ICE von 55cm aus einsteigen sehen im Vergleich zu 76cm?

--
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In NL kaum vermeidbar

Aphex Twin, Mittwoch, 25.09.2019, 20:40 (vor 2386 Tagen) @ agw

In Deutschland hingegen können alle FV-Züge an 55-cm-Bahnsteigen halten. Und ohne Nachteile für die Rollstuhltauglichkeit, im Gegenteil, den einzigen stufenlosen Einstieg im FV hat der IC2 auf 55 cm.


Vielleicht ohne Nachteile für Rollstuhltauglichkeit, aber mir massiven Nachteilen für alle andere. Schon mal jemanden gebrechliches in einen ICE von 55cm aus einsteigen sehen im Vergleich zu 76cm?

Es sind drei statt zwei Stufen?

In NL kaum vermeidbar

agw, NRW, Mittwoch, 25.09.2019, 20:50 (vor 2386 Tagen) @ Aphex Twin

In Deutschland hingegen können alle FV-Züge an 55-cm-Bahnsteigen halten. Und ohne Nachteile für die Rollstuhltauglichkeit, im Gegenteil, den einzigen stufenlosen Einstieg im FV hat der IC2 auf 55 cm.


Vielleicht ohne Nachteile für Rollstuhltauglichkeit, aber mir massiven Nachteilen für alle andere. Schon mal jemanden gebrechliches in einen ICE von 55cm aus einsteigen sehen im Vergleich zu 76cm?


Es sind drei statt zwei Stufen?

Ja, ohne die Möglichkeit, sich festzuhalten. Schon ein Unterschied für gebrechliche Leute. Liegt einfach daran, dass diese Fahrzeuge nicht mehr für einen Einstieg unter 76cm Bahnsteighöhe optimiert sind. Die kann man nicht mehr mit alten Reisezugwagen vergleichen.

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In NL kaum vermeidbar

Aphex Twin, Mittwoch, 25.09.2019, 20:53 (vor 2386 Tagen) @ agw
bearbeitet von Aphex Twin, Mittwoch, 25.09.2019, 20:54

In Deutschland hingegen können alle FV-Züge an 55-cm-Bahnsteigen halten. Und ohne Nachteile für die Rollstuhltauglichkeit, im Gegenteil, den einzigen stufenlosen Einstieg im FV hat der IC2 auf 55 cm.


Vielleicht ohne Nachteile für Rollstuhltauglichkeit, aber mir massiven Nachteilen für alle andere. Schon mal jemanden gebrechliches in einen ICE von 55cm aus einsteigen sehen im Vergleich zu 76cm?


Es sind drei statt zwei Stufen?


Ja, ohne die Möglichkeit, sich festzuhalten. Schon ein Unterschied für gebrechliche Leute. Liegt einfach daran, dass diese Fahrzeuge nicht mehr für einen Einstieg unter 76cm Bahnsteighöhe optimiert sind. Die kann man nicht mehr mit alten Reisezugwagen vergleichen.

Dieses Foto zeigt einen ICE4 in Berlin Ostbahnhof (ich nehme an an einem 76-cm Bahnsteig).

Ja aber auf der anderen Seite

Höllentalbahn, Mittwoch, 25.09.2019, 23:45 (vor 2386 Tagen) @ Aphex Twin

Der Mittelbahnsteig wird nie von Reisenden benutzt

In NL kaum vermeidbar

agw, NRW, Donnerstag, 26.09.2019, 09:19 (vor 2386 Tagen) @ Aphex Twin

In Deutschland hingegen können alle FV-Züge an 55-cm-Bahnsteigen halten. Und ohne Nachteile für die Rollstuhltauglichkeit, im Gegenteil, den einzigen stufenlosen Einstieg im FV hat der IC2 auf 55 cm.


Vielleicht ohne Nachteile für Rollstuhltauglichkeit, aber mir massiven Nachteilen für alle andere. Schon mal jemanden gebrechliches in einen ICE von 55cm aus einsteigen sehen im Vergleich zu 76cm?


Es sind drei statt zwei Stufen?


Ja, ohne die Möglichkeit, sich festzuhalten. Schon ein Unterschied für gebrechliche Leute. Liegt einfach daran, dass diese Fahrzeuge nicht mehr für einen Einstieg unter 76cm Bahnsteighöhe optimiert sind. Die kann man nicht mehr mit alten Reisezugwagen vergleichen.


Dieses Foto zeigt einen ICE4 in Berlin Ostbahnhof (ich nehme an an einem 76-cm Bahnsteig).

Habe gerade kein besseres Bild gefunden, daher ein Video aus Kassel bei echten 76cm.
Man sieht, dass man die erste Trittstufe ohne Höhenunterschied betreten kann, dann die Griffstange greifen und dann die weiteren Stufen bewältigen kann.

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Da fehlt noch Spanien mit 76cm im FV

SPFVG, Donnerstag, 26.09.2019, 03:27 (vor 2386 Tagen) @ Alphorn (CH)

Die einzigen zwei 76-cm-Länder in Kontinentaleuropa sind Belgien und die Niederlande, während die deutschen Nachbarländer Dänemark, Frankreich, Schweiz, Österreich und Tschechien auf 55 cm setzen. Insgesamt steht es 15 zu 3 für 55 cm.

Spanien ist in der Karte nicht korrekt dargestellt. Die ICE-Bahnsteige (AVE) sind dort alle auf 76. Das dunkelgrau in der Karte kommt von den 68cm im NV (Breitspur), die auch ein paar Zentimeter näher an 76cm liegen, als an 55 ;)

Great...

agw, NRW, Montag, 23.09.2019, 13:06 (vor 2388 Tagen) @ J-C

...Immerhin müssen sich die Besteller um die bestehende Barrierefreiheit bei Sanierungen dann nicht fürchten. Aber langfristig wäre m.M.n. 55cm Bahnsteighöhe angebracht. 76cm sind nicht Fisch und nicht Fleisch...

Ich kann mit zwei Höhen leben.
Wenn die nächste S-Bahn hunderte Kilometer weit weg fährt, ist die beste Höhe vielleicht wirklich 55cm.
Aber da wo die S-Bahn ab und zu halten muss, sind mindestens 76cm nötig.

Von daher empfinde ich die Grundhöhe 76cm für die nächsten Jahrzehnte als sinnvoll, aber eben 55cm in einen RB-Netzen ebenfalls, ggf. dort an Schnittpunkten mit zwei Höhen.

Wichtig wäre eigentlich nur, dass es für jeden Zughalt einen Plan gibt, wie er in den nächsten 15 bis 30 Jahren ohne Stufe auskommt.

Der VRR hat da zum Beispiel einen Plan, der das für seine Züge bewerkstelligen wird.
Der NVR hat keinen Plan.
Der Plan der DB FV ist, sich in den nächsten Jahren erstmal 250 Züge mit Stufen beim Einstieg liefern zu lassen, die dann 40 Jahre lang so rumfahren.

--
"Mit Vollgas in den Sommer: Sparen Sie 20% bei Europcar."
- bahn.de

Wie am Flughafen Köln/Bonn?

Alibizugpaar, Köln (im Herzen immer noch Göttinger), Montag, 23.09.2019, 15:16 (vor 2388 Tagen) @ agw

Der ICE muß da halten, weil die S-Bahn nur dort halten darf, weswegen der ICE irgendwie umständlich sägen muß, um die Rückfahrt von drüben antreten zu können. So oder ähnlich war/ist es da doch.

--
Gruß, Olaf

"Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite."

Goethe an Schiller 1797

Flughafen Köln/Bonn?

ICE11, Aachen, Montag, 23.09.2019, 21:54 (vor 2388 Tagen) @ Alibizugpaar

Am CGN nutzen RE und ICE in der Regel die beiden äußeren Gleise und die S-Bahn die inneren, wobei einzelne S-Bahnen auch planmäßig "außen" fahren. Die RE6, die an 4 ankommen und an 1 wieder abfahren, machen im Tunnel Richtung Porz-Wahn Kopf.

Kleine Zwischenfrage

Gleiswechsel, Montag, 23.09.2019, 21:08 (vor 2388 Tagen) @ agw

Wenn die nächste S-Bahn hunderte Kilometer weit weg fährt, ist die beste Höhe vielleicht wirklich 55cm.
Aber da wo die S-Bahn ab und zu halten muss, sind mindestens 76cm nötig.

Ich bin zwar regelmäßiger Bahnfahrer und stiller Mitleser, interessiere mich für die Bahn und die Politik darum, jedoch fängt jeder mal klein an und sammelt sich seinen Wissensfundus zusammen - woher kommt die Unterscheidung zwischen 55cm/76cm? Bzw. ganz konkret: warum benötigt eine S-Bahn 76cm?

Kleine Zwischenfrage

s103, Montag, 23.09.2019, 22:31 (vor 2388 Tagen) @ Gleiswechsel

Hallo Gleiswechsel!

Ich bin zwar regelmäßiger Bahnfahrer und stiller Mitleser, interessiere mich für die Bahn und die Politik darum, jedoch fängt jeder mal klein an und sammelt sich seinen Wissensfundus zusammen - woher kommt die Unterscheidung zwischen 55cm/76cm? Bzw. ganz konkret: warum benötigt eine S-Bahn 76cm?

Die Rede ist hier von rein hochflurigen S-Bahnen wie z. B. der Baureihe 423 mit 1,025m (laut Wikipedia).

Zwischen Zug und Bahnsteig dürfen höchstens rund 20cm Höhenunterschied bestehen (die genaue Zahl wissen Berufseisenbahner sicher auswendig), sofern keine Stufen zur Verfügung stehen. D. h. dass es bei den üblichen Höhen von 38/55/76/96cm für solche S-Bahn-Zügen nur mit 76cm und mehr geht. Etwas tiefergelegte S-Bahnen wie im VRN (um Mannheim) und wahrscheinlich auch Hannover sind dagegen flexibler.


Schöne Grüße
Gero

Kleine Zwischenfrage

Aphex Twin, Dienstag, 24.09.2019, 12:42 (vor 2387 Tagen) @ Gleiswechsel

Wenn die nächste S-Bahn hunderte Kilometer weit weg fährt, ist die beste Höhe vielleicht wirklich 55cm.
Aber da wo die S-Bahn ab und zu halten muss, sind mindestens 76cm nötig.


Ich bin zwar regelmäßiger Bahnfahrer und stiller Mitleser, interessiere mich für die Bahn und die Politik darum, jedoch fängt jeder mal klein an und sammelt sich seinen Wissensfundus zusammen - woher kommt die Unterscheidung zwischen 55cm/76cm? Bzw. ganz konkret: warum benötigt eine S-Bahn 76cm?

S-Bahnen sind oft auf schnellen Fahrgastwechsel ausgelegt und sind daher oft bewusst einstöckig und versuchen keine Stufen an den Türen zu haben. Da mit der auf Normalspur verwendeten Radgrösse, der Innenraum rund 1 m über der Schienenkante zu liegen kommt, haben reine S-Bahnsysteme oft eine Bahnsteighöhe von 96 cm (was einen praktischen stufenfreien Einstieg ermöglicht) und die S-Bahnzüge dementsprechend keine Stufen an den Türen (ob da jetzt ein 2-cm hohe 'Stufe' oder ein ganz kleine Rampe auf 1 m Zugbodenhöhe ist weiss ich nicht).

Wenn so ein Zug an einem 76 cm Bahnsteig hält ergibt sich damit ein 'Stufe' von 76 cm auf 96 (bzw. 100 cm) was als Stufenhöhe akzeptabel ist. An einem 55 cm Bahnsteig ergäbe dies aber eine 41+ cm hohe Stufe welche generell als zu hoch angesehen wird.

Kleine Zwischenantwort

Benjamin.Keller, Donnerstag, 26.09.2019, 13:47 (vor 2385 Tagen) @ Gleiswechsel
bearbeitet von Benjamin.Keller, Donnerstag, 26.09.2019, 13:48

Ich bin zwar regelmäßiger Bahnfahrer und stiller Mitleser, interessiere mich für die Bahn und die Politik darum, jedoch fängt jeder mal klein an und sammelt sich seinen Wissensfundus zusammen - woher kommt die Unterscheidung zwischen 55cm/76cm? Bzw. ganz konkret: warum benötigt eine S-Bahn 76cm?

Es gibt Länder, die sich frühzeitig an einen Ausbau der Bahnsteighöhe gemacht haben, weil dies die Barrierefreiheit fördert und Ein- und Ausstieg beschleunigt. Deutschland und Niederlande haben hier frühzeitig investiert und in einigen deutschen Ländern ist an jedem wesentlichen Bahnsteig die Höhe mindestens bei 76cm. Andere Staaten wie die Schweiz sind hier Nachzügler.

Die Probleme, die dabei entstehen sind nun wie folgt:
- Ausweitung der Verkehrsbedürfnisse über die europäischen Grenzen, gleichzeitig unterschiedliche Politiken der Staaten (D/CH, D/NL, Westdeutschland/Ostdeutschland, Grenzen von Bundesbahndirektionen, ...)
- Verstärkerter Einsatz von Doppelstockzügen, für die 76cm zu hoch oder zu niedrig sind. Jedoch erscheinen Doppelstockwagen generell nicht sonderlich geeignet, weil sie im fahrzeuginneren Treppen haben, für den Metropolverkehr zu wenig Türen und für den Hochgeschwindigkeitsverkehr zu wenig Ablageflächen für Gepäck
- Wahl der Bahnsteighöhe von 96cm für isolierte, metroartige Stadtschnellbahnnetze (S-Bahn Berlin/Hamburg) um drei, und nicht nur zwei Türspuren je Wagen anbieten zu können. Diese wurden dann auch auf nicht isolierte Netze übertragen (München, Frankfurt, Rhein-Ruhr, ...), so dass es dort zu Doppelnutzung von Bahnsteigen durch 96cm- und 76/55cm-Fahrzeuge kommt/kommen müsste

In Bundesländern wie NRW mit einem annähernden Vollausbau von 76cm, einem parallelen 96cm-S-Bahn-System sowie den benachbarten Niederlanden, die die Bahnsteige auf 76cm *absenken*, ist eine Absenkung der Bahnsteige auf 55cm illusorisch und kontraproduktiv. In Gebieten, wo 55cm vorherrscht und die Schweiz nahe liegt, mag man das dann wieder anders sehen und begründen.

Kleine Zwischenantwort

Alphorn (CH), Montag, 30.09.2019, 00:38 (vor 2382 Tagen) @ Benjamin.Keller

Es gibt Länder, die sich frühzeitig an einen Ausbau der Bahnsteighöhe gemacht haben, weil dies die Barrierefreiheit fördert und Ein- und Ausstieg beschleunigt. Deutschland und Niederlande haben hier frühzeitig investiert und in einigen deutschen Ländern ist an jedem wesentlichen Bahnsteig die Höhe mindestens bei 76cm. Andere Staaten wie die Schweiz sind hier Nachzügler.

Das ist teilweise Geschichtsklitterung. Die Argumentation gilt weitgehend für die (oft geschlossenen) S-Bahn-Systeme mit 96 cm, nicht aber für den Rest des Netzes mit 76 cm. Und wenn überhaupt ist Deutschland nicht mit 76 cm vorgeprescht, sondern mit 55! Noch 2005 gab es mehr 55-cm-Bahnsteige als 76 und 96 kombiniert. Quelle
Ja, es waren nicht immer die meistfrequentierten, aber bei den Kosten für den Umbau eines Bahnsteigs kommt es nicht gross auf die Frequenz an.

Mein Votum wäre 76 cm nur dort, wo 96-cm-Züge halten. Überall sonst 55 cm und bei der Fahrzeughöhe im ICE perspektivisch 96 cm (2 Stufen für die Nichtbehinderten) + 55 cm an einem Wagen anstreben - machbar, denn Stadler schafft bei 250 km/h sogar 76 + 55 cm, allerdings mit schlechter Sitzplatzdichte wegen sehr hohen Behinderten-Anforderungen in der Schweiz. Oder Doppelstock mit überall 55 cm, siehe TGV Duplex.

- Verstärkerter Einsatz von Doppelstockzügen, für die 76cm zu hoch oder zu niedrig sind. Jedoch erscheinen Doppelstockwagen generell nicht sonderlich geeignet, weil sie im fahrzeuginneren Treppen haben, für den Metropolverkehr zu wenig Türen und für den Hochgeschwindigkeitsverkehr zu wenig Ablageflächen für Gepäck

Die Treppen sind für Gehbehinderte kein Problem, die können ja bei 55 cm stufenfrei unten einsteigen und unten bleiben - besser als bei jedem ICE. Ablageflächen sind lösbar, siehe TGV Duplex und IC 2000. Metropolverkehr ist machbar, siehe Paris und Zürich, bedingt allerdings viergleisige Bahnhöfe im Innenbereich und kostet Durchschnittstempo.

In Bundesländern wie NRW mit einem annähernden Vollausbau von 76cm, einem parallelen 96cm-S-Bahn-System sowie den benachbarten Niederlanden, die die Bahnsteige auf 76cm *absenken*, ist eine Absenkung der Bahnsteige auf 55cm illusorisch und kontraproduktiv. In Gebieten, wo 55cm vorherrscht und die Schweiz nahe liegt, mag man das dann wieder anders sehen und begründen.

Schweiz oder Frankfreich oder Dänemark oder Österreich oder Tschechien. Die haben alle 55 cm.

Kleine Zwischenantwort

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 30.09.2019, 09:14 (vor 2382 Tagen) @ Benjamin.Keller

Gleiswechsel:

Ganz konkret: warum benötigt eine S-Bahn 76cm?

Benötigen wird sie nicht. Es gibt 55cm (CH), 76cm (NL, "Sprinter") und 96cm S-Bahnen (Hannover?). Man wählt für eine Bahnsteighöhe.

Benjamin.Keller:

Die Probleme, die dabei entstehen sind nun wie folgt:
- Ausweitung der Verkehrsbedürfnisse über die europäischen Grenzen, gleichzeitig unterschiedliche Politiken der Staaten (D/CH, D/NL, Westdeutschland/Ostdeutschland, Grenzen von Bundesbahndirektionen, ...)

Das wird erst recht ein Thema wenn man Kurzstreckenflüge auf die Bahn verlagern möchte. Aktuell läuft ein "Tender" für neue Mehrsystem-ICEs DE/FR/BE/NL. FR ist ein 55cm-Land, NL ein 76cm-Land. Man kann es nicht beiden Ländern 100%ig recht tun.

- Verstärkerter Einsatz von Doppelstockzügen, für die 76cm zu hoch oder zu niedrig sind.

Bei uns sind die VIRM eingentlich für keine einzige Bahnsteighöhe geeignet. Man hat sowieso Stufen, auch bei Hochbahnsteigen. In so einem Fall muss man eine Stufe runter und dann wieder hoch.
Ich bin sehr gespannt, wie der Nachfolgerzug aussieht, denn die Kapazität von 2x VIRM-6 schafft der einstöckige IC200 5+5+8 (385 m Zug) nicht.

Jedoch erscheinen Doppelstockwagen generell nicht sonderlich geeignet, weil [1] sie im fahrzeuginneren Treppen haben, [2] für den Metropolverkehr zu wenig Türen und [3] für den Hochgeschwindigkeitsverkehr zu wenig Ablageflächen für Gepäck.

Zu 1: SBB-IC2000 kann man stufenlos reisen, wenn man möchte. Kann ich von unseren einstöckigen IC-Wagen nicht sagen.

Zu 2: bei uns sind inzwischen fast alle "Sprinter" einstöckig: ET425NL, ET429NL, CAF Civity.

Zu 3: TGV Duplex?

- Wahl der Bahnsteighöhe von 96cm für isolierte, metroartige Stadtschnellbahnnetze (S-Bahn Berlin/Hamburg) um drei, und nicht nur zwei Türspuren je Wagen anbieten zu können.

Das verstehe ich nicht. Angeblich sind drei Türspuren bei 55 und 76 cm nicht möglich...???

Diese wurden dann auch auf nicht isolierte Netze übertragen (München, Frankfurt, Rhein-Ruhr, ...), so dass es dort zu Doppelnutzung von Bahnsteigen durch 96cm- und 76/55cm-Fahrzeuge kommt/kommen müsste

Dieses Problem gibt es zur Zeit bei uns in NL, wo "IC" (noch nicht optimiert) und "Sprinter" (76cm optimiert) am selben Bahnsteig gegenüberstehen.
Dieses Problem gibt es aber nicht wenn die S-Bahnen eigene Gleise und Bahnsteige haben, z.B. Düsseldorf Hbf Gleis 11-14.
Nachteil ist dann aber, dass man bei einem Umstieg S<->RE zu einem anderen Bahnsteig gehen muss. Gut, bei uns muss man auch zu einem anderen Bahnsteig, wenn man in Amsterdam oder Rotterdam die Metro benutzen möchte (ausgenommen Amsterdam Amstel und Duivendrecht, Amsterdam Holendrecht bin ich mir nicht sicher).

In Bundesländern wie NRW mit einem annähernden Vollausbau von 76cm, einem parallelen 96cm-S-Bahn-System sowie den benachbarten Niederlanden, die die Bahnsteige auf 76cm *absenken*, ist eine Absenkung der Bahnsteige auf 55cm illusorisch und kontraproduktiv.

Ich kann auch sagen: wenn man dann absenken muss, dann lieber einmal gründlich als zweimal halbwegs.
Mit 55 cm schafft man mehr Raum (21 cm mehr zwischen Boden und Dach), ist jeder Einstieg behindertengerecht und hat man als Bonus noch einen stufenlosen Oberstock.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Kleine Zwischenantwort

Alphorn (CH), Montag, 30.09.2019, 10:10 (vor 2382 Tagen) @ Oscar (NL)

- Wahl der Bahnsteighöhe von 96cm für isolierte, metroartige Stadtschnellbahnnetze (S-Bahn Berlin/Hamburg) um drei, und nicht nur zwei Türspuren je Wagen anbieten zu können.


Das verstehe ich nicht. Angeblich sind drei Türspuren bei 55 und 76 cm nicht möglich...???

Hier hat er nicht unrecht. Drei Türen pro Seite (Achtung: Türspur bedeutet etwas anderes... eine breite Tür hat 2-3 Türspuren) sind vermutlich noch machbar, aber die Türen wären ungleichmässig verteilt, da über den Drehgestellen keine 55-cm-Türen möglich sind - die Drehgestelle sind zu hoch. Ich wäre allerdings gespannt, wie viel langsamer ein 55-cm-FLIRT mit 3 Türen pro Seite beim Passagierwechsel wäre im Vergleich zu einer 96-cm-S-Bahn mit gleichmässig verteilten Türen.

Bahnsteige halten länger als Züge

oska, Montag, 23.09.2019, 14:19 (vor 2388 Tagen) @ Frecciarossa

Barrierefreiheit zu fordern ist sehr gut. Das bedeutet, das die Bahnsteighöhe mit der Einstiegshöhe des Zuges übereinstimmen muss. Die Züge, die heute fahren, werden in spätestens 30 Jahren ausgemustert. Die Bahnsteige nicht. Hier kann man also völlig unabhängig vom aktuellen Bestand eine einheitliche Höhe festlegen und die neuen Züge danach ordern. Die nächste Generation ist dann barrierefrei und alle Züge können überall ganz flexibel eingesetzt werden.

Wie teuer ist eigentlich ein Meter Bahnsteig?

Bahnsteige halten länger als Züge

Giovanni, Montag, 23.09.2019, 16:17 (vor 2388 Tagen) @ oska

Barrierefreiheit zu fordern ist sehr gut. Das bedeutet, das die Bahnsteighöhe mit der Einstiegshöhe des Zuges übereinstimmen muss. Die Züge, die heute fahren, werden in spätestens 30 Jahren ausgemustert. Die Bahnsteige nicht.

Was für die Bahnsteige gilt, gilt aber auch für Oberleitungen, Brücken und Tunnel:
76cm hohe Bahnsteige und Doppelstockzüge passen nur bedingt zusammen - auch weil das Lichtraumprofil die zulässige Fahrzeughöhe eingrenzt. Deshalb werden bei Doppelstockwagen 60cm-Einstiege bevorzugt (und selbst diese haben Rampen nach unten).
Austausch gegen einstöckiges Material geht wegen der Bahnsteiglängen nicht...

Hingegen sind 76cm für Fahrzeuge mit besonders vielen Türspuren (z.b. 423) kaum umsetzbar - Reduzierung der Türspuren geht wegen Haltezeiten und daraus resultierender Streckenkapazität nicht...

--
Wo Logik aufhört fängt das DB-Preissystem an.
2.4.4: "Eine Fahrkarte für eine höhere Produktklasse berechtigt [...] auch zur Beförderung in einer niedrigeren Produktklasse."
Ein Doppelstock-RE ist 4.631,5mm hoch - ein ICE1-Speisewagen nur 4.295mm ;)

Bahnsteige halten länger als Züge

Murrtalbahner, Montag, 23.09.2019, 16:23 (vor 2388 Tagen) @ oska
bearbeitet von Murrtalbahner, Montag, 23.09.2019, 16:24

Barrierefreiheit zu fordern ist sehr gut. Das bedeutet, das die Bahnsteighöhe mit der Einstiegshöhe des Zuges übereinstimmen muss. Die Züge, die heute fahren, werden in spätestens 30 Jahren ausgemustert. Die Bahnsteige nicht. Hier kann man also völlig unabhängig vom aktuellen Bestand eine einheitliche Höhe festlegen und die neuen Züge danach ordern. Die nächste Generation ist dann barrierefrei und alle Züge können überall ganz flexibel eingesetzt werden.

Ganz richtig. Aber was machst du mit den Bahnsteigen, die erst kürzlich im nicht neuen Maß gebaut wurden? So zum Beispiel in BW. Wenn man hier mit 76cm Bahnsteigen anfängt, hat man die Nicht-Barrierefreiheit für 50, 60 Jahre zementiert.
Da ist guter Rat teuer, wie man aus dem Dilemma rauskommt, zumal ja Fernverkehr jetzt erstmal auf 76cm gegangen ist.

Wie teuer ist eigentlich ein Meter Bahnsteig?

Kommt darauf an, wer baut. In Hoßkirch hat man 50 Meter Bahnsteig für 60.000 Euro gebaut. In Villingen rechnet man mit 10 Mio für die Modernisierung der drei Bahnsteige.

Bahnsteige halten länger als Züge

oska, Montag, 23.09.2019, 18:38 (vor 2388 Tagen) @ Murrtalbahner

Ganz richtig. Aber was machst du mit den Bahnsteigen, die erst kürzlich im nicht neuen Maß gebaut wurden? So zum Beispiel in BW. Wenn man hier mit 76cm Bahnsteigen anfängt, hat man die Nicht-Barrierefreiheit für 50, 60 Jahre zementiert.

Als erstes muß man festlegen, ob man bei 76cm bleibt, oder auf 55cm für die Dosto gehen will/muss. Ob ein Bahnsteig erst kürzlich oder vor 100 Jahren auf ein zukünftig falsches Maß gebaut wurde, spielt ja keine Rolle. Wenn die Bahnsteighöhe (europaweit) feststeht, dann kann man mit den Planungen beginnen.

In vielen kleinen Städten wurden Bahnsteige stillgelegt und/oder Gleise zurückgebaut. Wenn der Platz noch vorhanden ist, kann man hier einfach neue Bahnsteige in der richtigen Höhe bauen und die alten Bahnsteige parallel weiternutzen. Je nach Zugtyp wird dann der passende Bahnsteig mit der richtigen Höhe angefahren. Wenn man alle Bahnsteighöhen auf einer Linie angeglichen hat, dann kann man neue Züge bestellen.

Städte wie Fulda, wo einige behaupten das dort keine ICE halten müssten, könnten wieder mehr Bedeutung erlangen und Umsteigemöglichkeiten zwischen den verschiedenen Bahnsteigshöhen bieten. Wobei das jetzt rein fiktiv gewählt ist. Ich habe keine Ahnung wie hoch die Bahnsteige in FFU sind und ob noch Gleise ungenutzt sind.

Da ist guter Rat teuer, wie man aus dem Dilemma rauskommt, zumal ja Fernverkehr jetzt erstmal auf 76cm gegangen ist.

Das Dilemma ist da. Genau wie die Sache mit dem Klima. Ist doof. Aber es gibt nur zwei Möglichkeiten. Nichts machen und warten oder anfangen.

Wie teuer ist eigentlich ein Meter Bahnsteig?


Kommt darauf an, wer baut. In Hoßkirch hat man 50 Meter Bahnsteig für 60.000 Euro gebaut. In Villingen rechnet man mit 10 Mio für die Modernisierung der drei Bahnsteige.

Ich würde generell alle Bahnsteige mindestens 400 Meter lang bauen, wenn der Platz vorhanden ist. Auch in kleinen Städten schaffen es lokale Busunternehmen 50 Menschen für eine Reise nach Barcelona, Prag, Paris oder Hamburg/München/Berlin zu finden. Mit der passenden Bahninfrastruktur bieten sich hier Möglichkeiten für Charteranbieter, langlaufende IR oder RE oder private Anbieter als alternative zum Fernbushalt.

Durch die Digitalisierung muß der Reisende heute keine Streckenkenntnis haben. Wenn die App sagt in Hintertupfingen umsteigen, dann macht man das. Warum nicht Köln Hbf und Frankfurt Hbf umfahren? Es gibt viele Möglichkeiten Reisende in große Städte zu bringen aber knappe Trassen im Hbf zu sparen: Köln West, Frankfurt Süd, Laatzen, Spandau. Die beiden mittleren gibt es schon, das letzte ist keine Umfahrung.

Es gibt viele graue Flecken auf der Landkarte. Hannover-Magdeburg-Berlin oder Halle-Magdeburg-Hamburg. Da ist doch nichts los. In Ruhe die Bahnsteige umabauen und neue IR einsetzen. Wenn dann mal Bauarbeiten oder Probleme auf den wichtigen Strecken sind, hat man gleich ne Alternative.

Es muss nichts überstütrzt werden. Lokale Unternehmen können die Aufträge umsetzen. Ein paar Meter Beton. Ein Dach. Licht. Nichts, was man nicht auch schon vor 100 Jahren bauen konnte.

Bahnsteige halten länger als Züge - oder auch nicht

agw, NRW, Dienstag, 24.09.2019, 17:35 (vor 2387 Tagen) @ oska

Die Fertigbahnsteige (S-Bahn) hier fangen schon nach 15 Jahren an wegzumodern. Natürlich auch wegen der schlechten Pflege.
Ich schätze, die sind nach 30 Jahren nicht mehr sanierungsfähig, wenn sie diese Eigenschaft überhaupt jemals gehabt haben.

--
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- bahn.de

Deutscher Bundestag: Drucksache 13/8541 vom 22.09.1997

oska, Montag, 23.09.2019, 17:35 (vor 2388 Tagen) @ Frecciarossa

Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten [...] der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
- Drucksache 13/8461 -
Die Bahnsteighöhe als wesentliches Charakteristikum der Benutzbarkeit der Eisenbahninfrastruktur

http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/13/085/1308541.asc

[...]

Aus den vorgenannten Gründen hat das Bundesministerium für Verkehr im
Einvernehmen mit den Ländern folgende Regelungen für die Förderung von
Bahnsteigbauten durch den Bund getroffen:
1. Generelles Ziel bleibt, entsprechend § 13 Abs. 1 EBO, Bahnsteige
mit der Höhe von 0,76 m über SO zu errichten. Vor dem Hintergrund
dieses gemeinsamen Zieles als Voraussetzung einer
diskriminierungsfreien Benutzung der Infrastruktur ist bei künftigen
Bahnsteigbauten möglichst umfassend diese Regelhöhe zu realisieren.
Dementsprechend werden hierfür Fördermittel des Bundes gewährt.
Vorhandene Bahnsteige mit Regelhöhe 0,76 m dürfen nicht abgesenkt
werden.

[...]

Nach dem Kommentar zur Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung
(Thoma/Paetzold/Wittenberg, 2. Auflage 1994) weisen 53 % der Bahnsteige
eine Höhe von weniger als 0,38 m, 12 % von 0,76 m und 4 % von 0,96 m
über Schienenoberkante auf.

[...]

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