Unterwegs auf Räuberbahn und Moorbahn (m. 86 B.) (Reiseberichte)

TD, Donnerstag, 29.08.2019, 18:20 (vor 2397 Tagen)

Hallo zusammen,

kürzlich hatte ich Euch mitgenommen auf eine Tagestour in den Schwarzwald mit Wasserbus und Rotem Brummer. Nun folgt eine zweite Rundfahrt durchs Ländle, diesmal auf der anderen Seite des Bodensees zur Räuberbahn und zur Moorbahn in Oberschwaben.

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Von Allensbach fahren wir nach Überlingen und von dort mit dem Bus nach Pfullendorf. Dort beginnt die Räuberbahn nach Aulendorf. Anschließend geht es auf der Moorbahn nach Bad Wurzach zum Torfbähnle. Für die Rückfahrt wählen wir die Variante über Friedrichshafen, Meersburg und mit der Fähre nach Konstanz. Ich hatte die Tour in zwei Etappen gemacht, der Teil mit der Räuberbahn stammt aus dem Mai 2018, der Teil mit der Moorbahn aus dem August 2019. Da ich zu faul bin, die Strecke Konstanz-Aulendorf mehrfach zu beschreiben, habe ich beide Teile zu einer fiktiven Tagestour verknüpft.

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Die Tour beginnen wir diesmal in Allensbach, der Ort zwischen Konstanz und Radolfzell ist bundesweit wegen eines hier ansässigen Instituts für Demoskopie bekannt. Mit einem Zug der Schwarzwaldbahn fahren wir am Ufer des Untersees nach Radolfzell. Mit nur sechs Minuten Fahrzeit wird das die kürzeste Etappe der Tour.

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In Radolfzell wechseln wir auf eine Regionalbahn in Richtung Friedrichshafen. Eine Dreifachtraktion Regioshuttles steht zur Fahrt auf der Bodenseegürtelbahn bereit. Das letzte Fahrzeug ist ein Original-„Seehänsele“ mit entsprechender Beschriftung. Der Name „Seehänsele“ für die Verbindung Radolfzell-Friedrichshafen setzt sich zusammen aus dem Bodensee sowie der schwäbisch-alemannischen Fasnachtsfigur Hänsele. Mit den neuen LINT-Triebzügen, die demnächst auf der Bodenseegürtelbahn eingesetzt werden sollen, scheint man den Namen aber aufzugeben.

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Die Strecke führt nun zunächst durchs Grüne am Rande der Halbinsel Bodanrück und erreicht dann das See-Ende bei Bodman-Ludwigshafen. Wo sich heute eine Ebene erstreckt, befand sich während der Eiszeit der Abfluss des Rheins aus dem Bodensee.

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Schließlich führt die Strecke direkt am Ufer des Überlinger Sees entlang, einem Teil des Bodensees. Am gegenüberliegenden Seeufer ist der bewaldete und teils steil und schluchtartig abfallende Bodanrück zu sehen. Unweit von hier befindet sich die Entnahmestelle der Bodensee-Wasserversorgung. In 60 Metern Tiefe wird das Wasser entnommen, mit dem rund vier Millionen Menschen in Baden-Württemberg versorgt werden.

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In Überlingen verlassen wir den Zug. Bis es weitergeht, bleibt Zeit für eine kleine Runde durch die historische Altstadt. Hier blicken wir vom Suso-Brunnen auf der Hofstatt zum Münsterturm.

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Jetzt geht es noch kurz ans Wasser zur Seepromenade, wo es einen Blick über den See ohne Zugfensterscheibe gibt, dann...

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...geht es zurück durch die Altstadt. Rechts das Rathaus, der kleine Pavillon mit dem grünen Dach ist der sogenannte Ölberg, der 1469 von einer Witwe gestiftet wurde und eine Christusstatue beherbergt.

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Beim Haltepunkt Überlingen befindet sich auch der Busbahnhof. Hier fährt der RegioBus DonauBodensee ab. Die Linie 500 verbindet im Stundentakt Überlingen, Pfullendorf und Sigmaringen und schließt die Bahnlücke zwischen Bodenseegürtelbahn sowie Donau- und Zollernbahn.

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Knapp 40 Minuten dauert die Fahrt durch den Linzgau. Die Landschaft im Bodensee-Hinterland ist ländlich geprägt und beschaulich. Der Name Linzgau geht auf die keltische Zeit zurück, der Stamm der Lentienser galt seinerzeit als besonders rauflustig.

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Nachdem wir in Pfullendorf am Busbahnhof angekommen sind, liegt dieses Gebäude am Weg: der ehemalige Bahnhof von Pfullendorf. Hier gibt es heute keine Gleise mehr, das Gebäude wird gastronomisch genutzt.

Im 19. Jahrhundert träumte man davon, dass eine Magistrale von Paris nach Wien genau durch Pfullendorf führen und die Stadt per Hauptbahn an das Bahnnetz angebunden werden könnte. Die Phantasien für einen internationalen Verkehr fanden aber schon an der Grenze zwischen Baden und Württemberg ihr Ende. Da Pfullendorf genau an der Grenze zwischen beiden Ländern lag, blieb der Ort Endstation zweier Nebenstrecken. Zuerst wurde von badischer Seite eine Bahnstrecke aus Richtung Stockach/Schwackenreute (Ablachtalbahn) gebaut, zwei Jahre später folgte die württembergische Strecke aus Richtung Aulendorf/Altshausen. Baden und Württemberg wurden sich nicht einig über den Bau eines Empfangsgebäudes, so dass für über 50 Jahre ein einfaches Provisorium als Bahnhofsgebäude diente. Erst 1926 wurde das neue Bahnhofsgebäude errichtet. 1971 wurde der Personenverkehr eingestellt, 2008 der Bahnhof stillgelegt.

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Wer heute in Pfullendorf vom Bus auf die Bahn umsteigen möchte, hat deshalb einige Meter Fußweg vor sich. Vorbei am Stadtsee...

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...führt uns der Weg zu einem Bahnsteig am Stadtgarten. Hier endet das Streckengleis aus Richtung Aulendorf/Altshausen an einem Prellbock. Der Bahnstrecke in Richtung Schwackenreute/Stockach ist seit 1987 abgebaut.

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Der Bahnsteig macht zwar nicht unbedingt den Eindruck eines modernen, barrierefreien Haltepunkts, dennoch halten hier Züge, die Pfullendorf wieder an das Bahnnetz anschließen.

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Bis es aber soweit ist, haben wir noch Zeit für einen Spaziergang durch die schmucke Altstadt der 13.000-Einwohner-Stadt mit ihren denkmalgeschützten Fachwerkhäusern.

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Der historische Marktplatz mit Brunnen ist das Herz der ehemals freien Reichsstadt.

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Ursprünglich umfasste die mittelalterliche Stadtbefestigung vier Stadttore, heute ist nur noch das Obere Tor erhalten, es gilt als Wahrzeichen der Stadt.

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Die Stadtpfarrkirche Sankt Jakob wurde 1481 als gotische Basilika vollendet und später barockisiert. Heute ist Pfullendorf Station der Oberschwäbischen Barockstraße, der Deutschen Fachwerkstraße und der Hohenzollernstraße. Gibt es solche Ferienstraßen eigentlich auch bei der Bahn?

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So langsam wird es Zeit, dem Wegweiser in Richtung „Bahnsteig Stadtgarten“ zu folgen. Ich muss zugeben, etwas komisch klingt das ja schon, aber gut, die Bezeichnung „Bahnhof“ wäre ja falsch.

Es geht gleich weiter...

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Unterwegs auf Räuberbahn und Moorbahn (Teil 2)

TD, Donnerstag, 29.08.2019, 18:22 (vor 2397 Tagen) @ TD

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Die Bahnstrecke wurde 2009 im Personenverkehr reaktiviert, wenn auch zunächst nur für Ausflugszüge. Jeweils in der Sommersaison verkehrt an Sonn- und Feiertagen der „Radexpress Oberschwaben“ bzw. neuerdings die „Räuberbahn“. Ein Dieseltriebwagen der Baureihe 628 pendelt zwischen Aulendorf und Pfullendorf.

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Eine Infotafel erzählt die Geschichte der Strecke vom Bau bis zum Niedergang sowie der Rettung der Strecke durch die Pachtung und den späteren Kauf der Strecke durch die Kommunen. Seit 2017 gibt es auch wieder Güterverkehr auf der Strecke.

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Während meines Besuchs ist der Fahrgastandrang überschaubar, Personal (Lokführer, Zugbegleiter, Bahnübergangssicherungsposten, Gastro, Fahrgastbefrager) und Fahrgäste halten sich etwa die Waage. An Bord gibt es Kaffee, Getränke und Snacks.

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In gemächlichem Tempo geht es nun durch das ehemalige Grenzgebiet zwischen den Ländern Baden, Württemberg und Hohenzollern-Sigmaringen. An einigen Bahnübergängen wird angehalten, diese werden durch den mitfahrenden Posten gesichert. Die Höchstgeschwindigkeit der Strecke liegt überwiegend bei 50 Stundenkilometern, es gilt der Einzug-Betrieb.

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Im Gegensatz zur anfänglichen Bretterbude in Pfullendorf wurden die württembergischen Bahnhöfe an der Strecke mit geradezu prächtigen Empfangsgebäuden ausgestattet. Der Bahnhof Ostrach dient heute als Wohngebäude. Kurz darauf der Blick auf den Ort mit dem Turm der St. Pankratius-Kirche von 1569 und dem Fluss Ostrach.

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Bei der Einfahrt nach Altshausen ist das gleichnamige Schloss zu sehen, es ist Residenz des Hauses Württemberg und Wohnsitz von Carl Maria Peter Ferdinand Philipp Albrecht Joseph Michael Pius Konrad Robert Ulrich Herzog von Württemberg.

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In Altshausen trifft die Räuberbahn auf die Zollernalbbahn Herbertingen-Aulendorf. Das Empfangsgebäude liegt als Keilbahnhof zwischen den Strecken. Die Züge der Räuberbahn halten an Gleis 5, im Hintergrund die Gleise 1 und 2 an der Bahnstrecke von Herbertingen. In Altshausen endet die 25 Kilometer lange Stichstrecke nach Pfullendorf, nun geht es auf den regelmäßig befahrenen Gleisen der Zollernalbbahn weiter nach Aulendorf.

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Bis zur Weiterfahrt hat der Zug aber noch einen kurzen Aufenthalt, die Zeit reicht, um einen Blick auf die hier angebrachte Streckenkarte der Räuberbahn zu werfen. Der Begriff Räuberbahn gehört zum Tourismuskonzept der Strecke. Angelehnt ist der Begriff an die Banden um die Räuber Schwarz-Vere und Grandscharle, die vor 200 Jahren die abgelegene Gegend unsicher machten und dabei auch die zahlreichen Ländergrenzen für sich zu nutzen wussten.
An bestimmten Tagen fährt auch ein „Nachfahre“ der Räuber mit und erzählt seine Geschichte – diesem Event bin ich aber erfolgreich ausgewichen, das ist dann für mich zu viel des Guten, aber wenn es der Bahnstrecke hilft, soll es recht sein.

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So, jetzt ist es nicht mehr weit, wir erreichen gleich den Bahnknoten Aulendorf. Die Fahrzeit der Räuberbahn beträgt eine gute Stunde, es gibt drei Zugpaare pro Fahrtag.

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Nach der Ankunft in Aulendorf hängen wir gleich den nächsten Teil dran, hier startet mit der „Moorbahn“ eine zweite, nur im Ausflugsverkehr befahrene Verbindung. Ein Regioshuttle steht bereit zur Fahrt von Aulendorf nach Bad Wurzach.

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Der Zug befährt zunächst die Württemberg-Allgäu-Bahn in Richtung Bad Waldsee und Leutkirch, auf dieser Strecke gibt es regelmäßigen Personenverkehr. Bei Roßberg wird es dann interessant,...

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...denn hier zweigt die Roßbergbahn von der Bahnstrecke Leutkirch-Aulendorf ab.

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Der Bahnhof Roßberg wird im Personenverkehr nicht mehr genutzt, den Zügen der Moorbahn dient er aber als Betriebsbahnhof. Der Zug hält nur zum Kopfmachen an und befährt anschließend die Roßbergbahn.

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Die Roßbergbahn ist eine knapp 11 Kilometer lange Stichstrecke, die die Stadt Bad Wurzach an die Württemberg-Allgäu-Bahn anbindet. Die Bahnstrecke wurde 1904 in Betrieb genommen, bereits 1927 gab es erste Absichten einer Stilllegung und 1963 wurde der Personenverkehr dann endgültig eingestellt. Gleich der erste Streckenabschnitt ist eigentlich der reizvollste, die Rossbergbahn führt in einem weiten Bogen am Waldrand nach oben, dabei bietet sich ein Blick über die weite Landschaft Oberschwabens, jenseits des Solarparks verläuft die Württemberg-Allgäu-Bahn.

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Nach diesem Anstieg verläuft die Strecke dann weitgehend gerade über das flache Land vorbei an kleineren Siedlungen und Weilern, weitere Zwischenhalte gibt es nicht. Die Fahrzeit von Aulendorf bis Bad Wurzach ist im Fahrplan mit 39 Minuten ausgewiesen, wir kommen aber schon wenige Minuten früher an.

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Bad Wurzach ist eine oberschwäbische Kurstadt und das älteste Moorheilbad in Baden-Württemberg. Einwohnermäßig ist Bad Wurzach mit knapp 15.000 Einwohnern nicht besonders groß, flächenmäßig handelt es sich jedoch um die drittgrößte Gemeinde des Landes, größer als das Fürstentum Liechtenstein. Hier stehen wir vor dem Stadtbrunnen, in unserem Rücken...

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...das mit Fresken aus der Stadtgeschichte verzierte Rathaus.

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Und hier stehen wir an der Wurzacher Ach mit Blick auf die Pfarrkirche St. Verena, sie wurde zwischen 1775 und 1777 erbaut. Am linken Bildrand ist das Naturschutzzentrum Wurzacher Ried, dort besuchen wir die Ausstellung „Moor Extrem“. Da fällt mir ein, dass ich denen auch noch eine Mail schreiben wollte. Denn wenn ein Naturschutzzentrum auf seiner Internetseite unter dem Menüpunkt „Anreise“ nur Parkmöglichkeiten, die Adresse fürs Navi und einen Link auf einen Routenplaner verlinkt, finde ich das etwas schwach.

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Das Schloss Bad Wurzach wollen wir nicht auslassen, ist es doch Kulturdenkmal und Wahrzeichen der Stadt. Es wurde zwischen 1723 und 1728 erbaut und war Residenz des Adelsgeschlechts Waldburg-Zeil, heute wird es vielfältig genutzt vom Seniorenwohnheim über ein Kolleg bis hin zu einem Standesamt.

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Wenn man schon mit der Moorbahn nach Bad Wurzach gereist ist, sollte natürlich auch ein Besuch im Wurzacher Ried nicht fehlen. Und so folgen wir nun den Wegweisern zum Torfbähnle, allerdings läuft man da ein ganzes Stück bis an den Stadtrand...

Es geht gleich weiter...

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Unterwegs auf Räuberbahn und Moorbahn (Teil 3)

TD, Donnerstag, 29.08.2019, 18:28 (vor 2397 Tagen) @ TD

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...zum Museumsbahnhof Oberried. Der Kultur- und Heimatpflegeverein „Wurzen" bietet hier auf der ehemaligen Torfbahn öffentliche Fahrten in das Wurzacher Ried an. Während die Moorbahn nur sonntags verkehrt, fährt das Torfbähnle jedes zweite Wochenende und dann auch wechselnd samstags und sonntags. Somit ergibt sich alle vier Wochen die Möglichkeit, Moorbahn und Torfbähnle bei einer Tour zu kombinieren.

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Bis 1996 wurde in Bad Wurzach Torf abgebaut, der Torf wurde mit einer Torfbahn aus dem Ried transportiert. Heute bietet die Feldbahn Besuchern die Möglichkeit für eine Erkundungstour durch das Ried.

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Das Wurzacher Ried ist das größte zusammenhängende und noch intakte Hochmoor Mitteleuropas. Die letzten Eiszeiten hinterließen hier ein großes Seebecken, aus dem das Wasser nicht abfließen konnte. Zunächst entstand ein flacher See, abgestorbenes pflanzliches Material lagerte sich als Torf am Seegrund ab. So füllte sich der See im Laufe der Zeit vollständig mit Torf und verlandete.

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Die Strecke der Torfbahn ist anderthalb Kilometer lang, sie führt vom ehemaligen Torfwerk Oberried über den Achkanal und vorbei am Stuttgarter See bis zum Haidgauer Torfwerk. Bereits 1750 begann die Nutzung des Wurzacher Rieds, anfangs wurde Brenntorf gewonnen, später Torfstreu und Torfmull. In den ersten Betriebsjahren wurden auch die Lokomotiven der Südbahn mit Torf gefeuert. Zuletzt wurde Badetorf abgebaut. Als 1996 der Torfabbau eingestellt wurde, blieben die Maschinen zunächst im Ried zurück. Im Bereich der einstigen Verladeeinrichtung gibt es eine Wendeschleife, dort sind die zurückgelassenen Maschinen und Gerätschaften deponiert.

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Am ehemaligen Torfwerk Haidgau gibt es einen Info-Stopp, dann geht es durch das Tor wieder aus dem Torfwerk hinaus auf die Strecke durch das Wurzacher Ried.

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Das Torfbähnle hat eine Spurweite von 600 mm. Es handelt sich um eine „Neubaustrecke“, die ab 2001 etappenweise errichtet wurde. Während zu Beginn des Museumsbetriebs nur eine kurze Strecke am Rande des Rieds geplant wurde, hatte man später die heutige Streckenführung gewählt, um den Besuchern einen besseren Einblick in das Wurzacher Ried zu bieten. So ist auch die Brücke über den Achkanal neueren Datums, sie wurde für den Museumsbetrieb gebaut. Nach rund 50 Minuten endet die Fahrt am Ausgangspunkt am Museumsbahnhof Oberried.

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Für uns steht nun der Fußweg zurück zum Bahnhof von Bad Wurzach an. Neben dem Kurbetrieb mit dem Moorheilbad ist Bad Wurzach auch für eine große Glasfabrik bekannt. Die ehemalige Oberland Glas wurde 1946 nahe des Wurzacher Rieds gebaut, um den Torf zu verkoken und das Gas für die Glasherstellung zu nutzen. Später wurde das Unternehmen zu einem Pionier des Altglasrecyclings. Der Fußweg führt uns über einen Bahnübergang bei der Glasfabrik. Die Bahnstrecke der Roßbergbahn führt direkt durch das Werksgelände, etwas später werden wir auf diesem Gleis mit dem Zug zurück in Richtung Rossberg fahren.

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Der Bahnhof Bad Wurzach wird heute anderweitig genutzt, hier sehen wir die Straßenseite. Die Gleisanlagen, die hinter dem Bahnhof lagen, sind abgebaut. Die Gleise der Roßbergbahn enden heute...

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...kurz vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude an einem schmucklosen Bahnsteig ohne jede Bahnsteigmöblierung. Nachdem die Deutsche Bahn sich von der Strecke zurückgezogen hatte, wurde die Strecke von der Stadt Bad Wurzach gekauft. Die Betriebskosten konnten gemeinsam mit der Glasfabrik und dem Landkreis finanziert werden. Beim Güterverkehr gab es ein auf und ab, seit 2018 gibt es wohl wieder einen Güterverkehr zur Glasfabrik.
2010 wurde die Roßbergbahn für den Ausflugsverkehr des Radexpress "Oberschwaben" reaktiviert, der Bahnsteig wurde hierfür von der Stadt Bad Wurzach neu gebaut. Anfangs fuhren die Ausflugszüge nur an ausgewählten Sonntagen, mittlerweile gibt es in der Sommersaison an allen Sonn- und Feiertagen einen Zwei-Stunden-Takt mit vier Zugpaaren. Den Namen „Roßbergbahn“ findet man heute immer seltener, seit 2018 wird die Strecke unter dem neuen Namen „Moorbahn“ vermarktet. Räuberbahn und Moorbahn haben hierfür eigene Logos, Flyer und eine Internetseite bekommen.

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Für uns geht es nun zurück nach Aulendorf, hier der Blick aus dem Zugfenster bei der Fahrt durch das Werksgelände der Glasfabrik. Irgendwo hier befand sich bis 1946 ein Anschlussgleis zum Torfwerk. Und weiter geht die Fahrt gemütlich durchs Grüne – oder wie es im Flyer heißt „unterwegs auf historischen Nebenbahnen“.

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Schließlich geht es wieder hinab zur Einmündung der Roßbergbahn in die Württembergische Allgäubahn. Unter uns die Gleise der Bahnstrecke Aulendorf-Leutkirch, außerhalb des Bilds liegt links der Betriebsbahnhof Roßberg, nach der Wende dort fahren wir nach rechts in Richtung Bad Waldsee und Aulendorf.

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Es geht gleich weiter...

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Unterwegs auf Räuberbahn und Moorbahn (Teil 4)

TD, Donnerstag, 29.08.2019, 18:30 (vor 2397 Tagen) @ TD

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Nach der Ankunft in Aulendorf fahren wir auf der Südbahn nach Friedrichshafen. Hier trifft gerade ein Triebzugpärchen der Baureihe 612 in Aulendorf ein. Falls sich jemand wundert, warum es keine Bilder aus der Stadt Aulendorf gibt: da waren wir schon mal (zum Reisebericht).

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Regelmäßige Nutzer der Südbahn werden es gleich gemerkt haben: dieses Bild ist ein Fake, so leer sind die Züge am Sonntagnachmittag auf dieser Relation nie. Seit die BR 612 mit ihrer Mini-Erste -Klasse hier verkehrt, meide ich die Züge.

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Das Lied „Auf de schwäbsche Eisebahne“ mit dem Refrain „„Trulla, trulla, trullalla, trulla, trulla, trulla la, Schtuegert, Ulm und Biberach Mekkebeure, Durlesbach.“ ist bestimmt bekannt. Die Reihenfolge stimmt allerdings nicht ganz, denn Durlesbach kommt vor Meckenbeuren. In Durlesbach hält heute kein Zug mehr, insofern muss man schon aufpassen, dass man bei der schnellen Vorbeifahrt das Denkmal mit der Szene aus dem Lied nicht verpasst.

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Im Moment kann man auf der Fahrt durch Oberschwaben noch ungestört die Landschaft genießen und ohne Mastschäden fotografieren, bis zum Jahr 2021 wird die Strecke elektrifiziert. Wer die Tour nachmachen möchte, sollte die baubedingten Streckensperrungen im Blick haben.

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In Friedrichshafen verlassen wir den ungeliebten 612er und setzen die Fahrt stattdessen mit dem Bus fort. Eine „wundervolle Panoramafahrt entlang der nördlichen Uferlinie des Schwäbischen Meers“ verspricht die DB ZugBus Alb-Bodensee auf der sogenannten Seelinie.

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Wir fahren mit dem Bus von Friedrichshafen nach Meersburg, dabei geht der Blick über den See bis zu den Alpen...

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...und dann vorbei an der Alten Burg hinab nach Meersburg. Die Burg ist heute in Privatbesitz und dient neben einem Museum auch als Wohnsitz, insofern gilt der Bau mit Wurzeln im 7. Jahrhundert als älteste bewohnte Burg Deutschlands.

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In Meersburg wechseln wir auf die Autofähre nach Konstanz, hier der Blick von der Fähre zurück auf Meersburg. Die Überfahrt über die rund 4 Kilometer lange Distanz dauert eine Viertelstunde.

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Die Fähre erspart gegenüber dem Landweg um den Überlinger See etwa 54 Kilometer – allerdings bezogen auf die Straße. Für die Schiene lässt sich das so nicht sagen, da die Bahnstrecke im Hinterland verläuft und Meersburg nicht an der Bodenseegürtelbahn liegt. Wir erreichen nun gleich den Anleger in Konstanz-Staad.

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Damit sind wir nun eigentlich am Ende angelangt – aber wenn wir schon mit verschiedensten Verkehrsmitteln unterwegs sind, wollen wir auch den Buszug nicht auslassen. Anhänger-Busse sind ja nun auch noch nicht so weit verbreitet.

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Seit 2016 setzen die Stadtwerke Konstanz die Gespanne ein, es gibt vier Zugfahrzeuge und drei Anhänger. Die Linie 1 vom Fährehafen ins Zentrum ist ein heißer Kandidat um einen der Buszüge anzutreffen.

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Und damit ist der Reisebericht nun endgültig zu Ende. Vielen Dank für das Interesse und fürs Mitkommen bei der kleinen Runde durchs Ländle.

Viele Grüße

Tobias


PS: Meine früheren Bahnreiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de

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Unterwegs auf Räuberbahn und Moorbahn

Tabernaer, Irgendwo im grünen Nirgendwo, Donnerstag, 29.08.2019, 23:07 (vor 2396 Tagen) @ TD

Danke für diesen sehr schönen Reisebericht. Diese Region hat historisch einiges zu bieten und der Bodensee als solches ist immer einen Urlaub wert...

Unterwegs auf Räuberbahn und Moorbahn (Teil 4)

Turbonegro, Freitag, 30.08.2019, 16:26 (vor 2396 Tagen) @ TD

Schöne Bilder bei schönstem Wetter.
Dein Bericht zeigt in diesem Fall, man muss gar nicht so weit wegfahren um in einen schönen Flecken Erde zu sehen.

Zur 1.Klasse im Baden-Württemberg-612er. Das ist leider in allen bwegt-Fahrzeugen jetzt so.
Die bwegt-Talente haben zwei Vierer, die bwegt-Flirts haben nur 9 Plätze (selbst im Sechsteiler), wie auch die bwegt-Coradia Continental.
Wenn ich mir die ersten Bilder des bwegt-Mireos anschauen, ist auch hier nicht mehr Platz in der 1. Klasse.
Die bwegt-Lint gibt es gar keine 1. Klasse.
Vom bwegt Desiro-HC habe ich jetzt noch keine Bilder gesehen, aber es ist ähnliches zu befürchten.

In Baden-Württemberg lohnt sich die erste Klasse eigentlich nicht mehr :(

Geblinzelt

Tschutschu, Minidörfche im Westerwald, Samstag, 31.08.2019, 17:45 (vor 2395 Tagen) @ TD

Ein Hallo von einem Bodenseefan,

normalerweise unternehme ich öfters im Jahr mal Tagesausflüge an den Boddesee, um genüsslich abzuschalten, beim Anblick vom klaren Wasser im Vordergrund und Berge dahinter. Dieses Jahr hat das nicht so gut geklappt wegen Baumaßnahmen und SEV. Doch heute passte es und ich hatte einen traumhaften Tag.

Auf der Hinfahrt habe ich tatsächlich einen kurzen Blick auf die Dur!esbach-Szene werfen können und nahm mir fest vor, auf der Rückfahrt genauer hin zu sehen. Aber leider machten meine trockenen Augen einen Strich durch die Rechnung und das Blinzeln verwehrte Genaueres. Wie schön, dass ich die Details jetzt in deinem Foto sichten kann. Danke für die Fotos und Beschreibungen, die immer Lust auf "will auch" machen.

Durlesbach

218 466-1, Red Bank NJ / ex-Ingolstadt, Sonntag, 01.09.2019, 08:04 (vor 2394 Tagen) @ Tschutschu

Durlesbach war einst der "ortsnahe" Bahnhof der Stadt Bad Waldsee und verlor seine Bedeutung, nachdem Bad Waldsee mit der Strecke Herbertingen - Isny / Memmingen einen eigenen Bahnhof (wurde im Reisebericht durchfahren, aber leider nicht erwähnt :P) direkt in der Stadt erhilt.
Mehr Bilder und Information zum Denkmal: Auf d’r Schwäb’sche Eisebahne

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Dieser Beitrag gibt (sofern nicht anders gekennzeichnet) allein die Meinung der Verfasserin wieder
MET - Der beste Zug den es je gab
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