Eine Fahrt mit Afrikas schnellstem Zug, Teil 2 (Reiseberichte)

Mike65, Sonntag, 30.06.2019, 00:20 (vor 2462 Tagen)

Hier der zweite Teil meines Reiseberichts:

Auch der Bahnhof von Tanger hat in den letzten Jahren ein neues Empfangsgebäude bekommen. Es ist etwas kleiner als Rabat Agdal, aber auch hier dominieren Licht und helle Farben. In der Haupthalle schafft ein kleiner Garten mit Palmen und Wasserspielen eine angenehme Atmosphäre:

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Hier der Bahnhof von außen:

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Der Vorplatz wird von gesichtslosen Betonklötzen dominiert, wie sie auch in anderen Großstädten der Welt stehen könnten:

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Sehenswert ist eigentlich nur die relativ kleine Altstadt, die gar nicht zu leicht zu finden ist. Durch diesen Torbogen kommt man hinein:

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Obwohl Tanger von 1923-1956 eine internationale Stadt war, ist das Stadtbild eher von spanischen Einflüssen geprägt. Die Architektur unterscheidet sich deutlich von anderen marokkanischen Städten wo der eher nüchtern-sachliche französische Baustil vorherrscht.
Hier einige Häuser mit reichlich verzierten Balkongeländern auf dem zentralen Platz „Petit Socco“:

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Während viele Häuser in den Gassen in schlechtem Zustand sind, gibt es einige schön renovierte Fassaden im maurisch-andalusischen Stil:

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In der Altstadt steht auch die spanische Franziskanerkirche:

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Ursprünglich sollte eine wesentlich größere Kathedrale nach Entwürfen von Antoni Gaudi in Tanger gebaut werden, daraus wurde jedoch nichts.
Von der „Terrasse des paresseux“ (Terasse der Faulenzer) hat man einen schönen Blick bis zum Hafen:

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Dort steht auch die „Gare maritime“, trotz des Namens kein Bahnhof, sondern das Fährterminal für den Personenverkehr über die Straße von Gibraltar:

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Früher soll es dorthin sogar eine Schienenverbindung gegeben haben, und es fuhren Eisenbahnfähren hinüber nach Algeciras. Ob das mal wieder kommen wird?
Allerdings hat der Hafen seit der Eröffnung des neuen „Port Tanger MED“ viel von seiner Bedeutung verloren, Auto- und Gütertransport laufen nur noch über letzteren.
Ganz in der Nähe finden sich noch Reste der alten Stadtbefestigung, über denen das berühmte Hotel Continental thront. Zu früheren Zeiten stiegen hier die internationale Schickeria, aber auch Spione und andere dunkle Gestalten ab.

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Jetzt noch eine kleine Kaffeepause, da bot sich das Café „La Española“ an. Wie sich die Kalorienbomben auf die Figur auswirken habe ich allerdings nicht getestet:

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Am Abend hieß es Abschied nehmen von Tanger, ich hatte den letzten Zug gebucht, der um Punkt 21:00 den Bahnhof Tanger verlässt. Da ich diesmal recht früh am Bahnhof war, blieb genügend Zeit, die Lounge zu testen. In Tanger erstreckt sie sich über zwei Etagen, die obere war komplett leer:

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An den Wänden moderne Kunst:

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Was das wohl darstellen soll? Hier ist es ein wenig konkreter:

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Auch hier gab es Getränke, allerdings bewachte ein Zerberus den Kühlschrank und achtete darauf, dass jeder nur eine Flasche oder Dose entnahm. Die Entnahme wurde per Häkchen auf dem Ticket registriert. Offenbar hatten sich hier einige Passagiere zu großzügig mit Reiseproviant versorgt.
Von der Lounge hat man nicht nur freien Blick auf die Bahnsteige sondern sie besitzt auch einen direkten Ausgang dorthin. 10 Minuten vor Abfahrt wurde die Tür geöffnet und man konnte ohne weitere Ticketkontrolle zum wartenden Zug gelangen.

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Die Rückfahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse und der Zug kam auf die Minute pünktlich in Rabat Ville ein.
Im Ganzen war die Reise ein positives Erlebnis. In nur 6 Monaten hat die sonst nicht gerade für ihre Pünktlichkeit berühmte Bahngesellschaft ONCF einen komfortablen und zuverlässigen Hochgeschwindigkeitsverkehr auf die Schienen gestellt, der sich nicht nur für afrikanische Verhältnisse sondern auch international sehen lassen kann. Kinderkrankheiten blieben weitgehend aus.

Verbesserungswürdig ist allerdings die Anbindung des Bahnhofs Rabat Agdal an den öffentlichen Nahverkehr, die im Moment nur die Taxifahrer erfreut.
Auch der Onlineauftritt und das Reservierungssystem der ONCF haben noch Optimierungspotential. Der eigentliche Bahnverkehr dagegen funktioniert gut.

Den Vogel schoss übrigens mal wieder die deutsche Bahn ab, die ich für den Rückweg am vorletzten Samstag vom Flughafen Frankfurt nutzte. Alle von der KRM kommenden ICEs hatten mindestens 30 Minuten Verspätung, fuhren verkürzt oder fielen ganz aus. Ich hatte Glück im Unglück, da ich gerade noch den verspäteten Vorgänger zu meinem gebuchten Zug erreichen konnte. So kam ich 90 Minuten vor der eigentlich geplanten Zeit zu Hause an.

Eine Fahrt mit Afrikas schnellstem Zug, Teil 2

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 30.06.2019, 09:42 (vor 2462 Tagen) @ Mike65

Moin Mike,

besten Dank für die Eindrücke. Schön, nach diversen Berichten bei DSO mit Landschaftsbildern auch mal über eine Zugfahrt in Marokko zu lesen.

Viele Grüße
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Eine Fahrt mit Afrikas schnellstem Zug, Teil 2

ktmb, Sonntag, 30.06.2019, 10:56 (vor 2462 Tagen) @ Mike65
bearbeitet von ktmb, Sonntag, 30.06.2019, 10:57

Vielen Dank für Text und Bild. Bin vor über 20 Jahren einmal per Bahn und Schiff von D nach Marrakesch gereist. Damals gab es von Tanger noch einen Nachtzug. Gibt HGV nur zwischen Rabat und Tanger? Casablanca? Marrakesch?

Vielen Dank!

TD, Sonntag, 30.06.2019, 11:27 (vor 2462 Tagen) @ Mike65

Vielen Dank für den interessanten Bericht. Eine Tour mit Zug und Fähre nach Marokko steht auch schon länger auf meiner Wunschliste - mal schauen, wann ich das angehe, der Bericht macht jedenfalls Lust auf einen Besuch.

Viele Grüße

Tobias

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Eine Fahrt mit Afrikas schnellstem Zug, Teil 2

Mike65, Sonntag, 30.06.2019, 11:45 (vor 2462 Tagen) @ ktmb

Damals gab es von Tanger noch einen Nachtzug. Gibt HGV nur zwischen Rabat und Tanger? Casablanca? Marrakesch?

Der HGV-Zug Al Boraq fährt nur zwischen Tanger und Casablanca, mit Zwischenhalten in Kenitra und Rabat. Nur die 200km zwischen Tanger und Kenitra sind auf 320km/h ausgebaut, auf den anderen Streckenabschnitten sind maximal 160-200 km/h möglich. Wer nach Marrakech will, muss in Casablanca umsteigen. Von dort sind es noch einmal 2h35min. Den Nachtzug Tanger-Marrakech gibt es immer noch, er braucht fast 10 Stunden und fährt über die Altstrecke. Ich vermute, dass er demnächst eingestellt wird und die Altstrecke allein dem Güterverkehr vorbehalten sein wird.

شكرا

JanZ, HB, Sonntag, 30.06.2019, 13:16 (vor 2461 Tagen) @ Mike65

Vielen Dank für den Bericht! In Marokko war ich 2007 (wo der Dirham-Kurs schon derselbe war), leider ganz ohne Bahn. Sicher ist das Land noch mal eine Reise wert.

Auch von mir Danke!

Christian_S, Sonntag, 30.06.2019, 13:22 (vor 2461 Tagen) @ Mike65

Auch von mir vielen Dank für den Bericht!
Ich habe die Entwicklung des Schienenverkehrs in Marokko bzw insbesondere der HGV-Verbindung in den letzten Jahren interessiert im Internet verfolgt und freue mich natürlich jetzt über Deinen Erfahrungsbericht.

Meine Schwiegermutter und ihr Mann waren kürzlich auf einer Rundreise in Marokko, leider aber ausschließlich per Bus unterwegs. Da steckt sicher noch einiges an Potential in der Bahn.

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