Frühling zwischen Südtirol und Aostatal 5/7 Fortsetzung (Reiseberichte)

TD, Samstag, 17.03.2018, 16:33 (vor 2926 Tagen) @ TD

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So, nun wird es aber Zeit für die Weiterfahrt. Da Aosta bahntechnisch eine Sackgasse ist, steht uns jetzt eine Etappe mit dem Bus bevor. Die italienische Busgesellschaft SAVDA und die schweizerische TMR bieten Busverbindungen von Aosta durch den Großen-St.-Bernhard-Tunnel nach Sembrancher bzw. Martigny an.
Bei der Reiseplanung wäre mir hier beinahe ein böser Fehler passiert, denn der Bus fährt nur an bestimmten Wochentagen (Dienstag und Freitag), das hatte ich zwischenzeitlich aus dem Auge verloren und schon ein Hotel in Aosta gesucht - da hätten wir am nächsten Morgen ein Problem gehabt. Aber gut, ich hatte es noch rechtzeitig gemerkt und die Übernachtung deshalb auf die schweizerische Seite verlegt.

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Das kann man jetzt auf dem Bild nicht so gut erkennen – aber der lange Arm der DB erreicht uns auch hier, die Savda Autoservizi Valle d’Aosta ist eine DB-Company. Ich hatte die Fahrkarten schon vorab online gebucht, andere Fahrgäste werden vom Busfahrer zum Fahrkartenkauf erst zum Ticketschalter des Busbahnhofs geschickt, so dass der Bus schließlich mit 10 Minuten Verspätung startet.

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In zügiger Fahrt geht es hinauf zum Portal des Großen St-Bernhard-Tunnels. Der Straßentunnel unterquert den Großen-St.-Bernhard-Pass auf rund 1.900 Metern über dem Meer.

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Der 5,8 Kilometer lange Tunnel wurde 1964 eröffnet, er wird privat betrieben und die Benutzung ist gebührenpflichtig. Das hier ist noch nicht der Tunnel selbst, sondern der Beginn der mit einer Schutzgalerie überbauten Zufahrt zum Tunnel.

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Hier ein letzter Blick von der italienischen Seite. Die italienisch-schweizerische Grenze befindet sich im Tunnel...

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...und hier sind wird dann in der Schweiz angekommen und fahren hinab ins Wallis. Der Bus verlässt dann die Hauptstraße und fährt durch den Ort Orsières zum dortigen Bahnhof.

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Der Bus fährt bis Sembrancher, wir steigen aber bereits am Bahnhof von Orsières aus, da wir die Strecke zwischen Orsières und Sembrancher lieber mit dem Zug zurücklegen. Der Bus scheint einen großzügigen Fahrplan bzw. Zuschläge für schlechte Witterungsverhältnisse oder Grenzkontrollen zu haben, jedenfalls sind wir trotz verspäteter Abfahrt fast 20 Minuten vor Plan in Orsières. Der Bus hält nur zum Ausstieg und fährt dann gleich weiter.

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Jedenfalls haben wir dadurch Zeit für eine Runde um den Bahnhof. Aufgrund des geplanten Baus eines Aluminiumwerks in Orsières erhielt der kleine Ort im Val d'Entremont 1910 einen Bahnanschluss durch die Chemin de fer Martigny–Orsières (MO). Weder das Aluminiumwerk noch eine geplante Verbindung ins Aostatal kamen jedoch zustande, so dass der Verkehr auf der Strecke bescheiden blieb.

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Der Verkehr wird heute mit NINA-Triebwagen abgewickelt, links steht mit einem EAV-Triebwagen ein Vertreter der Vorgänger-Generation. Hier in Orsières befinden sich Depot und Werkstätte der Bahn.

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Im Jahr 2000 fusionierten die Chemin de fer Martigny–Orsières und die Chemin de fer Martigny-Châtelard zu den Transports de Martigny et Régions (TMR), welche nun unter der Marke St. Bernard Express die 19 km lange Strecke von Martigny über Sembrancher nach Orsières und die 6 km lange Stichstrecke nach Le Châble betreiben. Die Strecke nach Le Châble wollen wir am nächsten Reisetag besuchen.

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Die Bahnstrecke folgt dem Tal der Dranse d’Entremont, dabei werden auch mehrere Tunnel durchfahren.

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In Sembrancher treffen die beiden Bahnstrecken in einem Keilbahnhof aufeinander. Die Züge sind auf der Strecke nach Le Châble durchgebunden, während Orsières mit einem Pendelzug bedient wird. Für uns heißt es hier deshalb umsteigen, aus Le Châble kommt schon der Zug nach Martigny eingefahren.

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In Sembrancher vereinigen sich die beiden Flüsse Dranse d’Entremont und Dranse de Bagnes zur Dranse, die Bahnstrecke folgt weiter dem teils schluchtartig engen Tal und quert den Fluss mehrfach.

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Schließlich endet der vierte Reisetag in Martigny im Unterwallis. Als wir im Zentrum ankommen, liegt die Altstadt schon im Schatten der umliegenden Berge.

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Wir laufen noch hinauf zur Höhenburg Château de la Bâtiaz, die um das Jahr 1232 gebaut wurde, um die Passstraße zum Großen St. Bernhard zu kontrollieren. Unter uns fließt die Dranse, die Bahnstrecke des St. Bernard Express verläuft am Fuße des linken Berghangs in das Tal.

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Die Dranse mündet bei Martigny in die Rhone, hier der Blick ins Rhonetal. Martigny liegt an der Simplonbahn, in Blickrichtung gerade aus geht es nach Brig, der Zug im Bild fährt in Richtung Genfersee.

Und damit sind wir auch am Ende dieses Teils angelangt. In den nächsten Tagen folgt der sechste Teil, dann befahren wir den zweiten Ast des St. Bernard Express nach Le Châble und besuchen anschließend die Schmalspurbahn nach Les Diablerets.

Viele Grüße und einen schönen Sonntag

Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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