Fortsetzung: Gelsenkirchen (Reiseberichte)

ICE 1517, Freitag, 19.07.2019, 17:45 (vor 2439 Tagen) @ ICE 1517

Gelsenkirchen
Zwei Wochen später geht’s für mich nach Gelsenkirchen. Meine Reise startet aufgrund einer Dienstreise aber im Südwesten der Republik.
Von meinem Startpunkt würde es eigentlich fast schnurgerade nordwärts nach Gelsenkirchen gehen. Dummerweise klafft zwischen dem Saarland und NRW eine riesige Lücke, was schnellen Bahnverkehr angeht. Alle „schnellen“ Verbindungen laden tatsächlich ein, erstmal einen Umweg nach Osten Richtung Frankfurt Flughafen oder Mainz zu fahren. Ich fahre also mit dem RE 3 und vlexx nach Mainz.

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Landschaftlich ist die Strecke entlang von Idar-Oberstein und Bad Münster am Stein absolut sehenswert, wenn auch vielleicht nicht mit dem heutigen Wetter. Die Bahnstrecke schlängelt sich entlang der Nahe und führt an malerischen Felslandschaften oder Weinanbaugebieten vorbei. Und der dortige Anbieter vlexx macht aus meiner Sicht auch einen guten Job. Die Fahrzeuge hinterlassen einen guten Eindruck und das Personal ist stets freundlich und legt großen Wert auf einen guten Informationsfluss zu den Fahrgästen im Störungsfall.


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In Mainz steige ich vom vlexx um auf den hier im Forum fast schon heiligen EC 6. Die Erwartungen bei mir sind wirklich extrem groß, meine erste Fahrt mit Schweizer Zugmaterial. Und ich muss wirklich sagen: Ich bin schon lange nicht mehr so enttäuscht worden. Dass die Kiste 35 Minuten Verspätung wegen einer Signalstörung hat, liegt wahrscheinlich nicht mal an den Schweizern. Aber aufgrund eines Heißläufers stoppen wir in Bonn-Bad Godesberg und erhöhen unsere Verspätung in langsam Fahrgastrechte-verdächtige Sphären. Und der Komfort im Fahrzeug ist angesichts von Vollbesetzung grenzwertig. Die Schweizer mögen Vis-a-vis-Bereiche, aber bitte nicht so eng und bitte dann mit ordentlichem Tisch. Jeglicher Handyempfang wird zudem konsequent abgeschirmt. Ich kann dem Teil wirklich nicht viel abgewinnen. Vielleicht hätte ich in den Speisewagen gehen müssen, um das wahrhaftige SBB-Erlebnis zu spüren???

Wenigstens hatte ich Glück bei der Sitzplatzreservierungslotterie für meine erste Fahrt über die Mittelrheinbahn: Fensterplatz auf der Rheinseite und in Fahrtrichtung.


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Die Aussicht kann ich während der Fahrt genießen, den EC 6 werde ich nach dem Ausstieg aber wohl nicht vermissen. Auch das Fahrgastrechteformular muss auf einen späteren Einsatz warten, es sind „nur“ 50 Minuten Verspätung geworden.


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Der Gelsenkirchener Hauptbahnhof

Nach der ersten Nacht begrüßt mich Gelsenkirchen wieder mal mit einem tollen Ausblick aus meinem Hotelzimmer:


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Die nächste Baustelle. Ach ja, die arbeiten natürlich auch Samstag Früh.

Ich habe noch einen Tag Luft bis zum Spiel gegen den FC Schalke 04 und erkunde den Gelsenkirchener Zoo, den man dort eher unter dem Namen ZOOM Erlebniswelt nennt. Bekannt ist die Erlebniswelt unter anderem für seine große Wasseranlage mit Seelöwen und Eisbären.

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Gelsenkirchen präsentiert sich an diesem Freitag wettermäßig von seiner hässlichsten Seite, schmuddelig kalt, extrem windig und es schüttet abends aus Eimern. Vielleicht weint der Himmel immer noch so viele Tränen, nachdem Schalke 04 drei Tage vorher mit einem desaströsen 0:7 gegen Manchester City in der Champions League ausgeschieden ist und einen Tag vorher Trainer Tedesco entlassen hat. Bei meinem Stadtbummel am Abend stelle ich auch fest, dass der Schalke 04-Fanshop in der Innenstadt kurz vor 19 Uhr schon geschlossen hat. Hat man nach der herben Niederlage eingesehen, dass es keinen Sinn macht, nochmal zu öffnen?

Die Erklärung ist viel simpler: Die halbe Innenstadt schließt überwiegend um 18 Uhr schon ihre Geschäfte. Gelsenkirchen mag zwar eine Großstadt mit rund 260.000 Einwohnern sein, aber ist auch eine der einkommensschwächsten Städte der Republik.


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Am Samstag geht’s für mich in die Schalker Veltins-Arena.

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Auch wenn der FC Schalke diese Woche ordentlich leiden musste, habe ich in der ersten Phase des Spiels den Eindruck, dass Schalke guten Fußball spielen will. Es rappelte schnell im Leipziger Tor, Schalkes vermeintliche Führung war aber im Abseits erzielt worden und zählt damit nicht. Den Rest erledigen wir dann in der 14. Minute und erzielen den Führungstreffer für uns. Mit diesem einen Tor endet das Spiel dann auch.

Die Straßenbahnfahrt zurück zum Hauptbahnhof wird eher eine Qual. Ich bin noch nie so rabiat in eine Straßenbahn gedrängt worden und die Gesprächsthemen in meiner Nähe drehen sich eher darum, welche Körperteile man am liebsten einem Leipzig-Fan brechen würde und dass Timo Werner auch noch ein paar Kopfnüsse verdient hätte. Wie gut, dass hier niemand weiß, welcher Schal in meiner Jackentasche versteckt ist…

Mein Gefühl ist auch, dass Fußball hier im Pott nochmal eine ganz andere und viel höhere Bedeutung hat. Da kann bei Fußball der Spaß schnell mal aufhören. Der Dialog in der Straßenbahn hat das in verbaler Form gezeigt, in gewaltsamer Form haben das Auswärtsfahrer von RB schon in Dortmund erleben müssen. Das Dortmunder Stadion steht daher bei meinen Reisezielen auch ganz weit hinten…

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Für heute bin ich erstmal froh, mit der S-Bahn nach Essen abreisen zu können und dort in den nächsten ICE 3 in Richtung Frankfurt Flughafen zu steigen, ab dort bringt mich ein ICE-T dann in meine fränkische Heimat.

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Mit dem heutigen Spiel hab ich übrigens zwei Wegmarken geschafft: Bei RB habe ich das Kriterium erfüllt, um dort den Auswärts-Vielfahrerstatus (8 Auswärtsspiele in einer Saison) zu erlangen. Und die Bahn hat mir an diesem Morgen eine Mail geschickt: Auch dort bin ich nun Vielfahrer.


Drei Stationen stehen in dieser Saison noch an, darunter zwei wunderschöne Hansestädte: Im DFB-Pokalhalbfinale wurde uns ein Stopp in Hamburg zugelost, am letzten Bundesliga-Spieltag wartet Bremen und zum großen Finale geht’s nach Berlin – und meine Treue zur Bahn wird dabei noch auf eine harte Probe gestellt.


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