Grenzenlose Freiheit: ein Tag zwischen Köln und Frankfurt (Reiseberichte)
(leider ohne Fotos)
Eigentlich hat es damit angefangen, dass mein Ehegatte und ich am Wochenende den Verwandten im Raum Dortmund einen Besuch abstatteten. Am Sonntag morgen war es dann Zeit für die Heimfahrt. Nur: die Heimfahrt sollte mit einem Freifahrtticket der Deutschen Bahn stattfinden. 16 Mal pro Jahr haben die DB-Mitarbeiter (und 8 Mal ihre Ehepartner und Kinder) eine Möglichkeit, mit einem solchen Tagesticket einen ganzen Tag lang deutschlandweit zu reisen, nach Lust und Laune, ohne jegliche Vorplanung und überall, wo die Züge der DB nur hinfahren. Grenzenlose Freiheit auf der Schiene, sozusagen. Und für mich schien gerade im Moment wie eine ungeheuere Verschwendung, mit einem solchen Ticket "nur" nach Hause zu reisen.
Also machte der Ehegatte sich auf den Weg in Richtung Hamburg - und ich in die genaue Gegenrichtung. Der Plan bestand nämlich daraus, die zwei schönsten und besonderen Bahnstrecken in Deutschland auszukosten: die Rheinstrecke und die KRM. Die Rheinstrecke hatte ich vorher nur einmal im Leben, an einen trüben Februarabend befahren, die KRM nur in der Nacht. Als Bordpersonal aus Hamburg kommt man auch nicht so oft darauf. Und nun scheint die Sonne, der Fahrschein liegt in der Tasche, und die große weite Bahnwelt ruft.
Also steige ich in den nächstbesten ICE ein und fahre nach Köln und weiter auf die KRM. Nur der nächstbeste ICE war ein 4er, dazu hat man in Köln an ihm einen technischen Defekt gefunden, so dass er nicht mehr seine vollen 250 km/h ausfahren konnte. Das war mir natürlich nicht gut genug. Angekommen in Frankfurt Flughafen, schaue ich auf den Fahrplan und sehe einen gleich eintreffenden ICE 3 Richtung Amsterdam. Also schnell runter zum Bahnsteig, reinspringen (wie gut, dass ich meistens minimalistisch und ohne schweres Gepäck unterwegs bin) und los geht's zurück nach Kölle - zum Glück ohne Limburg und Montabaur. Ich kaufe im Bordbistro einen kleinen Pils, und als die Zahl 300 km/h auf dem Display erscheint, trinke ich einen auf die Bahn und die grenzenlose Freiheit. Das ist ganz schickes Reisen!
50 Minuten später war ich wieder in Köln, und nun stand die nächste Etappe der großen Fahrt bevor. Fragt mich nicht nach die Zugnummer der Züge, mit denen ich gefahren bin - davon habe ich keine in Erinnerung. So was wie einen genauen, vorher ausgearbeiteten Plan hatte ich auch keinen. Einfach nur das nächste Ziel erreichen, umschauen, wie ich von dort weiterkomme und ganz spontan irgendwo einsteigen. Also rein in den Eurocity Richtung Zürich und auf die Rheinstrecke. Zuerst auf die rechte, vorbei am Königswinter und einem meiner geliebten Wandergebiete - dem Siebengebirge. Dann ab Koblenz auf die linke, vorbei an malerischen Burgruinen, am Loreley-Felsen, am Bingen am Rhein, dem vermutlichen Geburtsort der gesamten deutschen Musik. Der Eurocity gleitet gemächlich dahin, legt sich sanft in die Kurven, und hinter jeder Kurve öffnet sich eine neue gewaltige Panorama. Ich finde irgendwo im Gang ein Fenster, das anscheinend kaputt ist und nicht richtig zugeht, stelle mich davor und genieße den Fahrtwind.
Fotos habe ich auf dieser Reise keine gemacht. Fotografieren aus einem Zugfenster ist meistens eine ziemlich unbequeme Gelegenheit, das Bild wird immer wieder gestört durch Bäume, Oberleitungsmasten und Köpfe anderer Fahrgäste. Und von der Rheinstrecke gibt es sowieso tausende Bilder, gemacht von besseren Fotografen als ich. Also ließ ich es bleiben und erfreute mich einfach an den Aussichten, so wie sie nacheinander am Zugfenster vorbeiflogen.
So geht es bis nach Mannheim, wobei ich merke, dass die Rheinstrecke hinter Mainz schon bald vorbei ist. Ausssteigen, eine kleine Mahlzeit zu mir nehmen, dann rein in den ICE nach Frankfurt Flughafen - und nochmals auf die Rennbahn. Bei der Ausfahrt aus dem Flughafenbahnhof sehe ich einen Boeing, der gerade die Landebahn ansteuert. Einige Momente lang scheinen der ICE und der Flieger gerade Seite an Seite zu fahren, wie bei einem Wettrennen.
Eigentlich hatte ich vor, bei der nächsten Ankunft in Köln schon Feierabend zu machen und mich nach Hause begeben... Dann sah ich auf dem Fahrplan einen anderen Intercity, der in einigen wenigen Minuten sich auf dem Weg über Koblenz und Mainz machen würde und dachte, dass der Tag noch lang ist, und warum eigentlich nicht noch mehr Gebrauch von meiner Fahrkarte machen? Also wiederholte ich die ganze Runde noch ein zweites Mal: die Rheinstrecke und gemächliches Dahingleiten (diesmal aber nur bis Mainz) - Fahrt zum Frankfurt Flughafen - und danach mit dem ICE 3 und 300 Sachen (immer noch ohne Limburg und Montabaur!) auf der KRM.
Im Licht der Abendsonne fuhr der ICE 3 eine Umleiterstrecke auf die Südbrücke Köln (auf der Hohenzollernbrücke gibt es derzeit Bauarbeiten), rund um die Stadt und blieb in dem Schatten des Doms stehen. Ich stieg aus, ging noch kurz zum Dom, und dann war schon endgültig Zeit für die Heimfahrt.
Mit dem leicht verspäteten IC, der ungefähr um 22:30 in Hamburg Altona eintraf, war für mich diese Reise zu Ende. Nach sehr grober Einschätzung habe ich an dem Tag zwischen 1900 und 2000 Kilometer zurückgelegt.
PS. Ich habe immer noch einen Ohrwurm von dem anfahrenden ICE 3 sowie das Hauptmusikthema zum Film "1492 - Die Eroberung des Paradieses", welches mich auf der Reise begleitet hat, in den Ohren :-)
Danke an alle, die meine Geschichte bis zum Ende gelesen haben und
Liebe Grüße aus Hamburg
--
"Ich hab dich lieb, ICE", sage ich.
"Ich dich auch, Leonie", sagt der ICE.
Aus "Tausche Wohnung gegen Bahncard" von Leonie Müller
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Verreisende,
15.04.2019, 16:10
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Bm235,
15.04.2019, 18:12
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logis016,
16.04.2019, 11:41
- Grenzenlose Freiheit: ein Tag zwischen Köln und Frankfurt - Verreisende, 17.04.2019, 15:33
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logis016,
16.04.2019, 11:41
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ICE-TD,
15.04.2019, 18:32
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sflori,
15.04.2019, 22:16
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gnampf,
16.04.2019, 08:08
- nun ... - Blaschke, 17.04.2019, 16:01
- Grenzenlose Freiheit: ein Tag zwischen Köln und Frankfurt - Verreisende, 17.04.2019, 16:09
- Topendgeil! - Blaschke, 17.04.2019, 15:46
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Bm235,
15.04.2019, 18:12