Frühling zwischen Südtirol und Aostatal 5/7 | 56 B (Reiseberichte)

TD, Samstag, 17.03.2018, 16:32 (vor 2929 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum fünften Teil unserer Frühlingstour zwischen Südtirol und Aostatal. Im vierten Teil hatten wir die Nonstalbahn besucht und waren von Trient über die Valsuganabahn nach Bassano del Grappa gefahren. Heute steht nun die kilometermäßige größte Tagesetappe an, von Bassano del Grappa fahren wir ins Aostatal und weiter in die Schweiz.

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Tag 4: Bassano del Grappa – Castelfranco Veneto – Vicenza – Turin – Ivrea – Aosta – Orsières – Sembrancher - Martigny

Der Bahnhof von Bassano del Grappa wurde 1908 eröffnet, damals erreicht die Bahnstrecke aus Mestre den Ort. Auf dieser Strecke fahren wir nun nach Castelfranco Veneto. Ein Flirt in den Farben der Region Venetien wartet schon.

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Die viertelstündige Fahrt ist schnell vorüber und die flache Landschaft Venetiens nicht besonders aufregend. In Castelfranco Veneto gibt es direkt Anschluss an einen Regionalzug nach Vicenza. Auch dies ist ein blauer Flirt, allerdings habe ich von dieser Etappe keine Bilder, denn wir sind nun mitten im Berufsverkehr unterwegs und bekommen nur Stehplätze.

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Nachdem wir in den letzten Tagen überwiegend mit Regionalverkehrszügen gefahren waren, gibt es mit dem Frecciarossa nun einen Ausflug in die Welt der Hochgeschwindigkeitszüge. Für die nächsten knapp 3 Stunden warten zwei Plätze in der Business-Klasse auf uns. Die Strecke führt über Verona und Brescia nach Mailand.

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Während der Fahrt durch Venetien wünscht die Trenitalia mit einem Präsenttütchen „Buona Pasqua“ (Frohe Ostern). Ich vermute, das Titelbild von La Freccia zeigt den legendären Luxus-Triebzug Settebello mit dem Aussichtsabteil im Kanzelwagen.

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Bei der Fahrt durch Peschiera del Garda lässt sich der Gardasee erahnen, wobei das hier der Fluss Muncio am Abfluss des Gardasees ist. Ab Brescia nimmt der Zug auf der Schnellfahrtstrecke Fahrt auf, eine Livecam bietet den Fahrgästen einen Blick auf die Strecke.

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In Mailand fährt der Zug in den Bahnhof Centrale ein, nach dem Fahrtrichtungswechsel geht es dann auf die Schnellfahrtstrecke nach Turin. Nachdem wir zuletzt mit dem TGV auf der Altstrecke gefahren waren (zum Reisebericht), können wir nun also die schnelle Trasse kennenlernen.

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Die Strecke von Mailand nach Turin führt parallel zur Autobahn und ist nicht besonders aufregend...

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…so schauen wir mal, was das Bordportal zu bieten hat. Am besten gefällt mir die Seite mit den Fahrtinformationen wie Karte, Geschwindigkeit und Fahrplan. Die Fahrplanauskunft warnt uns zwar „Ein Bahnhof wird mehrfach durchfahren“, aber Zeit ist genug, so dass wir bis zum Bahnhof Porta Nuova durchfahren und nicht schon am Tiefbahnhof Porta Susa umsteigen.

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Im Bahnhof von Turin kaufen wir noch etwas Proviant, dann geht es im Nahverkehr weiter. Mit einem Regionalzug fahren wir zunächst bis Ivrea.

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Der Zug fährt bis Chivasso, macht dort Kopf und unterquert auf der weiteren Fahrt die Schnellfahrstrecke nach Mailand. Landschaftlich ist die Fahrt durch die Po-Ebene recht langweilig.

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Nach einer Stunde erreicht der Zug den Ort Ivrea. Bis Ivrea ist die Strecke elektrifiziert, hier ist Umsteigen angesagt, im gleichen Gleis wartet bereits ein Minuetto-Dieseltriebzug nach Aosta.

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Ivrea kennzeichnet den Übergang von der Po-Ebene zum Aostatal, die Fahrt auf der weiteren Strecke wird nun landschaftlich deutlich interessanter. Die Strecke führt bis Aosta durch das Flusstal der Dora Baltea.

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Etwas kurios ist der Bahnhof Donnaz – denn der zugehörige Ort schreibt sich seit 1976 Donnas. Und da bleibt auch die Fahrplanauskunft eisern: wer nach Donnas fahren möchte, muss Donnaz eingeben, sonst heißt es „La stazione di arrivo inserita e' errata.“

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Falls tatsächlich mal jemand nach Donnas fahren möchte: so sieht es in dem 2.500-Einwohner-Dorf im engen Tal der Dora Baltea aus.

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Bei Verrès am Eingang zum Ayastal fällt der Blick auf eine imposante Burg in Form eines Steinwürfels mit einer Seitenlänge von 30 Metern. Die feudale Festung wurde um 1390 erbaut.

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Mehrfach wechselt die Bahnstrecke die Talseite und überquert den Fluss Dora Baltea. Der Alpenfluss kommt aus dem Mont Blanc-Massiv und fließt zum Po. Der Begriff Aostatal beschreibt die gesamte Region, zu der neben dem Tal der Dora Baltea auch weitere Nebentäler gehören.

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Während unseres Besuchs begegnen uns ausschließlich Minuetto-Triebzüge, die Region Aostatal hat aber bimodale Flirt 3 bestellt, die ab 2018 in Betrieb genommen und dann auf der Gesamtstrecke Turin-Aosta eingesetzt werden sollen.

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Schließlich ist die Endstation Aosta erreicht. Nach dem Aussteigen blicken wir auf die Gleise, die noch 31 Kilometer weiter bis Pré-Saint-Didier führen. Der Verkehr auf diesem Abschnitt ist seit 2015 eingestellt.

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Der Bahnhof von Aosta wurde 1886 eingeweiht. Früher gab es Pläne, die Strecke von Aosta über Pré-Saint-Didier hinaus durch einen Tunnel unter dem Kleinen Sankt Bernhard-Pass weiterzuführen bis ins französische Bourg-Saint-Maurice, diese Pläne wurden jedoch nie verwirklicht.

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Wir haben nun eine Dreiviertelstunde Zeit für einen kleinen Stadtrundgang durch Aosta. Die 35.000-Einwohner-Stadt in den italienischen Alpen liegt im Dreiländereck zwischen Italien, Frankreich und der Schweiz. Die Region ist zweisprachig, Amtssprachen sind Italienisch und Französisch. Hier sind wir im Zentrum auf der Piazza Emile Chanoux mit dem neoklassischen Rathaus angekommen. Weiter geht’s zur Cattedrale di Santa Maria Assunta.

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Die strategisch günstige Lage am Alpenpass wurde auch von den Römern geschätzt, mehrere Bauwerke erinnern an die Römerzeit, so wie die Porta Praetoria. Das Stadttor war der Hauptzugang zur damaligen Stadt Augusta Praetoria und wurde im Jahr 25 v. Chr. errichtet.

Es geht gleich weiter...

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Frühling zwischen Südtirol und Aostatal 5/7 Fortsetzung

TD, Samstag, 17.03.2018, 16:33 (vor 2929 Tagen) @ TD

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So, nun wird es aber Zeit für die Weiterfahrt. Da Aosta bahntechnisch eine Sackgasse ist, steht uns jetzt eine Etappe mit dem Bus bevor. Die italienische Busgesellschaft SAVDA und die schweizerische TMR bieten Busverbindungen von Aosta durch den Großen-St.-Bernhard-Tunnel nach Sembrancher bzw. Martigny an.
Bei der Reiseplanung wäre mir hier beinahe ein böser Fehler passiert, denn der Bus fährt nur an bestimmten Wochentagen (Dienstag und Freitag), das hatte ich zwischenzeitlich aus dem Auge verloren und schon ein Hotel in Aosta gesucht - da hätten wir am nächsten Morgen ein Problem gehabt. Aber gut, ich hatte es noch rechtzeitig gemerkt und die Übernachtung deshalb auf die schweizerische Seite verlegt.

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Das kann man jetzt auf dem Bild nicht so gut erkennen – aber der lange Arm der DB erreicht uns auch hier, die Savda Autoservizi Valle d’Aosta ist eine DB-Company. Ich hatte die Fahrkarten schon vorab online gebucht, andere Fahrgäste werden vom Busfahrer zum Fahrkartenkauf erst zum Ticketschalter des Busbahnhofs geschickt, so dass der Bus schließlich mit 10 Minuten Verspätung startet.

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In zügiger Fahrt geht es hinauf zum Portal des Großen St-Bernhard-Tunnels. Der Straßentunnel unterquert den Großen-St.-Bernhard-Pass auf rund 1.900 Metern über dem Meer.

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Der 5,8 Kilometer lange Tunnel wurde 1964 eröffnet, er wird privat betrieben und die Benutzung ist gebührenpflichtig. Das hier ist noch nicht der Tunnel selbst, sondern der Beginn der mit einer Schutzgalerie überbauten Zufahrt zum Tunnel.

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Hier ein letzter Blick von der italienischen Seite. Die italienisch-schweizerische Grenze befindet sich im Tunnel...

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...und hier sind wird dann in der Schweiz angekommen und fahren hinab ins Wallis. Der Bus verlässt dann die Hauptstraße und fährt durch den Ort Orsières zum dortigen Bahnhof.

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Der Bus fährt bis Sembrancher, wir steigen aber bereits am Bahnhof von Orsières aus, da wir die Strecke zwischen Orsières und Sembrancher lieber mit dem Zug zurücklegen. Der Bus scheint einen großzügigen Fahrplan bzw. Zuschläge für schlechte Witterungsverhältnisse oder Grenzkontrollen zu haben, jedenfalls sind wir trotz verspäteter Abfahrt fast 20 Minuten vor Plan in Orsières. Der Bus hält nur zum Ausstieg und fährt dann gleich weiter.

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Jedenfalls haben wir dadurch Zeit für eine Runde um den Bahnhof. Aufgrund des geplanten Baus eines Aluminiumwerks in Orsières erhielt der kleine Ort im Val d'Entremont 1910 einen Bahnanschluss durch die Chemin de fer Martigny–Orsières (MO). Weder das Aluminiumwerk noch eine geplante Verbindung ins Aostatal kamen jedoch zustande, so dass der Verkehr auf der Strecke bescheiden blieb.

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Der Verkehr wird heute mit NINA-Triebwagen abgewickelt, links steht mit einem EAV-Triebwagen ein Vertreter der Vorgänger-Generation. Hier in Orsières befinden sich Depot und Werkstätte der Bahn.

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Im Jahr 2000 fusionierten die Chemin de fer Martigny–Orsières und die Chemin de fer Martigny-Châtelard zu den Transports de Martigny et Régions (TMR), welche nun unter der Marke St. Bernard Express die 19 km lange Strecke von Martigny über Sembrancher nach Orsières und die 6 km lange Stichstrecke nach Le Châble betreiben. Die Strecke nach Le Châble wollen wir am nächsten Reisetag besuchen.

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Die Bahnstrecke folgt dem Tal der Dranse d’Entremont, dabei werden auch mehrere Tunnel durchfahren.

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In Sembrancher treffen die beiden Bahnstrecken in einem Keilbahnhof aufeinander. Die Züge sind auf der Strecke nach Le Châble durchgebunden, während Orsières mit einem Pendelzug bedient wird. Für uns heißt es hier deshalb umsteigen, aus Le Châble kommt schon der Zug nach Martigny eingefahren.

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In Sembrancher vereinigen sich die beiden Flüsse Dranse d’Entremont und Dranse de Bagnes zur Dranse, die Bahnstrecke folgt weiter dem teils schluchtartig engen Tal und quert den Fluss mehrfach.

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Schließlich endet der vierte Reisetag in Martigny im Unterwallis. Als wir im Zentrum ankommen, liegt die Altstadt schon im Schatten der umliegenden Berge.

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Wir laufen noch hinauf zur Höhenburg Château de la Bâtiaz, die um das Jahr 1232 gebaut wurde, um die Passstraße zum Großen St. Bernhard zu kontrollieren. Unter uns fließt die Dranse, die Bahnstrecke des St. Bernard Express verläuft am Fuße des linken Berghangs in das Tal.

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Die Dranse mündet bei Martigny in die Rhone, hier der Blick ins Rhonetal. Martigny liegt an der Simplonbahn, in Blickrichtung gerade aus geht es nach Brig, der Zug im Bild fährt in Richtung Genfersee.

Und damit sind wir auch am Ende dieses Teils angelangt. In den nächsten Tagen folgt der sechste Teil, dann befahren wir den zweiten Ast des St. Bernard Express nach Le Châble und besuchen anschließend die Schmalspurbahn nach Les Diablerets.

Viele Grüße und einen schönen Sonntag

Tobias

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Frühling zwischen Südtirol und Aostatal - Danke

RhBDirk, Sonntag, 18.03.2018, 19:46 (vor 2928 Tagen) @ TD

Auch hier wieder. Turin, also die Stadt, steht auch noch auf meinem Plan.

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