Von korsischer Eisenbahn und russischem Nachtzug – 4/4 | 61B (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum vierten und letzten Teil unserer kleinen Rundreise zwischen Korsika und Wien. Im dritten Teil waren wir von Korsika mit der Fähre nach Nizza gefahren, hatten etwas Zeit in und um Nizza verbracht und waren am Abend in den russischen Nachtzug von Nizza in Richtung Moskau gestiegen.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/084-Korsika/84-000Karte.jpg)
Tag 5: Nachtzug – Innsbruck - Graz
Als wir am Morgen den ersten Blick durch die Jalousie des Schlafwagenabteils werfen, fährt der Zug gerade durch das Etschtal in Richtung Brenner.
Zur vereinbarten Zeit bringt ein Betreuer aus dem polnischen Speisewagen das Frühstück. Zum Frühstück wechseln wir in den Barbereich am Wagenende. Wer ein herzhaftes Frühstück bevorzugt, kommt hier auf seine Kosten, Süßmäuler eher weniger.
Während wir auf Korsika einen herrlichen Spätsommer genießen durften, macht sich am Brenner der Herbst bemerkbar. Und zwar nicht mit einem goldenen Oktober, sondern mit einem grauen Regentag.
Rund 50 Stunden dauert die Reise von Nizza bis Moskau, sie führt angeblich über 6 Grenzen – dabei hat man im Fahrplan doch glatt die Grenzübertritte nach und von Monaco unterschlagen. In strömendem Regen fahren wir nun auf der Brennerbahn hinab nach „Insbruck“.
In Innsbruck beenden wir nun den interessanten Ausflug in die Welt der russischen Langstreckenzüge. Der Zug hat in Innsbruck eine halbe Stunde Aufenthalt, und so treffen wir später beim Bahnhofsbäcker russische Fahrgäste aus dem Zug, die den Aufenthalt für eine Einkaufsrunde durch den Bahnhof nutzen.
Russland würde mich schon auch mal interessieren, gegen eine Weiterfahrt mit dem Zug sprachen aber unsere Urlaubsplanung und die Visumproblematik. Der Nachtzug fährt weiter nach Wien – da wollen wir zwar auch hin, aber auf einem anderen Weg.
Heute stehen noch einige Stunden Bahnfahrt auf dem Programm, da nutzen wir die Zeit, um uns etwas die Beine zu vertreten. Der Weg führt uns durch die Maria-Theresien-Straße bis zum Goldenen Dachl, dem Wahrzeichen von Innsbruck.
Wirklich schön für einen Stadtbummel ist das Wetter allerdings nicht, und so kehren wir bald zum Hauptbahnhof zurück und nutzen die verbleibende Zeit für einen Besuch in der neugestalteten ÖBB Lounge, wo auf Bildschirmen nun eine Berglandschaft mit 3.000er-Gipfel vorbeizieht.
Mit dem EC Transalpin fahren wir weiter nach Graz. Der Zug kommt aus Zürich und über den Arlberg, er führt einen Panoramawagen der SBB. Etwa sechs Stunden fahren wir mit dem Zug durch Österreich.
Allerdings haben wir einen grauen und verregneten Tag erwischt, die meiste Zeit prasseln Regentropfen gegen die Panoramascheiben. Ich beschränke mich deshalb auf ein Alibi-Bild aus dem Saalfeldener Becken und habe ansonsten keine vorzeigbaren Bilder von der landschaftlich eigentlich reizvollen Strecke. Aber egal, die Strecke kenne ich schon, wer die Strecke bei herrlichem Sommerwetter erleben möchte, findet hier einen passenden Reisebericht.
Am Abend erreichen wir schließlich Graz. Wir bringen zunächst das Gepäck ins Hotel und starten dann zu einem Abendspaziergang durch die zweitgrößte Stadt Österreichs.
Vorbei an der Franziskanerkirche laufen wir erst Richtung Altstadt, entscheiden uns dann aber doch für den Aufstieg...
...auf den Schlossberg zum Grazer Uhrturm und lassen von dort den Blick über die Stadt schweifen.
Das Grazer Rathaus präsentiert sich bei unserem Besuch in einer ungewohnten Farbgebung als Teil des Pink Ribbon Global Illumination Projects. Schließlich beenden wir den Stadtrundgang an der Murinsel.
Tag 6: Graz – Wiener Neustadt – Wien – Linz – München – Ulm – Radolfzell – Konstanz
So, der letzte Reisetag ist angebrochen, heute steht die Mission „Kauf einer Sachertorte“ auf dem Programm, anschließend geht’s nach Hause. Auch wer sich weniger mit Backwerk auskennt, wird Sachertorte mit Wien verbinden – warum sind wir dann nach Graz gefahren? Die Antwort ist simpel: weil es sich zum Streckensammeln anbot.
Heute geht es wieder mal recht früh los, kurz nach sieben Uhr fährt unser Zug. So gibt es das Frühstück diesmal vom Bahnhofsbäcker und den Kaffee in der ÖBB Lounge. Auch hier haben die neue Inneneinrichtung und die Monitore mit dem Bergpanorama Einzug gehalten.
Wenn man von Graz nach Wien fährt, wird man in der Regel mit Fernverkehrszügen über die Semmeringstrecke fahren. Die Semmeringbahn ist landschaftlich toll und immer eine Bereisung wert, allerdings hatte ich schon lange im Sinn, mal „hintenrum“ über Fehring nach Wien zu fahren – und das passt heute gut in die Planung.
Mit einem Desiro starten wir in Graz. Als Zugziel wird Fehring angezeigt, der Zug ist jedoch durchgebunden bis Wiener Neustadt. Von Graz bis Fehring verkehrt der Zug als S 3, dann wird er zum R 2732 und ab Hartberg wechselt die Zuggattung zum REX.
Der Zug befährt zunächst die Steirische Ostbahn. Die Strecke führt durch die sanft wellige Landschaft des Oststeirische Hügellands und folgt dann dem Fluss Raab bis Fering. Die Steirische Ostbahn führt ab Fehring weiter in Richtung Ungarn, unser Zug fährt nun jedoch nach Norden auf die Thermenbahn.
Es geht gleich weiter...
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