Von der Dolderbahn ins Mittelland - 2/2 m. 54 B. (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 25.06.2019, 18:23 (vor 2462 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum zweiten Teil unserer kleinen Schweiz-Rundfahrt. Im ersten Teil hatten wir die Dolderbahn besucht, waren mit dem Twindexx Swiss Express gefahren und hatten die Strecke der Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) erkundet.

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Der letzte Teil hatte am Bahnhof von Oensingen geendet, genau dort setzen wir den Bericht nun fort. Und zwar mit einem ICN, der in Richtung Lausanne unterwegs ist.

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Auf der schweizerischen Gäubahn fahren wir nun entlang des Jurasüdfußes. Bei Wangen führt die Strecke über die Aare, im Bild eine gedeckte Holzbrücke über den Fluss aus dem 15. Jahrhundert. Wir fahren mit dem Zug bis Biel/Bienne.

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Da wir Biel schon kennen, wechseln wir nach der Ankunft am dortigen Bahnhof direkt ins Untergeschoss zum Bahnsteig der ehemaligen Biel-Täuffelen-Ins-Bahn (BTI). Die BTI ging 1991 durch eine Fusion im Verkehrsunternehmen Aare Seeland mobil (asm) auf. Der Triebwagen 509 war 2016 das erste Fahrzeug in der neuen roten Unternehmensfarbe der asm.

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Die Bahnstrecke der BTI ist in Meterspur ausgeführt, die Strecke ist gut 21 Kilometer lang. Die Strecke wurde zwischen 1912 und 1926 abschnittsweise eröffnet, damals noch unter dem Namen Seeländische Lokalbahnen. Das Seeland umfasst die Region zwischen Bieler-, Neuenburger- und Murtensee. Auf dem Bild fahren wir über den Nidau-Büren-Kanal, der den Bielersee mit der Aare verbindet. Die Strecke gewinnt nun etwas an Höhe und eröffnet den Blick auf den Jura.

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Bei Gerolfingen oberhalb des Südufers des Bielersees erreicht die Strecke den Scheitelpunkt, der nächste Halt ist dann Täuffelen. Nachdem der Ort Täuffelen Sitz und Betriebsmittelpunkt der BTI war, legen wir hier einen kurzen Zwischenstopp ein.

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Täuffelen ist ein Dorf mit knapp 3.000 Einwohnern, hier befinden sich neben einem repräsentativen Bahnhofsgebäude auch Depot und Werkstätte der Bahn. Wir drehen eine kleine Runde durch den Ort bis zur Kirche, wirklich viel lässt sich hier aber nicht entdecken.

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Mit dem nächsten Zug geht es nun weiter in Richtung Ins. Diesmal treffen wir auf einen GTW in der alten Farbgebung. Die Initiative zur Entwicklung des Gelenktriebwagens GTW 2/6 ging damals von der Biel-Täuffelen-Ins-Bahn (BTI) und einer zweiten Meterspurbahn aus, die kostengünstige und leichte Fahrzeuge mit einem hohen Niederfluranteil beschaffen wollten. 1997 gingen die ersten von Stadler gelieferten GTW bei der BTI in den fahrplanmäßigen Einsatz.

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Die Strecke führt im weiteren Verlauf im Hinterland des Bielersees durch eine ländlich geprägte Region. Dass es hier mit dem Hagneckkanal ein Wasserbauwerk größeren Ausmaßes gibt, trifft mich recht unerwartet. Und dann auch noch eine unglückliche Parallelfahrt mit einem anderen Verkehrsteilnehmer:

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Der Kanal wurde zwischen 1875 und 1878 als Teil der Juragewässerkorrektion erbaut, er wurde ohne Maschinen ausgehoben und durchsticht den Seerücken mit einer Tiefe von bis zu 34 Metern.

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Anschließend verlässt die Strecke den See und erreicht das Große Moos. Das Gebiet ist eine der größten Ebenen der Schweiz. Nachdem das Moos entwässert wurde, gehört es heute zu den wichtigsten Gemüse-Anbaugebieten des Landes.

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In Ins befindet sich die Endstation der Biel-Täuffelen-Ins-Bahn. Hier besteht Anschluss an das normalspurige Eisenbahnnetz, das Gleis der BTI endet straßenseitig vor dem Normalspurbahnhof. Wir wechseln nun zum Bahnhof der großen Bahn...

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...und machen erstmals Bekanntschaft mit den Freiburgischen Verkehrsbetrieben / Transports publics fribourgeois. Ich habe den Eindruck, dass die Gesellschaft selbst nicht so richtig weiß, ob sie sich nun TPF (in Texten) oder tpf (im Logo) schreibt. Jedenfalls betreiben die Verkehrsbetriebe Normal- und Schmalspurlinien sowie weitere öffentliche Verkehre im und um den Kanton Freiburg. Der Flirt der TPF fährt als S 21 nach Fribourg/Freiburg.

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Wir befahren nun die Strecke der ehemaligen Chemin de fer Fribourg–Morat–Anet / Freiburg-Murten-Ins-Bahn (FMA). Nie normalspurige Strecke ist knapp 26 Kilometer lang, die ersten Kilometer führen durch das Große Moos.

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Hier fahren wir durch den Ort Münchwiler mit Blick zum dortigen Schloss. Das Schloss wurde im 16. Jahrhundert aus den Steinen eines aufgehobenen und abgebrochenen Klosters errichtet. Münchwiler ist eine Exklave des Kantons Bern und ist vom Kanton Freiburg umgeben.

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Die Fahrt durch das Mittelland ist ansonsten unspektakulär. Die Strecke ist heute natürlich längst elektrifiziert. Als man 1903 mit der Elektrifikation begann, war das jedoch noch keine Selbstverständlichkeit. Da die SBB für deren Abschnitte keine Oberleitung zulassen wollte, wurde die Strecke anfangs mit einer Stromschiene elektrifiziert.

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In Fribourg (oder auch „Freiburg im Üechtland“ zur Unterscheidung von Freiburg im Breisgau) legen wir einen Zwischenstopp ein. Die Stadt hat rund 40.000 Einwohner und liegt an der Grenze zwischen deutscher und französischer Schweiz.

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Fribourg liegt am Fluss Saane, die Altstadt liegt auf einem schmalen Felssporn über dem Tal. Teile der Stadt liegen auf einem Plateau, andere auf dem Talboden des tief eingeschnittenen Flussbetts. Hier der Blick über die Dächer der Unterstadt zur Kathedrale Sankt Nikolaus.

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Gut 50 Höhenmeter trennen Oberstadt und Unterstadt (Neuveville). 1899 wurde eine Standseilbahn zwischen beiden Stadtteilen eröffnet, sie wird noch heute mit der ursprünglichen Antriebstechnik betrieben und ist damit die letzte Wasserballast-Standseilbahn der Schweiz.

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Die Bahn wird heute auch von der TPF betrieben. Während unseres Besuchs wird allerdings gerade an der Standseilbahn (Funiculaire) Neuveville–Saint-Pierre gearbeitet. Aber vom Fußweg aus sieht man die Strecke ohnehin viel besser ;)

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Wir laufen nun durch die Unterstadt und über die Saane...

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...zur Mattenkaserne. Der Gebäude im Mattenquartier wurde 1708/1709 als Speicher erbaut und später zu einer Kaserne umgebaut.

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Von der hölzernen Bernbrücke geht der Blick über die Saane zu einer Wehranlage mit Katzenturm und Berner Torturm. Im Hintergrund die Zähringerbrücke / Pont de Zaehringen. Durch die Altstadt geht es anschließend wieder zurück zum Bahnhof.

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Seit dem Jahr 1862 ist Fribourg an das schweizerische Eisenbahnnetz angebunden, anfangs noch mit einem provisorischen Bahnhof, das eigentliche Bahnhofsgebäude wurde erst 1873 errichtet. Es gibt Bestrebungen der deutschsprachigen Minderheit, die Stadt offiziell zweisprachig zu machen. Seit 2013 heißt der Bahnhof „Fribourg/Freiburg“ und taucht auch so in den Fahrplänen auf.

Es geht gleich weiter...

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Von der Dolderbahn ins Mittelland - Fortsetzung

TD, Dienstag, 25.06.2019, 18:25 (vor 2462 Tagen) @ TD

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Mit einem doppelstöckigen Intercity der Linie IC 1 treten wir nun die Heimfahrt an, nach der Ausfahrt aus Fribourg/Freiburg quert der Zug die Saane, weiter fährt der Zug über Bern und die Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist nach Zürich.

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In Zürich wechseln wir auf den InterRegio nach Konstanz. Nachdem wir auf den Hinfahrt (siehe Teil 1) einen Ersatzzug hatten, verkehrt nun wieder eine der angestammten Kompositionen.

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Dieses Bild entstand bei der Fahrt zwischen Weinfelden und Kreuzlingen, vom Seerücken aus ist der heimische Bodensee zu sehen. Üblicherweise ist das das letzte Bild meiner Reiseberichte, die wenig später in Konstanz enden.

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Aber heute gibt es noch eine Zugabe. Denn warum sollte ich eigentlich immer nur fremde Städte porträtieren? Und so legen wir auch in Konstanz einen Zwischenstopp ein. Die größte Stadt am Bodensee hat rund 85.000 Einwohner und eine lange Geschichte. Wir steuern nun das Konstanzer Münster an und besteigen die 193 Stufen zur Plattform des Turms.

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Von oben lassen wir den Blick schweifen, hier Richtung Innenstadt und zur Schweiz, hinten der Seerücken, über den wir vorhin hinab nach Konstanz gefahren sind.

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Hier sehen wir unter uns die Niederburg, der älteste Teil der Altstadt mit mittelalterlichen Gebäuden und verwinkelten Gassen. Konstanz blieb im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont, zum einen weil es nur ein unbedeutender Industriestandort war, zum anderen aber auch aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Schweiz. So wurde die Stadt nicht verdunkelt, wodurch aus der Luft die Grenze zwischen Konstanz und dem schweizerischen Kreuzlingen verschwamm. Am linken Bildrand dreht ein Zeppelin seine Runde, der von Friedrichshafen aus zu Rundflügen startet und auf der Rheinbrücke ist ein Zug der Schwarzwaldbahn zu sehen.

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Am Konstanzer Trichter verengt sich der Bodensee zu einer Bucht, aus der nach links der Rhein abfließt. Links der Bildmitte das ehemalige Dominikanerkloster auf einer Insel, heute ein Luxushotel. Unter uns der Dachstuhl der Münsters mit dem Vierungsturm.

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Und das letzte Bild geht Richtung Hafen und schweizerischem Bodenseeufer. Vor dem historischen Konzilgebäude sehen wir wieder den Zug der Schwarzwaldbahn, der nun gleich den Konstanzer Bahnhof erreicht.

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Doch nun zurück zum Bahnbezug. Unübersehbar wurde im Frühling 2018 in der Region für die „neue Gäubahn“ geworben, gemeint war damit der Einsatz von neuen Talent 2-Triebzügen auf dem Streckennetz von Gäubahn und Murrbahn.

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Konstanz ist von den Neuerungen am Rande betroffen, denn an Sams-, Sonn- und Feiertagen werden die Talent 2-Triebzüge im Landesdesign als „Radexpress Bodensee“ eingesetzt. Der Zug startet morgens in Stuttgart zur Fahrt an den Bodensee, tagsüber ist er in Konstanz abgestellt und am späteren Nachmittag fährt er von Konstanz zurück nach Stuttgart. Nach Stuttgart wollen wir jetzt eigentlich nicht mehr, aber eine Station weit fahren wir mal mit.

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So sehr ich auch schätze, was sich im Ländle in Sachen Bahnverkehr tut – mit dem schmucklosen Mini-Abteil mit 2+2 Sitzteiler als erste Klasse-Angebot hadere ich. Mit Reisekultur und Mehrwert hat das nicht viel zu tun, dafür werde ich kein Geld mehr ausgeben. Nur gut, dass ich mit Schwarzwaldbahn und Gäubahn noch Alternativen mit echter erster Klasse habe. Da kann man nur neidisch nach Mitteldeutschland zum Talent 2 von Abellio blicken (zum Reisebericht).

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Hier fahren wir nun über die Rheinbrücke mit Blick über den Konstanzer Trichter. Der nächste Halt ist in Allensbach. Der Zug hat übrigens auf Hin- und Rückfahrt unterschiedliche Halte, auf der Rückfahrt werden Engen, Spaichingen, Oberndorf, Sulz, Bondorf und Gäufelden ausgelassen. Aber gut, bei einem Radexpress können die Leute ja auch ein Stück mit dem Fahrrad fahren.

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Nach elf Kilometern verlassen wir in Allensbach den Zug – das reicht, um den Radexpress Bodensee erstmal auf meiner to-do-Liste abhaken zu können, denn die Strecke selbst kenne ich schon zur Genüge.

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Und so endet dieser Reisebericht diesmal in Allensbach am Ufer des Gnadensees.

Vielen Dank für das Interesse und fürs Mitkommen.

Viele Grüße

Tobias

PS: Meine früheren Bahnreiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

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Vielen Dank

462 001, Taunus, Dienstag, 25.06.2019, 20:10 (vor 2462 Tagen) @ TD

Hallo,

endlich mal ein Bericht, bei dem ich bereits alle von dir befahrenen Strecken kenne;)

Die neuen bwegt-Züge sind wirklich peinlich bei der 1. Klasse und sorgen zumindest bei mir dafür, das ich NV-Verbindungen im Ländle zukünftig meide.

Auch der sehr beliebte IRE-Sprinter Ulm-Basel ist für mich nur im Notfall nutzbar.

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Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1619
- Euro. Ausland: 717

Stand: 20.02.2026

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