Warum die Bahn in Tschechien nicht wirklich ein Vorbild ist (Allgemeines Forum)
J-C, In meiner Welt, Samstag, 13.07.2019, 12:04 (vor 2460 Tagen)
bearbeitet von J-C, Samstag, 13.07.2019, 12:06
Eins vorab, ich werde versuchen, mich nicht zu sehr aufzuregen, das killt ja nur. Aber ich bin mal ehrlich, die Bahn in Tschechien kann manchmal echt mühsam sein.
Also, ich pendle ja öfters zwischen Wien und Tschechien und obwohl ich nicht allzu weit in Tschechien hineinfahre, sehe ich mich bereits mit den dortigen Problemen konfrontiert.
Fangen wir mal mit der Infrastruktur. Gibt ja Leute, die behaupten, eine Trennung zwischen Infrastruktur und Betrieb würde alles besser machen..
Schreibt euch das ab, das ist ein Hoax!
Erstens, nein, an Geld mangelt es nicht, durch EU-Gelder, die auch vom hiesigen Steuerzahler ihren Ursprung finden, gibt es eben sehr wohl einen gewissen Handlungsspielraum.
Aber was machen die mit EU-Geldern? Marode Nebenbahnen modernisieren? Marode Bahnhöfe modernisieren?
In aller Regel nein!
Stattdessen doktern sie an ohnehin ausgebauten Hauptstrecken um, also genau jene Strecken, wo es ohnehin schon halbwegs gut läuft...
Auf meiner Strecke (es ist die Route von Breclav nach Ostrava, auf der ich einen zumindest kleinen Teil fahre) gibt es offenbar immer irgendwelche superlustigen Baustellen oder sonstigen Scherze, wenn dort ein EC vom Osten her pünktlich ankommt, kann ich gleich einem Lottoschein einlösen, da ist mir der Gewinn schon sicherer.
Und auch die Hauptstrecke zwischen Breclav und Prag bleibt von solchen Exzessen nicht verschont. Wenngleich man hier wenigstens in der Regel die Strecke halbwegs in Ruhe lässt.
Und was können die Tschechen nicht? Richtig: Baustellenpuffer! Es ist zu 99% sicher, dass der Zug bei solchen Baustellen verspätet ist. Will man deswegen Planungssicherheit oder so schaffen? Nö, man lässt die Verspätungen einfach kommen. Was interessiert mich als Infrastrukturbetreiber, wenn die Bahnen mit Verspätungen wegen meines Fahrplans zu kämpfen haben?
Die, die was von Baustellenpuffern halten, das sind die ÖBB, zumindest derzeit bezogen auf die Baustellen zwischen Prag und Wien. Es ist kein Zufall, dass nur die Züge von Prag einen Puffer von 15 Minuten bekommen und die Züge nach Tschechien nicht.
Klar, deswegen werden die Züge in Wien gebrochen und klar, es braucht dazu mehr Fahrzeuge.
Doch bin ich mir ziemlich sicher, dass das im Bezug auf die fragwürdige Praxis in Tschechien, auf Baustellenpuffer zur Gänze zu verzichten, definitiv ein guter Weg ist. So kann man für sich selber zumindest eine gewisse Planungssicherheit garantieren.
Und ich bin mir ziemlich sicher, dass so ein integriertes Unternehmen darin förderlich sein kann.
Mich nervt es ehrlich gesagt dezent, wenn es heißt, Tschechien wäre das super tolle Bahnland. Mal ehrlich, worin würde jemand lieber reisen? In einer alten, unkomfortablen und schrecklich motorisierten (es rüttelt dich ernsthaft durch) Fahrzeug - die Baureihe 810 etwa, die auf einer offensichtlich maroden Strecke gondelt? Oder doch lieber im komfortablen, klimatisierten Bus, der im besten Fall auch WLAN hat? Oder doch gleich im Auto? Denn, Tschechien in Tschechien hat das Auto durchaus seinen Stellenwert.
Und wer glaubte, mit dem Wettbewerb im Bahnverkehr würden endlich die ganz modernen Fahrzeuge herumkommen, der irrt. Der Wettbewerb hat in Tschechien eher dazu geführt, dass Unternehmen wie die DB die Republik als Abnehmer für ihre Resterampe an Fahrzeugen entdeckt hat. Und nicht nur die. Nicht mehr gebrauchte Fahrzeuge wandern jetzt nach Tschechien. Klar, wenn zuvor 810er einfesetzt wurden, ist das sicher ein Gewinn, aber ist das jetzt der große Wurd?
Für den Fahrgast wurde es bisher tarifmäßig immer undurchsichtiger. Jede Firma hat ihren eigenen Tarif, eine durchgehende Reisekette lässt sich über mehrere Firmen im bestellten (!) Regionalverkehr gar nicht mehr abbilden. Jetzt will man einen Landestarif einführen. Reichlich spät. Das hat man in Deutschland viel besser gelöst.
Und obwohl Österreich ein kleineres Streckennetz hat als Tschechien hat, liegt dort der Modal-Split im Bahnverkehr höher als in Tschechien. Ich frage mich ja, warum. Mal davon abgesehen, dass bei der österreichischen Raumplanung und dessen Topographie die Versorgung mit dem ÖPNV sich schwieriger gestalten dürfte als in Tschechien...
Da bringt es nichts, wenn es im Fernverkehr tolle Speisewagen gibt (und ausgerechnet davon verabschiedet man sich zumindest teilweise).
Es hat seine Gründe, wieso Firmen wie Regiojet/Student-Agency im Fernbusverkehr so erfolgreich ist, viele Relationen in Tschechien werden mit dem Bus einfach schneller und komfortabler erreicht.
So, das ist das, was mich am tschechischen Bahnverkehr so ärgert.
Davon abgesehen, dass ich teilweise bei dem Ausblick, den man in Tschechien hat, einen Wandfensterplatz (danke, PKP iC!) vorziehe.
Ich meine, klar, man sieht ja, dass man sich bemüht, aber oft denk ich mir so, in Tschechien hätte es sehr wohl die Möglichkeiten, die EU ist ja genau dazu da, das Geld wird so oder so bereitgestellt. Warum macht man nicht was gescheites draus, anstatt ein öffentliches Museum zu erhalten und die Fahrgästen auf den Hauptstrecken mit Dauerbaustellen zu schikanieren?
Es scheint irgendwas da nicht laufen zu wollen.
Es gibt ja öfter die Vergleiche zwischen DB und ČD/SZDC, ich habe mich selber dazu hinreißen lassen, zu meinen, in Tschechien wäre es besser.
Ja, es läuft in Tschechien und ja man kann dort gepflegt reisen aber nein. Tschechien sollte man in Sachen Bahn wirklich nicht als Vorbild für Deutschland heranziehen. Höchstens, wenn man die Empfehlung anstellen wollte, doch bitte dem Steamer im Bordrestaurant zu nutzen. Aber dafür haben wir andere Vorbilder ;-)
Es ist eher so, dass man in Tschechien oft ähnliche Prioritäten setzt wie in Deutschland. Bloß ist der Betrieb in Tschechien dank geringerer Personalkosten oft rentabler. Klar, in Tschechien werden Kapazitätsausweitungen mit anzuhängenden Wagen gewährleistet. aber in Deutschland geht das auch, Stichwort Doppeltraktion bei den ICEs, das kann sogar besser funktionieren.
Ich hab übrigens mal davon gelesen, wie Tschechien für ihre Bahnhofslokale gelobt wird. Ich persönlich habe noch nie ein solches aufgesucht, das wird einen schlechten Bahnhof nicht retten. Auch eine pathetische Lounge wird mich nicht vom Gegenteil überzeugen
Klar, Tschechien ist eben nicht so reich... aber offenbar reich genug, um ein doch ganz gutes Straßennetz vorzuhalten zum Beispiel. Und man kriegt ja die EU-Gelder, die werden auch mal durchaus sinnvoll eingesetzt, nicht, dass man mich falsch versteht.
Aber es wäre durchaus möglich, dass Tschechien aus dem macht, was es hat.
Ich war mal durch Polen gefahren, die beziehen auch nicht wenige Investitionen aus EU-Geldern, aber dort sieht man auch, dass was draus gemacht wird. Vielleicht mag die Aufenthaltsqualität in den Stationen nicht immer so toll sein, oft verzichtet man selbst auf Fernbahnhöfen auf Bahnsteigdächer, dort gibt es auch viele Gründe, wieso es bitte kein Vorbild sein sollte. Aber immerhin sieht man dort meistens, dass die einfach mehr aus dem machen, was ihnen zur Verfügung steht. Dort würde ich glatt lieber reisen wollen als in Tschechien.
Klar, wer vom Bahnfahren überzeugt ist, der wird in jedem Fall die Bahn nutzen, aber einen Autofahrer wird das Angebot eher nicht überzeugen.
Ich meine, vielleicht sieht's in Zukunft anders aus. Man will ja jetzt langsam auch auf Hochgeschwindigkeitsstrecken setzen, vielleicht wird man auch mal ein Modernisierungsprogramm für Nebenstrecken und Bahnhöfe sehen, das eben größere Dimensionen hat und wo man vor allem auch eine wirklich attraktive Infrastruktur vorfindet. Aber das sehe ich derzeit nicht.
Aber was denkt ihr? Ich bin mir sicher, dass da so manch einer eine ganz andere Meinung dazu hat. Vielleicht ist meine Darstellung ja nicht ganz so akkurat. Das ist halt mein Bild von der Sache aus der Sicht von jemandem, der selber regelmäßig zumindest in der Randregion mit der tschechischen Bahn fährt.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Teilweise überzeugt die CD aber schon.
IT19, Samstag, 13.07.2019, 13:07 (vor 2460 Tagen) @ J-C
Fangen wir mal an mit dem ersten Punkt: Fahrpreis.
Eine Tageskarte für 24€ in der 2. Klasse, eine Woche erste statt 2. Klasse für nen 10er. Das sind Fahrpreise, da träumt man hierzulande nicht mal von. Dazu noch großzügige 75% Ermäßigung für sehr viele Personengruppen, sodass ein Fahrpreis unter 5€ selbst für lange Strecken für diese Personengruppen nicht unüblich ist. Dazu noch wird im DUK zum Beispiel das Tagesticket zu 1,2 bzw. 5 Euro ausgegeben, mit dem man auch touristische und historische Verbindungen nutzen kann. Das wären zum Beispiel Schiffe auf der Elbe, ähnliche Leistungen kosten in Deutschland mehr als das Doppelte oder Dreifache, auf langen Strecken gerne auch noch mehr.
Noch ein Preisvergleich:
Wir vergleichen mit Abfahrt sofort Magdeburg-Berlin Hbf und Decin hl.n.-Praha hl.n.:
MD-B: 22€ Regio120plus Ticket 2. Klasse
Decin-Praha: 191 CZK(7,80€)
Weiter geht es mit der Ausstattung im Zug in Deutschland wird mir ein Doppelatockzug mit kleinen Tischen, Stoffsitzen und Steckdosen geboten, der aber auch immer hält.
Bei der CD wird mir ein Schnellzug mit WLAN, Auswahl zwischen Großraum und Abteil, Steckdosen und zusätzlich noch großen Tischen geboten.
Bei der Pünktlichkeit habe ich in beiden Ländern schon mal gute und mal schlechte Erfahrungen gehabt.
Im RE1 steht ein Snackautomat, wo man sich mit Verpflegung eindecken kann, im nachfolgenden billigeren EC wäre so etwas zwar auch möglich, wir sind aber beim Rychlik.
Insgesamt kann ich sagen, beide Länder sind nicht perfekt, beide haben ihre Schwächen, in Tschechien ist man mit dem Service im SC ganz klar vorne umd auch etliche Regionalverbindungen auch aus dem Kraj Usti sind sehr gut mit WLAN und Steckdosen ausgestattet, was in Deutschland nicht überall der Fall ist. In Deutschland gibt es keine extremen Unterschiede bei der Bahn, hier in Deutschland ist alles in etwa auf einem vergleichbaren Niveau, bei unseren Nachbarn hingegen bestehen sehr große Unterschiede zwischen zum Beispiel Brotbüchsen und dem Railjet. Auch bei unseren Nachbarn hängt die Qualität des NV stark vom Kreis ab, es gibt Parralellen, es gibt aber auch Unterschiede, beide Länder sind nicht perfekt.
Nicht Kosten alleine betrachten!
Paladin, Hansestadt Rostock / Güstrow, Samstag, 13.07.2019, 13:40 (vor 2460 Tagen) @ IT19
Sondern auch das Einkommen ...
Hat jemand konkrete Zahlen zum Einkommen?
IT19, Samstag, 13.07.2019, 13:48 (vor 2460 Tagen) @ Paladin
- kein Text -
Hat jemand konkrete Zahlen zum Einkommen?
bahnfahrerofr., Samstag, 13.07.2019, 14:04 (vor 2460 Tagen) @ IT19
Der durchschnittliche Bruttolohn in CZ liegt bei ~ 1160 Euro (2018) (Quelle: tschechisches Statistikamt).
Das monatliche (Brutto-) Durchschnittsentgelt der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer in Deutschland beträgt für 2018 ~ 3156 Euro (vorläufiger Wert, Quelle: Anl. 1 zum SGB VI).
Zwar sind die Werte nicht zu 100 % vergleichbar, da die Erhebung nicht auf die selbe Weise erfolgt und in Deutschland z.B. alle Beamte und sonstige abhängig Beschäftigte mit Sonderversorgung nicht enthalten sind, aber als groben Richtwert kann man es sicher hernehmen.
Wenn man annimmt, das in Tschechien das Lohnniveau durchschnittlich ca. 36% des deutschen Durchschnittslohns beträgt, wird man feststellen, dass der Fahrpreis Decin-Praha bzw. Magdeburg-Berlin ziemlich ähnlich gestaltet ist, da Decin-Praha für den Durchschnittstschechen genau so teuer wie Magdeburg-Berlin für den Durchschnittsdeutschen.
Das Auto ist s.i.w. in Tschechien verhältnismäßig wesentlich teurer als in Deutschland, ganz extrem ist es mir bei den Bergbahnen aufgefallen: Diese kosten z.B. in der hohen Tatra (ich weiß, nicht CZ, aber das Lohnniveau wird sich nicht groß unterscheiden) etwa genau so viel, wie in Deutschland, d.h. für einen durchschnittlich verdienenden Tschechen knapp 3x so teuer wie für den Durchschnittsdeutschen daheim.
Hat jemand konkrete Zahlen zum Einkommen?
IT19, Samstag, 13.07.2019, 14:14 (vor 2460 Tagen) @ bahnfahrerofr.
bearbeitet von IT19, Samstag, 13.07.2019, 14:14
Danke, hab den Unterschied irgendwie kleiner eingeschätzt, vor allem, da bei Lebensmitteln und ähnlichem das Preisniveau schon eher vergleichbar ist. Als Seilbahn nehme ich einfach mal die Seilbahn auf den Jeschken in Liberec, die von der CD selbst betrieben wird, da kostet einmal rauf und runter 149 CZK.
Teilweise überzeugt die CD aber schon.
J-C, In meiner Welt, Samstag, 13.07.2019, 15:44 (vor 2460 Tagen) @ IT19
Fangen wir mal an mit dem ersten Punkt: Fahrpreis. [...]
Alles schön und gut, ich profitiere davon ja auch selber. Aber es sei wie schon erwähnt gesagt, dass das ja auch an der Kaufkraft abhängt. Bei höheren Preisen wäre es für viele wohl kaum leistbar.
Weiter geht es mit der Ausstattung im Zug in Deutschland wird mir ein Doppelstockzug mit kleinen Tischen, Stoffsitzen und Steckdosen geboten, der aber auch immer hält.
Das kriege ich in Tschechien auch bei einem CityElefanten.
Bei der CD wird mir ein Schnellzug mit WLAN, Auswahl zwischen Großraum und Abteil, Steckdosen und zusätzlich noch großen Tischen geboten.
Ein Schnellzug mit Klimaanlage, WLAN UND Abteil ist aber eher selten. Du beziehst dich wohl auf den Slovácký-Expres Praha - Luhačovice. Ich fahre mit einem Rychlik, der wird mit einem Interpanter befahren. Der Komfort ist ungefähr das, was man in einem modernen RE auch bekäme. Außerdem sind Rychliks an sich ja meist Fernverkehrszüge, die von den Bezirken bestellt werden. Rychlik heißt ja zu deutsch Schnellzug. Es gibt sowas wie einen RE in Tschechien prinzipiell nicht. Da muss man schon etwas differenzieren.
Das was der Rychlik erfüllt, ist eigentlich mehr oder weniger sowas wie ein InterRegio...
Bei der Pünktlichkeit habe ich in beiden Ländern schon mal gute und mal schlechte Erfahrungen gehabt.
Im RE1 steht ein Snackautomat, wo man sich mit Verpflegung eindecken kann, im nachfolgenden billigeren EC wäre so etwas zwar auch möglich, wir sind aber beim Rychlik.
Also meine Rychliks haben auch nur einen Snackautomaten...
Insgesamt kann ich sagen, beide Länder sind nicht perfekt, beide haben ihre Schwächen, in Tschechien ist man mit dem Service im SC ganz klar vorne umd auch etliche Regionalverbindungen auch aus dem Kraj Usti sind sehr gut mit WLAN und Steckdosen ausgestattet, was in Deutschland nicht überall der Fall ist.
Allerdings gibt es auch andere Länder, bei denen WLAN durchaus weit verbreitet ist. Das ist ein Komfortmerkmal, das offensichtlich gar nicht so teuer ist. Bloß Deutschland ist von der Netzabdeckung desöfteren noch eine Wüste.
In Deutschland gibt es keine extremen Unterschiede bei der Bahn, hier in Deutschland ist alles in etwa auf einem vergleichbaren Niveau, bei unseren Nachbarn hingegen bestehen sehr große Unterschiede zwischen zum Beispiel Brotbüchsen und dem Railjet. Auch bei unseren Nachbarn hängt die Qualität des NV stark vom Kreis ab, es gibt Parralellen, es gibt aber auch Unterschiede, beide Länder sind nicht perfekt.
Stelle ich auch gar nicht in Frage. Deckt sich ja auch mit meinen Erfahrungen.
In Deutschland ist es aber auch so, dass man im Fernverkehr prinzipiell mehr Wert auf Komfort legt. Seien wir uns mal ehrlich, der klassische Fernverkehr in tschechischen Zügen hat nicht viel mehr Komfort als ein IC2 der DB, wenn da nicht das Bordrestaurant wäre.
Zwischen Prag und Budapest werden übrigens meist Schnellzugwagen eingesetzt. Dagegen ist jeder Railjet ein Komfortwunder.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Warum die Bahn in Tschechien nicht wirklich ein Vorbild ist
ES89, Hamburg / Rostock, Samstag, 13.07.2019, 13:14 (vor 2460 Tagen) @ J-C
Hmm, Rundumabrechnung?
Fangen wir mal mit der Infrastruktur. Gibt ja Leute, die behaupten, eine Trennung zwischen Infrastruktur und Betrieb würde alles besser machen..
Eine Trennung zwischen Infrastruktur und Betrieb macht es dann besser, wenn es mehr als ein EVU gibt, das ersthaft die Infrastruktur nutzt.
Wenn es nur ein EVU gibt, bracht es kein gesondertes EIU.
Stattdessen doktern sie an ohnehin ausgebauten Hauptstrecken um, also genau jene Strecken, wo es ohnehin schon halbwegs gut läuft...
Rechtzeitige Instandhaltung sollte Standard sein. Und natürlich zieht ein EIU die Strecken vor, die Geld bringen. Wenn es für den Rest nicht reicht, reicht das Geld nicht oder die erfroderliche politische Steuerung ist nicht ausreichend.
Was interessiert mich als Infrastrukturbetreiber, wenn die Bahnen mit Verspätungen wegen meines Fahrplans zu kämpfen haben?
Das sollte mich als EIU interessieren, weil sonst mein Personal in den Stellwerken und Bahnhöfen Probleme bekommt. Wenn nicht, läuft der Laden einfach schlecht.
Doch bin ich mir ziemlich sicher, dass das im Bezug auf die fragwürdige Praxis in Tschechien, auf Baustellenpuffer zur Gänze zu verzichten, definitiv ein guter Weg ist. So kann man für sich selber zumindest eine gewisse Planungssicherheit garantieren.
Und ich bin mir ziemlich sicher, dass so ein integriertes Unternehmen darin förderlich sein kann.
Auch ein integriertes Unternehmen kann schlecht organisiert sein.
* Bei einem integriertes Unternehmen gibt es vermutlich eine Durchgriffsmöglichkeit oder zumindest eine Kommunikationsebene zur Infrastruktursparte.
* Bei einem EIU, das zugleich EVU ist und daneben vielen weiteren EVU (deutsches Modell) könnte ein EVU eine Kommunikationsebene oder Durchgriffsmöglichkeit haben. Alle anderen gucken im Regelfall in die Röhre.
* Bei einem EIU, welches kein EVU ist und vielen nutzenden EVU besteht die Gefahr, dass hier überhaupt keine Kommunikationsebene oder Durchgriffsmöglichkeit zum EIU vorhanden ist. Dann entstehen die Probleme, die wie dir von benannten ausgeprägt sind.
In den letzten beiden Fällen muss eine Kommunikationsebene & Eskallationsmöglichkeit für die EVU gegenüber den EIU geben.
Nächster Themenabschnitt.
Mich nervt es ehrlich gesagt dezent, wenn es heißt, Tschechien wäre das super tolle Bahnland. Mal ehrlich, worin würde jemand lieber reisen? In einer alten, unkomfortablen und schrecklich motorisierten (es rüttelt dich ernsthaft durch) Fahrzeug - die Baureihe 810 etwa, die auf einer offensichtlich maroden Strecke gondelt? Oder doch lieber im komfortablen, klimatisierten Bus, der im besten Fall auch WLAN hat?
Erfahrungsgemäß (Thema Schienenvorteil): Den Bus nutzt alf regionaler Verkehrsebene fast niemand freiwillig. Die Bahn könnte freiwellig genutzt werden, wenn man sie nicht verkommen lässt.
Aber: Welcher Besteller / Unternehmer würde beim Bus modernste Fahrzeuge einsetzen, bei der Bahn aber seine Fahrzeuge verkommen lassen. Entweder haben wir hier zwei Besteller/Unternehmer (Apfel-Birnen-Vergleich) oder es ist poltisch gewollt (Bundesbahnzeit).
Natürlich schwingt beim Bahnland Tschechien immer ein bisschen Verklärung von Nostalgikern mit. Die Verklärung ist aber menschlich meist angenehmer als die Verklärung von Ultra-Fortschrittsjüngern.
Und wer glaubte, mit dem Wettbewerb im Bahnverkehr würden endlich die ganz modernen Fahrzeuge herumkommen, der irrt.
Es wird das geliefert, was ausgeschrieben und bezahlt wird. Wenn es nur einen Bieter gibt, hat der natürlich seine Cashcow für wenig Leistung gefunden.
Moderne Fahrzeuge erhäst du bei:
* einem staatlich gelenktes nicht gewinnorientiertes EVU, das entsprechend gefördert und gefordert wird (blöd, selbst dabei kommt der Beratersprech durch) oder
* bei Ausschreibungen mit ausreichender Anzahl an Bietern und gutem Ausschreibungstext, kombiniert mit dem benötigen Geldmitteln beim Besteller.
Der Wettbewerb hat in Tschechien eher dazu geführt, dass Unternehmen wie die DB die Republik als Abnehmer für ihre Resterampe an Fahrzeugen entdeckt hat. Und nicht nur die. Nicht mehr gebrauchte Fahrzeuge wandern jetzt nach Tschechien. Klar, wenn zuvor 810er einfesetzt wurden, ist das sicher ein Gewinn, aber ist das jetzt der große Wurd?
Für die Barrierefreiheit nicht. Ansonsten scheint mir, dass die Alt-Neufahrzeuge für Tschechien stets ziemlich umfangreich modernisiert werden. So schlecht ist es also auch nicht.
Für den Fahrgast wurde es bisher tarifmäßig immer undurchsichtiger. Jede Firma hat ihren eigenen Tarif, eine durchgehende Reisekette lässt sich über mehrere Firmen im bestellten (!) Regionalverkehr gar nicht mehr abbilden.
Wieder: Sch*** Beschaffungsstelle oder fehlender poltischer Wille. Würde vermutlich nicht viel mehr Kosten, wenn ein Einheitstaraif in die Kostenplanung der Angebote mit einfließen würde.
Davon abgesehen, dass ich teilweise bei dem Ausblick, den man in Tschechien hat, einen Wandfensterplatz (danke, PKP iC!) vorziehe.
Kein Kommentar.
Ich hab übrigens mal davon gelesen, wie Tschechien für ihre Bahnhofslokale gelobt wird. Ich persönlich habe noch nie ein solches aufgesucht, das wird einen schlechten Bahnhof nicht retten. Auch eine pathetische Lounge wird mich nicht vom Gegenteil überzeugen
Optionswahl: Ein vernünftiges Bahnhofslokal oder ein verrammeltes ruinöses Bahnhofsgebäude selbst in Mittelstädten? Oder gar nur ein "Buswarthäuschen", weil die gesamte Bahnhofsinfrastruktur längst abgerissen wurde?
Die Ausgestaltung von Zugangspunkte ist extrem wichtig für die Attraktivität von Bahnhöfen.
Auch da es Tschechien NICHT das Land der Seeligen, im Schnitt sieht es da jedoch etwas besser aus als in Deutschland.
Ich war mal durch Polen gefahren ... Aber immerhin sieht man dort meistens, dass die einfach mehr aus dem machen, was ihnen zur Verfügung steht. Dort würde ich glatt lieber reisen wollen als in Tschechien.
Erst in den letzten Jahres, soweit ich weiß. Insbesondere im Fernverkehr hängt Polen aber Qualitätiv immer noch weit hinter Tschechien. Dass die ČD der PKP regelmäßig Altwagen leiht, spricht Bände.
--
Gegen Großraum-Zwang im Fernverkehr!
Für zumindest drei Abteile je Wagenklasse!
Warum die Bahn in Tschechien nicht wirklich ein Vorbild ist
J-C, In meiner Welt, Samstag, 13.07.2019, 14:27 (vor 2460 Tagen) @ ES89
Hmm, Rundumabrechnung?
Kann man so sagen ^^ Ich frag mich irgendwie, wie es hier so um das Thema steht. ;-)
Eine Trennung zwischen Infrastruktur und Betrieb macht es dann besser, wenn es mehr als ein EVU gibt, das ersthaft die Infrastruktur nutzt.
Arriva, LEO-Express, Regiojet. 3 Unternehmen, die eigenwirtschaftlichen Fernverkehr abseits der Staatsbahn betreiben und das nicht zu knapp.
Und wie gesagt, bestellte Regionalverkehre werden ja auch nun ausgeschrieben.
Wenn es nur ein EVU gibt, bracht es kein gesondertes EIU.
Was in Tschechien definitiv nicht der Fall ist.
Stattdessen doktern sie an ohnehin ausgebauten Hauptstrecken um, also genau jene Strecken, wo es ohnehin schon halbwegs gut läuft...
Rechtzeitige Instandhaltung sollte Standard sein. Und natürlich zieht ein EIU die Strecken vor, die Geld bringen. Wenn es für den Rest nicht reicht, reicht das Geld nicht oder die erfroderliche politische Steuerung ist nicht ausreichend.
Das kann man so meinen, aber normalerweise sollten Schienen doch eine gewisse Zeit halten. Die Modernisierung wurde laut Wikipedia 2009 abgeschlossen. Die Strecken, die ich meine, sind in der Regel ohnehin bereits gut in Schuss. Man kann es mit der Instandhaltung auch übertrieben, wie ich finde.
Was interessiert mich als Infrastrukturbetreiber, wenn die Bahnen mit Verspätungen wegen meines Fahrplans zu kämpfen haben?
Das sollte mich als EIU interessieren, weil sonst mein Personal in den Stellwerken und Bahnhöfen Probleme bekommt. Wenn nicht, läuft der Laden einfach schlecht.
Es ist aber trotzdem so, dass man auf Puffer eiskalt verzichtet. Selbst, wenn Verspätungen einfach die Regel sind und man mit ihnen rechnen muss.
* Bei einem integriertes Unternehmen gibt es vermutlich eine Durchgriffsmöglichkeit oder zumindest eine Kommunikationsebene zur Infrastruktursparte.
* Bei einem EIU, das zugleich EVU ist und daneben vielen weiteren EVU (deutsches Modell) könnte ein EVU eine Kommunikationsebene oder Durchgriffsmöglichkeit haben. Alle anderen gucken im Regelfall in die Röhre.
Das funktioniert in Österreich jedoch dann bei einem integrierten Konzern ganz gut. Zugegeben, es brauchte einen klagefreudigen Wettbewerber, damit die Infra entsprechend mehr ihre Rolle als neutraler Dienstleister wahrnimmt, doch ist es durchaus so, dass man heutzutage von Benachteiligung kaum sprechen kann. Es ist eher so, dass der besagte Mitbewerber sogar Vorteile gegenüber der Staatsbahn genießt. Etwa durch bessere Trassen.
* Bei einem EIU, welches kein EVU ist und vielen nutzenden EVU besteht die Gefahr, dass hier überhaupt keine Kommunikationsebene oder Durchgriffsmöglichkeit zum EIU vorhanden ist. Dann entstehen die Probleme, die wie dir von benannten ausgeprägt sind.
In den letzten beiden Fällen muss eine Kommunikationsebene & Eskallationsmöglichkeit für die EVU gegenüber den EIU geben.
Ich bleibe auf dem Standpunkt, dass ein getrenntes EIU nicht automatisch es besser macht.
Nächster Themenabschnitt.
Mich nervt es ehrlich gesagt dezent, wenn es heißt, Tschechien wäre das super tolle Bahnland. Mal ehrlich, worin würde jemand lieber reisen? In einer alten, unkomfortablen und schrecklich motorisierten (es rüttelt dich ernsthaft durch) Fahrzeug - die Baureihe 810 etwa, die auf einer offensichtlich maroden Strecke gondelt? Oder doch lieber im komfortablen, klimatisierten Bus, der im besten Fall auch WLAN hat?
Erfahrungsgemäß (Thema Schienenvorteil): Den Bus nutzt alf regionaler Verkehrsebene fast niemand freiwillig. Die Bahn könnte freiwellig genutzt werden, wenn man sie nicht verkommen lässt.
Nicht, dass man mich
Aber: Welcher Besteller / Unternehmer würde beim Bus modernste Fahrzeuge einsetzen, bei der Bahn aber seine Fahrzeuge verkommen lassen. Entweder haben wir hier zwei Besteller/Unternehmer (Apfel-Birnen-Vergleich) oder es ist poltisch gewollt (Bundesbahnzeit).
Es gibt in Tschechien soweit ich sehe keine verschiedenen Besteller für Bus/Bahn. Entweder es bestellt der Bezirk oder der Verkehrsverbund. Zumindest habe ich das so verstanden.
Es gab auch Zeiten, da waren wirklich alte klapprige Busse unterwegs, doch offenbar haben die Busunternehmen eben jene Busse aussortiert und gegen neue, gerne auch niederflurige Busse ersetzt.
Bei der Bahn wurden freilich auch Neubaufahrzeuge eingesetzt - mit freundlicher Unterstützung der EU. aber oft wird man eben im selben Bezirk, wo ein moderner Busverkehr besteht, einfach mal einen alten Triebwagen antreffen, die die mit Abstand unkomfortabelsten Sitze da draußen bieten.
Natürlich schwingt beim Bahnland Tschechien immer ein bisschen Verklärung von Nostalgikern mit. Die Verklärung ist aber menschlich meist angenehmer als die Verklärung von Ultra-Fortschrittsjüngern.
Ich meine, man kann es überall übertreiben, ich glaube, dass das eh klar ist.
Und wer glaubte, mit dem Wettbewerb im Bahnverkehr würden endlich die ganz modernen Fahrzeuge herumkommen, der irrt.
Es wird das geliefert, was ausgeschrieben und bezahlt wird. Wenn es nur einen Bieter gibt, hat der natürlich seine Cashcow für wenig Leistung gefunden.
Sieht man wohl auch bei der MRB... *hust*
Moderne Fahrzeuge erhäst du bei:
* einem staatlich gelenktes nicht gewinnorientiertes EVU, das entsprechend gefördert und gefordert wird (blöd, selbst dabei kommt der Beratersprech durch) oder
* bei Ausschreibungen mit ausreichender Anzahl an Bietern und gutem Ausschreibungstext, kombiniert mit dem benötigen Geldmitteln beim Besteller.
Das bestätigt auch meine Sichtweise, dass Wettbewerb nicht dazu führt, dass Neufahrzeuge zum Einsatz kommen.
Der Wettbewerb hat in Tschechien eher dazu geführt, dass Unternehmen wie die DB die Republik als Abnehmer für ihre Resterampe an Fahrzeugen entdeckt hat. Und nicht nur die. Nicht mehr gebrauchte Fahrzeuge wandern jetzt nach Tschechien. Klar, wenn zuvor 810er eingesetzt wurden, ist das sicher ein Gewinn, aber ist das jetzt der große Wurf?
Für die Barrierefreiheit nicht. Ansonsten scheint mir, dass die Alt-Neufahrzeuge für Tschechien stets ziemlich umfangreich modernisiert werden. So schlecht ist es also auch nicht.
Neue Farben, WLAN... und prinzipiell nicht ganz so bequeme Sitze, das sieht natürlich nicht schlecht aus, aber das macht die Fahrzeuge nicht viel besser.
Auch ein super hübsch modernisierter Wagen wird ohne Klima und Barrierefreiheit nicht so ganz den heutigen Ansprüchen gerecht. Und ich finde, dass man sich diese durchaus auch in Tschechien einfordern können sollte.
Wieder: Sch*** Beschaffungsstelle oder fehlender poltischer Wille. Würde vermutlich nicht viel mehr Kosten, wenn ein Einheitstaraif in die Kostenplanung der Angebote mit einfließen würde.
Eben. In Tschechien passiert genau das, was man bei Ausschreibungen ja immer so befürchtet. Wer auch immer in Sachen Ausschreibungen Tschechien als Vorbild nennen sollte, der hat vermutlich wirklich keine Ahnung, wie ich finde.
Davon abgesehen, dass ich teilweise bei dem Ausblick, den man in Tschechien hat, einen Wandfensterplatz (danke, PKP iC!) vorziehe.
Kein Kommentar.
I know, right. Aber glaub mir, in Tschechien zu fahren kann teilweise echt deprimierend sein... aber ich schweife ab.
Ich hab übrigens mal davon gelesen, wie Tschechien für ihre Bahnhofslokale gelobt wird. Ich persönlich habe noch nie ein solches aufgesucht, das wird einen schlechten Bahnhof nicht retten. Auch eine pathetische Lounge wird mich nicht vom Gegenteil überzeugen
Optionswahl: Ein vernünftiges Bahnhofslokal oder ein verrammeltes ruinöses Bahnhofsgebäude selbst in Mittelstädten? Oder gar nur ein "Buswarthäuschen", weil die gesamte Bahnhofsinfrastruktur längst abgerissen wurde?
Also mir ist ein "Buswartehäuschen" lieber als ein ruinöses Bahnhofsgebäude.
Zumal so ein Bahnhofslokal weniger zum Aufenthalt, mehr zum Verzehr gedacht ist. Es ist einfach so, dass es Leute gibt, für die Bahnhofslokale anscheinend total wichtig ist. Und ganz ehrlich, das verstehe ich nicht.
Die Ausgestaltung von Zugangspunkte ist extrem wichtig für die Attraktivität von Bahnhöfen.
Auch da es Tschechien NICHT das Land der Seeligen, im Schnitt sieht es da jedoch etwas besser aus als in Deutschland.
Das kann sein, aber immerhin hat es in Deutschland wenigstens ein paar Bahnhöfe, die richtig gut sind. In Tschechien wirst du abseits von Praha hl.n. und den halbwegs gut erhaltenen Bahnhöfen aus der Monarchie (offenbar ist das Erhalten des Status quo eine Spezialität in Tschechien) einfach nichts richtig tolles sehen.
Wenn ich in Hodonín, einem doch nicht schlecht erhaltenen Bahnhof mit klassischem Bahnhofsgebäude aus der Monarchie, den Bahnhof betrete, dann denke ich mir, ok, das ist ein gut erhaltenes Bahnhofsgebäude und die Sitze sind auch annehmbar. Aber sonst? Aus irgendwelchen Gründen ist es zum Beispiel so, dass es einen Bahnsteig mit 2 Gleisen und einem Stumpfgleis gibt, von der Hauptstrecke aus können aber nur Züge in Richtung Süden diesen befahren, während dessen andere Bahnsteigkante höchstens alle 2 Stunden eine Nutzung durch einen endeden Zug erfährt. Die Züge in Richtung Norden befahren einen Mini-Bahnsteig, der schonmal nicht barrierefrei ist.
Kann man hier sehen. Das ist etwas, da würde es in Deutschland einen Clip bei Extra3 geben.
Davon mal ganz abgesehen, dass man dort offensichtlich wenig davon hält, das scheinbar aus Plexiglas bestehende Dach zu reinigen...
Ich war mal durch Polen gefahren ... Aber immerhin sieht man dort meistens, dass die einfach mehr aus dem machen, was ihnen zur Verfügung steht. Dort würde ich glatt lieber reisen wollen als in Tschechien.
Erst in den letzten Jahres, soweit ich weiß. Insbesondere im Fernverkehr hängt Polen aber Qualitätiv immer noch weit hinter Tschechien. Dass die ČD der PKP regelmäßig Altwagen leiht, spricht Bände.
Klar, das bestreite ich auch nicht. Deswegen sage ich, dass es in Polen so manche Probleme gibt. Aber wenn jetzt Polen so schnell aufholt, dann kann es am Ende sein, dass es so ist, dass Tschechien weiterhin mit solchen hässlichen Bahnsteigen daherdümpelt, während man in Polen wenigstens Bahnhöfe hat, die gut aussehen.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Wo die Bahn in Tschechien wirklich ein Vorbild ist!
Proeter, Samstag, 13.07.2019, 17:07 (vor 2460 Tagen) @ J-C
Erstmal danke für deinen Beitrag.
Einiges läuft in Tschechien schlechter als in Deutschland, einiges besser.
Gegen deine Aufstellung ist wenig einzuwenden.
Einige Jahre habe ich in deinem neuen Heimatland gearbeitet und bin viel mit den ČD gefahren. Ich möchte nur mal ergänzen, was mir spontan einfällt, was wir von den tschechischen Bahnen lernen können. Bei den meisten Punkten verstehe nicht, warum es das in Deutschland nicht gibt. Vieles wäre so einfach.
Betrifft nur ČD:
- Echte Pünktlichkeitsinformationen mit Angabe von Zeit und Ort der letzten Positionsmeldung; sogar auf Umleitungsstrecken
- deutlich weniger Probleme mit ausgefallenen Klimaanlagen, da noch immer viele Übersetzfenster vorhanden
- Anschlüsse werden viel häufiger abgewartet
- In vielen Zügen echter (dichter) Sonnenschutz
- statt Neubeschaffung grundlegende Rekonstruktion (insb. im Nahverkehr, z.B. Regionova), dadurch weniger Kosten und vor allem viel weniger Kinderkrankheiten/Lieferverzögerungen
- Bordpreis faire 40 Kronen (1,50 €) im FV und NV, entspräche kaufkraftbereinigt 4,50 € in Deutschland
- Es wurden (zumindest in den letzten 20 Jahren, aber vmtl. auch davor) nie Fahrzeuge ohne Fahrradtransportmöglichkeit beschafft. Selbst dort, wo der Hersteller nicht so richtig wollte (z.B. Railjet)
- Auch Fernverkehr wird bezuschusst (auf weniger nachfragestarken Strecken)
Betrifft mehrere Beförderer oder das Netz
- Fahrradreservierungen auch noch am Tag der Abfahrt; bei Reservierungspflicht sogar bis 1 Minute vor Abfahrt
- In vielen Zügen echter (dichter) Sonnenschutz
- Räumung noch nie erlebt. Man fährt einfach, auch wenn's mal voller ist.
- Sperrung wegen "Personen im Gleis" noch nie erlebt. In Tschechien ist es üblich, über die Schienen abzukürzen, auch außerhalb von Bahnübergängen. Würde man da jedesmal sperren, würde gar nichts mehr fahren.
- viel dichteres Netz, daher meist kürzerer Weg zum nächsten Bahnhof
- Rückgabe-/Änderungsmöglichkeiten für viele Tickets bis kurz vor Abfahrt
- Jeder Zug hat eine Toilette. JEDER. (Zulassungskriterium) Richtig so.
- Grenzpreisprinzip bei Netznutzung ermöglichte mustergültigen Wettbewerb
- Fast überall WLAN im FV, oft auch im NV
- Preise sind - auch kaufkraftbereinigt - günstiger als in Deutschland
- Subjektiv (hab keine Statistik): viel weniger Zugausfälle bzw. nur halbe Kapazität o.ä.
Wo die Bahn in Tschechien wirklich ein Vorbild ist?
J-C, In meiner Welt, Samstag, 13.07.2019, 20:27 (vor 2460 Tagen) @ Proeter
bearbeitet von J-C, Samstag, 13.07.2019, 20:30
Erstmal danke für deinen Beitrag.
Einiges läuft in Tschechien schlechter als in Deutschland, einiges besser.
Das liegt ja in der Natur der Sache.
Gegen deine Aufstellung ist wenig einzuwenden.
Einige Jahre habe ich in deinem neuen Heimatland gearbeitet und bin viel mit den ČD gefahren. Ich möchte nur mal ergänzen, was mir spontan einfällt, was wir von den tschechischen Bahnen lernen können. Bei den meisten Punkten verstehe nicht, warum es das in Deutschland nicht gibt. Vieles wäre so einfach.Betrifft nur ČD:
- Echte Pünktlichkeitsinformationen mit Angabe von Zeit und Ort der letzten Positionsmeldung; sogar auf Umleitungsstrecken
Das ist tatsächlich eine Innovation, die ich schon gerne gesehen hätte. Wobei nicht einmal ich mit den meisten Ortsangaben was anfangen könnte... eine Position auf einer Karte wäre da wohl wesentlich hilfreicher.
- deutlich weniger Probleme mit ausgefallenen Klimaanlagen, da noch immer viele Übersetzfenster vorhanden
Übersetzfenster werden zumindest in Deutschland bei den meisten Fahrgästen eher als Komfortnachteil empfunden, denn es zieht gerne mal. In Standzeiten bei entsprechender Hitze ist es nicht gerade angenehm. Außerdem reguliert die Klimaanlage die Luftfeuchtigkeit, es ist also durchaus so, dass eine Klimaanlage einfach mal ihren Vorteil hat. Generell sind Klimaanlagen so ziemlich das, was sich ein Fahrgast von einer modernen Bahn erwarten würde.
Übrigens, eine ausfallende Klimaanlage habe ich gerade bei eines der modernisierten Großraumwagen, die für den Verkehr Praha - Berlin - Hamburg eingesetzt werden, schonmal erlebt.
- Anschlüsse werden viel häufiger abgewartet
Was daran liegen könnte, dass es wesentlich mehr internationale Verbindungen gibt als in Deutschland. Bei internationalen Verbindungen ist Abwarten eben naturgemäß eher eine Sache.
- In vielen Zügen echter (dichter) Sonnenschutz
Wobei die neueren Züge meiner Erfahrung nach so viel Sonnenschutz haben wie auch anderswo...
- statt Neubeschaffung grundlegende Rekonstruktion (insb. im Nahverkehr, z.B. Regionova), dadurch weniger Kosten und vor allem viel weniger Kinderkrankheiten/Lieferverzögerungen
Beim Regionova hat man immerhin schonmal auf Barrierefreiheit geachtet, aber was bleibt, sind die doch eher deprimierend motorisierten Wagen und die mangelnde Klimaanlage... bei den Wagen, die nachher kamen, wurde auf Barrierefreiheit eher nicht so viel Rücksicht genommen. Das ist eines der Gründe, wieso man eher auf Neufahrzeuge setzt, anstatt Altfahrzeuge einzusetzen. In der Schweiz wurde mit dem NPZ Domino ja auch eine Modernisierung angestoßen, hier jedoch mit barrierefreien Mittelwagen.
Solche Altfahrzeuge dürften in Deutschland beim Kunden nicht so beliebt sein wie ein richtiges Neufahrzeug mit all den Komfortmerkmalen, die man sich heute nunmal erwartet.
- Bordpreis faire 40 Kronen (1,50 €) im FV und NV, entspräche kaufkraftbereinigt 4,50 € in Deutschland
In Österreich beträgt der Bordpreis übrigens 3 Euro. Der deutsche Bordpreis ist schlicht und ergreifend Abzocke, anders kann man es nicht benennen. So hoch muss er gar nicht sein, um Reisende zum Vorverkauf zu bewegen. Tatsächlich wurde ich gestern auf der Fahrt nach Tschechien auf den 54 Minuten Fahrt von Wien nach Breclav seitens der ÖBB gar nicht kontrolliert (dabei hatte der Zug 5 Wagen und ich war im Großraumwagen). Dafür wurde ich für die letzten 13 Minuten innerhalb Tschechiens prompt kontrolliert...
Und das war nicht das erste Mal, dass dies passierte. Es kommt tatsächlich vor, dass man nicht einmal bei einer grenzüberschreitenden Fahrt seitens der ÖBB kontrolliert wird und trotzdem verlangt man keine Mondpreise für den Verkauf an Bord.
Der Mangel an Kontrollen ist also nicht die beste Ausrede, um den Bordpreis so hoch zu setzen.
- Es wurden (zumindest in den letzten 20 Jahren, aber vmtl. auch davor) nie Fahrzeuge ohne Fahrradtransportmöglichkeit beschafft. Selbst dort, wo der Hersteller nicht so richtig wollte (z.B. Railjet)
Beim Railjet waren die ÖBB wohl nicht so ganz überzeugt vom Fahrradtransport. Es sollte ja ein Super-Hyper-Premiumzug am Anfang werden, zumindest war das Wehingers Vorstellung. Fahrradtransport war kein Teil des Konzeptes. Und weil die CD eine Option der ÖBB abnahm, waren Extrawünsche naturgemäß nicht so ganz leicht. Tatsache ist, dass die ÖBB am Ende ja auch Fahrradabteile einbauen ließen. Gibt Leute, die meinen, die CD hätte die ÖBB in der Hinsicht unter Druck gesetzt, wer weiß...
- Auch Fernverkehr wird bezuschusst (auf weniger nachfragestarken Strecken)
Und zwischen Prag und Breclav, wenn mich mein Wissen nicht irrt. Bestellter Fernverkehr ist eine absolut sinnvolle Sache, sieht man ja auch wieder in Österreich. Dass Deutschland so ein Problem damit hat, ist wieder eines dieser Dinge, die ich nicht begreife.
Betrifft mehrere Beförderer oder das Netz
- Fahrradreservierungen auch noch am Tag der Abfahrt; bei Reservierungspflicht sogar bis 1 Minute vor Abfahrt
Ist das bei der DB etwa nicht möglich? O_O
- In vielen Zügen echter (dichter) Sonnenschutz
Ohh, kennst du schon die Züge von PKP iC? Die sind da am genialsten, dort hat man 2 Rollos pro Fenster. Ein leichtes wie bei man es ja aus Deutschland kennt und ein dichtes, wie du es dir eben vorstellst. Ich finde auch, dass ein dichter Sonnenschutz in modernen Zügen dazugehört. Wieso man nur die Sparversion verwendet, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft...
- Räumung noch nie erlebt. Man fährt einfach, auch wenn's mal voller ist.
Das kann aber kritisch sein, wenn es zur Havarie kommt...
ich musste mit vollen Fernverkehrszügen mich zum Glück kaum befassen, aber Räumungen haben schon ihre guten Gründe. Am besten ist es immer noch, genug Kapazität aufzubieten, um solche Situationen zu vermeiden.
- Sperrung wegen "Personen im Gleis" noch nie erlebt. In Tschechien ist es üblich, über die Schienen abzukürzen, auch außerhalb von Bahnübergängen. Würde man da jedesmal sperren, würde gar nichts mehr fahren.
Wie viele Personen durch Unfälle im Gleisbereich draufgehen, ist dabei nicht überliefert. Ich habe schon einmal eine brenzlige Situation erlebt, wo jemand mal eben - obwohl klar ausgeschildert war, dass das Überqueren der Gleise verboten ist - die Gleise überquerte, während mein Eurocity schon sehr nah beim Einfahren war. Wäre da irgendetwas schiefgegangen - und Murphy's Law ist keine Fiktion - hätte das einen sehr unschönen Ausgang genommen.
Das klingt erst verweichlicht und so weiter, aber solche Regelungen haben einfach prinzipiell ihre sehr guten Gründe. Nicht, weil man dem Menschen seine Intelligenz abspricht, sondern weil man ihn vor sich selbst schützen will. Es mag zwar lange nichts passieren, aber es gilt prinzipiell, wo man einen Unfall vermeiden kann, tut man es dann auch.
Denn sonst haben wir keine Personen im Gleis.
Sondern einen Personenunfall. Glaub mir, kein Lokführer wird darüber so schnell hinwegkommen. Und die Familie des Verunglückten dann erst recht nicht.
- viel dichteres Netz, daher meist kürzerer Weg zum nächsten Bahnhof
Sofern es genutzt wird.
- Rückgabe-/Änderungsmöglichkeiten für viele Tickets bis kurz vor Abfahrt
Bei den Privaten sicher, bei der CD... nein.
- Jeder Zug hat eine Toilette. JEDER. (Zulassungskriterium) Richtig so.
Erinnert mich an damals, wo es manches mal so war, dass ich in die Situation kam, wo eine Toilette mir in der S-Bahn schon sehr geholfen hätte.
- Grenzpreisprinzip bei Netznutzung ermöglichte mustergültigen Wettbewerb
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- Fast überall WLAN im FV, oft auch im NV
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Sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.
- Preise sind - auch kaufkraftbereinigt - günstiger als in Deutschland
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Das ist aber keine hohe Kunst ehrlich gesagt...
- Subjektiv (hab keine Statistik): viel weniger Zugausfälle bzw. nur halbe Kapazität o.ä.
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Das ist bei mir auch der Fall, wobei, ich reise mit internationalen Zügen, die haben naturgemäß die oberste Priorität. Eher kriegen meine Züge oftmals im innertschechischen Verkehr einen Verstärkerwagen angeheftet. Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, wo an einen Metropolitan zwischen Prag und Budapest mal eben noch ein paar Wagen angehängt wurden.
Wobei sich die CD durchaus nicht wenige Wagen von den ÖBB bekamen, als letztere nämlich ihre klassischen Reisezüge durch moderne Railjets ersetzt haben. Da wird es denen wohl weniger an den Wagen mangeln.
Bei den Privaten hat man ja mehr als genug Versorgung durch Gebrauchtfahrzeuge aus Deutschland genug Kapazitäten, um den gewünschten Service zustande zu bringen.
Und Regiojet hat halt auch einige Wagen der ÖBB abgenommen.
Man sieht aber auch, dass im Gegensatz zu anderen Ländern man nicht zögert, Gebrauchtfahrzeuge aus dem Ausland zu holen und somit sich eine stabile Kapazität und durchaus einen gewissen Komfortgewinn verschafft (denn ja, ein 628 ist allemal besser als ein 810er). Das heißt aber auch, dass man die Züge nicht so lange nutzen kann wie es bei Neufahrzeugen der Fall ist.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Keine Fahrkartenautomaten
totga, Samstag, 13.07.2019, 21:16 (vor 2460 Tagen) @ J-C
bearbeitet von totga, Samstag, 13.07.2019, 21:19
Was mir auf meiner Reise nach Prag (mit dem EC von Hamburg) vor zwei Wochen aufgefallen ist:
Es gibt in Tschechien wohl keine Fahrkartenautomaten (also bei der CD, in der Prager Metro z.B. schon).
Habe gehört, dass es wohl an den meisten Bahnhöfen noch einen Schalter gibt und wenn das nicht der Fall ist, oder dieser geschlossen ist, man ohne Zuschlag beim Schaffner bezahlen kann.
Handy-/Onlinetickets gibt es natürlich zusätzlich.
Ob die da wohl einen Grund für haben?
Keine Fahrkartenautomaten
J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.07.2019, 02:32 (vor 2459 Tagen) @ totga
Der Grund ist banal: Das Personal ist so billig, dass sich ein Automat vom Betrieb her nicht lohnt. Dienstleistungen sind in Tschechien generell sehr günstig, so auch bei der Bahn. Gerade eine Bahn, die eben auch auf das Geld achten muss, würde sonst wohl ziemlich zielsicher auf Automaten setzen, sofern die Strategie nicht ohnehin ist, den Vertrieb auf Smartphone-Apps zu fokussieren.
Ob das nun positiv oder nicht, das liegt wohl im Auge des Betrachters. Ich sehe niedrige Löhne prinzipiell kritisch...
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Keine Fahrkartenautomaten
oska, Sonntag, 14.07.2019, 04:04 (vor 2459 Tagen) @ J-C
Ob das nun positiv oder nicht, das liegt wohl im Auge des Betrachters. Ich sehe niedrige Löhne prinzipiell kritisch...
Wenn die Menschen einen anderen Job finden würden, der genauso
- viel Spaß bietet
- gut erreichbar ist
- gut bezahlt ist
- viel Sicherheit bietet
gäbe es noch keinen Grund zum Wechseln. Aber wenn der neue Job in keinem der Punkte schlechter, aber in einem besser wäre, dann würde es Sinn machen sich einen anderen, evtl. besserbezahlten, Job zu suchen. Wenn es keine 'besseren' Jobs gibt, wäre die Alternative ein 'schlechterer' Job oder die Arbeitslosigkeit.
Automaten haben viele Vorteile. Sie sind nahezu beliebig skalierbar und können 24/7 arbeiten. Für die meisten Standardanfragen der meisten Standardkunden finden sie eine passende Lösung und können die Wartezeit für alle verkürzen. Sie sind eine gute Ergänzung zum für einige unverzichtbaren personenbedienten Verkauf.
Keine Fahrkartenautomaten
JeDi, überall und nirgendwo, Sonntag, 14.07.2019, 06:08 (vor 2459 Tagen) @ totga
Es gibt in Tschechien wohl keine Fahrkartenautomaten (also bei der CD, in der Prager Metro z.B. schon).
Doch, gibts. An grossen Bahnhöfen und in diversen Zügen.
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Weg mit dem 4744!
Keine Fahrkartenautomaten
J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.07.2019, 09:01 (vor 2459 Tagen) @ JeDi
Wo? Hab nichtmal in Prag entsprechende gesehen.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Keine Fahrkartenautomaten
GibmirZucker, Sonntag, 14.07.2019, 15:59 (vor 2459 Tagen) @ J-C
Gab da zwei Automaten, unscheinbar, ziemlich dünne Geräte - man konnte da das Ticket sogar auf die Inkarta laden. Wurden von kaum jemandem genutzt, waren später defekt und vor einem Jahr abmontiert.
Keine Fahrkartenautomaten
J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.07.2019, 16:57 (vor 2459 Tagen) @ GibmirZucker
Ja so kann man auch eine Ausrede finden, auf Automaten zu verzichten...
...gab es wohl auch in Breclav mal und ich hatte mich gefragt, was die Dinger überhaupt sollen.
Das ist am Ende nichts mehr als ein Aufladeterminal für InKartas. Das ist eher witzlos...
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Keine Fahrkartenautomaten
GibmirZucker, Sonntag, 14.07.2019, 19:02 (vor 2459 Tagen) @ J-C
Also der eine Automat in Prag funktionierte nur mit Inkarta, der andere drückte normal Fahrkarten aus. Auch wenn die Bedienung eher ungewohnt war. Am Ende hängt es natürlich mit dem Lohnniveau zusammen, ob sich eine Automatisierung lohnt - und mit den Gewohnheiten. Sobald 90 der Fahrkarten online gekauft werden, werden sich auch die Tschechen fragen, ob sich bediente Schalter in jedem Kaff lohnen. Erstaunlich ist aber, wie auch die Konkurrenz auf bediente Verkaufsstellen setzt.
Keine Fahrkartenautomaten
Power132, Sonntag, 14.07.2019, 09:08 (vor 2459 Tagen) @ JeDi
Es gibt in Tschechien wohl keine Fahrkartenautomaten (also bei der CD, in der Prager Metro z.B. schon).
Doch, gibts. An grossen Bahnhöfen und in diversen Zügen.
In Prag gibt es ein relativ großes Reisezentrum mit Schaltern für nationale und internationale Fahrkarten, aber keine Automaten.
In Budweis ebenfalls Fahrkartenschalter.
Aber Automaten wie man sie von deutschen Bahnhöfen gibt, habe ich weder in Prag, Budweis, Liberec, Ceksa Lipa, Rybniste oder Hradek oder Cercany (40km vor Prag) auf dem Bahnsteig oder in Bahnhofsgebäuden gesehen.
Fahrkarten gibts dafür beim Begleitpersonal.
Keine Fahrkartenautomaten
JeDi, überall und nirgendwo, Sonntag, 14.07.2019, 10:32 (vor 2459 Tagen) @ Power132
In Prag gibt es ein relativ großes Reisezentrum mit Schaltern für nationale und internationale Fahrkarten, aber keine Automaten.
Doch. Wenn du vor der Kasse stehst linkerhand kurz vorm Tunnel.
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Weg mit dem 4744!
Keine Fahrkartenautomaten
Proeter, Sonntag, 14.07.2019, 10:45 (vor 2459 Tagen) @ JeDi
bearbeitet von Proeter, Sonntag, 14.07.2019, 10:46
In Prag gibt es ein relativ großes Reisezentrum mit Schaltern für nationale und internationale Fahrkarten, aber keine Automaten.
Doch. Wenn du vor der Kasse stehst linkerhand kurz vorm Tunnel.
Der wurde im Herbst 2018 leider abgeschafft. Musste ich schmerzlich spüren, weil dieser die einzige Möglichkeit war, ohne Wartezeit einen Fahrschein gem. Inlandstarif nach Schöna Gr. zu kaufen (das geht nämlich nicht mal online).
Dieser Automat funktionierte aber ohnhin nur mit InKarta, auf der Geld aufgeladen war. Also für Ausländer eher weniger attraktiv.
Keine Fahrkartenautomaten
JeDi, überall und nirgendwo, Sonntag, 14.07.2019, 12:57 (vor 2459 Tagen) @ Proeter
In Prag gibt es ein relativ großes Reisezentrum mit Schaltern für nationale und internationale Fahrkarten, aber keine Automaten.
Doch. Wenn du vor der Kasse stehst linkerhand kurz vorm Tunnel.
Der wurde im Herbst 2018 leider abgeschafft. Musste ich schmerzlich spüren, weil dieser die einzige Möglichkeit war, ohne Wartezeit einen Fahrschein gem. Inlandstarif nach Schöna Gr. zu kaufen (das geht nämlich nicht mal online).
Dieser Automat funktionierte aber ohnhin nur mit InKarta, auf der Geld aufgeladen war. Also für Ausländer eher weniger attraktiv.
Ostern gabs da noch 4 Automaten oder so. Geht aber auch am Schalter ja schnell.
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Weg mit dem 4744!
Keine Fahrkartenautomaten
Power132, Sonntag, 14.07.2019, 13:08 (vor 2459 Tagen) @ JeDi
In Prag gibt es ein relativ großes Reisezentrum mit Schaltern für nationale und internationale Fahrkarten, aber keine Automaten.
Doch. Wenn du vor der Kasse stehst linkerhand kurz vorm Tunnel.
Der wurde im Herbst 2018 leider abgeschafft. Musste ich schmerzlich spüren, weil dieser die einzige Möglichkeit war, ohne Wartezeit einen Fahrschein gem. Inlandstarif nach Schöna Gr. zu kaufen (das geht nämlich nicht mal online).
Dieser Automat funktionierte aber ohnhin nur mit InKarta, auf der Geld aufgeladen war. Also für Ausländer eher weniger attraktiv.
Ostern gabs da noch 4 Automaten oder so. Geht aber auch am Schalter ja schnell.
Anfang Mai war von Automaten für CD Tickets weit und breit nichts zu sehen. Und wenn die eh nur für eine bestimmte Kartensorte nutzbar waren, bringen die kaum was.
Warum die Bahn in Tschechien nicht wirklich ein Vorbild ist
GibmirZucker, Sonntag, 14.07.2019, 14:01 (vor 2459 Tagen) @ J-C
Kann dir persönlich nicht zustimmen. Bisher hatte ich erst zwei innerhalb Tschechiens generierte Verspätungen. Einmal Personen im Gleis und einmal eine Dame, welche die 372 als Schrottpresse für ihre Karre auf einem Bahnübergang missbraucht hat. Alles andere waren verschleppte Verspätungen aus Deutschland, Ungarn und der Slowakei. Also so ein Chaos wie man es in Deutschland an vom IC2 beglücken Strecken kennt, ist da unbekannt. Verspätungen werden häufig eingeholt, Anschlüsse Bus/Bahn etwa beim RegioJet grosszügig abgewartet. Und auf Strecken wie Pardubice-Prag hat man teils in einer guten Stunde sechs Verbindungen von drei Mitbewerbern. Mit der passenden App Bucht man am besten den gerade passenden Zug. Ein großer Vorteil ist die Toleranz an mittleren Bahnhöfen, wo man nicht gezwungen wird, Koffer durch die Unterführung zu schleppen. Und beim Schienenersatzverkehr werden ebenfalls meist Anschlüsse abgewartet, so dass die Ankunftsverspätung relativ gering ausfällt. Um das ganze zu veranschaulichen: bei meiner letzten Fahrt in einem InterPanter Doppel war das Personal hektisch und peinlich berührt-weil im vorderen Zugteil die elektronischen Reservierungsanzeigen nicht funktioniert haben. DAS sind echte Probleme!
Warum die Bahn in Tschechien nicht wirklich ein Vorbild ist
J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.07.2019, 16:45 (vor 2459 Tagen) @ GibmirZucker
bearbeitet von J-C, Sonntag, 14.07.2019, 16:48
Das habe ich als regelmäßiger Pendler einfach gänzlich anders in Erinnerung. Man könnte meinen, die Züge, die ich nehme, würden aus Polen ihre Verspätung haben, weil sie von dort kommen.
Doch wenn ich die App checke, sehe ich wirklich stets, dass die Verspätung in aller Regel erst in Tschechien und das auch nicht weit von meiner Station entfernt auftritt. Und das seit Jahren.
Wenn ich aus Wien den Zug nehme, ist er zu 99% pünktlich. Wenn ich aus Tschechien einen Zug nehme, ist er zu 99% unpünktlich. Es ist fast so wie zwischen Deutschland und der Schweiz in einer gewissen Weise.
Hast vielleicht Glück mit deiner Relation und de Verspätungen aus der Slowakei und Ungarn sind auch nicht so ganz ohne, aber was bleibt ist, dass Verspätungen, die wegen Baustellen daherkommen, immer noch ein Problem dort sind, wie gesagt. Baustellenfahrpläne sond denen offensichtlich völlig unbekannt. Und wenn mehrmals Züge aus Prag mit 50 Minuten Verspätung ankommen, wird man schon den Sinn eines Baustellenfahrplans erahnen können...
So wie heute, meine ČD-App sagte eine halbe Stunde vor Abfahrt "Alles im Grünen Bereich, keine Verspätungen".
Komme ich an, wurde eine Verspätung von 5 Minuten raufgeklatscht. Und das war noch wenig.
Den in Breclav hat mein Railjet aus Prag eine Verspätung von 50 Minuten, wegen besagter Baustellen. In Deutschland hätte man durch Puffer die Verspätung wenigstens theoretisch abgedämpft, was Planungssicherheit schaffen würde.
Glücklicherweise fährt um die Zeit eine halbe Stunde später ein Regionalzug, mit dem ich dann früher and Ziel komme.
Ein funktionierender Betrieb ohne solche gravierende Probleme, das bieten rund um Deutschland so einige Länder. Die ČD macht prinzipiell einen guten Job im Betrieb, so von dem aus, was sie in Sachen Zuverlässigkeit beeinflussen kann (im Fernverkehr könnte es natürlich erleichternd dazu kommen, dass man halbwegs moderne Wagen aus Österreich bekam), aber die SZDC als Infrastrukturbetreiber ist nicht so viel besser als die DB Netz AG...
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Warum die Bahn in Tschechien nicht wirklich ein Vorbild ist
J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.07.2019, 17:10 (vor 2459 Tagen) @ J-C
Ok, zugegeben, heute scheint eine störungsbedingte Umleitung der Grund für die große Verspätung zu sein. Aber es bleibt dabei, dass auch ohne diese Verzögerung eine Verspätung ziemlich wahrscheinlich sein würde. Und das interessiert die SZDC nicht, die lassen stur nach Regelfahrplan fahren, selbst wenn man ihn gar nicht einhalten kann.
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Warum die Bahn in Tschechien nicht wirklich ein Vorbild ist
GibmirZucker, Sonntag, 14.07.2019, 18:57 (vor 2459 Tagen) @ J-C
Naja,sagen wir Mal so: in den letzten drei Monaten hatte ich fünf Fernfahrten mit CD, RegioJet und Leoexpress. Drei Mal pünktlich angekommen und zweimal eine Verfügung von 5-10 Minuten. Dazu hätte ich drei Fahrten in Deutschland. 1mal eine Stunde zu spät, einmal 12 Stunden weil eine Hotelübernachtung dazwischen geschoben werden musste und einmal müsste mir wieder Flixbus in Bresche springen, so waren es nur zwei Stunden, sonst wären es wieder 12. Übrigens, in allen drei Fällen war ein IC2 beteiligt.
Aber natürlich, kommt darauf an, welche Strecke man fährt.
Warum die Bahn in Tschechien nicht wirklich ein Vorbild ist
J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.07.2019, 20:03 (vor 2459 Tagen) @ GibmirZucker
Woah, das hätt ich eigentlich gerne mal selber erlebt. Wenn man freilich mit solchen Maßstäben misst, wird Tschechien definitiv das bessere Land sein. Ganz klar. Aber mal ehrlich, da gibt es verdammt viele Länder, wo es definitiv besser läuft ;-)
Und mein Kritikpunkt war ja gerade nicht so die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge an sich, bei solchen niedrigen Lohnkosten kann man sich auch eine gewisse Pflege leisten, zumal offensichtlich dazu auch der Wille besteht.
Aber mal von den Problemen mit dem IC2 abgesehen, wann hast du schon eine Baustelle erlebt, wo die DB selbst bei größeren zu erwartenden Verspätungen stur den regulären Fahrplan behält? Baustellenfahrpläne sind doch durchaus eher öfters dort anzutreffen, wir hatten ja die entsprechenden durchaus üppigen Puffer hier ja bereits zum Thema gehabt.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Warum die Bahn in Tschechien nicht wirklich ein Vorbild ist
Gast, Montag, 15.07.2019, 14:02 (vor 2458 Tagen) @ J-C
Und was können die Tschechen nicht? Richtig: Baustellenpuffer! Es ist zu 99% sicher, dass der Zug bei solchen Baustellen verspätet ist.
Auf Strecken, auf denen es längere Zeit baustellenbedingt dieselben Abweichungen gibt, habe ich durchaus schon besonders hohe Fahrzeitzuschläge oder auch zeitweise Ersatzfahrpläne mit verlängerten Fahrzeiten erlebt. Das scheint ganz auf den Einzelfall anzukommen.
Generell finde ich es angenehmer, wenn ein Fahrplan veröffentlicht wird, der dann auch möglichst die ganze Fahrplanperiode hindurch verläßlich gilt, wenn man bei kurzfristigen Baustellen versucht, das beste aus der Situation zu machen, bestmöglich nach dem Regelfahrplan zu fahren und ansonsten eben für Verspätungen entschädigt, als wenn ständig irgendwelche neuen kurzzeitig gültigen Fahrzeiten veröffentlicht werden, wenn jede noch so ungünstige baustellenbedingte Fahrzeitverschiebung einfach als pünklich zu neuen Zeiten fahrender Zug verkauft wird, Verspätungen wegdefiniert statt entschädigt werden und man, wenn man mal zwei Wochen nicht im Internet die Fahrplanänderungen für die regelmäßig genutzte Verbindung durchgeht, damit rechnen muß, plötzlich mal an einem planmäßig leeren Bahnsteig zu stehen.
Mal ehrlich, worin würde jemand lieber reisen? In einer alten, unkomfortablen und schrecklich motorisierten (es rüttelt dich ernsthaft durch) Fahrzeug - die Baureihe 810 etwa, die auf einer offensichtlich maroden Strecke gondelt? Oder doch lieber im komfortablen, klimatisierten Bus, der im besten Fall auch WLAN hat? Oder doch gleich im Auto?
Im 810 natürlich! Und wenn der dann mal durch eine gegenüber der durchfahrenen Außenwelt bestmöglich abgedichete Transportkapsel ersetzt wird, in der man zwangsweise immer einen Bildschirm im Blickfeld hat und Komfort an der Zahl der Steckdosen und der Stärke des WLAN gemessen wird, dann mit dem Auto. Entsprechendes gilt auch fürs Bahnfahren in Deutschland.
Für den Fahrgast wurde es bisher tarifmäßig immer undurchsichtiger. Jede Firma hat ihren eigenen Tarif, eine durchgehende Reisekette lässt sich über mehrere Firmen im bestellten (!) Regionalverkehr gar nicht mehr abbilden.
Das kann unschön sein, auf den von mir genutzten Strecken mit Übergang zwischen GW-Zug und CD funktioniert es aber ganz unkompliziert:
- Bei GW-Zug kann ich aufschlagsfrei im Zug zahlen.
- Bei der CD kann ich es, wenn kein Schalter vorhanden oder offen ist, auch. Und wenn einer da ist, dann geht das Kaufen meistens ganz schnell, selbst wenn man fünf Minuten vor der Abfahrt kommt und noch drei Leute vor einem stehen, bestehen gute Chancen, noch rechtzeitig dranzukommen, weil nämlich der Fahrkartenverkauf technisch so unkompliziert läuft, daß das Ausgeben einfacher Fahrkarten sekundenschnell möglich ist.
OT: Welche Nebenstrecken sind denn erfahrenswert?
AbschnittE, Mittwoch, 31.07.2019, 10:49 (vor 2442 Tagen) @ J-C
Tagchen, wo hier gerade die CZ-Experten diskutieren: Überlege, im August noch mit dem Sommerpass der CD auf Schienensafari zu gehen.
Hat jemand Tipps für ein paar Nebenstrecken, gern mit besagtem alten Material, gern landschaftlich schön, Reisegeschwindigkeit egal? :o)
Links sind auch willkommen.
Denke, mit dem Pass kommt man recht weit, oder sind viele Strecken ausgenommen, weil Privatbahn?
Danke!
Prag-Cercany, Prag - Hostovce und Parag-Tanvald
Power132, Mittwoch, 31.07.2019, 12:28 (vor 2442 Tagen) @ AbschnittE
bearbeitet von Power132, Mittwoch, 31.07.2019, 12:31
Am Wochenende mit Bardotka und Taucherbrille und CD-Dosto
Prag Hostovice mit alten/modernisierten 810ern
Prag - Tanvald die RychlikZüge mit Altmaterial (BR 854)
Horažďovice předměsti - Klatovy - Domažlice
462 001, Taunus, Mittwoch, 31.07.2019, 12:56 (vor 2442 Tagen) @ AbschnittE
CZ: kann HGV die Bahn vorbildhaft machen?
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 31.07.2019, 15:01 (vor 2442 Tagen) @ J-C
bearbeitet von Oscar (NL), Mittwoch, 31.07.2019, 15:04
Hallo ICE-Fans,
ich fand folgendes Artikel interessant.
The first three sections of the Ministry of Transport’s plan are currently being prepared for construction. These run from Prague to the east, as well as southwards from Ostrava and Brno. We are hoping that these three 350km/h routes will be finished by 2025.
Prag-Brünn scheint mir am wichtigsten, als Bestandteil der Magistrale Berlin-Prag-Wien.
Nur bin ich das ganze mit dem Jahr 2025 nicht sicher. Ist dann bereits Vollendung oder erst Baubeginn, wie wir hier erfahren:
The construction of a high speed rail network in the country should begin in 2025, the newly-appointed transport minister, Vladmír Kremlík told journalists after a visit to Czech Railroad Management.
Mehr dazu hier.
gruß,
Oscar (NL).
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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!
Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.