Bei einer Svíčková nach Deutschland... (Teil 1, 8 Bilder) (Reiseberichte)

J-C, In meiner Welt, Montag, 26.08.2019, 21:52 (vor 2403 Tagen)
bearbeitet von J-C, Montag, 26.08.2019, 21:54

Vor einigen Tagen hatte ich ja gefragt, wie's zu meiner Verbindung über Kamenz steht.

Nun, auch den Grund habe ich verraten. Es ging mit meinem Cousin zu Wanderexerzitien - kurz gesagt einer Wanderung mit geistlichen Impulsen. Und zwar von der Oberlausitz - nahe Panschwitz-Kuckau in die Niederlausitz nach Neuzelle.

Das war eine sehr schöne Woche, die mich geistlich sehr gut erbaute. Da dies aber ein Forum für Freunde des (schnellen) Schienenverkehrs ist, werde ich meinen Fokus mehr auf die Hin- und Rückfahrt und auch kurz auf den Bahnverkehr, den ich während der Wanderung entdeckte, eingehen.

Die Reise begann in Breclav in der Lounge. Ursprünglich war ja geplant, dort den Hungaria zu nehmen und in Dresden einen Zug nach Kamenz zu nehmen.

Problem: Der Zug nach Kamenz wäre an jenem Tage aufgrund von Bauarbeiten erst ab Arnsdorf geführt worden.

Das wäre, wenn der Zug nicht überhaupt ausgefallen wäre, weil die Städtebahn Sachsen bekanntlich zuerst den Betrieb einstellte, und wenig später Insolvenz anmeldete. Natürlich war es mein "Glück", dass aus der Insolvenz heraus die SBS bis zur Notvergabe den Betrieb wieder aufnehmen konnte... aber erst 3 Tage nach meiner Hinfahrt.

Nungut, also kein Hungaria, stattdessen ein Metropolitan aus Budapest mit tschechischen Wagen 2 Stunden vorher mit Umstieg in Prag auf einen Berliner - so werden die Züge der EC-Prag - Berlin - Hamburg (- Kiel) seitens der ČD genannt.

Doch der Metropolitan war - wie so oft - aus dem Ausland verspätet übergeben worden. Heute sind's 10 Minuten Verspätung. Da in Prag der Übergang ca. 25 Minuten betrug, war das kein Grund zur Beunruhigung.

Doch hatte man nun mehr Zeit zum Totschlagen - zu wenig, um dem Bahnhofsrestaurant einen Besuch abzustatten (ob ich das jemals tun würde, ist fraglich...) und zu viel, um auf dem Bahnsteig, der ohnehin erst einige Minuten vor Ankunft angekündigt wird, zu verweilen.

Aber genau richtig, um der in diesem Jahr eingeweihten "Lounge" der ČD - man besaß ja ein Ticket der ersten Klasse - einen Besuch abzustatten.

Breclav ist nun wahrlich kein besonders großer Verkehrsknoten. Umstiege zwischen den internationalen Fernzügen vollziehen sich hier teils binnen 3 Minuten am selben Bahnsteig. Umso erstaunlicher ist es, dass selbst hier man Reisenden der ersten Klasse und jenen, die eine Reservierung besitzen, zumindest ein Stück Mehrwert bietet.

Wer also entweder ein Ticket der ersten Klasse hat, oder eine Reservierung besitzt, kann sich am Informationsschalter melden; nachdem die Fahrkarte besehen ist, wird die Tür entriegelt und man betritt die "Lounge".

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Die Ausstattung dieses mit Glaswänden vom Rest des Reisezentrums abgeschotteten Raumes ist freilich nicht mit der Ausstattung einer Lounge in Deutschland vergleichbar. Es hat Sitze, Steckdosen, WLAN, Zeitungen, einen Teppich, einen Abfahrtsmonitor und noch einen Monitor, der sein Demoprogramm - das vermutlich reizvollste Fernsehprogramm heutiger Zeit - abspielt.

Und natürlich ein annehmbares Ambiente. An der Tapete liest man die Namen vieler tschechischer und internationaler Destinationen, denen man vielleicht ja einstmals einem Besuch abstatten könnte ;-)

So konnte man die Wartezeit doch ganz gut verbringen, bis es an den Zug geht. Für den Metropolitan habe ich leider keine Bilder vom Hinweg für euch, Hier aber die Wagenreihung nach vagonweb.cz.

Wie man dort sehen kann, hat es genau einen Wagen erster Klasse. Im Vergleich zur zweiten Klasse lohnt sich da der Aufpreis schon durchaus. Zwar gab es bis Prag keinen Am-Platz-Service für uns in jenem Wagen, aber das war nicht so schlimm. Die Sitze haben einme gewissen Komfort - der Stoffbezug ist hier definitiv ein positives Qualitätsmerkmal.

Der Großraumwagen erster Klasse ist in Fahrtrichtung Prag direkt hinter der Lok, sodass man sehr gut die Fahrgeräusche der ČD 380 (Das Ding, das in Deutschland als Baureihe 102 zwischen München und Nürnberg einst zum Einsatz kommen soll, was ist eigentlich dort grade die Situation?) hören konnte. Für mich war das Musik in meinen Ohren. Ebenso die zweisprachigen Ansagen auf tschechisch und englisch vom Band. Den Zugbegleiter hat man an 2 Stationen gehört - einmal in Pardubice, als ein Personenzug als Anschluss angesagt wurde und in Praha hl.n., wo unser EC nach Kiel als Anschluss angesagt wurde. Ich habe in manch einem Regionalexpress schon öfter den Zugbegleiter gehört. Vielleicht wird der werte Herr Blaschke mal rüberkommen. Coke wird er aber von daheim nehmen müssen, in Tschechien ist eher Pepsi und Kofola an der Macht. Und Bier natürlich.

Wie auch immer. Man kommt also gegen 12 in Prag an. Die Verspätung konnte kaum aufgeholt werden, aber das war ja kein Problem. Man stieg also in den Berliner mit Fahrtrichtung Kiel ein. Hier herrscht eine gänzlich andere Klasse. Hier hat es 2 Großraumwagen erster Klasse mit Ledersitzen, die Ansagen sind auch auf deutsch. Dass ich die Reservierung auf just diese Verbindung umbuchte, war definitiv eine gute Idee - im Berliner war die erste Klasse durchaus gut ausgelastet.

Hier merkt man, dass hier die DB durchaus ein Wörtchen mitzureden hatte. An sich war es aber ein wenig frischer vom Ambiente her. Ist auch klar, der Metropolitan besteht aus Schnellzugwagen, der Berliner hingegen eben aus Reisezugwagen, die für diese Linie optimiert wurden.

Um mal ehrlich zu sein, in einem DB-Zug wäre es im Sitzwagen wohl irgendwie angenehmer gewesen. Wobei die Laufruhe doch ganz angenehm ist.


Wäre ich im Wagen geblieben, wäre die Bestellung des Essens erst ab der Grenze zu Deutschland aufgenommen worden, wie ich später feststellte. So kam ich direkt in den Speisewagen. Er ist ja öfters eines der Dinge, anhand derer die tschechische Bahn so großartig empfinden wird - wieder und wieder.

Und ja, es ist so, wie man es so oft liest. Ein durchaus gepflegtes Ambiente bei roten Ledersitzen und fein gedeckten Tischen - im Gegensatz zum weher kühlen Ambiente des Speisewagens im Metropolitan. Bei einer durchaus starken Auslastung. Da brauchte es seine Zeit, bis ich dort mein Essen bestellen konnte und noch etwas, bis ich es bekam. Tatsächlich erlebte ich schon lange keinen derart stark ausgelasteten Speisewagen.

Da schaut man sich halt erstmal die Landschaft an...

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...und kriegt irgendwann dann auch seine Mahlzeit.

Wie der Titel es sagt, wurde es eine Svičková:

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Als Nachtisch - das hat bei mir eine gewisse Tradition - gibt es eine Palačinka:

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Beides hat großartig gemundet - wie immer.

Auf ein Bier verzichtete ich an jenem Tag. Wie in jedem entwickelten Land lief die Zahlung mit Debitkarte schon lange problemlos. Ich dachte, ich erwähne das halt mal.

Es ging zurück an den Platz, man reist an der Elbe entlang...

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...und überquert die Grenze nach Deutschland. In Bad Schandau enden auch die automatischen Ansagen. Die Zugbegleiterin mit einer charmanten Stimme verkündet bald schon die Ankunft in Dresden.

Die Situation, dass ich einen anderen Zug nahm, als die nun aufgehobene Zugbindung es besagt hätte, war völlig unproblematisch; besagte Zugbegleiterin ließ sich bei uns gar nicht blicken bis Dresden Neustadt.

Wie dem auch sei, kommt man nach einer Fahrt durch das malerische Elbtal in Dresden-Neustadt an:

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Und bestaunt dann erst einmal die Bahnhofshalle:

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...die definitiv ein Hingucker ist. Überhaupt war ich von der Fahrt auf deutscher Seite völlig begeistert. Während bei der S-Bahn in Wien die Infrastruktur oft auf Kante genäht ist, hat man extra Gleise für die Dresdener S-Bahn bis ins Umland. Der Bahnhof von Bad Schandau könnte gewiss etwas mehr Liebe vertragen, aber das war soweit eigentlich doch ganz annehmbar.

Zumindest bis jetzt.

In Dresden Neustadt nämlich musste man auf den Bus. Der fuhr über die Autobahn und dann weiter über die Landstraße direkt bis Kamenz. Von der entbehrlichen Abfahrtsverspätung von 2 Minuten abgesehen war die Fahrt recht unproblematisch und angenehm.

Der Anschluss - ein anderer Bus der Linie 102 wurde natürlich erreicht, aber auch hier so eine doofe Verspätung von 2 Minuten. Muss nicht sein.

Und dann kam man nach einer Wanderung on 2,3km ans Ziel an, womit man recht geschmeidig in die achttägige Wanderung sich einführen konnte.

Und damit endet der erste Teil, doch der zweite wird auch noch folgen ;-)

Cheers.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

(Semi-OT) Durch das Reich der LEAG (Teil 2, 3 Bilder)

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 27.08.2019, 10:56 (vor 2403 Tagen) @ J-C
bearbeitet von J-C, Dienstag, 27.08.2019, 10:57

Bei der Wanderung waren natürlich die Exerzitien im Vordergrund. Doch wird man natürlich auch einen Bezug auf die Landschaft, die Orte und in diesem Fall sogar auch auf die Industrie haben.

Vorab, die Wanderung war in vielen Ebenen großartig, in der Lausitz sind wir mit offenen Armen empfangen worden und es war einfach schön, mit den Leuten dort in Kontakt zu treten. Ich werde vielleicht irgendwann nochmal dort hinwollen, es war wirklich großartig.

Doch gehört zur Realität auch dazu, dass in der Lausitz nicht immer alles super toll war. Beziehungsweise ist.

Ich bin mir sicher, dass das den meisten eh schon bekannt ist, aber zu Zeiten der DDR ist die Lausitz der Motor der Wirtschaft schlechthin gewesen, da sie über Braunkohlevorräte verfügte. Große Gebiete wurden entsprechend vom Tagebau abgegraben, mehrere Dörfer verschwanden, ihre Einwohner mussten umziehen. Der Braunkohletagebau und besonders die Energiegewinnung in entsprechenden Kraftwerken war nicht gerade sauber, entsprechend hoch war die Umweltbelastung. Man kann sich denken, dass die Lausitz nicht gerade die lebenswerteste Region war.

Das ist die eine Seite der Realität, die andere Seite ist natürlich, dass die Tagebaue und Kraftwerke für viele Arbeitsplätze sorgten. Arbeitsplätze, die mit Zusammenbruch der DDR und der Stilllegung vieler Tagebaue und au h Kraftwerke verloren gingen

Zwar wird noch immer Braunkohle in der Lausitz gefördert - und ja, noch heute stehen Dörfer in Gefahr, vom Braunkohletagebau plattgemacht zu werden - doch das im wesentlich geringeren Umfang. Bei der Wanderung sind wir an den beiden Braunkohlekraftwerken Schwarze Pumpe und Jänschwalde vorbeigelaufen, das sind wohl die bedeutendsten Kraftwerke in der Region.

Kleine Anekdote dazu: bei einer Mittagspause im Wald kamen 5 Polizeiautos vorbei - sogar ein Hubschrauber war geplant. Jemand hat anscheinend die Polizei angerufen aus Sorge, wir wären Klimaaktivisten, die auf die Kühltürme besagter Kraftwerke steigen wollten. Die Situation war natürlich schnell geklärt, nach 5 von 8 Tagen Wanderung wird man wohl kaum noch Lust drauf haben, solche fragwürdigen Aktivitäten zu betreiben, die man sich wohl nur nach reichlich Bier (oder Martini) ausdenken kann.

Das hat natürlich einen ernsten Hintergrund, denn Klimaaktivisten haben bereits mehr als einmal einen Tagebau oder gleich ein Kraftwerk besetzt und haben sich eben auch mit solchen Dingen wie auf Kühltürmen klettern in ernsthafte Lebensgefahr gebracht. Der Braunkohletagebau und die Energiegewinnung aus Braunkohle an sich ist definitiv alles andere als unumstritten.

Klarerweise ist der Umweltaspekt ein bedeutender. Auch die Tatsache, dass eben auch Ortschaften, zu denen die Einwohner naturgemäß eine hohe Bindung haben, dem Braunkohletagebau weichen mussten.

Doch wird auch angeführt, dass der Braunkohletagebau ganze Landstriche zerstört.

Hier sei jedoch gesagt, dass bereits zu DDR-Zeiten an die Rekultivierung gedacht wurde. Schon früh hat man etwa mit Geschicktheit es geschafft, die Flächen wieder wirtschaftlich nutzbar zu machen. Manch ein Gebiet wurde aber tatsächlich sich selbst überlassen. Die Natur eroberte sich dort die Gebiete zurück, es entstanden Wüsten mit ihrer ganz eigenen Artenvielfalt.

Und dann - und das wird ziemlich häufig angewandt - werden aus den bisherigen Tagebauen Seen gemacht.

Wie hier am Bernsteinsee, unweit des Kraftwerks Schwarze Pumpe:

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In der Hinsicht sei auch eine etwas ältere Doku von Arte empfehlenswert.

Wenn man so besagter Dokumentation glaubt, entstanden durch die Rekultivierung mitunter interessantere und reichhaltigere Landschaften als das, was es vor dem Braunkohletagebau gab.

Aktuell wird der ehemalige Tagebau Cottbus Nord geflutet, der Cottbuser Ostsee ist im entstehen und wird in 5 Jahren fertig geflutet sein. Hier mehr dazu. Es wird der größte künstliche See Deutschlands sein. Klar ist, dass die Lebensqualität von Cottbus, die ja unter dem Braunkohletagebau nebenan gewiss litt, nun einen gewissen Schub erfährt. Im bekanntlich durch die Wende strukturschwachen Osten gewiss ein durchaus positives Beispiel der Nachnutzung von Braunkohletagebauen.

Wer wissen will, wie in der DDR aus einem stillgelegten Tagebau ein See entstand, dem könnte ich einen Besuch in Senftenberg und dessen See empfehlen, dort kann man noch ganz gut die Vorstellungen sehen, die man in der DDR in Punkto Nachnutzung hegte. Für uns hat Senftenberg praktischerweise einen recht komfortablen Bahnanschluss. Leider führte die Wanderung jedoch nicht dort vorbei.

Stattdessen ging's bei uns über Spremberg:

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In dessen Gemeindegebiet liegt eben auch das Kraftwerk Schwarze Pumpe und auch so st ist dessen Umgebung durchaus industriell geprägt. Trotzdem bewahrt sich die Stadt eine gemütliche Idylle. Sie ist klein, aber fein.

Interessant ist jedenfalls später auch die Tatsache, dass wir am fünften Tag eben auch entlang der Bahnanlagen der LEAG liefen. Schon zuvor ist zumindest mir der rege Verkehr der LEAG aufgefallen, was mich dazu bringt, einmal kurz zu beschreiben, was die LEAG ist, die ja auch in den Titel dieses Beitrages Platz fand.

Die LEAG ist eine recht junge Marke und entstand nach Verkauf der Braunkohletagebaue- und Kraftwerke von der schwedischen Firma Vattenfall an die tschechische EPH-Gruppe. Auch dies ist nicht unumstritten, aber das tut jetzt nichts zur Sache.

Fakt ist, dass die LEAG mit der Braunkohle nach wie vor einen Wirtschaftsmotor in der Lausitz am kaufen hält. Sie betreibt die Züge, die die Braunkohletagebaue an die entsprechenden Kraftwerke verbinden.

Die dabei oft eingesetzte Zugmaschine ist eine LEW EL2m - eine modernisierte Version der LEW EL2. Sie ist quasi das, was man im Lausitzer Braunkohlerevier sozusagen als ein Markenzeichen der LEAG sehen könnte, ist sie durch den wie gesagt regen Verkehr doch recht präsent.

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Wer jedenfalls zwischen Ober- und Niederlausitz unterwegs wird, wird solchen Güterzügen jedenfalls über kurz oderlang über den Weg laufen. Die LEAG ist auch in der Rekultivierung der ehemaligen Braunkohletagebaue involviert, womit sich der Kreis schließt.

Das wäre der zweite Teil, eher textlastig und eher OT, im dritten Teil dann die Rückfahrt.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Noch ein Video dazu

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 27.08.2019, 13:01 (vor 2403 Tagen) @ J-C
bearbeitet von J-C, Dienstag, 27.08.2019, 13:03

Eine Episode Eisenbahn-Romantik widmete sich 2016 dem Thema. Find ich recht sehenswert, falls man nicht genug davon hatte. Nicht wundern, damals war noch Vattenfall für den Tagebau verantwortlich.

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Ein Kurztrip in Dresden (Teil 3, 12 Bilder)

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 27.08.2019, 11:42 (vor 2403 Tagen) @ J-C
bearbeitet von J-C, Dienstag, 27.08.2019, 11:44

Nach 8 Tagen Wanderung kam man im Kloster Neuzelle an. Erst vor kurzem ist das Kloster wieder von Mönchen besiedelt worden, doch hat man bereits einiges erreicht. Schon zuvor war Neuzelle ein geistlicher Hotspot, hier leben viel mehr Katholiken als in der Umgebung.

Ein gelungenes Ziel also und ich freute mich schon sehr.

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Dass Blaschke bei Neuzelle jedoch zuerst ans Bier dachte, ist kein Zufall. Es hat im Ort ein Gasthaus, da kann man ein Bierbad nehmen. Im Klosterladen an der Brauerei werden Dinge wie Bierseife oder Bieraufstrich angeboten. Selbstverständlich wurde auch reines Bier in verschiedensten Geschmacksrichtungen angeboten. Und auch wenn das Bier nicht der Hauptgrund für die Wanderung war, so war das natürlich entzückend.

Auch entzückend die Tatsache, dass unser Schlafplatz auf dem Weinberg lag, von dem es eine super Aussicht auf die Bahnstrecke Cottbus - Frankfurt (Oder) und dessen Zügen gab:

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Faszinierend fand ich die Vielfalt an Zügen. Hier fahren 2-, 3- und Vierteilige Talente, aber auch lokbespannte Doppelstockzüge - entweder 5 Wagen im RE1 oder 2 Wagen der RB11.

Güterzüge befahren diese zweigleisig ausgebaute Strecke ebenso.

Klarerweise hatte ich meistens mich mit anderen Dingen als mit den Zügen beschäftigt, es war aber definitiv für mich ein nice to have.

Nicht nice to have, sondern notwendig waren die Züge für die Rückfahrt. Zu Fuß kam man am nächsten Tag nach der heiligen Messe an den Bahnhof Neuzelle und stieg in einem Zug der RB11 nach Cottbus ein. Erste Klasse natürlich. Man hatte Ledersitze und eine interessante Sitzlandschaft. Der Landkarte auf dem Tisch nach wird der Zug normalerweise zwischen Leipzig und Cottbus eingesetzt.

Es war eine knappe Stunde, die man im traurigerweise 2 Minuten verspäteten Zug durchlebte. In Cottbus ging es dann in den RE18 nach Dresden. Dieses Mal ein Doppelstockwagen. Zunächst hatten wir das Oberdeck mit der ersten Klasse ganz für uns alleine.

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Es war sehr angenehm und ruhig. Der Zug hätte aber gerne etwas schneller sein können für meinen Geschmack, war doch etwas genütlich.

In Dresden angekommen, bestaunte ich zuerst den Bahnhof, ehe man sich im Marché einfand:

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Das ist amüsant für mich, das letzte Mal, dass ich ein Marché betrat, dürfte im Flughafen Hamburg sein. Dort gibt's das Marché aber su h nicht mehr. Am ehesten findet man ein Marché ja an Autobahnraststätten.

Oder hier in Dresden Hbf.

Schmackhaft ist das Essen dort auf jeden Fall, aber so eine Mahlzeit kann, je nachdem was man sich auswählt, ganz schön teuer werden.

Den Rest der Zeit nutzte man, um Dresden sich kurz anzuschauen. Man hat beim Regionalverkehr die Verbindung zwei Stunden vorher gewählt, sonst hätte es nur 9 Minuten Umsteigezeit. Ich hatte zwar keine Sorgen wegen der Pünktlichkeit, aber wenn ich schonmal die Chance habe, endlich mal in Dresden kurz vorbeizuschauen, dann ergreife ich sie natürlich.

Zwar war die Zeit stark begrenzt, dich der Spaziergang durch Dresden hat sich gelohnt. So konnten wir das Residenzschloss, die Semperoper und den Zwinger von draußen kurz anschauen und dabei noch einen Blick über die Elbe werfen.
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Der Zeitplan war jedoch straff, just in time kehrten wir zum Hauptbahnhof zurück, es ging zum Bahnsteig, wo man auf den Zug wartete, während am Gleis daneben anscheinend ein Zug der London Overground transportiert wird:

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Wenig später kam dann auch unser Zug nach Prag an, gezogen von einem Vectron:

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Weiter geht's dann im vierten Teil.

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Auf ein Martini in Prag (Teil 4 und Schluss, 11 Bilder)

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 27.08.2019, 12:27 (vor 2403 Tagen) @ J-C
bearbeitet von J-C, Dienstag, 27.08.2019, 12:29

Bis Bad Schandau ging die Fahrt reibungslos. Man genoss das Elbstal...

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Einmal meldete sich auch hier eine Zugbegleiterin mit einer charmanten Stimme (womöglich war die Zugbegleiterin auf der Hinfahrt die selbe wie auf der Rückfahrt?!) und hieß auch die Zugestiegenen in Dresden willkommen. Bei Bad Schandau die letzte Ansage, ehe die ČD wieder übernahm und die Ansage vom Band liefen.

Bis Bad Schandau lief es reibungslos, der Zug war pünktlich, für einen großen Teil der Strecke war 160 angesagt...

doch bei der Grenze begann es zu stocken. Nur langsam kam man voran, stand kurz vor Dečin dann für über 20 Minuten. Ansagen? Fehlanzeige für eine lange Zeit! Irgendwann kam eine Ansage vom Band: Wegen einer Oberleitungsstörung wird der Zug ca. 35 Minuten Verspätung haben. Der Zugbegleiter selber hat sich auf der gesamten Fahrt gar nicht zu Wort gemeldet.

Einziges Trostpflaster: Der Infrastrukturbetreiber in Tschechien ist auf die Idee gekommen, endlich mal minutengenaue Verspätungsanzeigen einzuführen, anstatt nur in Blöcken von 5 Minuten zu spielen.
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Geplanr war, mit 24 Minuten Übergang in Prag den Railjet in Richtung Bratislava zu nehmen. Das fiel nun flach, sodass man in Prag umplanen musste. Es hätte um 20:20 einen Regiojet nach Brno gegeben, aber da muss man von Brno hl.n. nach Brno dol.n. wechseln um einen Personenzug zu erreichen. Zu wackelig düfür uns, besonders wo Verspätungen auf der Strecke Praha - Brno auch ohne weitere Einflüsse Gang und Gäbe sind.

Stattdessen beschlossen wir, den IC573 Metropol nach Breclav zu nehmen. Abfahrt in Prag: 21:55, Ankunft in Breclav: 1:21. Das wären 2,5 Stunden spätere Ankunft als geplant. Ich hatte zwar zuerst an meine Fahrgastrechte gedacht, aber irgendwie war es für mich zu lästig, mich da noch damit zu befassen.

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Stattdessen suchten wir ein Restaurant in Prag auf, das Mona Lisa. Die Kellnerin war jedoch nicht besonders freundlich, nach dem Glas Martini Rosso war's entsprechend dann auch vorbei, weil wir ihr nicht schnell genug mit der Bestellung waren... nicht gerade die beste Customer Experience, aber der Martini war immerhin ganz nett:

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Was macht man jetzt um 21 Uhr in Prag?

Sich bisschen die Gegend anschauen.

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Und dann feststellen, dass es in der Lounge eh viel besser ist:

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Die ČD-Lounge bietet wartenden Reisen dich einen recht annehmbaren Komfort an. Komfortable Sitze, Heißgetränke, Auflademöglichkeiten für Handys (es hat übrigens auch gratis Schließfächer für Handys am Bahnhof, hier wird man auch ohne Ladekabel sich nicht um seinen Akku sorgen müssen)., Steckdosen, WLAN, eine Kinderspielecke, ein Computer mit Drucker ebenso zur Selbstbedienung und natürlich ein angenehmes Ambiente. Definitiv empfehlenswert für längere Aufenthalte.

10 Minuten vor Abfahrt begab man sich dann in den Metropol - die Wagenreihung war die selbe wie im Metropolitan auf der Hinfahrt. Nur, dass noch die Kurswagen nach Budapest mitkamen, wegen denen der Zug ja auch Metropol und nicht Metropolitan heißt.

Im Gegensatz zur Hinfahrt wurde dieses Mal auch ein Am-Platz-Service angeboten. Auf JLV und dessen Angebot ist Verlass, besser als ein Restaurant in Prag mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis (und einer freundlichen Bedienung) zu finden.

Für mich gab's Suppe und eine Kartoffelgolatsche:

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Und danach selbstverständlich ein Pilsner Urquell, wovon ich leider kein Bild für euch habe. Wobei, meine Signatur kann da als Ersatz dienen ;-)
Mein Cousin hat noch ein Schwarzbier dazubestellt für uns beide. Definitiv keine schlechte Idee.

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Ja und so lief das halt. Durch die Nacht gefahren im Metropol, der am Tagesrand eben auch die kleineren Orte bediente - zu der Zeit fährt ja kein Schnellzug mehr zwischen Prag und Brünn. Das Licht war im Großraumwagen runtergedimmt, man konnte da ganz gut sich ausruhen. Eine durchaus angenehme und auch irgendwie ungewohnte Fahrt so durch die Nacht nach Mitternacht...

Und irgendwann - mit der obligatorischen Verspätung von 9 Minuten - kam man dann in Breclav, dem Endbahnhof, an.

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Dort wurde man abgeholt und ja, das war es dann auch schon. Die Fahrgastrechte lasse ich da einfach mal links liegen, das Erlebnis war schon irgendwie was geniales. Solche Fahrten bis nach Mitternacht hat man ja auch nicht alle Tage - zumindest bei mir. Alles in allem eine erfüllende und gelungene Zeit, die ich mitsamt Hin- und Rückfahrt verbrachte. :)

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Bei einer Svíčková nach Deutschland... (Teil 1, 8 Bilder)

Tabernaer, Irgendwo im grünen Nirgendwo, Freitag, 18.10.2019, 09:39 (vor 2351 Tagen) @ J-C

Der Metropolitan oder war's der Metropol sind Vor ewigen Zeiten mal bis Berlin durchgefahren und waren zur damaligen Zeit immer sehr gut besucht. Einen Teschechen Speisewagen gab es damals auch schon. Den habe ich auch immer gern genutzt. Gulasch mit Knödel und ein schönes kühles Pilsner Urquell dazu vertreiben die Zeit doch ganz gut find ich...

Aber was hättest Du eigentlich für ne Frage hier? Steh Grad etwas aufm Schlauch...

Bei einer Svíčková nach Deutschland... (Teil 1, 8 Bilder)

J-C, In meiner Welt, Freitag, 18.10.2019, 09:51 (vor 2351 Tagen) @ Tabernaer

Keine Frage, sondern einfach die Feststellung, dass du grade der erste bist, der eine Antwort zu diesem Thread geschrieben hast ;-)

Ich kann mich ja noch daran erinnern, wie es ECs von Hamburg bis Brno gab, aber anscheinend war insgesamt die Pünktlichkeit der Linie Prag-Budapest nicht mit der zwischen Prag und Hamburg kompatibel, weswegen sie komplett gekappt wurde.

Man fuhr auf dem Hinweg im Metropolitan - also der Tageszugverbindung zwischen Prag und Budapest und zurück mit dem Metropol, dem Überbleibsel des einstigen EN Berlin - Prag - Budapest/Wien. Der IC Metropol führt noch Kurswagen nach Budapest...

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Bei einer Svíčková nach Deutschland... (Teil 1, 8 Bilder)

Tabernaer, Irgendwo im grünen Nirgendwo, Freitag, 18.10.2019, 10:17 (vor 2351 Tagen) @ J-C

Ich meine als Metroplitan nicht die EC Zeiten. Ich bin noch früher dran. Die Zeiten, die ich meine sind Vor 89. Damals fuhr die Kiste noch als D-Zug. Berlin Lichtenberg-Berlin Schönefelfd-Dresden (Neustadt nicht alle D-Zpge von Berlin im internationalen Verkehr hielten da) -Dresden Hbf- Bad Schandau-Decin - ....

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