von der DB lernen! (Allgemeines Forum)

musicus, Dienstag, 06.03.2018, 15:16 (vor 2953 Tagen) @ Frecciarossa
bearbeitet von musicus, Dienstag, 06.03.2018, 15:19

1. Weil sich hohe Reservierungsquoten mit der platzgenauen Auswahl nicht vertragen. Kostenlose Reservierungen oder Reservierung des Wunschplatzes – auf eins von beiden muss man verzichten.

Das ist kein Unterschied zum status quo.

Es ist ein Unterschied.

Und welcher?

Es wird bei gut ausgelasteten Zügen vermehrt zur der Situation führen, dass im Buchungssystem für eine Verbindung kein Platz mehr verfügbar sein wird und der Zug als ausgebucht dargestellt wird, obwohl auf allen Teilstrecken noch Plätze frei sind.

Ist heute schon so. Von mir aus kann man den "Wunschplatz" wieder abschaffen, wenn man dadurch zu einer optimierten Platzzuteilung kommt, bei einer "Inklusivreservierung" stünden mMn die Chancen gut, das auch vermitteln zu können. Vermutlich wird die Idee in der Praxis allerdings am Umstand scheitern, dass eine optimale Verteilung erst dann erfolgen kann, wenn alle (Sitzplatz-)Buchungen feststehen. Das verhindert zum einen die Bekanntgabe der reservierten Plätze bei der Buchung (Platzkarten über den gesamten Zuglauf mal ausgenommen) und schützt zum anderen vor Luftbuchungen ebenfalls nicht.

Heute kann ich jeden beliebigen Platz reservieren, bei kostenloser Reservierung müsste man diese Wahl einschränken, um dieses Problem zu lösen.

Ich kann nur jene Plätze reservieren, die auf dem von mir gewünschten Abschnitt noch nicht bereits vergeben sind. Die Einführung einer "Inklusivreservierung" beinhaltet keineswegs den alternativlosen Zwang, von diesem Vorgehen abzurücken.
> > > 2. Weil es bei kostenlosen Reservierungen viele Luftreservierungen gäbe.

Ich halte das Risiko für überschaubar. Eine "Inklusivreservierung" nach Vorbild der 1. Klasse, ließe sich auch in Klasse 2 gut realisieren - wenn man wollte.

In der 1. Klasse mag das aufgrund der geringeren Auslastung noch angehen, bei gut ausgelasteten Zügen wird es in der 2. Klasse vermehrt zu ausreservierten Zügen führen und zum Komfortverlust für alle diejenigen, die mit einem Zug fahren, in dem sie nicht reserviert haben.

Auch kein Unterschied zu heute, bei Zweifeln empfehle ich die kurzfristige Bahnreise an einem auslastungsstarken Reisetag (Ferien, Feiertage, lange Wochenenden...).
Zur Inklusivreservierung in Klasse 2 habe ich mich schonmal geäußert.

3. Weil es ein Element der Preisdifferenzierung ist. Sparsame Leute verzichten darauf, die mit Kohle bezahlen.

Eher: Vielfahrer verzichten darauf, um jährliche Mehrkosten im mindestens mittleren dreistelligen Bereich zu vermeiden, Wenigfahrer lassen sich einschüchtern.

Es ist eine freie, wirtschaftliche Entscheidung, das muss man nicht polemisch aufblasen.

Welche Freiheit? Welche Polemik? Wirtschaft, hurra!
Wenn man nicht gerade Einzelreisender ist oder am Abfahrtsbahnhof bereits zusteigt, kann man eine gemeinsame Fahrt ohne Reservierung, an Tagen die nun nicht gerade auslastungsschwach sind, vergessen, Freiheit nahe 0. Eine Familie braucht eine Reservierung. Eine Kleingruppe braucht auch eine Reservierung.
Nur als willkürliches Beispiel: mit meinen 82 jährlichen Fahrten bin ich weit von der Wirtschaftlichkeit einer BC100 entfernt, insofern darf es als fraglich gelten, ob ich "Vielfahrer" bin. Dennoch hat diese Anzahl an Reisen ein zusätzliches reservierungstechnisches Finanzpotential etwa in der Größenordnung der Kombination meiner BC50 und BC25F. Abgesehen davon hat die DB pro km bei mir 2017 bereits durchschnittlich 14,8% (an Freitagen durchschnittlich 40%) mehr erlöst als noch im Vorjahr - zusätzlich dazu müssen neben den obligatorisch "differenzierten" Flexpreisen weitere 9,5% für Reservierungen on top nicht auch noch sein.
Ganz abstrakt muss der Vielfahrer (=BC50-Besitzer, der BC100-Fahrer steht auch kaum besser da) für die Reservierung in Klasse 2 zum Ticket einen Aufpreis zwischen 5,7% und 31,6% entrichten. Oder um bei der Wirtschaftlichkeit zu bleiben: jährliche/situative Preissteigerungen in der genannten Größenordnung kann man als Einkäufer ausschließlich als unattraktiv und abstoßend bezeichnen, Polemik ganz überflüssig. Somit ist die Buchung einer 15-Minuten-Platz-freihalten-Option auch keine ökonomische Entscheidung, sondern eine Möglichkeit des psychischen Komforts für all jene, die so selten Bahn fahren bzw. so viel Kohle über haben, dass ihnen Abzocke gleichgültig sein kann.


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