Unterwegs auf Räuberbahn und Moorbahn (m. 86 B.) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
kürzlich hatte ich Euch mitgenommen auf eine Tagestour in den Schwarzwald mit Wasserbus und Rotem Brummer. Nun folgt eine zweite Rundfahrt durchs Ländle, diesmal auf der anderen Seite des Bodensees zur Räuberbahn und zur Moorbahn in Oberschwaben.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/088-Raeuberbahn-Moorbahn/88-00Karte.jpg)
Von Allensbach fahren wir nach Überlingen und von dort mit dem Bus nach Pfullendorf. Dort beginnt die Räuberbahn nach Aulendorf. Anschließend geht es auf der Moorbahn nach Bad Wurzach zum Torfbähnle. Für die Rückfahrt wählen wir die Variante über Friedrichshafen, Meersburg und mit der Fähre nach Konstanz. Ich hatte die Tour in zwei Etappen gemacht, der Teil mit der Räuberbahn stammt aus dem Mai 2018, der Teil mit der Moorbahn aus dem August 2019. Da ich zu faul bin, die Strecke Konstanz-Aulendorf mehrfach zu beschreiben, habe ich beide Teile zu einer fiktiven Tagestour verknüpft.
Die Tour beginnen wir diesmal in Allensbach, der Ort zwischen Konstanz und Radolfzell ist bundesweit wegen eines hier ansässigen Instituts für Demoskopie bekannt. Mit einem Zug der Schwarzwaldbahn fahren wir am Ufer des Untersees nach Radolfzell. Mit nur sechs Minuten Fahrzeit wird das die kürzeste Etappe der Tour.
In Radolfzell wechseln wir auf eine Regionalbahn in Richtung Friedrichshafen. Eine Dreifachtraktion Regioshuttles steht zur Fahrt auf der Bodenseegürtelbahn bereit. Das letzte Fahrzeug ist ein Original-„Seehänsele“ mit entsprechender Beschriftung. Der Name „Seehänsele“ für die Verbindung Radolfzell-Friedrichshafen setzt sich zusammen aus dem Bodensee sowie der schwäbisch-alemannischen Fasnachtsfigur Hänsele. Mit den neuen LINT-Triebzügen, die demnächst auf der Bodenseegürtelbahn eingesetzt werden sollen, scheint man den Namen aber aufzugeben.
Die Strecke führt nun zunächst durchs Grüne am Rande der Halbinsel Bodanrück und erreicht dann das See-Ende bei Bodman-Ludwigshafen. Wo sich heute eine Ebene erstreckt, befand sich während der Eiszeit der Abfluss des Rheins aus dem Bodensee.
Schließlich führt die Strecke direkt am Ufer des Überlinger Sees entlang, einem Teil des Bodensees. Am gegenüberliegenden Seeufer ist der bewaldete und teils steil und schluchtartig abfallende Bodanrück zu sehen. Unweit von hier befindet sich die Entnahmestelle der Bodensee-Wasserversorgung. In 60 Metern Tiefe wird das Wasser entnommen, mit dem rund vier Millionen Menschen in Baden-Württemberg versorgt werden.
In Überlingen verlassen wir den Zug. Bis es weitergeht, bleibt Zeit für eine kleine Runde durch die historische Altstadt. Hier blicken wir vom Suso-Brunnen auf der Hofstatt zum Münsterturm.
Jetzt geht es noch kurz ans Wasser zur Seepromenade, wo es einen Blick über den See ohne Zugfensterscheibe gibt, dann...
...geht es zurück durch die Altstadt. Rechts das Rathaus, der kleine Pavillon mit dem grünen Dach ist der sogenannte Ölberg, der 1469 von einer Witwe gestiftet wurde und eine Christusstatue beherbergt.
Beim Haltepunkt Überlingen befindet sich auch der Busbahnhof. Hier fährt der RegioBus DonauBodensee ab. Die Linie 500 verbindet im Stundentakt Überlingen, Pfullendorf und Sigmaringen und schließt die Bahnlücke zwischen Bodenseegürtelbahn sowie Donau- und Zollernbahn.
Knapp 40 Minuten dauert die Fahrt durch den Linzgau. Die Landschaft im Bodensee-Hinterland ist ländlich geprägt und beschaulich. Der Name Linzgau geht auf die keltische Zeit zurück, der Stamm der Lentienser galt seinerzeit als besonders rauflustig.
Nachdem wir in Pfullendorf am Busbahnhof angekommen sind, liegt dieses Gebäude am Weg: der ehemalige Bahnhof von Pfullendorf. Hier gibt es heute keine Gleise mehr, das Gebäude wird gastronomisch genutzt.
Im 19. Jahrhundert träumte man davon, dass eine Magistrale von Paris nach Wien genau durch Pfullendorf führen und die Stadt per Hauptbahn an das Bahnnetz angebunden werden könnte. Die Phantasien für einen internationalen Verkehr fanden aber schon an der Grenze zwischen Baden und Württemberg ihr Ende. Da Pfullendorf genau an der Grenze zwischen beiden Ländern lag, blieb der Ort Endstation zweier Nebenstrecken. Zuerst wurde von badischer Seite eine Bahnstrecke aus Richtung Stockach/Schwackenreute (Ablachtalbahn) gebaut, zwei Jahre später folgte die württembergische Strecke aus Richtung Aulendorf/Altshausen. Baden und Württemberg wurden sich nicht einig über den Bau eines Empfangsgebäudes, so dass für über 50 Jahre ein einfaches Provisorium als Bahnhofsgebäude diente. Erst 1926 wurde das neue Bahnhofsgebäude errichtet. 1971 wurde der Personenverkehr eingestellt, 2008 der Bahnhof stillgelegt.
Wer heute in Pfullendorf vom Bus auf die Bahn umsteigen möchte, hat deshalb einige Meter Fußweg vor sich. Vorbei am Stadtsee...
...führt uns der Weg zu einem Bahnsteig am Stadtgarten. Hier endet das Streckengleis aus Richtung Aulendorf/Altshausen an einem Prellbock. Der Bahnstrecke in Richtung Schwackenreute/Stockach ist seit 1987 abgebaut.
Der Bahnsteig macht zwar nicht unbedingt den Eindruck eines modernen, barrierefreien Haltepunkts, dennoch halten hier Züge, die Pfullendorf wieder an das Bahnnetz anschließen.
Bis es aber soweit ist, haben wir noch Zeit für einen Spaziergang durch die schmucke Altstadt der 13.000-Einwohner-Stadt mit ihren denkmalgeschützten Fachwerkhäusern.
Der historische Marktplatz mit Brunnen ist das Herz der ehemals freien Reichsstadt.
Ursprünglich umfasste die mittelalterliche Stadtbefestigung vier Stadttore, heute ist nur noch das Obere Tor erhalten, es gilt als Wahrzeichen der Stadt.
Die Stadtpfarrkirche Sankt Jakob wurde 1481 als gotische Basilika vollendet und später barockisiert. Heute ist Pfullendorf Station der Oberschwäbischen Barockstraße, der Deutschen Fachwerkstraße und der Hohenzollernstraße. Gibt es solche Ferienstraßen eigentlich auch bei der Bahn?
So langsam wird es Zeit, dem Wegweiser in Richtung „Bahnsteig Stadtgarten“ zu folgen. Ich muss zugeben, etwas komisch klingt das ja schon, aber gut, die Bezeichnung „Bahnhof“ wäre ja falsch.
Es geht gleich weiter...
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