Mit Odakyu nach Hakone (Reiseberichte)

mrhuss, FKON, Donnerstag, 18.04.2019, 03:53 (vor 2537 Tagen)

Meine Frau und ich befinden uns gerade auf einer Weltreise und eines meiner erklärten Ziele dabei ist, in allen bereisten Ländern mit möglichst vielen Zügen zu fahren. Deshalb haben wir noch in der ersten Woche schon zwei Ausflüge mit der Eisenbahn unternommen, konkret mit der Odakyu-Bahn.

Ziel des ersten Ausflugs war die Hakone-Region. Warum diese vulkanisch aktive Gegend so ein attraktives Ausflugsziel ist, könnt Ihr, denke ich, den Bildern entnehmen, die weiter unten folgen werden, entnehmen.

In etwas über 80 Minuten kommt man von Shinjuku mit einem zuschlag- und reservierungspflichtigen “Limited Express” nach Hakone-Yumoto.

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Der Führerstand des Lokführers befindet sich in den Zügen der Serie 50000 erhöht, so dass Fahrgäste im ersten Wagen vorne raus schauen können. Es gibt nur eine Klasse im Zug und die Plätze vorn kosten nicht mehr, sind aber normalerweise schon lange im Voraus reserviert.

Um von Hakone-Yumoto weiter in die Bergregion zu kommen, muss man in einen Zug der Hakone-Tozan-Eisenbahn umsteigen, die ebenfalls zur Odakyu gehört. Im Gegensatz zu den anderen Odakyu-Zügen, die auf 1067mm Schmalspur unterwegs sind, fährt die Hakone-Tozan-Bahn von Hakone-Yumoto nach Gora auf Normalspur. Es besteht übrigens seit 1979 eine Partnerschaft mit der Rhätischen Bahn in der Schweiz.

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Auf dem Weg nach Gora liegen insgesamt drei Spitzkehren. In einer Spitzkehre müssen wir den Gegenzug abwarten. Man sieht auf dem Bild übrigens auch ganz gut die für eine Adhäsionsbahn immense Steigung von etwa 8%. In der Bergregion blühen einige Bäume noch, während die Kirschblütesaison im Flachland gerade vorbei ist.

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In Gora blüht noch viel.

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Von hier sieht man an einem gegenüberliegenden Berg das Zeichen für “groß”.

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Von Gora noch weiter nach oben kommt man mit der Hakone-Tozan-Standseilbahn und noch weiter nach oben mit einer Luftseilbahn. Und die Aussicht von dort ist einer der Gründe, warum die Hakone-Region so beliebt ist!

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Aus der Seilbahn hat man nämlich eine hervorragende Aussicht auf den heiligen Berg Japans, den Fuji.

Während der letzte Ausbruch des Vulkans 1707 war, ist direkt unter der Seilbahn die Aktivität des Hakone-Vulkans durchaus hoch. Aus allen Löchern qualmt es und es riecht arg nach Schwefel.

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Nicht ohne Grund werden Asthmatiker und andere Kranke nicht mit der Seilbahn befördert.

Die Seilbahn führt auf der anderen Seite des Vulkans zum Ashi-See. Den kann man mit Fähren überqueren, die als Piratenschiffe getarnt sind. Ein Torii markiert den Hakone-Schrein und über allem thront der Fuji.

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Wir hatten ein riesiges Glück mit dem Wetter. Während man ja hört, dass sich der Fuji oft in Nebel und Wolken hüllt, war das bei unserem Ausflug glücklicherweise überhaupt nicht der Fall!

Der Rückweg vom Ashi-See führte uns dann recht unspektakulär mit dem Bus zurück zum Bahnhof von Hakone-Yumoto. Am Bahnsteig stand ein Limited Express nach Shinjuku mit einem Romancecar der Serie 30000, aber für unseren reservierten Zug waren wir noch über 20 Minuten zu früh dran.

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Zum Abschluss noch ein Bild eines Lokalzugs nach Odawara.

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In einem folgenden Beitrag berichte ich dann noch von unserem zweiten Ausflug nach Enoshima und Kamakura.

Mit Odakyu nach Enoshima

mrhuss, FKON, Donnerstag, 18.04.2019, 06:44 (vor 2537 Tagen) @ mrhuss
bearbeitet von mrhuss, Donnerstag, 18.04.2019, 06:45

Der zweite Ausflug mit der Odakyu-Eisenbahn führte uns nach Enoshima und Kamakura, Luftlinie etwa 50km südlich von Shinjuku.

Zunächst noch kurz etwa zur Odakyu-Eisenbahn an sich: Die Hauptstrecke der Odakyu hat ihren Ausgangs- und Endpunkt im Tokioter Bahnhof Shinjuku. Das ist nach Passagieraufkommen einer der größten Bahnhöfe der Welt. Dabei gehören vom Riesenbahnhof Shinjuku nur 5 Kopfgleise zur Odakyu, die sich außerdem über zwei Stockwerke aufteilen. Die Expresszüge fahren auf 3 Gleisen im Erdgeschoss ab, die Lokalzüge im Tiefgeschoss. Das alles ist in einem besonderen Bereich, so dass der Trubel hier nicht ganz so schlimm ist, wie man sich das für Tokio vorstellt. Wir waren allerdings auch nicht zu den Hauptverkehrszeiten unterwegs. Die Odakyu-Hauptstrecke teilt sich von Shinjuku kommend in 3 Äste auf, nach Hakone-Yumoto über Odawara, Enoshima über Fujisawa und Tama. Ein Teil der Züge fährt dabei nicht von bzw. nach Shinjuku, sondern zweigt kurz vorher ab und fährt auf den Gleisen der Tokioter Metro unterirdisch weiter.

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Links in der Mitte auf dem Plan ist die Odawara-Linie, mit der wir tags zuvor in die Hakone-Region gefahren sind. Oben ist die Tama-Linie, rechts unten die Verbindung zur Metro und links unten die Enoshima-Linie. Die verschiedenen Farben kennzeichnen die unterschiedlichen Zuggattungen. Es gibt Local, Semi-Express, Express, Rapid Express und Limited Express, wobei der Limited Express keine eigene Farbe hat, sondern die Halte nur durch Symbole an den Stationen gekennzeichnet sind. Die Limited Express-Züge sind zuschlag- und reservierungspflichtig und werden mit den Romance-Car-Triebwagen gefahren.

Direkt hinter dem Bahnhof Shinjuku, mitten in der Stadt, befindet sich ein Bahnübergang.

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Im Bildhintergrund laufen die vier Gleise zusammen und es geht zweigleisig weiter, rechts verschwindet die Linie im Tunnel und die beiden äußeren Gleise verlaufen ins Erdgeschoss des Odakyu-Teils von Shinjuku während die mittleren Gleise für die Lokalzüge ins Tiefgeschoss gehen. Bei dem dichten Bahnverkehr, der dort herrscht, fahren auch schon mal 5 Züge durch, bevor die Schranken wieder hoch gehen. Kein Wunder, dass über diese Straße der Autoverkehr nicht so stark ist.

Ich hoffte für unsere Fahrt nach Enoshima auch wieder auf einen Limited Express, allerdings fahren die in diese Richtung wohl nur am Wochenende. So mussten wir mit dem gewöhnlichen Rapid Express vorlieb nehmen, aber dafür war es dann auch billiger. Da die Odakyu eine private Bahngesellschaft ist, gilt der JR Rail Pass übrigens hier nicht. Es gibt aber für die Hakone- und Enoshima-Regionen jeweils Ausflugstickets von Odakyu, die Hin- und Rückfahrt von Shinjuku sowie beliebige Fahrten in der Zielregion erlauben.

Wer lieber mit der JR unterwegs ist, erreicht Fujisawa und Kamakura auch damit. Für die Fahrt nach Enoshima ist die Alternative dann, bis Ofuna zu fahren und von dort die Shonan Monorail, eine Einschienen-Hängebahn, zu nehmen.

Wir fuhren mit der Odakyu-Enoshima-Linie wir zum Bahnhof von Fujisawa, dort mussten wir in die Enoshima Dentetsu, kurz Enoden, umsteigen, die auch zu Odakyu gehört.

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Die eingleisige Strecke verläuft unter beengten Verhältnissen zwischen Häusern und an einer Stelle auch wie eine Straßenbahn.

Video einer Fahrt von Enoshima nach Koshigoe

Ziel unserer Fahrt war zunächst der Endbahnhof Kamakura. Dort befindet sich in einem Park ein bekannter und sehenswerter Shinto-Schrein.

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Unser nächstes Ziel war der Ort Hase. Dort besuchten wir eine riesige Buddha-Statue.

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Das dritte und letzte Ziel unseres Ausflugs war die Insel Enoshima. Dorthin ging es natürlich wieder mit der Enoden.

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Die Insel ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden. Enoshima ist bekannt für seine Schreine, …

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… seinen Leuchtturm …

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… und auch als “Katzeninsel”, wobei wir tatsächlich nur wenige Katzen gesehen haben, die meisten davon in einem Hello-Kitty-Laden.

Auf den Berg, auf dem der Leuchtturm steht, kann man sich übrigens gegen Bezahlung auch mit Rolltreppen hochfahren lassen.

Falken gab es übrigens bedeutend mehr als Katzen.

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Bei Sonnenuntergang machten wir uns auf den Rückweg nach Shinjuku. In der Ferne grüßt der Fuji-san.

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どうも有難う!

JanZ, HB, Donnerstag, 18.04.2019, 13:19 (vor 2537 Tagen) @ mrhuss

Danke für den Bericht und die tollen Bilder!

Wenn ihr eine Weltreise macht, dann besucht ihr doch sicher mindestens alle Länder der Welt mit einer Eisenbahn, oder ;-)?

Lustig, dass der eine Ort in den Bergen Gora heißt, das ist nämlich russisch für „Berg“.

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Wenn man sowas in Japan sieht, sagt man „Toll, diese japanische Gründlichkeit“. In Deutschland würde man sagen „Scheiß-ÖPNV, das versteht doch kein Mensch“ :-).

Kein Wunder

J-C, In meiner Welt, Donnerstag, 18.04.2019, 14:07 (vor 2536 Tagen) @ JanZ

Wer versteht schon japanisch?

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

どうも有難う!

worfie, Donnerstag, 18.04.2019, 16:30 (vor 2536 Tagen) @ JanZ

Wenn man sowas in Japan sieht, sagt man „Toll, diese japanische Gründlichkeit“. In Deutschland würde man sagen „Scheiß-ÖPNV, das versteht doch kein Mensch“ :-).

Ist es in Deutschland nicht eher ganz im Gegenteil sogar noch komplizierter?
Da hast du dann in den Zügen Netzspinnen, die nicht nur eine Bahngesellschaft sondern die Strecken von X verschiedenen Gesellschaften zeigen, aber dafür dann alles mit einer einzigen Linie - egal, welche Zugtypen darauf eingesetzt werden - dargestellt.
Da weißt du als Außenstehender halt überhaupt nicht, welche Bahnhöfe z.B. nur vom RE und welche auch von der RB bedient werden.

どうも有難う!

agw, NRW, Donnerstag, 18.04.2019, 18:53 (vor 2536 Tagen) @ worfie

Wenn man sowas in Japan sieht, sagt man „Toll, diese japanische Gründlichkeit“. In Deutschland würde man sagen „Scheiß-ÖPNV, das versteht doch kein Mensch“ :-).


Ist es in Deutschland nicht eher ganz im Gegenteil sogar noch komplizierter?
Da hast du dann in den Zügen Netzspinnen, die nicht nur eine Bahngesellschaft sondern die Strecken von X verschiedenen Gesellschaften zeigen, aber dafür dann alles mit einer einzigen Linie - egal, welche Zugtypen darauf eingesetzt werden - dargestellt.
Da weißt du als Außenstehender halt überhaupt nicht, welche Bahnhöfe z.B. nur vom RE und welche auch von der RB bedient werden.

Eigentlich nicht. Eigenlich sieht es bei uns doch genauso aus wie auf dem Foto.

--
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Netzpläne in D

JanZ, HB, Donnerstag, 18.04.2019, 19:00 (vor 2536 Tagen) @ agw

Finde ich auch, wobei da natürlich jedes/r Verbund/Unternehmen/Aufgabenträger sein eigenes Süppchen kocht.

Eigenes Süppchen

mrhuss, FKON, Samstag, 20.04.2019, 16:20 (vor 2534 Tagen) @ JanZ

Finde ich auch, wobei da natürlich jedes/r Verbund/Unternehmen/Aufgabenträger sein eigenes Süppchen kocht.

Dafür kocht in Japan jeder Betrieb sein eigenes Süppchen was Netzpläne und auch Tarife angeht. Und das sind viele. Die ganz normale U-Bahn in Tokio wird schon von zwei verschiedenen Anbietern betrieben (und damit meine ich nur die Metros, die beiden Einschienenbahnen und die gummibereifte Yurikamome sind nochmal jeweils eigene Betriebe), dazu kommen noch unzählige Privatbahnen mit eigenen Strecken und natürlich die staatliche JR mit einem ebenfalls sehr dichten Netz.

Mit Odakyu nach Enoshima

sflori, Donnerstag, 18.04.2019, 14:20 (vor 2536 Tagen) @ mrhuss

Direkt hinter dem Bahnhof Shinjuku, mitten in der Stadt, befindet sich ein Bahnübergang.

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Ahaaaaaaaa! Genau DEN hab ich gemeint. Da iss was los, ne? Kleines Sushi auf die Hand kaufen und dann Züge spotten ohne Ende. Als Eisenbahnfan ein MUSS! :)


Bye. Flo.

Mit Odakyu nach Enoshima

heinz11, Donnerstag, 18.04.2019, 22:07 (vor 2536 Tagen) @ sflori

Direkt hinter dem Bahnhof Shinjuku, mitten in der Stadt, befindet sich ein Bahnübergang.

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Ahaaaaaaaa! Genau DEN hab ich gemeint. Da iss was los, ne? Kleines Sushi auf die Hand kaufen und dann Züge spotten ohne Ende. Als Eisenbahnfan ein MUSS! :)

O.K., machen wir das nächste Forentreffen dort, oder?
;-)

Vielen Dank!

ktmb, Donnerstag, 18.04.2019, 09:45 (vor 2537 Tagen) @ mrhuss
bearbeitet von ktmb, Donnerstag, 18.04.2019, 09:48

Vielen Dank! Einen Triebwagen bezüglich der Partnerschaft beider Bahnen habe ich erst am letzten Donnerstag in luftiger Höhe bei der Rhb gesehen. Bin dabei auch kurz mit zwei Japanern darüber ins Gespräch gekommen, die im selben Wagen waren.
Grüße nach Japan

Bonus: Shinkansen

mrhuss, FKON, Samstag, 20.04.2019, 16:27 (vor 2534 Tagen) @ ktmb

Kleiner Nachtrag und eigentlich das einzige, was wenigstens halbwegs on-topic ist, noch kurz ein paar Bildchen vom Tokioter Hauptbahnhof und den Triebwagen vom Typ N700.

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Die in pink gekleideten Frauen und in blau gekleideten Männer ganz links auf dem zweiten Bild werden übrigens wenige Augenblicke später den eingefahrenen Zug stürmen und säubern, so dass der nach ein paar Minuten schon wieder bereit für den Rückweg ist.

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In der Zugmitte ist aus welchen Gründen auch immer die Hochspannungsleitung über diese Isolator-Kontruktion verbunden. An den anderen Wagenübergängen sind die nicht.

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Innenansicht aus einem Green Car (entspricht 1. Klasse) mit 2+2-Bestuhlung. Da die Wagenkastenbreite größer ist als beim ICE entspricht das in etwa der 2+1-Bestuhlung bei uns. Die Sitze sind elektrisch verstellbar und zusätzlich zum Klapptisch im Vordersitz gibt es noch einen ausklappbaren Tisch in der Armlehne. Platz für Gepäck ist eher wenig.

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