Mit dem Nachtzug nach Lissabon 7/7 | 66 B (Reiseberichte)
Bordeaux ist nun die letzte größere Station auf unserer Tour, die weiteren Halte dienen nur noch dem Umsteigen. Die Metropole im Südwesten Frankreichs ist auch unser letzter Übernachtungsort, und so erkunden wir am Abend die Stadt an der Garonne, hier der Place de la Bourse.
Der bedeutendste Sakralbau in Bordeaux ist die Kathedrale Saint-André.
Abseits der Kathedrale steht der Tour Pey-Berland, der Glockenturm gehört eigentlich zur Kathedrale, er wurde 1466 freistehend gebaut, um die Kirche vor den Vibrationen der Glocken zu schützen. Mangels Glocken wurden der Turm zeitweise auch als Wohnturm und als Bleifabrik genutzt, 1851 kaufte die Kirche den Turm zurück und versah ihn wieder mit Glocken.
Bordeaux liegt an der Garonne, die im Stadtgebiet eine beachtliche Breite hat. Einige Kilometer flussabwärts beginnt der Mündungstrichter, daher sind die Gezeiten bis in das Stadtgebiet zu beobachten und der Pegel hebt und senkt sich um 4 bis 5 Meter.
Eines der wenigen Zeugnisse aus dem Mittelalter ist das frühere Stadttor Porte Cailhau, es wurde 1495 zu Ehren von Karl VIII. zum Ufer der Garonne hin errichtet.
Und zum Abschluss nochmals ein Bild der Place de la Bourse, diesmal mit abendlicher Beleuchtung. Im Vordergrund sieht man die Gleise der Straßenbahn, die seit 2003 wieder in der Stadt fährt. Um das Stadtbild nicht zu stören, verkehrt die Straßenbahn abschnittsweise oberleitungsfrei. Rechts ist übrigens eine Haltestelle zu sehen – um das architektonische Ensemble an der alten Hafenbörse nicht zu beeinträchtigen, wurde die Haltestelle minimalistisch ausgeführt und besteht nur aus Bahnsteig und Bänken. Von dort fahren wir nun mit der Linie C zum Hotel am Bahnhof Bordeaux-Saint-Jean.
Tag 8: Bordeaux – Strasbourg – Offenburg - Konstanz
So, letzter Reisetag, ein paar hundert Kilometer, gut 9 Stunden Reisezeit und zweimal Umsteigen liegen noch vor uns. Weit haben wir es heute nicht bis zum Bahnhof...
...denn der ist schon vom Hotelzimmer aus zu sehen. Der Bahnhof Bordeaux-Saint-Jean in der heutigen Form wurde 1898 eröffnet und hat die Funktion eines Hauptbahnhofs.
Die 56 Meter breite Halle wird von einem 17.000 Quadratmeter umfassenden Dach überspannt, dieses wurde von Gustave Eiffel gebaut, es gilt als eine der größten Bahnhofsüberdachungen Europas. Am Bahnsteig steht eine TGV-Doppeltraktion, der Zug wird unterwegs in Marne la Vallée-Chessy geflügelt, wir fahren mit dem hinteren Zugteil bis Strasbourg.
Der vordere Zugteil ist doppelstöckig, auf dem Ast nach Strasbourg wird ein einstöckiger TGV Réseau eingesetzt. Da wir nun eine ganze Weile mit dem Zug unterwegs sein werden, lohnt es sich auch, die Technik auszupacken und das mit ausliegenden Flyern beworbene WLAN („TGV connect“) zu testen.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/083-Spanien-Portugal/83-338TGV-Portal.jpg)
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/083-Spanien-Portugal/83-339TGV-Portal.jpg)
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/083-Spanien-Portugal/83-341TGV-Portal-Karte.jpg)
Hä, haben wir uns verfahren? Oder zeigt die Beta-Version noch Schwächen? Nun, offensichtlich ist die erst knapp zwei Monate vor unserer Reise eröffnete Schnellfahrtstrecke LGV Sud Europe Atlantique noch nicht in der Karte hinterlegt. Seit der Eröffnung der Strecke benötigen die schnellsten Züge für die 537 Kilometer von Bordeaux nach Paris nur noch gut zwei Stunden.
Die Strecke führt durch die überwiegend flache Landschaft des aquitanischen Beckens. Die Landschaft ist nicht hässlich, aber auch nicht spektakulär. Immer wieder quert die Strecke Flüsse wie die Indre auf dem nächsten Bild.
Im Großraum von Paris biegt der Zug nun nach Osten ab, hier fahren wir bei Choisy-le-Roi über die Seine, etwas flussabwärts liegt Paris.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/083-Spanien-Portugal/83-345TGV-Portal-Badge.jpg)
Juchu, mein erster Badge! So ein 300-kmh-Diplom ist ja eine nette Idee. Nur blöd, dass ich nicht bei Facebook und Twitter bin und den Badge gar nicht teilen kann.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/083-Spanien-Portugal/83-346TGV-Portal-Karte.jpg)
Wirklich pünktlich sind wir nicht unterwegs, für Strasbourg ist eine Verspätung von 25 Minuten prognostiziert. Da wir dort aber fast eine Stunde Aufenthalt haben, ist das kein Problem. Auf der LGV Est européenne geht es nun durch die Champagne.
Bei der Bordgastronomie arbeitet die SNCF mit Promi-Köchen zusammen, heute gibt es eine Salatkreation von Michel Sarran – nur die Präsentation ist einem Sternekoch nicht so ganz angemessen.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/083-Spanien-Portugal/83-350TGV-Portal-Netzwerkstatus.jpg)
Interessant ist auch der Netzwerkstatus mit der jeweiligen Übertragungsgeschwindigkeit.
Und bei Dessert und Kaffee...
...fahren wir bei Champey-sur-Moselle über das Moselviadukt. Etwa anderthalb Kilometer führt die Schnellfahrtstrecke hier aufgeständert über das Moseltal.
Am Bahnhof Strasbourg-Ville endet schließlich die beeindruckende Hochgeschwindigkeitsetappe. Die genaue Kilometerzahl kenne ich nicht, aber rund 900 bis 950 Kilometer in 5 Stunden und 20 Minuten ist schon eine feine Sache. Für eine kurze Runde vor und durch den Bahnhof mit der futuristischen gewölbten Glasfassade reicht die Zeit trotz der Verspätung.
Für die Fahrt hinüber nach Offenburg hatte ich eigentlich fest mit einem Regioshuttle der SWEG gerechnet, stattdessen rollt ein Blauwal ein – auch recht.
Der Rest ist nun schnell erzählt, über den Rhein fahren wir wieder nach Deutschland und weiter durch die Ortenau bis nach Offenburg.
Letzter Zug unserer achttägigen Rundtour ist nun ein RE der Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz.
Von der Fahrt auf der Schwarzwaldbahn habe ich jetzt noch ein Symbolbild aus dem Kinzigtal und beim letzten Foto sind wir dann schon wieder am Bodensee angekommen.
Tja, und das war’s dann auch und wir sind am Ende des Reiseberichts angelangt. Ich bedanke mich für das Interesse und die Rückmeldungen und Kommentare zu den bisherigen Teilen.
Viele Grüße vom Bodensee
und einen schönen Sonntag
Tobias
PS: Meine früheren Bahnreiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.
PPS: Liest hier eigentlich jemand die dänische Zeitung Politiken? Dort soll in der morgigen Sonntagsausgabe ein Artikel über interessante Bahnstrecken in Europa erscheinen. Der Journalist hatte mich nach einer Empfehlung gefragt und da er bisher nur Klassiker wie den Glacier Express auf der Liste hatte, habe ich ihm mit der Linha do Douro eine vielleicht in Dänemark nicht ganz so bekannte Strecke empfohlen. Ich weiß nicht, ob bzw. wann ich ein Belegexemplar bekomme, von daher würde mich ein Foto oder Screenshot des Artikels freuen. Schnell mal über die Grenze nach Dänemark zu fahren hätte mich schon auch gereizt, nur ist das vom Bodensee aus nicht ganz so einfach...
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TD,
02.03.2019, 16:05
- Mit dem Nachtzug nach Lissabon 7/7 | 66 B -
TD,
02.03.2019, 16:07
- Eskerrik asko! - JanZ, 02.03.2019, 17:33
- Merci beaucoup
-
Berliner65,
04.03.2019, 15:37
- Mit dem Nachtzug nach Lissabon 7/7 | 66 B - ant6n, 04.03.2019, 22:22
- Mit dem Nachtzug nach Lissabon 7/7 | 66 B - MC_Hans, 02.03.2019, 16:40
- Vielen Dank! -
462 001,
02.03.2019, 21:37
- Vielen Dank! -
brandenburger,
04.03.2019, 01:58
- Dem schließ ich mich an. Danke für den tollen Reisebericht
-
ICEjan,
04.03.2019, 22:48
- Dem schließ ich mich an. Danke für den tollen Reisebericht
- Vielen Dank! -
brandenburger,
04.03.2019, 01:58
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TD,
02.03.2019, 16:07