[PL] Das Leben in vollen Zügen genießen (nur Text) (Reiseberichte)
Hi, ich bin grad im Sobieski zwischen Dzaldowo und Ilawa... seit Warschau geht hier gar nichts mehr. Das ganze Abteil ist voll, der Gang ist voller stehender Leute.
Und dabei sitze ich in der ersten Klasse.
Dabei begann es harmlos. Nach dem Einstieg entschloss ich mich, nicht das reservierte - nicht leere Abteil zu wählen - sondern ein leeres Abteil. Vom Zugbegleiter erhielt man bald nach Abfahrt eine Flasche Wasser. Ist halt eine feine Sache, die erste Klasse zu nehmen.
Das ging ganz gut über die Fahrt. 2 Leute sind in Zebrzydowice eingestiegen. Außerdem wurde nach dem Grenzübertritt das PKP-Service-Programm aufgefahren. Vom recht gut Englisch sprechenden WARS-Mitarbeiter bekam ich einen Tee und ein Croissant mit Füllung. Auch bekam ich selbstverständlich mein bestelltes Essen - ein vorzügliches Schnitzel mit Erdäpfeln und Salat, das meinen Magen tatsächlich füllen konnte - und das zum Preis von umgerechnet 7€. Das war tatsächlich eine First-Class-Experience.
Auch haben die Polen keine Kosten und Mühen gescheut und es gab etwas, was ich für fast schon nostalgisch in der EU halte: Grenzkontrollen. War aber recht rasch. Kurz wurde mein Perso eingescannt, für die zwei anderen Fahrgäste interessierte sich der Beamte nicht einmal. Trotzdem, definitiv ein Erlebnis.
Man fuhr dann bis Katowice. Nachdem die Schleichfahrt über die tschechisch-polnische Grenze nichts gutes verhieß, war ich angenehm überrascht, als man hinter Zebrzydowice doch recht flott über die Schienen rauschte. Die Gleise waren da fast immer in einem sehr guten Zustand - zumindest vom Fahrgefühl her. Bloß die doch etwas ältere Lok macht sich mit seinem etwas ruckartigen Fahrverhalten bemerkbar.
Doch in Katowice war das Abteil voll. Ich wechsle.
Hatte ich dann ein Abteil, das ich bis Warschau nur mit einer Person teilen muss. Und zwischen Zawiercie und Warschau ging's non stop mit 160. Planmäßig dauert das fast 2 Stunden, doch hat sich das wegen der Verspätung verkürzt. Trotzdem eine ungewohnt lange Zeit, die man non-stop fährt.
Thema Verspätung: in Tschechien entstand - vor allem durch Bauarbeiten und seinem auch sonst nicht adäquaten Fahrplan so eine Verspätung von... 5 Minuten oder so. Beim Lokwechsel wurden jedoch 12 draus.
Das machte aber nichts, denn in Warschau kam man sogar 2 Minuten vor Plan an und wenn die Daten, die die ÖBB und die DB aus Polen bekommen, richtig sind, war der sogar 2 Minuten verfrüht in Warszawa Zachodnia abgefahren.
Doch in Warszawa Centralna - einem Tiefbahnhof mit dem Flair der 80er, war absolute Katastrophe. Ich war gezwungen, dann doch meinen reservierten Platz einzunehmen und bin jetzt mehr oder weniger glücklich, eine Reservierung zu haben. Sonst würde ich zielsicher stehen müssen.
Fazit: Reservierungen retten dir den Tag, denn die, die stehen mussten, hatten eine Fahrkarte ohne Sitzplatzgarantie gekauft...
Was ich etwas schade finde: Nachdem in Tschechien zumindest in meinem Wagen überhaupt keine Ansagen kamen, hat das PKP-Personal zur Abwechslung Ansagen erklingen lassen. Jedoch ausschließlich auf polnisch, obgleich der Zug ja aus Wien kommt und selbstredend internationales Publikum befördert.
Das wär's dann. wenn ich ankomme, tu ich mal was ganz abwegiges: Für eone Woche offline sein :P
--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Meine Gebete sind erhört worden ...
Das wär's dann. wenn ich ankomme, tu ich mal was ganz abwegiges: Für eone Woche offline sein :P
Sehr gute Idee ! Dieser Beitrag zeigte mal wieder, wie notwendig das ist.
[PL] Das Leben in vollen Zügen genießen (nur Text)
Dzaldowo
Ich nehme an, du meinst Działdowo, früher Soldau, Heimatstadt meiner Großeltern.
[PL] Das Leben in vollen Zügen genießen (nur Text)
"Auch bekam ich selbstverständlich mein bestelltes Essen"
- Mit Termin im Speisewagen oder servieren die das etwa im Abteil?
"Grenzkontrollen. War aber recht rasch. Kurz wurde mein Perso eingescannt, für die zwei anderen Fahrgäste interessierte sich der Beamte nicht einmal. Trotzdem, definitiv ein Erlebnis.
- OK, das ist wirklich spannend, sollte Hollywood mal in einem Ocean’s 14 - The Train Border Control mit bekannter Besetzung verfilmen.
"non stop mit 160. Planmäßig dauert das fast 2 Stunden"
- Lange non-stop-Fahrten kann ich auch immer gut genießen.
"absolute Katastrophe. Ich war gezwungen, dann doch meinen reservierten Platz einzunehmen und bin jetzt mehr oder weniger glücklich, eine Reservierung zu haben."
- Katastrophe oder nun doch glücklich? Das muß der Leser bitte noch erfahren. Bei den Temperaturen ist es so schon schwer genug in den Schlaf zu kommen...
--
Gruß, Olaf
"Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite."
Goethe an Schiller 1797
[PL] Das Leben in vollen Zügen genießen (nur Text)
"Auch bekam ich selbstverständlich mein bestelltes Essen"
- Mit Termin im Speisewagen oder servieren die das etwa im Abteil?
WARS serviert u.a. über eine Bestellung in deren App am Platz - zumindest war das vor einem halben Jahr noch so.
Nostalgisch? Das ist die Zukunft ...
Tach.
und es gab etwas, was ich für fast schon nostalgisch in der EU halte: Grenzkontrollen. War aber recht rasch. Kurz wurde mein Perso eingescannt, für die zwei anderen Fahrgäste interessierte sich der Beamte nicht einmal. Trotzdem, definitiv ein Erlebnis.
Ooch, das wirst du noch öfters erleben im Leben. Der Trend geht - völlig zu Recht! - wieder hin zu Grenzkontrollen.
Schöne Grüße von jörg
Hoffentlich nicht
- kein Text -
[PL] Das Leben in vollen Zügen genießen (nur Text)
Doch in Warszawa Centralna - einem Tiefbahnhof mit dem Flair der 80er, war absolute Katastrophe. Ich war gezwungen, dann doch meinen reservierten Platz einzunehmen und bin jetzt mehr oder weniger glücklich, eine Reservierung zu haben. Sonst würde ich zielsicher stehen müssen.
Hier in Deutschland Alltagsgeschäft.
Fazit: Reservierungen retten dir den Tag, denn die, die stehen mussten, hatten eine Fahrkarte ohne Sitzplatzgarantie gekauft...
Wenn dein Wagen fehlt hilft auch die nichts ;)
Was ich etwas schade finde: Nachdem in Tschechien zumindest in meinem Wagen überhaupt keine Ansagen kamen, hat das PKP-Personal zur Abwechslung Ansagen erklingen lassen. Jedoch ausschließlich auf polnisch, obgleich der Zug ja aus Wien kommt und selbstredend internationales Publikum befördert.Das wär's dann. wenn ich ankomme, tu ich mal was ganz abwegiges: Für eone Woche offline sein :P
Wem es gefällt
[PL] Das Leben in vollen Zügen genießen (nur Text)
Dabei begann es harmlos. Nach dem Einstieg entschloss ich mich, nicht das reservierte - nicht leere Abteil zu wählen - sondern ein leeres Abteil. Vom Zugbegleiter erhielt man bald nach Abfahrt eine Flasche Wasser. Ist halt eine feine Sache, die erste Klasse zu nehmen.
Das hat bei PKP EIC jedoch nichts mit der ersten Klasse zu tun. Letztes Jahr zumindest gab es für jeden Reisenden Wasser, Tee oder Kaffee kostenlos bei jeder Fahrt im EIC, nicht nur im EIP.
[PL] Das Leben in vollen Zügen genießen (nur Text)
Sind das denn richtig müffelnde Gerichte oder nur ein Krümelsandwich? Im Großraum finde ich die Essensduftschwaden oft schon unangenehm aufdringlich, aber in einem voll besetzten kleinen Abteil erst...
--
Gruß, Olaf
"Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite."
Goethe an Schiller 1797
[PL] Das Leben in vollen Zügen genießen (nur Text)
Sind das denn richtig müffelnde Gerichte oder nur ein Krümelsandwich? Im Großraum finde ich die Essensduftschwaden oft schon unangenehm aufdringlich, aber in einem voll besetzten kleinen Abteil erst...
Die gesamte Karte war bestellbar, nur keine alkoholischen Getränke. In unserem Fall, die wir aber als Gruppe von sechs Personen das Abteil für uns hatten, waren dass dann z.B. Schnitzel mit Kartoffeln und Pierogi.
Ich finde das Angebot im übrigen auch unhandlich, da es ja im Abteil fast gar keine Tischplätze gibt - drum gehe ich beim nächsten Mal wieder in den Restaurantwagen. Die paar Meter sind's wert.
[PL] Das Leben in vollen Zügen genießen (nur Text)
Das habe ich nämlich auch überlegt. Werden an die sechs Abteilsitze kleine Tische eingesteckt? Und wenn man fertig getafelt hat, wie lange sitzt man dann noch vor dem benutzten, ausdünstenden Geschirr?
Solche Tische gab es vor Jahren in den DB-Avmz, die lagerten oben in der Gepäckablage. Aber der Zirkus konnte sich nicht lange halten. Es ist ja heute schon eine sportliche Höchstleistung, wenn Servicekraft und Zubs es in der 1.Klasse schaffen das ganze Gerümpel wieder zeitig abzuräumen, bevor die nächsten Zusteiger kommen. Die wollen nicht vor dem Schlachtfeld ihres Vorgängers sitzen. Und wie wir wissen halten Fernzüge in Deutschland auch schon mal an jeder zweiten Ecke.
--
Gruß, Olaf
"Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite."
Goethe an Schiller 1797
Ist auch weiterhin so
- kein Text -