Von der Dolderbahn ins Mittelland - 1/2 m. 56 B. (Reiseberichte)

TD, Freitag, 21.06.2019, 19:25 (vor 2466 Tagen)
bearbeitet von TD, Freitag, 21.06.2019, 19:25

Hallo zusammen,

nachdem ich Euch zuletzt auf eine winterliche Rundfahrt in den Jura mitgenommen hatte, möchte ich Euch nun zu einer weiteren Tour in die Schweiz einladen. Ich muss allerdings gleich dazusagen, dass die Tour so gar nicht stattgefunden hat. Eigentlich wollte ich nur meinen Bruder am Flughafen in Zürich abholen; als ich schon im Zug nach Zürich saß, kam dann die Nachricht von meinem Bruder, dass er vier Stunden Verspätung habe. Da habe ich mich dann erinnert, dass ich schon immer mal zur Dolderbahn wollte und so entstand dieser Teil als Nebeneffekt zur Überbrückung der Wartezeit. Für den zweiten Teil war ich dann nochmals nach Zürich gefahren. Um einen etwas gehaltvolleren Reisebericht zusammenzubekommen, habe ich beide Teile zu einer fiktiven Tour zusammengefasst. Die Bilder stammen aus dem April 2018.

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Wir fahren von Konstanz nach Zürich und besuchen dort die Dolderbahn. Anschließend nutzen wir den Twindexx Swiss Express bis nach Langenthal und steigen dort um auf die Meterspurbahn der asm, um schließlich die Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) zu erkunden. Im weiteren Verlauf widmen wir uns der Bahnstrecke der ehemaligen Biel-Täuffelen-Ins-Bahn und schauen uns in Fribourg/Freiburg um. Und zum Abschluss testen wir noch den Radexpress Bodensee.

Die Tour beginnen wir am frühen Morgen am Bahnhof von Konstanz. Wie in vielen meiner Reiseberichte steht als erster Zug ein InterRegio der SBB zur Fahrt nach Zürich auf dem Reiseplan. Ich war davon ausgegangen, hier wieder die immer gleichen Bilder einer InterRegio-Garnitur zu zeigen, aber heute haben die SBB eine Überraschung parat...

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...und schicken einen Ersatzzug nach Konstanz. Sehr gut, da habe ich ja schon lange drauf gewartet, denn die Ersatzzüge fehlten mir noch in meiner Sammlung. Die SBB halten an mehreren Standorten Ersatzzüge bereit, die aus alten Einheitswagen I und II gebildet sind. An den unklimatisierten, teils über 50 Jahre alten Zügen scheiden sich die Geister – ich freue mich jedenfalls, dass es nun mal mit der Mitfahrt in einem solchen Zug klappt. Ab spätestens Ende 2020 sollen auch die Ersatzzüge ausschließlich klimatisiert verkehren.

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Der Zug ist ungewohnt, die Strecke mittlerweile aber sehr vertraut. Am besten gefällt mir der Abschnitt zwischen Kreuzlingen und Weinfelden, wenn es hoch auf den Seerücken geht und dann auf der anderen Seite hinab zur Thur, wo sich ein Blick auf das Alpenpanorama ergibt.

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Wer weiß, ob oder wann ich nochmals einen der Ersatzzüge erwische – da nehmen wir nach der Ankunft im Hauptbahnhof Zürich besser gleich noch ein weiteres Bild mit.

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Mit der Tramlinie 3 fahren wir nun vom Hauptbahnhof bis zur Haltestelle Römerhof. Mit einer Cobra-Tram geht es für acht Minuten durchs Stadtgebiet ins Quartier Hottingen.

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Im Erdgeschoss eines Geschäftshauses am Römerhofplatz befindet sich der Zugang zur Talstation der Dolderbahn. Die Dolderbahn ist eine Zahnradbahn im Stadtgebiet von Zürich, sie führt vom Römerhofplatz auf den Adlisberg.

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Die Strecke ist in Meterspur ausgeführt, es kommen zwei Zahnrad-Triebwagen zum Einsatz. Beide Triebwagen wurden 1973 von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) geliefert, sie haben eine Kapazität von je rund 100 Fahrgästen. Das Kleeblatt auf der Fahrzeugfront ist das Wappen des Quartiers Hottingen.

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Die Dolderbahn ist 1,3 Kilometer lang und hat eine maximale Neigung von 196 Promille. Unterwegs gibt es zwei Bedarfshalte, hier die Station Titlisstrasse. Wenig später folgt die Ausweichstelle, die über Schwenkweichen verfügt.

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Der zweite Bedarfshalt ist die Station „Waldhaus“ – wobei der romantisch klingende Stationsname in einem gewissen Widerspruch zur Betonbauweise der Haltestelle steht.

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Nach 6 Minuten und einer Differenz von 162 Höhenmetern erreicht die Bahn die Endstation Dolder. Das Dolder-Gebiet ist ein Erholungsareal mit Freizeit- und Sportanlagen, außerdem befindet sich hier das berühmte Hotel The Dolder Grand. Wir drehen nun eine kleine Runde an der Bergstation.

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Das 5-Sterne-Hotel wurde 1899 unter dem Namen Grand Hotel Dolder gegründet, es entwickelte sich zum Treffpunkt der vornehmen Gesellschaft Zürichs und kann auf eine illustre Liste internationaler Gäste zurückblicken. Der Adlisberg ist ein Hügel am Ostrand von Zürich, der Blick über die Stadt und den Zürichsee ist etwas vom Morgennebel getrübt.

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Die Geschichten von Hotel und Dolderbahn sind eng miteinander verknüpft. Zur Erschließung der Gastronomie auf dem Berg wurde 1895 eine Standseilbahn in Betrieb genommen, später wurde eine Tramstrecke zum Hotel gebaut. 1973 schließlich wurde die Zahnradbahn mit dem heutigen Streckenverlauf eröffnet. In den Jahren 2004 bis 2008 wurde die Bergstation erneuert und ist heute (öffentlich zugänglicher) Teil des Hotelkomplexes. Die Bergstation liegt auf 606 Meter über dem Meer.

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Die Dolderbahn ist eine Privatbahn der Dolderbahn-Betriebs-AG, mit der Betriebsführung sind die Verkehrsbetriebe Zürich betraut. Die Zahnradbahn ist in den Zürcher Verkehrsverbund integriert, die Bahnen verkehren im 10-Minuten-Takt.

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Für den Umbau von Standseilbahn auf Zahnrad gab es mehrere Gründe, unter anderem sollte damit der spätere Ausbau für einen automatischen Betrieb ermöglicht werden. Bis heute verkehren die Bahnen aber weiterhin bemannt.

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Und mit der Einfahrt in die Talstation beenden wir den Besuch bei der „Bergbahn in der Stadt“. Mit der Polybahn und der Seilbahn Rigiblick gibt es übrigens noch zwei weitere ungewöhnliche Bahnen im Stadtgebiet von Zürich, die hatten wir 2016 schon besucht (zum Reisebericht).

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Für den Rückweg zum Hauptbahnhof wählen wir eine andere Route und fahren mit einer Tram der Linie 8 hinunter zur Limmat. Diesmal erwischen wir eine Tram 2000-Komposition.

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Von der Haltestelle Bellevue wählen wir den Fußweg zum Hauptbahnhof. Von der Quaibrücke folgt der Blick der Limmat, links die Türme der Altstadtkirchen Fraumünster und St. Peter, rechts die Doppeltürme des Grossmünsters.

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Dann geht es noch hoch zum Lindenhof mit Ausblick auf Limmatquai, Altstadt, Universität und Eidgenössische Technische Hochschule, dazwischen der schmale Kirchturm der Predigerkirche.

Es geht gleich weiter...

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Von der Dolderbahn ins Mittelland - Fortsetzung

TD, Freitag, 21.06.2019, 19:27 (vor 2466 Tagen) @ TD

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Als nächstes steht nun unsere Prämierenfahrt mit dem Twindexx Swiss Express (RABe 502) auf dem Programm. Zum Einsatz kommt eine der kurzen 100-Meter-Versionen (IR 100). Der Zug fährt im sogenannten gelenkten Einsatz auf der Linie IR 17 von Zürich nach Bern.

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Die doppelstöckigen Triebzüge hätten ab 2013 geliefert werden sollen, aus unterschiedlichen Gründen verzögerte sich die Auslieferung um mehrere Jahre. Seit 2018 kommen die Triebzüge schrittweise zum Einsatz. Etwa zwei Monate nach dem ersten fahrplanmäßigen Einsatz können wir uns nun im Oberdeck des Zugs umschauen.

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Die Fahrt ist pünktlich und ok, da kann ich nicht viel Aufregendes berichten – eine normale Zugfahrt halt. Wir fahren nun über Olten nach Langenthal, zwischendurch queren wir die Reuss.

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In Langenthal verlassen wir den Fernverkehrszug und wechseln zur Meterspurstrecke der Aare Seeland mobil (asm). Mit einem Star (Schmalspur-Triebzug für attraktiven Regionalverkehr) fahren wir nach Oensingen.

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Der Niederflur-Gelenkzug wurde von Stadler für diese Strecke konzipiert, weil der klassische GTW wegen der engen Kurvenradien nicht geeignet war. Wir befahren nun die Strecke der ehemaligen Langenthal-Jura-Bahn (LJB). Hier fahren wir gerade an Schloss Aarwangen vorbei. Wenig später führt die Strecke über die Aare.

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Für das Foto des Bahnhofsgebäudes von Bannwil (übrigens Baujahr 1907) habe ich dann mehr Zeit, als mir lieb ist. Hier möchte ein Rollstuhlfahrer mit und der Lokführer ist mit der Nutzung der mobilen Faltrampe völlig überfordert. Falls hier jemand von asm mitliest: bitte übt mit Eurem Personal Ausklappen, Einhängen und Einklappen der Rampe, dieser simple Vorgang geht doch bestimmt auch ohne 8-minütige Verspätung und damit verbundenem Anschlussverlust für die Fahrgäste.

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Über einen Hügel geht es nun nach Niederbipp, dort unterquert die Strecke die schweizerische Gäubahn und führt dann parallel zu den SBB-Gleisen am Jurasüdfuss nach Oensingen. Dort heißt es nun erstmal Warten, nachdem der geplante Anschlusszug weg ist.

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Oensingen ist Ausgangspunkt der Bahnstrecke nach Balsthal. Betrieben wird die Strecke von der Eisenbahngesellschaft Oensingen-Balsthal-Bahn, die Abkürzung OeBB bitte nicht verwechseln mit der österreichischen ÖBB. Der Bahnhof Oensingen ist als Keilbahnhof angelegt, der Bahnsteig der OeBB befindet sich jenseits des Bahnhofsgebäudes. Ich wundere mich etwas über die Domino-Komposition mit SBB-Logo. Hat die OeBB nicht auch einen Domino mit OeBB-Logo?

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Eine Bahngesellschaft mit einer Strecke von gerade mal gut 4 Kilometern ist schon kurios. Die Stichstrecke wird im Halbstundentakt bedient. Die Strecke folgt dem Fluss Dünnern, aus dem offenen Schweizer Mittelland führen die Gleise durch eine Klus, also ein schluchtartiges Durchbruchstal.

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Über der Klus von Balsthal wacht die Burg Alt-Falkenstein, die Höhenburg auf einem Felsen in dem Jura-Quertal wurde um das Jahr 1250 für den Grenzschutz errichtet.

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Jenseits der Klus liegt das offene Balsthaler Tal. Im Bild die reformierte Kirche von Balsthal. Nach einer Fahrzeit von 8 Minuten ist damit gleich der Endbahnhof erreicht und wir haben das Streckennetz der OeBB abgefahren.

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Aufgrund des verkürzten Aufenthalts belassen wir es in Balsthal bei einer Runde um den Bahnhof. Hier hat die OeBB ihren Sitz. Die OeBB ist auch bekannt für ihre Sammlung historischer Bahnfahrzeuge, aber Nostalgieverkehr ist nicht ganz meine Welt.

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Mit der Domino-Komposition geht es nun gleich wieder zurück – im Hintergrund nun wenigstens noch ein Fahrzeug mit OeBB-Logo.

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Es gab einst große Pläne für verschiedene durchgehende Bahnstrecken über Balsthal hinaus, einige blieben schon im Planungsstadium auf der Strecke, bei anderen ging während des Baus das Geld aus, so dass es bei der kurzen Stichstrecke mit zwei Zwischenhalten blieb. Durch die Juraklus fahren wir zurück nach Oensingen.

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Hier stehen wir nun auf dem Bahnsteig in Oensingen. Im Vordergrund die SBB-Gleise der Gäubahn von Solothurn nach Olten, rechts der Domino auf dem Gleis nach Balsthal und von links ein Star der asm auf der Meterspurstrecke.

Wir haben nun Halbzeit und machen hier einen Schnitt, in den nächsten Tagen folgt der zweite Teil mit der Strecke Biel-Täuffelen-Ins, einem Besuch in Fribourg/Freiburg und der Rückfahrt sowie dem Radexpress Bodensee.


Viele Grüße und ein schönes Wochenende

Tobias

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