Reisebericht: Von der Ostsee in die Alpen (1/2) (Reiseberichte)

Auf Schiene, Samstag, 03.03.2018, 17:06 (vor 2940 Tagen)

Hallo zusammen,
seit Jahren lese ich in diesem Forum mit und erfreue mich vor allem an den Reiseberichten. Vielen Dank an alle, die uns regelmäßig mit auf ihre Touren nehmen. Auch ich verreise gerne mit der Bahn und habe mich nun dazu entschlossen, meine Reiseberichte zu veröffentlichen. Dafür gibt es seit wenigen Tagen die Internetseite www.auf-schiene.de. Zum Start habe ich dort vier Reiseberichte aus den vergangenen zwei Jahren veröffentlicht. Als kleinen Appetithappen gibt es nun hier den Reisebericht "Von der Ostsee in die Alpen" in leicht verkürzter Form. Dieser beschreibt eine Tour aus dem Sommer 2016. Den kompletten Bericht könnt ihr auf meiner Webseite lesen.
Ich hoffe, euch mit dem Bericht eine kleine Freude machen zu können. Viel Spaß beim Lesen!
Niklas

Um Irritationen vorzubeugen: Ich veröffentliche diesen Text auch im Drehscheibe Online-Forum.

Das Jahr 2016 war das letzte Jahr der von der Deutschen Bahn betriebenen CityNightLine-Nachtzügen (CNL). In der Sommersaison wurde dabei die Linie Berlin-Zürich bis nach Binz auf Rügen verlängert. Im letzten Fahrplanjahr wurden die Fahrten nach Binz sogar noch ausgeweitet. Nicht nur (wie in den Jahren zuvor) in der Nacht von Freitag auf Samstag (Hinfahrt) und von Samstag auf Sonntag (Rückfahrt) fuhr das Nachtzug bis nach Rügen, sondern auch noch Sa/So (hin) & So/Mo (zurück). Das musste ich ausprobieren, schließlich ergibt das eine sehr lange Nachtzugfahrt und einen großen landschaftlichen Kontrast: Von der Ostsee in die Alpen.

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Mit dem IC "Rügen" geht es von Münster nach Binz. Anschließend im CNL "Sirius" nach Zürich, mit einem IC der SBB nach Chur und mit der Rhätischen Bahn nach Disentis. Ab dort erwische ich (ungeplant) den Openair-Wagen der Matterhorn-Gotthard-Bahn über den Oberalppass bis Andermatt. Es geht weiter durch den Furka-Basistunnel ins Wallis und über Visp bis nach Zermatt. Die Rückfahrt erfolgt durch den Lötschberg-Basistunnel und ab Basel mit dem CNL "Pegasus" bis Duisburg.

Ich kann von Glück reden, dass in diesem Jahr der CNL auch in der Nacht von Sonntag auf Montag von Binz nach Zürich fährt. Schon im Vorjahr hatte ich die Tour ins Auge genommen und festgestellt, dass es quasi unmöglich ist im Hochsommer ein Ticket Binz-Zürich für diesen Zug im Schlafwagen in der Nacht von Samstag auf Sonntag zu bekommen. Da waren alle Plätze immer sofort ausverkauft. In der Nacht von Sonntag auf Montag ist das nicht so schlimm. Ich ergattere also rechtzeitig ein Ticket mit Reservierung für ein Single-Abteil im Schlafwagen und trete die Tour an einem Sonntagvormittag Mitte Juli an.
Für die erste Etappe nutze ich den IC "Rügen", der Münster direkt mit Binz verbindet. Im 1.Klasse Großraumwagen geht es zunächst einmal recht unspektakulär über Osnabrück und Bremen nach Hamburg.

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Das Wetter ist schön und die Sonne scheint, als der Zug Hamburg-Harburg erreicht.

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Im Hamburger Hauptbahnhof wechselt der Zug seine Fahrtrichtung und es geht über Schwerin, Rostock und Stralsund in Richtung Rügen. Die Fahrt auf dieser Passage ist nett, hält aber auch nicht die allergrößten Highlights bereit.
Um kurz nach 15 Uhr fährt der IC dann in Ostseebad Binz ein. Direkt bei der Einfahrt kann ich auf dem Abstellgleis schon meinen Nachtzug sehen, der heute am späten Vormittag hier angekommen ist und mit dem ich später nach Zürich fahren werde.

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Gute zweieinhalb Stunden habe ich nun in Binz Zeit, bis der Nachtzug abfährt. Mich treibt es zum Strand.

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Leider wird das Wetter mittlerweile immer schlechter. Es hat sich zugezogen und es ist relativ frisch. Am Strand, direkt vor dem Kurhaus, macht gerade die SmartBeachTour im Beachvolleyball Station in Binz.

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Und natürlich gehört auch der Gang über die Seebrücke zu einem Binz-Besuch dazu.

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Langsam fängt es an zu tröpfeln und mich treibt es zurück zum Bahnhof. Der Nachtzug steht schon an der Anzeigetafel angeschlagen und wird auch wenig später bereitgestellt.

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Ich begebe mich direkt in mein Schlafwagenabteil. Das ist (alles andere wäre um halb sechs auch bekloppt) natürlich noch in Tagstellung mit Sitzen. In meinem Schlafwagen bin ich der Einzige, der ab Binz fährt. Im zweiten Schlafwagen dagegen sind schon einige Abteile ab Binz durch Fahrgäste belegt, viele davon sind Schweizer. Auch in die Liegewagen steigen einige Passagiere ein und insbesondere in die Sitzwagen.
Ein freundlicher älterer Herr ist mein Schlafwagenschaffner und checkt mich ein. Er erzählt mir, dass er in der vergangenen Nacht mit dem Zug von Zürich bis Binz gefahren ist und sich in Binz in einen Strandkorb gelegt hat, um etwas zu dösen. "Die Seeluft soll ja gut tun!" Er wird den Zug (genauso wie das gesamte Zugteam) allerdings nur noch bis Berlin begleiten, dort wird ein frisches Zugteam ihn und seine Kollegen ablösen und er hat endlich richtig Feierabend. Personalwechsel im Nachtzug - das kannte ich auch noch nicht.
Wir fahren los und ich bin froh, dass ich im Zug bin. Der Regen hat draußen weiter zugenommen. Auch die Aussicht aus dem Fenster ist damit nicht mehr so schön wie auf der Hinfahrt.

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Die Abteile in den modernen Comfortline-Schlafwagen haben eine Schlüsselkarte. Das ist toll, denn ich kann mein Gepäck im eigenen Abteil lassen, die Tür schließen und den Zug ein bisschen von innen erkunden. So ein komplett eigenes Abteil über das man quasi auch noch die "Schlüsselgewalt" hat, das gibt es nur im Schlafwagen und ist ein tolles Gefühl, das man sonst beim Zugfahren nicht kennt.

In Rostock hat der Zug eine Viertelstunde Aufenthalt, denn wir wechseln die Fahrtrichtung und die Lok umfährt dazu den Zug. So kann ich ein bisschen frische Luft auf dem Bahnsteig schnuppern. Hier ist es super, dass ich mein Abteil abschließen und ohne Angst um mein Gepäck auf dem Bahnsteig spazieren gehen kann.

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Die nächsten Stunden bis Berlin verbringe ich in meinem Schlafwagen-Abteil. Kurz vor Berlin Gesundbrunnen kommt nochmal mein Schlafwagenschaffner vorbei und verabschiedet sich von mir. In Gesundbrunnen steigt dann die Ablöse ein. Das alte Zugteam bleibt aber noch bis zum Hauptbahnhof im Zug, um während der Fahrt Übergabe zu machen.
Während es draußen dunkel wird, fahren wir in den Berliner Hauptbahnhof ein. Mein Wagen füllt sich nun bis auf das letzte Abteil und die neue Schlafwagenschaffnerin hat alle Hände voll zu tun, die Fahrgäste einzuchecken. Als sie fertig ist, bitte ich sie mein Abteil in Nachtstellung zu versetzen und lege mich dann schlafen. Es war ein toller Nachmittag/Abend im Nachtzug, den ich gerne nochmal wiederholen würde.

Tag 2:

Ich schlafe gut und wache kurz hinter Freiburg auf. Der neue Tag begrüßt mich mit blauem Himmel, wie hier bei Haltingen (kurz vor Basel):

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In Basel SBB wechselt der Zug dann die Fahrrichtung und ich bekomme mein Frühstück. Um kurz nach 9 Uhr erreicht der Zug den Züricher Hauptbahnhof.
Weiter geht es direkt mit einem IC nach Chur. Ich nehme in der oberen Ebene des Doppelstockszugs auf der linken Seite Platz, denn ich weiß, was jetzt folgt: Auf der Strecke nach Chur fährt der Zug nämlich am Zürichsee und am Walensee vorbei. Beide Seen sind optisch ein großes Highlight auf dieser Tour, vor allem beim heutigen Wetter. Man möchte quasi aus dem Zug immer wieder in den See springen.

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Es geht sofort weiter!


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