USA: Im California Zephyr: Chicago bis San Francisco [23 B.] (Reiseberichte)

kaythxbye, Berlin, Donnerstag, 01.11.2018, 00:06 (vor 2698 Tagen)

Ich möchte mich nach längerer Inaktivität hier auch mal wieder zu Wort melden, und zwar mit einem Reisebericht.

Anfang Oktober war ich in Chicago und habe mich dann dazu entschieden, mal den California Zephyr von Amtrak auszuprobieren. Nachdem ich 2015 schon einmal eine längere Amtrak-Tour gemacht habe (damals ging es über eine Nacht von Tampa, FL nach Washington DC mit dem Silver Star) hatte ich Lust auf die circa 52 Stunden Zugfahrt entlang der Spuren der ersten Siedler Richtung Westen.

1. Route durch die USA
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Im Gegensatz zu meiner ersten Reise im einstöckigen Viewliner ging es diesmal im doppelstöckigen Superliner-Schlafwagen durch die USA. Ich buchte mir eine Roomette, was ein kleines Einzelabteil mit zwei Sitzen und Doppelstockbett ist. Die Roomette hat (im Gegensatz zum größeren und teureren Bedroom) keine sanitären Einrichtungen, so dass man die Toiletten und Dusche mit den anderen Gästen teilt. Das war aber nicht besonders schlimm, da der Schlafwagenschaffner sehr dahinter her war die immer in einem Top Zustand zu halten. Nachdem mir die Buchungsseite erst einen Raum im Untergeschoss geben wollte, konnte ich noch telefonisch auf eine Roomette im Obergeschoss umbuchen. Oben sind auch die Wagendurchgänge.

Los ging es also an der Union Station Chicago, einem sehr schönen Bahnhof. Ich gab morgens schon meinen großen Koffer auf (der wird im Gepäckwagen transportiert und den sieht man erst wieder am Ziel) und hatte noch einen Termin in der Stadt. Mittags fuhr ich dann mit den Öffis zum Bahnhof (das letzte Stück muss man laufen) und ging direkt zum Boarding. Theoretisch hat man als Schlafwagengast Zugang zur Lounge, aber dafür hatte ich leider keine Zeit. Berichten anderer zufolge soll es da aber Snacks, Wlan und Getränke geben.

2. Union Station von außen
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Nach dem Boarding wurde ich schnell vom Schlafwagenschaffner begrüßt und in die Funktionalität des Abteils eingeführt. Auch nahm ein Speisewagenmitarbeiter meine gewünschte Zeit fürs Abendessen auf, zu der man sich im Speisewagen einfinden soll und dann an einen Tisch mit drei anderen Reisenden gesetzt wird. Dadurch ergaben sich zahlreiche interessante Gespräche über alles mögliche. Als Schlafwagengast sind alle Speisen und Getränke im Speisewagen inklusive, lediglich Alkohol muss extra bezahlt werden.

Leider habe ich nur ein schlechtes Foto von meinem Abteil gemacht, mehr findet ihr online wenn ihr den Superliner googlet. Die zwei Wasserflaschen liks im Bild sind ebenfalls inklusive.

3. Abteil von innen
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Der erste Teil der Strecke war recht langweilig, es wurde dann auch nach dem Abendessen recht bald dunkel und ich legte mich das erste Mal schlafen. Das obere Bett ist sehr eng, hat aber den Vorteil dass man unten nicht aufräumen muss. Also schlief ich beide Nächte oben einen guten Schlaf. Lediglich die Querung des Mississippi war einigermaßen interessant.

4. Brücke über den Mississippi
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Am nächsten Morgen waren wir bald nach dem Frühstück in Denver zu einem längeren Stop gekommen. Dort konnte man auch ein bisschen auf dem Bahnsteig rumlaufen und ich habe mich auch zum ersten Mal in den Panoramawagen gesetzt. Dessen Fenster bekamen in Denver auch nochmal eine Wäsche von außen durch zwei engagierte Amtrak-Mitarbeiter.

5. Halt in Denver
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6. Panoramawagen
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Im Panoramawagen hat man durch die nach außen gedrehten Sitze einen super Blick auf die Landschaft.

7. Zuerst ein paar Loks in Denver
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8. Der Aufstieg in die Rocky Mountains beginnt
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(Da oben entstand auch Bild Nummer 6)
Man klettert bis auf 3000m hoch, wo es kalt und regnerisch war. Nachdem man den Scheitelpunkt im Moffat-Tunnel durchquert hat, sind die Scheiben etwas schwarz vom Diesel der Loks. Es ist in der Zeit der Querung des Tunnels auch verboten die Waggons zu wechseln, damit man keinen Diesel einatmet.

9. Dieselspuren
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10. und 11. Mehr Landschaft beim Abstieg
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Richtung Abend fährt man weiter am Colorado River entlang und es wird langsam wüstenähnlich rot.

12. und 13. Rote Felsen
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Eine Tradition unter den Campern am gegenüberliegenden Ufer des Colorado River ist es außerdem, dem vorbeifahrenden Zug das entblößte Hinterteil entgegenzustrecken. Auch das durften wir beobachten.

Nachts fährt man dann durch den größten Teil von Utah und den östlichen Teil von Nevada, bis es wieder hell wird und schon wieder komplett anders aussieht.

14. Utah am Morgen im leeren Panoramawagen
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Ein erwähnenswerter Zwischenstop ist außerdem noch Grand Junction. Dort gibt es einen kleinen Shop, der einige Andenken an den Zug und Snacks verkauft. Dort hat man ein paar Minuten Zeit einzukaufen, bevor der Zug weiterfährt.
Danach kommt der Stop in Reno mit der wohl schrecklichsten Bachnhofsarchitektur überhaupt, da kommt nichtmal Duisburg ran.

15. und 16. Reno Hbf
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Das nächste Highlight ist danach die Fahrt über das zweite Gebirge: Die Sierra Nevada, die Kalifornien und Nevada voneinander abgrenzt.

16. Auffahrt auf die Sierra Nevada
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Oben fährt man am Donner Lake und einem alten Tunnelportal vorbei.

17. und 18. Donner Lake und Portal
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Auch andere Spuren der alten Strecke werden sichtbar. Auf diesem Streckenabschnitt ist ein lokaler Guide an Bord des Panoramawagens, der erläutert was man draußen so alles sieht.

19. Alte Schienen
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Auch nach diesem Scheitelpunkt gehts wieder bergab und schließlich nach einem Stop in Sacramento in die San Francisco Bay.

20., 21. und 22. Sacramento und Einfahrt in die Bay Area
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Schließlich endet die Fahrt nach 2438 Meilen in Emeryville kurz vor San Francisco und man fährt die letzten paar Kilometer in die Stadt mit dem Bus.

23. Lok am Ende der Reise
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Insgesamt würde ich diese Reise definitiv weiterempfehlen. Bis auf Kelinigkeiten war es echt super, so ging im Speisewagen beispielsweise am letzten Tag sowohl der Salat als auch das Dessert aus. Das ist aber ein Luxusproblem, vor allem wenn man bedenkt wie alt das Rollmaterial dort ist.
Das Beste ist wie schnell man in Kontakt mit anderen Reisenden kommt, vom Smalltalk aus kann man auch schnell in echte Gespräche eintauchen und viele interessante Leute für ein paar Stunden beim gemeinsamen Panoramaschauen oder Mittagessen kennenlernen.
Wenn ihr Fragen habt nur zu, ich könnte vermutlich stundenlang von der Fahrt erzählen.

Danke für die schönen Eindrücke! :-)

john-vogel, Donnerstag, 01.11.2018, 00:28 (vor 2698 Tagen) @ kaythxbye

- kein Text -

USA: Im California Zephyr: Chicago bis San Francisco [23 B.]

JanZ, HB, Donnerstag, 01.11.2018, 08:07 (vor 2697 Tagen) @ kaythxbye

Danke auch von mir! Mit dem Zephyr bin ich ja 2016 ab Salt Lake City gefahren und habe damals leider versäumt, außer dem Zug auch die Landschaft draußen zu fotografieren. Jetzt habt ihr ein paar Bilder :-).

Sehr cool! Danke

Paladin, Hansestadt Rostock / Güstrow, Donnerstag, 01.11.2018, 11:14 (vor 2697 Tagen) @ kaythxbye

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USA: Im California Zephyr: Chicago bis San Francisco [23 B.]

amtrak, Donnerstag, 01.11.2018, 16:41 (vor 2697 Tagen) @ kaythxbye

Ein ganz anderes Erlebnis als in Europa Zug zu fahren. Meine Frau und ich haben viele Amtrak-Reisen gemacht, die Zephyr verschiedene malen, aber auch Empire Builder, Southwest Chief, Coast Starlight; Sunset Limited, Crescent, Lakeshore Limited. Immer kombiniert mit Mietwagen. Viele interessante Erlebnisse!!
Danke für dein Bericht!

USA: Im California Zephyr: Chicago bis San Francisco [23 B.]

kaythxbye, Berlin, Freitag, 02.11.2018, 11:44 (vor 2696 Tagen) @ amtrak

Ja, bei mir stehen auch noch ein paar auf der Liste (vor allem Southwest Chief und Texas Eagle). Hoffentlich überlebt Amtrak so lange, man hört ja immer wieder von Überlegungen den Fernverkehr einzustellen.

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