Frühling zwischen Südtirol und Aostatal 1/7 | 56 B (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
nachdem ich zuletzt einen Reisebericht eines winterlichen Tagesausflugs in die Waadtländer Voralpen eingestellt hatte, starten wir nun wieder zu einer längeren Tour. Schon seit langer Zeit wollte ich mal zur Rittner Bahn nach Südtirol, herausgekommen ist schließlich eine abwechslungsreiche fünftägige Alpenrundfahrt. Ich komme leider erst jetzt dazu, die Reise aufzubereiten, sie fand schon im April 2017 statt. Andererseits ist der Zeitpunkt nun eigentlich gar nicht schlecht, denn wer noch Anregungen für eine frühlingshafte Tour in den Süden sucht, wird hier vielleicht fündig. Die erstklassige Tour hatte ich zusammen mit meinem Bruder unternommen.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/079-Suedtirol-Aostatal/79-000Karte.jpg)
Der erste Reisetag war ein „Bonustag“ – dazu gleich mehr. Dann führt uns die Tour von Bregenz über Innsbruck und die Brennerstrecke nach Bozen und hinauf zur Rittner Bahn. Am dritten Reisetag besuchen wir die meterspurige Nonstalbahn und fahren über Trient und das Valsugana nach Bassano del Grappa. Am vierten Tag legen wir bei der Fahrt durch Norditalien eine größere Etappe auf Hochgeschwindigkeitsstrecken zurück, bevor es von Turin ins Aostatal und mit dem Bus durch den Großen-St.-Bernhard-Tunnel ins schweizerische Martigny geht. Zum Abschluss besuchen wir die Strecken des Sankt Bernhard Express, fahren auf der Schmalspurstrecke nach Les Diablerets und nutzen den Goldenpass Panoramic für eine Etappe des Heimwegs an den Bodensee.
Tag 1: Konstanz – Kreuzlingen – St. Gallen – Appenzell – Wasserauen – Gossau – St. Margrethen – Bregenz – Schwarzenberg – Bezau – Bregenz
Normalerweise gibt es einen Bonus oder eine Zugabe erst am Ende. Doch diesmal fangen wir mit einem Bonustag an – und der ist auch nur meiner Bequemlichkeit zu verdanken. Doch von Anfang an: unser erstes Reiseziel ist Bozen in Südtirol. Das kann man von Konstanz aus ganz gut als Tagesreise erreichen. Damit noch ausreichend Zeit für die Rittner Bahn bleibt, wollte ich nicht zu spät in Bozen ankommen. Auch das ist kein Problem, man muss halt nur frühmorgens um sechs in Konstanz abfahren. Nur fährt am Sonntagmorgen so früh kein passender Bus zum Bahnhof und auf das frühe Aufstehen hatte ich auch keine Lust. So entstand der Plan, am Samstag bis Bregenz vorzufahren und am Sonntagmorgen dort bequem und nicht so früh in den Railjet zu steigen. Bei schlechtem Wetter wären wir einfach am Samstagabend nach Bregenz gefahren – doch der Wetterbericht verspricht einen klasse Frühlingstag, und so nutzen wir den Bonustag, um mit dem Seealpsee und dem Wälderbähnle zwei Ausflugsziele im Nahbereich zu besuchen.
Die Tour beginnen wir am Bahnhof von Konstanz, ein GTW von Thurbo bringt uns als S 14 über die Grenze nach Kreuzlingen, dort wechseln wir auf die S 8 zur Fahrt nach St. Gallen.
Von der Fahrt auf der Seelinie habe ich diesmal nicht so viele Bilder; wegen des Sonnenstandes gibt es zudem keinen Blick auf den See, sondern einen Eindruck von der Fahrt durch die Streuobstwiesen im Hinterland hinauf nach St. Gallen.
Nach der Ankunft in St. Gallen wechseln wir zum Nebenbahnhof, wo ein Zug der Appenzeller Bahnen wartet. In Meterspur fahren wir mit der S 22 bis zur Endstation Appenzell.
Die Bahnstrecke steht durch den Bau der sogenannten Durchmesserlinie vor einem Umbruch, der neue Ruckhaldetunnel ersetzt den Zahnstangenabschnitt im Stadtgebiet von St. Gallen. Zudem sollen die Strecken St. Gallen – Trogen und St. Gallen – Appenzell verbunden werden und neue Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Hier der Blick auf die Baustelle des Ruckhaldetunnels, der Tunnel wird 725 Meter lang, durch den Tunnel wird auch die Fahrzeit gegenüber der Zahnradstrecke verkürzt.
Wer noch einmal auf der steilen und kurvenreichen Zahnradstrecke fahren möchte und den Ausblick über den Bahnhof genießen möchte, hat noch bis zum 2. April (Ostermontag) dazu Gelegenheit, dann wird die Strecke für die weiteren Arbeiten unterbrochen. Und noch ein Hinweis für Kurzentschlossene: Morgen (Sonntag 4. März) ist Tag des offenen Tunnels.
Neben bzw. abschnittsweise auch auf der Straße führt die Strecke weiter nach Teufen, hier der prächtige Bahnhof der 6.000-Einwohner-Gemeinde. Unter Rücksichtnahme auf die anderen Fahrgäste muss ich mich mit Fotos aus dem offenen Fenster etwas zurückhalten...
...aber ab Gais sind wir allein im Abteil, so dass nun ein Blick auf die Appenzeller Alpen möglich wird. Auf dem nächsten Bild folgt dann das Sitterviadukt, das knapp 300 Meter über gemauerte Bögen und zwei Eisenbrücken führt.
In Appenzell reicht die Zeit für ein Foto des Bahnhofs...
...dann geht es mit der S 23 weiter nach Wasserauen. Auch diese Linie wird von den Appenzeller Bahnen betrieben.
Entlang des Schwendibachs führt die Bahnstrecke in ein Tal des Alpsteins, beim Blick geradeaus die Pfarrkirche St. Martin von Schwende.
Die Endstation Wasserauen besteht nur aus dem Bahnhof, einigen Höfen und einer Seilbahnstation – gerade mal 30 Einwohner zählt die Siedlung. Als Ausgangspunkt für Wanderungen, der Seilbahn und als Landeplatz für Gleitschirmflieger hat der Ort jedoch eine touristische Bedeutung.
Und auch wir begeben uns nun auf eine Wanderung und folgen den Wegweisern zum Seealpsee. Etwa eine Stunde dauert der Aufstieg auf einem teils sehr steilen Weg – ich hätte nicht gedacht, dass man Anfang April schon so ins Schwitzen kommen kann.
Aber der Weg lohnt sich, auf 1.141 Metern über dem Meer erwartet uns ein idyllischer Bergsee. Der Seealpsee ist umgeben von den Gipfeln des Alpsteingebiets, mit seinem klaren Wasser und Berggasthäusern am Ufer ist er ein beliebtes Ausflugsziel.
Für den Rückweg nach Wasserauen nutzen wir einen Fußweg an der anderen Talseite, der neue Ausblicke auf die Berglandschaft bietet. Am Himmel tummeln sich die Gleitschirmflieger, die von der Ebenalp abheben.
Schließlich steigen wir in Wasserauen wieder in den Zug, diesmal fahren wir mit der S 23 über Appenzell bis zur Endstation Gossau.
Ok, die Kirche von Schwende hatten wir heute schon einmal...
...aber die Fahrt durch das Dorf Weissbad bietet eine neue Perspektive.
Ab Appenzell füllt sich der Zug wieder, so dass ich von der weiteren Fahrt bis Gossau keine Bilder mehr habe. Außerdem mache ich mir etwas Sorgen, denn unser Zug hat drei Minuten Verspätung. Nun, was sind schon drei Minuten Verspätung – in unserem Fall sehr viel, denn genau so lang ist die Übergangszeit in Gossau auf den EC Zürich-München. Und ob wohl ein internationaler Fernzug auf eine S-Bahn wartet?
Es geht gleich weiter...
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