Eine Fahrt mit Afrikas schnellstem Zug, Teil 2 (Reiseberichte)
Hier der zweite Teil meines Reiseberichts:
Auch der Bahnhof von Tanger hat in den letzten Jahren ein neues Empfangsgebäude bekommen. Es ist etwas kleiner als Rabat Agdal, aber auch hier dominieren Licht und helle Farben. In der Haupthalle schafft ein kleiner Garten mit Palmen und Wasserspielen eine angenehme Atmosphäre:
Hier der Bahnhof von außen:
Der Vorplatz wird von gesichtslosen Betonklötzen dominiert, wie sie auch in anderen Großstädten der Welt stehen könnten:
Sehenswert ist eigentlich nur die relativ kleine Altstadt, die gar nicht zu leicht zu finden ist. Durch diesen Torbogen kommt man hinein:
Obwohl Tanger von 1923-1956 eine internationale Stadt war, ist das Stadtbild eher von spanischen Einflüssen geprägt. Die Architektur unterscheidet sich deutlich von anderen marokkanischen Städten wo der eher nüchtern-sachliche französische Baustil vorherrscht.
Hier einige Häuser mit reichlich verzierten Balkongeländern auf dem zentralen Platz „Petit Socco“:
Während viele Häuser in den Gassen in schlechtem Zustand sind, gibt es einige schön renovierte Fassaden im maurisch-andalusischen Stil:
In der Altstadt steht auch die spanische Franziskanerkirche:
Ursprünglich sollte eine wesentlich größere Kathedrale nach Entwürfen von Antoni Gaudi in Tanger gebaut werden, daraus wurde jedoch nichts.
Von der „Terrasse des paresseux“ (Terasse der Faulenzer) hat man einen schönen Blick bis zum Hafen:
Dort steht auch die „Gare maritime“, trotz des Namens kein Bahnhof, sondern das Fährterminal für den Personenverkehr über die Straße von Gibraltar:
Früher soll es dorthin sogar eine Schienenverbindung gegeben haben, und es fuhren Eisenbahnfähren hinüber nach Algeciras. Ob das mal wieder kommen wird?
Allerdings hat der Hafen seit der Eröffnung des neuen „Port Tanger MED“ viel von seiner Bedeutung verloren, Auto- und Gütertransport laufen nur noch über letzteren.
Ganz in der Nähe finden sich noch Reste der alten Stadtbefestigung, über denen das berühmte Hotel Continental thront. Zu früheren Zeiten stiegen hier die internationale Schickeria, aber auch Spione und andere dunkle Gestalten ab.
Jetzt noch eine kleine Kaffeepause, da bot sich das Café „La Española“ an. Wie sich die Kalorienbomben auf die Figur auswirken habe ich allerdings nicht getestet:
Am Abend hieß es Abschied nehmen von Tanger, ich hatte den letzten Zug gebucht, der um Punkt 21:00 den Bahnhof Tanger verlässt. Da ich diesmal recht früh am Bahnhof war, blieb genügend Zeit, die Lounge zu testen. In Tanger erstreckt sie sich über zwei Etagen, die obere war komplett leer:
An den Wänden moderne Kunst:
Was das wohl darstellen soll? Hier ist es ein wenig konkreter:
Auch hier gab es Getränke, allerdings bewachte ein Zerberus den Kühlschrank und achtete darauf, dass jeder nur eine Flasche oder Dose entnahm. Die Entnahme wurde per Häkchen auf dem Ticket registriert. Offenbar hatten sich hier einige Passagiere zu großzügig mit Reiseproviant versorgt.
Von der Lounge hat man nicht nur freien Blick auf die Bahnsteige sondern sie besitzt auch einen direkten Ausgang dorthin. 10 Minuten vor Abfahrt wurde die Tür geöffnet und man konnte ohne weitere Ticketkontrolle zum wartenden Zug gelangen.
Die Rückfahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse und der Zug kam auf die Minute pünktlich in Rabat Ville ein.
Im Ganzen war die Reise ein positives Erlebnis. In nur 6 Monaten hat die sonst nicht gerade für ihre Pünktlichkeit berühmte Bahngesellschaft ONCF einen komfortablen und zuverlässigen Hochgeschwindigkeitsverkehr auf die Schienen gestellt, der sich nicht nur für afrikanische Verhältnisse sondern auch international sehen lassen kann. Kinderkrankheiten blieben weitgehend aus.
Verbesserungswürdig ist allerdings die Anbindung des Bahnhofs Rabat Agdal an den öffentlichen Nahverkehr, die im Moment nur die Taxifahrer erfreut.
Auch der Onlineauftritt und das Reservierungssystem der ONCF haben noch Optimierungspotential. Der eigentliche Bahnverkehr dagegen funktioniert gut.
Den Vogel schoss übrigens mal wieder die deutsche Bahn ab, die ich für den Rückweg am vorletzten Samstag vom Flughafen Frankfurt nutzte. Alle von der KRM kommenden ICEs hatten mindestens 30 Minuten Verspätung, fuhren verkürzt oder fielen ganz aus. Ich hatte Glück im Unglück, da ich gerade noch den verspäteten Vorgänger zu meinem gebuchten Zug erreichen konnte. So kam ich 90 Minuten vor der eigentlich geplanten Zeit zu Hause an.
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- Eine Fahrt mit Afrikas schnellstem Zug, Teil 2 -
Mike65,
30.06.2019, 00:20
- Eine Fahrt mit Afrikas schnellstem Zug, Teil 2 - Sören Heise, 30.06.2019, 09:42
- Eine Fahrt mit Afrikas schnellstem Zug, Teil 2 -
ktmb,
30.06.2019, 10:56
- Eine Fahrt mit Afrikas schnellstem Zug, Teil 2 - Mike65, 30.06.2019, 11:45
- Vielen Dank! - TD, 30.06.2019, 11:27
- شكرا - JanZ, 30.06.2019, 13:16
- Auch von mir Danke! - Christian_S, 30.06.2019, 13:22