NL: "Planung HSL-Oost soll wieder ausgegraben werden". (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 06.04.2018, 11:02 (vor 2955 Tagen)

Hallo ICE-Fans,

seit vorgestern gibt es dann die Direktverbindung London-Amsterdam (andersrum nach wie vor Umstieg in Brüssel erforderlich).
Jetzt möchte der NS-Vorsitzende die Planungen der HSL-Oost ausgraben. Ziel sei eine Verbesserung der Verbindung Amsterdam-Berlin.

Interessant. Damals war die HSL-Oost als Verbesserung von Amsterdam-Köln gemeint.

Übersetztes Zitat:

Hallo! [1] China investiert 300 Milliarden in Rennbahnen, während wir in Europa zuerst über [2] Inlandsfernverkehr und [3] erst danach den internationalen Fernverkehr reden! Reisen zwischen [4] Paris, London, Amsterdam, Brüssel, Berlin und meinetwegen Warschau und Prag sind für die Rennbahn massgeschneidert! Zudem ist die Bahn auch besser für die Umwelt.

Zu 1: Hallo! Europa ist kein China.

- 300 Milliarden (Euro?) auf 1,3 Milliarden Einwohner (Europa nur 1/4 Teil davon), das macht 230 Euro pro Einwohner.
Wie sieht die Quote in Europa aus?
- In China sucht man auf der Achse Urumqi-Beijing-Guangzhou (5000 km) vergeblich nach einer Staats- oder Systemgrenze. Zwischen Lissabon-Moskau liegen drei Spurweiten, vier Stromsysteme und mindestens 6 Staatsgrenzen (PT-ES-FR-DE-PL-BY-RU)
- In China liegen die (an sich viel dichter besiedelten) Ballungsräume jeweils 300 km auseinander, mit Niemandsland dazwischen. Das ist HGV-prädestiniert. Europa hat dagegen überwiegend IC-Verkehre, die auch Mittel- und Kleinstädte miteinander verbinden.
- Genauso wie ein Euro kann man auch einen Yuan nur einmal ausgeben. Yuans die in die Bahn investiert werden, kann man anderswie nicht mehr ausgeben.

Zu 2: Inlandsfernverkehr ist gleich Inlandsfernverkehr ist nicht gleich Inlandsfernverkehr.
In den "grossen Fünf" (UK/DE/FR/ES/IT, meinetwegen auch TR) lohnt sich Inlandsfernverkehr mit Rennzügen über Rennbahnen. In Ländern wie BE/NL/CH/AT erst wenn die Verbindungen international sind.

Zu 3: da muss ich leider zustimmen. Ich finde es nach wie vor krass dass ich von Eindhoven nach Amsterdam in 10-Minutentakt mit "IC" reisen kann, während ich nach Düsseldorf (das mehr Einwohner hat und näher liegt) nur Stundentakt mit einer Bummelbahn habe.

Zu 4: London-Berlin? Bin ich mir nicht sicher. Gut, ist auch nicht problematisch, der Normalchinese wird Guangzhou-Beijing oder Beijing-Urumqi ja auch fliegen. Ein Fuxing Hao Guangzhou-Beijing wird zwar immer voll sein, aber von den etwa 1100 Fahrgästen die in Guangzhou eingestiegen sind, steigen nur einige in Beijing aus; die restlichen der 1100 Beijing-Aussteiger sind anderswo in den Fuxing Hao eingestiegen.

Zu Amsterdam-Berlin habe ich auf besagter Webseite ein Kommentar hinterlassen.
Wenn schon HGV, dann via Duisburg und eine noch zu bauen Rennbahn Dortmund-Hannover-Hamburg mit Hannover-Bypass. Dann profitieren NRW-Berlin, NRW-Hamburg, NRW-Hannover-Dresden, Hamburg-München und Hamburg-Basel.
Bei uns in NL bestenfalls Utrecht-Arnhem für 200 km/h. Die Städte liegen nur 58 km auseinander. 300 km/h, wie auf der HSL-Zuid, wurde dort wenig Sinn machen.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Sprachgrenzen dämpfen die Nachfrage

Alphorn (CH), Freitag, 06.04.2018, 13:05 (vor 2955 Tagen) @ Oscar (NL)

Ein wichtiger Unterschied zwischen China und Europa ist auch die Tatsache, dass China eine gemeinsame Sprache hat. Verschiedene Sprachen reduzieren die (Geschäfts-)Beziehungen zwischen Menschen und damit auch die Nachfrage nach Reisen. Ein weiterer Grund, warum internationaler Fernverkehr es in Europa schwer hat und selten die nötigen Passagierzahlen für HGV zusammenbringt.

Sprachgrenzen dämpfen die Nachfrage

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Freitag, 06.04.2018, 13:28 (vor 2955 Tagen) @ Alphorn (CH)

Ein wichtiger Unterschied zwischen China und Europa ist auch die Tatsache, dass China eine gemeinsame Sprache hat.

Ja und nein. Ein chinesischer Kollege erklärte mir letztens, die Schriftzeichen und ihre Bedeutungen seien zwar überall gleich, aber sie würden in verschiedenen Landesteilen komplett unterschiedlich ausgesprochen. Wenn man der jeweiligen Aussprache nicht mächtig ist, bleibt nur die gemeinsame Schriftsprache.

Selbst keiner chinesischen Sprache mächtig seiende Grüße
der Colaholiker

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Sprachgrenzen dämpfen die Nachfrage

Aphex Twin, Freitag, 06.04.2018, 22:10 (vor 2954 Tagen) @ Colaholiker

Ein wichtiger Unterschied zwischen China und Europa ist auch die Tatsache, dass China eine gemeinsame Sprache hat.


Ja und nein. Ein chinesischer Kollege erklärte mir letztens, die Schriftzeichen und ihre Bedeutungen seien zwar überall gleich, aber sie würden in verschiedenen Landesteilen komplett unterschiedlich ausgesprochen. Wenn man der jeweiligen Aussprache nicht mächtig ist, bleibt nur die gemeinsame Schriftsprache.

Allerdings fällt das Chinesisch von rund 70% der Personen in die Sprachgruppe Mandarin. Nicht alle Varianten des Mandarin sind gegenseitlich verständlich aber eine standardisierte Variante funktioniert als Lingua Franca in China. Und moderne Massenmedien tragen durchaus dazu bei das jüngere Generationen ein weniger varianten-reiches Mandarin sprechen.

Zuständigkeitsgrenzen dämpfen die Nachfrage

ThomasK, Freitag, 06.04.2018, 23:34 (vor 2954 Tagen) @ Colaholiker

Ein wichtiger Unterschied zwischen China und Europa ist auch die Tatsache, dass China eine gemeinsame Sprache hat.


Ja und nein. Ein chinesischer Kollege erklärte mir letztens, die Schriftzeichen und ihre Bedeutungen seien zwar überall gleich, aber sie würden in verschiedenen Landesteilen komplett unterschiedlich ausgesprochen. Wenn man der jeweiligen Aussprache nicht mächtig ist, bleibt nur die gemeinsame Schriftsprache.

Selbst keiner chinesischen Sprache mächtig seiende Grüße
der Colaholiker


Der große Unterschied ist aber der, dass die Hochgeschwindigkeitsstrecken für China zentral in Peking geplant werden.

Ob da dieses oder jenes Zeichen anders ausgesprochen wird, dürfte der chinesischen Regierung völlig egal sein.

In Europa ist die Situation aber ganz anders. Der Bau von Verkehrswegen liegt eindeutig in der Kompetenz der Mitgliedsstaaten und nicht der EU. Die EU kann nur entscheiden, ob sie dieses oder jenes Projekt bezuschusst.

Die unterschiedlichen Sprachen sind irrelevant. Entscheidend ist, dass die Planung zentral bei einer Regierungsstelle durchgeführt wird. Der Gotthard Basistunnel wurde auch in Bern bzw. von den Schweizern beschlossen. Da ist es egal, ob am Nordportal Deutsch und am Südportal Italienisch gesprochen wird. Und für die Verkehrsplanung spielt auch der Röstigraben keine Rolle. Entscheidend ist, dass die zentrale Planungsgewalt in Bern liegt.

Sprachgrenzen dämpfen die Nachfrage

SPFVG, Samstag, 07.04.2018, 22:49 (vor 2953 Tagen) @ Colaholiker

Ein wichtiger Unterschied zwischen China und Europa ist auch die Tatsache, dass China eine gemeinsame Sprache hat.


Ja und nein. Ein chinesischer Kollege erklärte mir letztens, die Schriftzeichen und ihre Bedeutungen seien zwar überall gleich, aber sie würden in verschiedenen Landesteilen komplett unterschiedlich ausgesprochen. Wenn man der jeweiligen Aussprache nicht mächtig ist, bleibt nur die gemeinsame Schriftsprache.

Ja da gibts mehrere Varianten:
https://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Sprachen

Bei der Bevölkerungsanzahl auch kein Wunder.

Ich erinnere mich an die Übergabe von Hong Kong Anno 97, als ein Politiker aus Peking nach HK kam und ne tolle Rede hielt .. aber das Publikum ihn nur mit leeren Blicken anstarrte, weil keiner was verstand.

Sprachgrenzen dämpfen die Nachfrage immer weniger

Chrispy, Samstag, 07.04.2018, 09:23 (vor 2954 Tagen) @ Alphorn (CH)
bearbeitet von Chrispy, Samstag, 07.04.2018, 09:24

Betrachtet man jedoch die Passagierzahlen im Internationalen Verkehr, so fällt auf, dass die Züge sehr gut ausgelastet sind. Schau dir mal die ECs aus der Schweiz nach Italien an oder bis vor den Terroranschlägen in Paris die TGVs nach Paris. Diese Züge sind/waren jeweils proppenvoll (der TGV verkehr scheint sich nun auch langsam wieder zu erholen). Laut BfS zählte man z.B. 80'500 Reisende pro Tag (ca. 30 Mio Reisende im Jahr) im grenzüberschreitenden Fernverkehr in der Schweiz. Zugegeben, nicht jeder Reisende überschritt dabei eine Sprachgrenze, dennoch rechtfertigen diese Zahlen den Ausbau internationaler Verbindungen.

Auch in der EU scheinen sich die grenzüberschreitenden Verkehre überdurchschnittlich positiv zu entwickeln. Erst kürzlich vermeldete die DB ihre Zahlen für grenzüberschreitende Verkehre im Jahr 2017.
Frankfurt - Paris: > 2 Mio grenzüberschreitende Fahrgäste (+22 % seit 2016)
Frankfurt - Brüssel: 1.1 Mio grenzüberschreitende Fahrgäste (+37 %)
Frankfurt/Berlin - Amsterdam: 2.5 Mio grenzüberschreitende Fahrgäste (+10 %)

Der Wirtschaftraum Europa nimmt langsam From an und viele Leute orientieren sich bei der Jobsuche nun auch über Landes- und Sprachgrenzen hinaus, wobei sich Englisch als Verständigungssprache durchzusetzen scheint (Frankreich ausgenommen). Dabei wird unweigerlich Mehrverkehr über die Grenzen generiert.

NL: "Planung HSL-Oost soll wieder ausgegraben werden".

SPFVG, Samstag, 07.04.2018, 23:40 (vor 2953 Tagen) @ Oscar (NL)

Zu Amsterdam-Berlin habe ich auf besagter Webseite ein Kommentar hinterlassen.
Wenn schon HGV, dann via Duisburg und eine noch zu bauen Rennbahn Dortmund-Hannover-Hamburg mit Hannover-Bypass. Dann profitieren NRW-Berlin, NRW-Hamburg, NRW-Hannover-Dresden, Hamburg-München und Hamburg-Basel.

Wieso unbedingt über Duisburg? Da müsste man dann Kopf machen, kostet doch nur wertvolle Zeit. Nördlich von Duisburg gibts dagegen 2 Möglichkeiten nach Osten abzuzweigen (Sterkrade und Oberhausen), am kürzesten ist bei Oberhausen und dann über Gelsenkirchen / Herne nach Dortmund (50,1km).

Preisfrage ist halt nur, ob man da freie Trassen bekommt. Über Herne hat die Strecke außerdem oft nur Vmax 120, da wäre ein Ausbau sicherlich nicht verkehrt.

Prinzipiell ist die HSL-Oost doch ne nette Sache, sowohl nach Köln (-Frankfurt) als auch nach Berlin gibt es potentielle Vorteile.

Wieso Du jetzt Hamburg nennst, erschließt sich mir nicht, will man in NL auch noch schneller nach Hamburg? Das wär doch ein viel zu langer Umweg, über Hengelo-Osnabrück gehts viel direkter v.a. beginnt gleich hinter Osnabrück die Ausbaustrecke mit Vmax 200 nach Bremen. Ne längere Strecke durch HGV auszugleichen bringt da keinen großen Reisezeitgewinn, wenn überhaupt.

Zumindest Bielefeld-Hannover soll auch ausgebaut werden:
http://www.bvwp-projekte.de/schiene/2-016-V01/2-016-V01.html

Außerdem allerdings noch die Direktstrecke über Osnabrück:
http://www.bvwp-projekte.de/schiene/2-021-V01/2-021-V01.html

Das ist sicher die Ideallinie und man spart sich den Engpass Ruhrpott.

Vielleicht will man die "neue" HSL Oost jetzt über Apdo bauen?

Naja mal Abwarten und ein Heißgetränk zu sich nehmen ;)

OT-Frage zu London-Amsterdam

ICE11, Aachen, Sonntag, 08.04.2018, 00:03 (vor 2953 Tagen) @ Oscar (NL)

seit vorgestern gibt es dann die Direktverbindung London-Amsterdam (andersrum nach wie vor Umstieg in Brüssel erforderlich).

Der fährt ja Brüssel-Rotterdam nonstop. In Antwerpen dann trotzdem "unten durch" oder "außen rum"?

Antwort zu London-Amsterdam

462 001, Taunus, Sonntag, 08.04.2018, 00:17 (vor 2953 Tagen) @ ICE11

Nabend,

seit vorgestern gibt es dann die Direktverbindung London-Amsterdam (andersrum nach wie vor Umstieg in Brüssel erforderlich).

Der fährt ja Brüssel-Rotterdam nonstop. In Antwerpen dann trotzdem "unten durch" oder "außen rum"?

in einem Youtube Video habe ich gesehen, das er unten durch fährt.


Gruß ausm Taunus

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