Immer der Sonne nach! (5/7, 55 Bilder) (Reiseberichte)

Splittergattung, Donnerstag, 19.04.2018, 23:12 (vor 2892 Tagen)
bearbeitet von Splittergattung, Donnerstag, 19.04.2018, 23:15

Moin zusammen,

da sind wir wieder - lange ist Teil 4 her, da kommt nun endlich Teil 5. Auf eine Kartendarstellung verzichten wir diesmal - die Strecken dieser Tour sind so verschnörkelt, dass ich sie mit meinen Kartografieskills nicht darstellen kann ;-)

Zur Erinnerung: wir befinden uns zum Start der Tour in Perpignan am westlichen Ende der französischen Mittelmeerküste und wollen nach Barcelona. Man könnte natürlich einfach mit dem Hochgeschwindigkeitszug über die Neubaustrecke rasen, aber wir wollen ja auch etwas sehen und nehmen deswegen die Schneckenroute über die Pyrenäen - inklusive schmucker gelber und blauer Gebirgsbahnen - , für die wir uns auch gleich zweieinhalb Tage Zeit nehmen.

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1 Los geht's am schicken modernen Bahnhof von Perpignan an einem schönen Augustmorgen. Unser Tagesziel hat nur zwei durchgehende Züge, übernachtet sollte in Spanien werden und der zweite Zug des Tages hat dorthin keinen Anschluss mehr. Also nehmen wir eher widerwillig den frühen.

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2 Da ist er: ein älterer Triebwagen der Serie Z 7500. Der bringt uns mit bescheidener Auslastung in Richtung Berge.

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3 Bei Marquixanes wird es schon leicht hügelig.

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4 Steuerwagen voraus kommen wir in Villefranche Vernet-les-Bains an. Hier endet die Normalspustrecke, es heißt umsteigen.

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5 In dieses gelbe, über 100 Jahre alte Ungetüm. Der Fahrgastandrang ist groß, die meisten sind aber mit dem Auto und nicht mit dem Zug nach Villefranche angereist. Die Fahrgäste stehen vor einem Bahnsteigtor in der Schlange, das dann irgendwann vom Schaffner geöffnet wird. Der kontrolliert vor Einstieg auch die Fahrkarten - sein Zug ist nämlich nicht druchgängig begehbar.

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6 Einen Platz in einem der beiden offenen Aussichtswagen kann ich trotz frühzeitiger Ankunft vergessen, aber immerhin kann man auch in den anderen Wagen die Fenster öffnen. Hier befinden wir uns auf dem Weg von Joncet nach Olette-Canaveilles-les-Bains. Derartige Wortungetüme als Stationsnamen sind hier nicht ungewöhnlich, oft liegen die Bahnhöfe im steilen Tal zwischen mehreren namensgebenden Ortschaften.

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7 Ein technisches Detail. Der tren groc, wie ihn die Katalanen nennen, oder petit train jaune, wie es die Franzosen sagen, fährt seit jeher elektrisch mit von oben bestrichener seitlicher Stromschiene. Drauftreten sollte man nicht - DANGER DE MORT steht an jedem Bahnhof auf den Warnschildern. Das kleine dreieckige Ding unter der Ecke des Triebwagens ist der Stromabnehmer.

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8 Wir erreichen den Bahnhof von Olette. Es sei mir verziehen, dass ich gelegentlich nur den ersten Ortsnamen nutze.

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9 Unterwegs geht es über zahlreiche Viadukte, der hier liegt zwischen Olette und Thuès-Carenca. Leider kann ich nicht mehr genau sagen, welcher der vielen es ist...

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10 Blick zurück bei Thuès-Carenca. In diesem Teil sieht die Siedlungsstruktur der Region meistens etwa so aus und man fragt sich ein wenig, woher die vielen Haltepunkte (die oft nur bei Bedarf bedient werden) und noch mehr Ortsnamen eigentlich herkommen sollen ;-)

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11 Wir fahren weiter bergwärts Richtung Fontpédrouse-Saint-Thomas-les-Bains, Blick diesmal in Fahrtrichtung.

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12 Fontpédrouse wird erreicht, hier treffen wir auf den Gegenzug. Neben zwei durchgehenden Zugpaaren von Villefranche bis Latour de Carol-Enveitg gibt es im Sommerfahrplan noch ein paar weitere, die schon vorher in Font-Romeu enden. Abfahrt erst nach Erlaubnis des Zugleiters, so etwas wie Blocksignale gibt es hier nicht.

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13 Ein Blick über den offenen Aussichtswagen auf unseren Gegenzug.

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14 Zwischendurch mal ein Blick auf die Kupplung zwischen den Wagen. Der Fachmann kann dazu sicherlich Fachmännisches sagen, ich nicht. Aber faszinierend sieht es schon aus.

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15 Die Pont de Cassagne ist einer der spektakulärsten Momente dieser Bahn. 253 Meter lang, 80 Meter über dem Tal, ist sie nicht umsonst zum Wahrzeichen dieser Bahn geworden und 1994 zum Historischen Denkmal ernannt worden.

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16 Bei Mont-Louis - La Cabanasse verlassen wir langsam das tiefe Tal des Flusses Tet und erreichen die Hochfläche der Cerdagne, die der Bahn ihren offiziellen Namen gab.

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17 Reger Fahrgastwechsel im Bahnhof von Mont-Louis.

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18 Es geht weiter über die Cerdagne, wir nähern uns dem Scheitelpunkt der Strecke...

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19 ... der auf 1593 Metern in Bolquère-Eyne liegt. Das hier ist der höchste Punkt im Netz der SNCF, deren Tochter TER Languedoc-Roussillon diese Strecke betreibt.

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20 Bald danach erreichen wir Font-Romeu-Odeillo-Via. Hier enden einige von Villefranche kommende Züge.

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21 Den spektakulärsten Abschnitt haben wir hinter uns, nun folgt ein lieblicherer auf der Hochebene. Hier zwischen Font-Romeu und Saillagousse.

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22 Wir erreichen Bourg-Madame. Spätestens ab Font-Romeu hat sich der Zug stark geleert und ist nun auch deutlich pünktlicher unterwegs als vorher. Einige Stationen werden sogar mehrere Minuten zu früh erreicht, was mir auch hier diese Fotopause mit Blick auf unseren Zug ermöglicht.

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23 Am Endbahnhof Latour de Carol-Enveitg sind nur noch wenige Fahrgäste an Bord, so kann ich noch einmal den Innenraum meines Wagens ablichten.

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24 Wir befinden uns an einem der seltenen Bahnhöfe mit drei Spurweiten - links unsere Meterspurlinie aus der Cerdagne, in der Mitte die in den Rücken der Kamera abgehende Normalspurstrecke nach Toulouse und rechts die spanische Breitspur. Mit dem Zug rechts (den Rodalies de Catalunya, soll so etwas wie eine S-Bahn sein, fährt hier aber nur viermal am Tag und hat noch drei Stunden vor sich bis in die große Stadt) geht es gleich weiter Richtung Barcelona.

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25 Zwischendurch hält man kurz hinter der Grenze, nun auf spanischem Boden, in Puigcerda. Ab hier gibt es ein paar mehr Züge.

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26 Nach einem Halt in Toses - einem typischen katalanischen Bergdorf - ...

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27 ... erreichen wir am Nachmittag unser Nachtquartier in Planoles. Fahrkarten kann man hier nicht kaufen, ...

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28 ... aber eine Bahnhofsgaststätte gibt es nebenan.

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29 Die Bahn fährt unten im Tal, etwas oberhalb liegt der Ortskern von Planoles.

Kurze Werbepause hier...

Immer der Sonne nach! (5/7, 55 Bilder)

Splittergattung, Donnerstag, 19.04.2018, 23:17 (vor 2892 Tagen) @ Splittergattung

... und da sind wir wieder.

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30 Am nächsten Morgen geht es eine Station weiter nach Ribes de Freser.

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31 Nebendran liegt der Bahnhof Ribes-enllac der meterspurigen Zahnradbahn Cremallera de Núria.

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32 Man spricht Katalanisch. Auch am Fahrkartenschalter wird kaum eine andere Sprache verstanden - mit dem Interrail-Pass bekommt man die Fahrt zum halben Preis, aber den muss man dem Personal schon wortlos unter die Nase halten, damit sie verstehen, was man möchte, wenn man kein Katalanisch kann.

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33 Abgestellt im Bahnhof sind historische Fahrzeuge, die zumindest teilweise auch noch betriebsfähig sind...

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34 ... und ein Sportwagen - kam 2008 aus der Schweiz.

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35 Unser Zug fährt ein. Auch er ist - wie alle im Planbetrieb eingesetzten Fahrzeuge - eine schweizerische Konstruktion, aber eigens für die CdN gebaut.

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36 Die Strecke hat zwei Zwischenhalte - den Haltepunkt Ribes-Vila auf dem Stadtgebiet, näher am Zentrum als der Bahnhof Ribes-enllac, und den Ort Queralbs auf halber Strecke. Das Betriebsregime sieht, soweit ich das beobachten konnte, vor, dass ein Zug in Ribes-enllac, einer in Ribes-Vila und einer hier in Queralbs startet, wo es einen großen P+R-Parkplatz gibt. Oberhalb ist das Vall de Núria autofrei. Ab Queralbs fahren die Züge dann im Konvoi hoch, wobei nicht immer alle drei fahren - der ab/bis Queralbs wohl nur in der HVZ.

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37 Weiter bergwärts. Panoramawagen vermisse ich hier.

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38 Núria ist im Prinzip eine Wallfahrtskirche mit angeschlossenem Freizeitpark samt Ponyreiten und See zum Bootfahren. Im Winter ist hier großes Skigebiet. Besinnliche Einkehr im Glauben geht anders.

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39 Der Freizeitpark vor Bergkulisse.

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40 Romantischere Ecken.

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41 Schienen- und Seeverkehr auf knapp 2000 Metern Höhe.

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42 Die Wallfahrtskirche, der Muttergottes geweiht, von außen...

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43 ... und innen.

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44 Wieder talwärts per Bahn.

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45 Queralbs. Der Zug rechts macht Bahnsteigwende und fährt gleich wieder hoch, vorne links geht's talwärts und der Zug hinten in der Mitte kommt aus dem Tal und fährt gleich gemeinsam mit dem rechts nach Núria.

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46 Wir steigen aber aus und besuchen lieber den Ort.

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47, 48 Schön hier.

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49 Aber wie schon vor zwei Tagen in Perpignan und gestern in Planoles zieht am späten Nachmittag Regen und Gewitter auf. Scheint typisch für die Gegend.

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50 Wir fahren also wieder runter und gönnen uns nochmal diesen Blick aus dem hinteren Führerstand auf die Zahnstange. Müsste System Abt sein.

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51 Diesmal fahren wir nicht mit einem neuen Stadler GTW, sondern mit einem etwas älteren Modell, das uns nach Ribes-Vila bringt. Hier steigen wir aus.

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52, 53 Bis zur Abfahrt bleibt noch Zeit für einen kleinen Stadtrundgang durch das festlich geschmückte Ribes.

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54 Auch Freunde der deutschen Kneipenkultur werden hier fündig.

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55 Und mit diesem Bild verabschieden wir uns aus den Pyrenäen. Nach einem weitgehend fotolosen und deshalb auch hier nicht dokumentierten Stopp in Barcelona melden wir uns dann als nächstes aus Valencia. Bis dann!

Immer der Sonne nach! (5/7, 55 Bilder)

moonglum, Hagen, Freitag, 20.04.2018, 08:40 (vor 2892 Tagen) @ Splittergattung

Große Klasse

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Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen, keine Mikrowelle und kein in Schüsseln gepamptes Essen gibt.

https://adobe.ly/2PMZyEV

Vielen herzlichen Dank für den Reisebericht!

heinz11, Freitag, 20.04.2018, 22:36 (vor 2891 Tagen) @ Splittergattung

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