TGV intensiv: LGV SEA+BPL_Reisebericht (m.13B.) - Teil 1 (Reiseberichte)

bendo, Freitag, 13.07.2018, 12:11 (vor 2808 Tagen)

Hallo zusammen,

anlässlich der in 2017 neu eröffneten HGV-Strecken, LGV SEA (Verlängerung der LGV Atlantique bis Bordeaux) und LGV Bretagne-Pays de la Loire (Verlängerung der LGV Atlantique bis Rennes) begab ich mich für zwei Tage ausgiebigen HGV-Genusses zu unseren Nachbarn nach Frankreich. Gleichzeitig war die LGV Atlantique, obwohl seit 1990 in Betrieb, noch Neuland für mich und die 406km lange LGV Est als „Zufahrt“ nach Paris ist für sich bereits eine Reise wert.

Übernachtet wurde in einem preiswerten, aber ordentlichen Hotel, in 5min Fußdistanz zum Gare Montparnasse, der am zweiten Tag wieder als Ausgangspunkt dienen sollte.

Zahlenspiele: Mit kleinem Vor-und Nachlauf waren es 3091km Fahrstrecke, davon 1718km am ersten, und 1373km am zweiten Tag. Die höchste Vdurch betrug 260km/h zwischen Paris und Bordeaux, der die 537km tatsächlich in 2:04h zurück legte. Die Vdurch aller weiteren Fahrten auf französischem Boden lagen allerdings ebenfalls im Bereich um 250km/h.

Obwohl ich innerhalb Frankreichs konsequent die erste Klasse wählte, hielt sich der Spaß finanziell in Grenzen: So waren bsp. für die Rückfahrt Bordeaux-Paris aufgrund rechtzeitiger Buchung lediglich 29€ zu berappen!

Empfehlung an alle Reisenden mit umfänglicher Reiseplanung: Für die gesamten zwei Tage bastelte ich mir eine Tabelle, aus der alle nützlichen Informationen hervor gingen: Uhrzeiten, Zugnummer, Sitzplatz etc. Diese wurde in kleinem DIN A6-Format gedruckt und einlaminiert. Über die kompletten zwei Tage hatte ich diese Taschenkarte griffbereit und die verwechselungsanfälligen Informationen ohne aufwändiges Rucksackgekrame verfügbar.

Mein Fahrplan:
Tag 1:
+-------------------------+--------+--------+----------+----------------+
| Bahnhof | An | Ab | Zug Nr. | Bemerkungen |
+-------------------------+--------+--------+----------+----------------+
| Stuttgart Hbf | | 06:54 | TGV 9578 | |
| Karlsruhe Hbf | 07:30 | 07:32 | | |
| Strasbourg | 08:13 | 08:19 | | |
| Paris Est | 10:05 | | Übergang | 50 Min. |
| Paris Montparnasse | | 11:48 | TGV 8507 | |
| Bordeaux-St-Jean | 13:56 | 17:04 | TGV 8264 | |
| Paris Montparnasse | 19:13 | | | |
+-------------------------+--------+--------+----------+----------------+
Tag 2:
+-------------------------+--------+--------+----------+----------------+
| Paris Montparnasse | | 08:52 | TGV 8193 | |
| Rennes | 10:25 | 11:35 | TGV 8610 | |
| Paris Montparnasse | 13:09 | | Übergang | 50 Min. |
| Paris Est | | 15:55 | TGV 9577 | |
| Strasbourg | 17:41 | 17:46 | | |
| Karlsruhe Hbf | 18:25 | 18:28 | | |
| Stuttgart Hbf | 19:04 | | | |
+-------------------------+--------+--------+----------+----------------+

Nachfolgend schildere ich meine wesentlichen Eindrücke der Reise, untergliedert in „TGV-Fahrten“ (Teil 1 des Reiseberichts), „Fahrten in Deutschland“ und „Außerhalb der Eisenbahn“ (Teil 2 des Reiseberichts).

TGV-Fahrten

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Abfahrt, 6:54 Uhr am Tag 1, pünktlich ab Stuttgart. „Wagen umgekehrt gereiht“. Als hätte ich es nicht geahnt…. Bereits an dieser Stelle: Meine Prognose zur Wagenreihung (Annahme: „1. Klasse zeigt in Richtung Paris“ siehe auch hier) war übrigens in 4 von 6 benutzten TGV falsch! Ich erkenne keine Logik…

Zunächst hieß es „Augen zu und durch“: Annehmbare Geschwindigkeiten auf SFS S-MA bis zum Abzweig Rollenberg, danach eine Mischung aus Geschlängel um KA sowie einem zügigen Hüpfer nach Straßburg. Auch hier: pünktliche Abfahrt, 8:19 ab Straßburg. Auf der LGV Est wurde zunächst auf knapp 320km/h beschleunigt, und mit 310 in den Tunnel du Saverne eingefahren. Nebenbei die höchste Geschwindigkeit, die ich je in einem Tunnel erlebte ;). Einige Minuten später, aber schon über 100km weiter: Raccordement de Pagny-Vandières, eine Netzverbindung nach Metz/Nancy, voraus. Der TGV rollt aus, auf ca. 240km/h (!; man merke sich das Niveau von Geschwindigkeitsreduzierungen aufgrund vorausfahrender Züge…). Vermutlich ein auf die LGV eingefahrener TGV, dessen Abstände eingehalten werden müssen. Man könnte auch sagen: „Stau auf der LGV“. Dieses Abstandshaltespielchen folgte fortlaufend noch einige male, wenn auch jeweils nur auf rund 280km/h reduziert wurde. Zuletzt noch ein weiteres mal auf 250km/h vor dem Gare Champagne-Ardenne. Hier stand er dann: Am Bahnsteiggleis stand ein vorausfahrender TGV, der von unserem auf dem Durchfahrtsgleis überholt wurde. Ab hier galt: Freie Fahrt und später pünktliche Einfahrt in den Gare de L`Est.

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In den neueren TGV üblich: Wifi on Board. Ähnlich dem ICE-Portal enthält dieses verschiedene Angebote, inklusive einem Reiseverlauf mit aktueller Geschwindigkeit.
Der Übergang erfolgte mit der Metro. Ein Metroticket griffbereit, sowie bei Kenntnis von Linie und Richtung benötigt man ca. 30min zum Gare Montparnasse (Es sollte aber mehr Puffer eingeplant werden!).

In Frankreich wird erst kurz vor Abfahrt das zugehörige Gleis bekannt gegeben, worauf sich eine Horde Menschen in Bewegung setzt. Jeweils ergaben sich kurze Staus am Zugang zum Gleis: Ticketkontrolle bereits vor dem Zug, wobei diese dann im Zug entfiel. Insgesamt waren alle TGV schätzungsweise zu 95% ausgebucht. Trotzdem: Jeder TGV fuhr auf die Minute pünktlich ab! Das System, 2min vor Abfahrt die Türen zu schließen, zeigt Wirkung: Verspätungsansammlungen werden vermieden.

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Weiter ging es Richtung Bordeaux im neuen TGV L`Océane. Eine neue Innenraumgestaltung und in Fahrtrichtung drehbare Sitzreihen wurden vom Zugchef, persönlich während der Fahrt im Wagen stehend, erläutert.

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ICE4-Feeling kommt auf ;). Allerdings: Zumindest in der 1. Klasse gibt es keine echten Wandfensterplätze!

Eine zw. Km 60 und 73 der LGV Atlantique eingerichtete Baustelle zwingt hier stets auf 120km/h, ansonsten sind 300 drin.

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Egal ob östlich oder westlich von Paris: Dieses Bild zeigt den typischen Blick: Endlos erscheinende Felder in einer nur mäßig hügeligen Landschaft. Außer kleinen Dörfchen scheint es nur die wenigen großen Städte zu geben. Ideale Voraussetzungen für Hochgeschwindigkeitsstrecken…

Nach 223km erfolgt der Übergang zur LGV SEA. In diesem Bereich sind „nur“ 270km/h erlaubt. Der Übergang erfolgt nahtlos und ist ohne Ortskenntnis nur durch die folgende Steigerung der Geschwindigkeit auf nun 320km/h auszumachen.

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Weiter in Richtung Süden ändert sich das Landschaftsbild: Die Böden werden sandiger, mit einem Bewuchs mediterrane Kiefernwälder.

Ankunft: 4min vor der Zeit um 13:52 Uhr in Bordeaux!

Die Rückfahrt erfolgte in umgekehrter Reihenfolge: Pünktliche Abfahrt – LGV SEA – 320km/h – LGV Atlantique – 300km/h, La 120km/h – Paris.

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Die auf dem Triebkopf angepriesene Fahrzeit von 2:04h kann/konnte ich im Fahrplan allerdings nicht finden ;). 2:08h scheint das Mindestmaß. Vielleicht wurde die 120er-La schon eingepreist.

Tag 2:

Pünktliche Abfahrt, 8:52 Uhr Richtung Rennes. Dieses mal in einem TGV Atlantique.

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… vermutlich älterer Bauart:

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Die Sitze, der Wagen, Aufbau etc. sahen bereits ziemlich benutzt und abgehalftert aus. Alle Sitze haben die Anordnung vis-à-vis, passend zu den Fenstern. Die Doppelsitze sind eingehaust, sodass man fast von Abteilen sprechen kann.
WLAN gab es in diesen TGV nicht. Dafür ist ein einwandfreies GPS-Signal empfangbar.

Es folgten die bereits bekannten 130km der LGV Atlantique bis zur Bifurcation de Courtalain der Verzweigung der LGV Atlantique in einen Süd- (Richtung Tours/LGV SEA) und einen Westast (Richtung Bretagne). Der Abzweig in Richtung Westast wurde in beiden Richtungen mit 220km/h befahren. Nach weiteren 50km erfolgte der Übergang auf die neue LGV BPL. Es blieb bei 300km/h obwohl hier 320km/h zugelassen sind. Vermutlich lag es am konkreten Triebzug, der evtl. nur bis 300km/h zugelassen sein könnte…

3km vor dem Bahnhof Rennes endet die LGV. Pünktliche Einfahrt ins Gleisgewirr. Und dann passierte es: 1km vor dem Bahnhof: Stillstand. Mehrere Durchsagen mit Info zu einer Signalstörung. Wir standen… Dann schließlich doch Einfahrt in den Bahnhof mit +30min. Mein Puffer von 70min zur Rückfahrt war knapp zur Hälfte aufgebraucht :-)

Retour lief alles glatt: Pünktliche Abfahrt, Vmax wieder 300, GPS-Messung anstatt WLAN, pünktliche Ankunft. Interessanterweise erlebte ich auf den in Summe vier Fahrten des gemeinsamen Abschnitts der LGV Atlantique jeweils nur den Blick aus dem Fenster in nördliche Richtung! Geschuldet dem undurchsichtigen Gebrauch von Fahrtrichtungen und meiner Platzbuchung…

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Die Rückfahrt, Paris-Stuttgart erfolgte nach bekanntem Muster: Nach den Vororten von Paris geht`s auf die LGV Est. Beschleunigung auf einen Bereich zwischen 310 und 320 km/h. Nach 400km abbremsen. Straßburg. Anschließend folgte der Grenzübertritt…

Viele Grüße,
bendo


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