Berlin-Düsseldorf, eine Baustelle von 564 km... Weltrekord? (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
im Wochenende ging die Reise nach Berlin.
Berlin, immer eine Reise wert.
Für mich hat die Reise gelohnt; bei einem Breitensportturnier durfte ich einen Pokal und eine Medaille mit nach Hause nehmen.
Das heisst: die Reise als Mittel zum Ziel hatte gelohnt. Die Reise als Ziel an sich leider nicht so.
Auf der Hinfahrt am Freitag habe ich schon erfahren, dass es auf Stendal-Spandau nur mit 160 km/h vorwärts ging, nicht wegen LZB-Störung (meine erste Verdacht) sondern einer Baustelle. Ich berichtete schon eher.
Na gut, die längere Fahrzeit war schon im Fahrplan drin ("Baustellenfahrplan"). Dennoch passierte es, dass wir in Spandau noch pünktlich waren, im Hbf aber nicht mehr. Angeblich wurde dort auch gebaut.
Im Pension hatte ich meine geplante Rückfahrt wegen schlechter Erfahrungen storniert zugünsten einer früheren Verbindung. Also ging es um n:02 ab Berlin Hbf los mit ICE nnn [1].
[1] Uhrzeit und Nummer bei mir bekannt aber wegen Datenschutz zensuriert.
Bereits in Bahnhof Zoo kamen wir zum Stehen. Lautsprecherdurchsage: Bauarbeiten, es sei alles geplant. Man hätte auch die wartenden Fahrgäste reinlassen können, dann hätten die auch etwas vom Zug... :(
Erst nach 22 Minuten fahren und stillstehen erreichten wir Spandau, Standzeit 12 Minuten. Also dauerte es mehr als eine halbe Stunde, um Berlin zu verlassen. Zum Vergleich: in einer halben Stunde reise ich hier in NL von Utrecht nach Amsterdam.
Die Weiterfahrt über die Rennbahn kann man beschreiben als "deutsche Strecke, deutscher Zug, deutsches Fahrverhalten, niederländische Reisezeiten".
Bis Stendal-Umfahrung war nicht mehr als 160 km/h drin. Das schafft das HSL-Surrogat auf unsere Rennbahn auch. Na gut, im ICE ist es besser auszuharren als in einem HSL-Surrogatzug.
Irgendwo bei Vinzelberg oder so stehen wir wieder; die parallele Bummelbahn überholt us. Mit ICE hat das ganze nur wenig zu tun. Mal wieder die Durchsage dass wir wegen Bauarbeiten zum Stehen gekommen sind. Das ganze nochmal bei etwa Meinersen. Auch dort wurde angeblich gebaut.
Hannover wurde n+2:30 erreicht. Spandau-Hannover also 2 Stunden. Ich erinnere mich Forumbeiträge in denen das in 90 Minuten machbar sein sollte. In China reist man sowas in 75 Minuten.
In Haste stehen wir wieder: Bauarbeiten. Gibt es eigentlich eine Strecke in Deutschland wo nicht gebaut wird? Das ganze wiederholte sich in Gütersloh und Beckum. Und diesmal reichte der Fahrzeitpuffer nicht mehr aus: wir erreichten Hamm mit +10.
In Nordbögge stehen wir wieder: Bauarbeiten. Übrigens habe ich in allen Fällen keine Baumitarbeiter gesehen. Lasse ich es mal bei unsichtbaren Kräften der Bahn belassen.
Inzwischen haben wir so oft extra gehalten, dass ich auch einen IC nehmen könnte; der hält auf dieser Strecke ja auch 5x mehr als der ICE, aber dann dort, wo er halten muss.
Dann erreichen wir Dortmund. Wäre ich eine Verbindung früher gefahren, dann müsste ich hier auf den RE 1 umsteigen um in Düsseldorf zu gelangen; der ICE endete in Duisburg. Ich nehme mal an: Baustelle Duisburg-Düsseldorf? Der RE 1 war übrigens eher in Duisburg als der ICE, trotz Halte in Wattenscheid und Mülheim. Baustelle?
Gut, nach 5,5 Stunden war die ICE-Fahrt vorbei und konnte ich auf die eurobahn umsteigen. Bei Korschenbroich standen wir mal wieder. Baustelle? Nein, verspätete S-Bahn.
Um n+6:56 bin ich dann endlich in Venlo. Ich steige auf den "IC" nach Eindhoven um. Wir stehen viermal = dort wo der "IC" halten muss. So wie in Helmond, wo ein anderer Zug auch ohne Verspätung unterwegs war: der örtliche Karnevalszug.
Ich erreiche Eindhoven pünktlich (n+7:45); auf dem Nachbargleis steht der IC nach Den Haag. Hat die Bahn doch noch funktioniert, auch wenn ich dafür eine Staatsgrenze überqueren musste.
Zu Hause denke ich mal wieder an die Chinesen. In 15 Jahren 20.000 km Rennbahnen, Respekt. Mal sehen ob die in 15 Jahren auch 20.000 km Rennbahngleise erneuern können. Irgendwann sind die Rennbahnen dort ja auch abgenutzt.
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Ich verstehe, dass nicht nur Prorail sondern auch DB Netze bauen muss. Aber Prorail hat zumindest noch sowas wie Baustellenmanagement. Hier würde es niemals passieren, dass Amsterdam-Maastricht (220 km) eine einzige lange Baustelle ist. Dann wohl eher Den Bosch-Utrecht Baustelle mit SEV mit Bussen und auf der restlichen Strecke vielleicht weniger Züge aber immerhin mindestens halbstündlich ein Zug.
Gut, ich bleibe mal positiv. Ich hatte eine Stunde mehr um meine Erfahrungsbericht über das Breitensportturnier zu schreiben. Dank Steckdose. Die gibt es ja nicht im HSL-Surrogat. Dafür hoffentlich im neuen IC200-Triebwagen (siehe Unterschrift).
gruß,
Oscar (NL).
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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!
Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.