Von korsischer Eisenbahn und russischem Nachtzug – Fortsetz. (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 23.04.2019, 18:38 (vor 2523 Tagen) @ TD

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Die Strecke ging aus der Lokalbahn Fehring-Fürstenfeld hervor, die 1885 den Betrieb aufnahm. Das Bahnhofsgebäude von Hatzendorf erinnert an jene Zeit, auch wenn der Bahnhof heute zum Haltepunkt degradiert ist. Der Name Thermenbahn stammt aus jüngerer Zeit und leitet sich von den Thermen entlang der Strecke ab.

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In der Ferne ist die Riegersburg zu erspähen, die Höhenburg wurde auf einem steil emporragenden Basaltkegel erbaut. Die Strecke bekommt nun einen reizvollen Nebenbahncharakter mit einer kurvenreichen Streckenführung und einem Pfeifkonzert an unbeschrankten Bahnübergängen.

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So ist mir das am liebsten: Passanten verstecken sich hinter Schildern, ich muss keine Bilder verpixeln. Bahnhof Söchau.

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Die Fahrt gefällt mir ausgesprochen gut, wir fahren gemütlich durch einen mir unbekannten Landstrich, es gibt nette Bahnhofsgebäude zu sehen wie in Sankt Johann in der Haide und das Wetter spielt mit und präsentiert einen goldenen Oktober.

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Die Bahnstrecke gewinnt nun deutlich an Höhe und erreicht die Ausläufer des Wechselgebirges. Gleich fährt der Zug über die Zeilbrücke. In Friedberg endet die Thermenbahn, anschließend befährt der Zug die Wechselbahn.

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Die Wechselbahn führt über den Rand des Wechselgebirgszugs. Die Wechselbahn wurde 1910 eröffnet, sie sollte das Monopol der privaten Südbahngesellschaft brechen und eine Alternative zur Semmeringroute darstellen. Diese Erwartungen konnte die Bahnstrecke jedoch nicht erfüllen, sie blieb eingleisig und wurde nicht elektrifiziert. Aber schöne Bahnhöfe gibt es hier, der Bahnhof Tauchen-Schaueregg stammt aus der Zeit der Erbauung der Wechselbahn, er steht heute unter Denkmalschutz. Mit 649 Metern über dem Meer haben wir nun bald den Scheitelpunkt erreicht, dieser folgt wenig später im Großen Hartbergtunnel.

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Der 2,5 Kilometer lange Scheiteltunnel diente 1941 während des Balkanfeldzugs vorübergehend als Führerhauptquartier, der Führersonderzug stand nördlich des Tunnels, der Sonderzug des Oberkommandos der Wehrmacht südlich. Bei Fliegeralarm sollten die Züge in den Tunnel geschoben werden.
Hier sind wir schon am Bahnhof Ausschlag-Zöbern nördlich des Tunnels, er ist baugleich wie der Bahnhof von Tauchen-Schaueregg und ein repräsentativer Vertreter der Österreichisch-Ungarischen Bahnhofsarchitektur im Heimatstil.

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Kurvenreich über mehrere Viadukte und durch eine große Schleife mitsamt Kehrtunnel geht es nun als Gebirgsbahn um 200 Höhenmeter hinunter nach Aspang.

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Am Bahnhof Aspang endet die Wechselbahn, hier schließt sich in unserer Fahrtrichtung die Aspangbahn an. Historisch gesehen ist die Reihenfolge andersherum, denn die Aspangbahn von Wiener Neustadt nach Aspang wurde früher gebaut und ging 1881 in Betrieb, Aspang war damals Endbahnhof. Zu jener Zeit hatten die Eisenbahnvisionäre noch große Pläne, die Aspangbahn war geplant als Teilprojekt für die „Wien-Saloniki-Bahn“.

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Die Bahnstrecke verlässt nun den Wechsel und erreicht die Bucklige Welt, die Landschaft im Südosten Niederösterreichs ist auch als „Land der 1000 Hügel“ bekannt. Na ja, mit gerade einmal einem Tausendstel ist dieses Bild vielleicht nicht sehr aussagekräftig.

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Nach knapp 3 Stunden endet die Fahrt im Bahnhof von Wiener Neustadt. Die Fahrt über Steirische Ostbahn, Wechselbahn und Aspangbahn hat mir richtig gut gefallen, wer etwas Zeit mitbringt und mal eine Alternative zur Semmeringstrecke entdecken möchte, dem sei diese Route ans Herz gelegt. Wiener Neustadt liegt rund 50 Kilometer südlich von Wien, der Ort wurde ursprünglich als „Neustadt“ gegründet und erhielt zur besseren Unterscheidung der vielen Orte dieses Namens erst später den Zusatz „Wiener“. Bis nach Wien selbst ist es noch ein Stück, für die Weiterfahrt steigen wir in einen Railjet.

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Etwa eine halbe Stunde dauert die Fahrt von Wiener Neustadt nach Wien, sie führt durch die Thermenregion, ein Weinbaugebiet in Niederösterreich.

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Von Wien selbst habe ich nicht viele Bilder, denn wir haben einen engen Zeitplan, um mit der U-Bahn vom Hauptbahnhof zum Karlsplatz zu fahren und beim Hotel Sacher eine gleichnamige Torte zu erwerben. Dann geht es gleich wieder zurück zum Hauptbahnhof.

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Den ICE von und nach Wien nutze ich selten, da ich meist die südlicheren Routen via München oder Innsbruck bevorzuge. Allerdings fährt mein Bruder direkt weiter nach Mainz, und so fahren wir noch gemeinsam bis Linz.

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Von der Fahrt auf der Westbahn habe ich ein Bild der Pfarrkirche zur Schmerzhaften Muttergottes mitgebracht, die Wallfahrtskirche steht auf einer Terrasse hoch über dem Donautal in Maria Taferl.

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Nachdem ich mich von meinem Bruder verabschiedet habe, drehe ich eine Runde durch den Hauptbahnhof von Linz, dann geht es weiter mit einem Railjet nach Salzburg.

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Bei der Fahrt durch das Salzburger Alpenvorland wird es Zeit für Kaffee und Kuchen. Der Zwischenstopp in Linz war dafür Inspiration:

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Auf dem Heimweg gibt es mittlerweile ein Gepäckstück mehr. Das erinnert mich an eine ähnliche Tour mit der Mission, eine original Linzer Torte zu erwerben: zum Reisebericht.

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Hier sind wir schon am Wallersee, er ist der größte See im Salzburger Alpenvorland. Wenig später heißt es in Salzburg wieder umsteigen, mit dem Eurocity 216 der Deutschen Bahn geht es von dort weiter über München nach Ulm.

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Hier fahren wir gerade über die Traun mit Blick auf Traunstein mit dem Turm der Stadtpfarrkirche St. Oswald. Das letzte Streckenbild vor Einbruch der Dämmerung stammt von der Fahrt durch den Chiemgau.

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Ab Ulm geht es in einem Neigetechnik-Dieseltriebwagen der Baureihe 611 weiter durch Oberschwaben und auf der Bodenseegürtelbahn nach Radolfzell. Bei meinem letzten Reisebericht wurde ich gefragt, ob ich bestätigen könne, was viele Bahnreisende erleben, nämlich dass nach der Rückkehr aus dem Ausland auf der letzten Etappe in Deutschland noch etwas schief geht. Ja, das kann ich bestätigen. Der 611er fährt ohne Neigetechnik, das macht bis Radolfzell 10 Minuten Verspätung und während der Zug auf Gleis 4 in Radolfzell einfährt, fährt auf Gleis 6 der geplante Anschlusszug der Schwarzwaldbahn nach Konstanz aus.

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Aber immerhin haben sich die Radolfzeller etwas ausgedacht, um den unfreiwilligen Aufenthalt am späten Abend attraktiv zu gestalten. Anlässlich des Stadtjubiläums gibt es eine Kulturnacht mit Illuminationen am Rathaus und dem Österreichischen Schlösschen.

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Etwas später als geplant geht es dann mit dem seehas heimwärts nach Konstanz. Ja, ich weiß, dass man die Sachertorte auch bequem per Onlineshop hätte bestellen können. Aber „habe ich im Internet bestellt“ klingt doch doof – wer würde nicht lieber sagen, für die Torte waren wir auf Korsika und sind mit einem russischen Nachtzug gefahren?

Vielen Dank für das Interesse und die Kommentare zu den bisherigen Teilen.

Viele Grüße

Tobias

PS: Meine früheren Bahnreiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

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