Knaut. Stillegungstourismus (I.I/IV) (25+25 Bilder) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 07.01.2018, 11:11 (vor 2996 Tagen)

Moin,

im Rahmen einer kleinen Serie über Stillegungen zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 besuchen wir heute Leipzig. Weitere Ziele finden sich in Thüringen, Berlin und Sachsen-Anhalt. Ebenfalls nicht mehr gehalten wird in Meßdorf und Kummerow. Die beiden werde ich aber nicht weiter würdigen. Mag sein, daß ich da etwas verpaßt habe, aber das ist dann nicht mehr zu ändern.


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Da es Knaut nicht gibt, erübrigt sich die Frage nach der Bedeutung. Jedenfalls haben sich die drei Orte Kleeberg, Hain und Naundorf irgendwann entschlossen, sich dieses Wort voranzustellen. Zumindest im Falle Kleebergs war das gut, denn ein paar Meter weiter liegt der nächste Kleeberg. Der hatte dieselbe Idee der Unterscheidung und entschied sich für den Vorgänger unseres Geldes, die gute alte Mark.
Knautkleeberg und Knauthain bilden mittlerweile den Stadtteil Knautkleeberg-Knauthain der Stadt Leipzig, Knautnaundorf gemeinsam mit Hartmannsdorf den Stadtteil Hartmannsdorf-Knautkleeberg. Warum Hartmannsdorf nicht Knauthartmannsdorf heißt, weiß ich nicht. So liegt es wie ein knautloser Keil zwischen Knauthain und Knautnaundorf.

Knauthain ist der Bahnhof von Knautkleeberg (im Norden) und Knauthain (im Süden). Er liegt nördlicher als die Haltestestelle für den Stadt- und den Regionalverkehr. Die heißt, da sie dichter an Knauthain liegt als der Bahnhof, Knautkleeberg. Warum es bislang zu keiner Vereinheitlichung der Namen gekommen ist, weiß ich nicht. Leipzig-Knauthain/Knautkleeberg wäre aber schön, oder? Immerhin erkennt die Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn freundlicherweise, dass es sich hier im Prinzip um dieselbe Station, bloß bei unterschiedlichen Verkehrsträgern, handelt und läßt einen dort umsteigen, wenn man nach Knautnaundorf möchte. Als ich das irgendwann im vergangenen November vorhatte, warf sie eine Umsteigezeit von 47 Minuten aus. Somit kommt ihr heute nicht nur in den Genuß von Knautnaundorf, das mein eigentliches Ziel war, sondern ich kann Knauthain davorschieben. Das hat mit Stillegungstourismus allerdings nichts zu tun, denn es ist Knautkleeberg, wo seit dem Fahrplanwechsel an Werktagen außer Samstag jeweils ein Zug weniger (bedarfs)hält. Das wäre im Prinzip nicht weiter erwähnenswert, allerdings war seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2010 nur noch ein Halt an Werktagen außer Samstag im Kursbuch verzeichnet, frühmorgens gegen halb sechs. Somit kann die Station nun wirklich als stillgelegt gelten. Vor Ort gab es zum Schluß schon keinen gültigen Fahrplan mehr, am Besuchstag hing noch der Winterfahrplan aus.


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Eisenbahnanschluß erhielt Knautnaundorf erst verhältnismäßig spät, am 22. Mai 1977. Schuld daran ist die Braunkohle. Denn wegen dem Hunger der DDR nach ihr mußte die 1873 eröffnete Bahnstrecke Leipzig - Zeitz zwischen Knauthain und Großdalzig nach Westen verlegt werden. Der Halt in Eythra entfiel. Das gleichnamige Dorf wie auch das benachbarte Bösdorf wurden abgerissen und überbaggert. Einige Einwohner zogen nach Knautnaundorf und auch das Stahl- und Hartgußwerk Bösdorf siedelte sich dort an. Somit sind seit der Eingemeindung Knautnaunsdorfs zum 1. Januar 1999 sowohl Leipzigs ältestes als auch Leipzigs höchstes Bauwerk in Knautnaundorf zu finden. Erstes ist die Knautnaundorfer Kapelle, letztes der Werksschornstein. Bevor wir jetzt gleich loslegen, sei als Quelle auf die unter http://www.knautnaundorf.de zu findende Chronik des Orts verwiesen. Loslegen tun wir aber in Knauthain. Drei Gleise, zwei Stellwerke, zwei Bahnübergänge und ein gerade in Sanierung befindliches und keinen Bahnzwecken mehr dienendes Empfangsgebäude. 25 Bilder hier, 25 da.


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Und gleich geht es weiter.

Knaut. Stillegungstourismus (I.II/IV) (25+25 Bilder)

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 07.01.2018, 11:12 (vor 2996 Tagen) @ Sören Heise

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1 Auch wenn es langweilig ist: Erstmal muss der Zug weg. Ein nicht identifiziertes Regioshuttle fährt nach Saalfeld, VT 315 hintendran bleibt in Gera stehen.


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2 Unterm Dach unattraktiv.


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3 Das Zugfahrtenwarngerät gibt akustische (nicht im Bild) und optische (müßt ihr mir glauben) Warnsignale.


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4 Wenig später passierte 232 239 nordwärts.


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5 Lamberty, Servais und Konsorten, Ehrang.


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6 Morgenruhe.


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7 Sonnenlücke für 2137. Die Straßenbahnstrecke raus nach Knauthain ist nicht unfotogen. Autos und das nicht mehr vorhandene Wendedreieck vorm Bahnhof mögen abschrecken.


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8 Das privatisierte Empfangsgebäude war wider Erwarten eingerüstet. Aber das ist positiv.


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9 Am Bahnübergang Emil-Teich-Straße befindet sich B 1. Laut Sachsenschiene erfolgte die Abnahme am 31. Oktober 1934. Gleich hinter der Bahn zweigt nach rechts der Wildentensteig ab.


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10 Ein schöner Rücken...


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11 Und ein großer Sprung zum 1909 fertiggestellten heutigen Stellwerk W 2. Im Süden des Bahnhofs überquert die Rehbacher Straße die Bahnstrecke.


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12 Ausfahrsignale.


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13 Ladestraße.


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14 Das Empfangsgebäude.


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15 Südlich, zur Straßenbahnschleife, führen neue Zugänge zum Bahnsteig.


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16 Und so geht es weiter.


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17 Was zum Teufel ist denn hier gerade?


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18 Bahnhofsschild.


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19 Eingang.


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20 Nix los.


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21 Die Straßenbahn fährt alle zehn Minuten.


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22 L-VP 1149 hat noch Pause.


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23 Nebengebäude nebst B+R-Platz.


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24 Nach Leipzig ist eine Dreifachtraktion unterwegs, vorne VT 312.


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25 Hinten VT 327. Es fand Fahrgastwechsel statt.


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26 Knautnaundorf. Der Strom kommt von oben.


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27 Die Rundkapelle. Seit 1999 das älteste Bauwerk Leipzigs.


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28 Der Eytraer Weg erinnert an das überbaggerte Dorf. Eines von vielen in den Braunkohleregionen Deutschlands.


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29 Aus dem Ort aus und dann rechts. Vorbei am Gefrierzentrum (da werden jetzt Suschi produziert) gelangt man zum Haltepunkt. Überragt wird die Szene vom Schornstein der Bösdorfer Exilfabrik.


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30 Der Bahnhofsvorplatz.


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31 Ein Blick hinüber zum Bahnsteig.


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32 Blick in die Welt, für Teilnehmer des motorisierten Straßenverkehrs.


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33 Das Empfangsgebäude.


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34 Ein Reisewilliger mokierte sich zu recht, dass nicht mal ein Fahrplan aushing. Denn den letzten Fahrplan hat man offenbar vergessen, es gab nur den vorletzten. Ich konnte den Herrn allerdings davon abhalten, auf den nächsten Zug nach Leipzig zu warten. Er folgte meinem Rat und nahm den Bus. Andere Menschen waren auf dem Bahnsteig nicht zu sehen, auch wenn der Mülleimer benutzt war.


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35 Am offiziellen Bahnsteigende. Rechts der Kilometerstein 20,9.


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36 Ansicht in die Gegenrichtung.


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37 Keine Sorge, das ist nicht die letzte Aufnahme der Wartehalle.


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38 Ansicht des Bahnhofsvorplatzes. Neben dem Logo des Infrastrukturbetreibers finden sich diejenigen von Verkehrsverbund und Aufgabenträger. Dasjenige des Eisenbahnverkehrsunternehmens fehlt.


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39 Wie oft wohl der Entwerter in den letzten siebeneinhalb Jahren benutzt wurde?


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40 Auch wenn der andere Bahnsteig seit ebenjenen siebeneinhalb Jahren unbenutzt war, die Brücke hinüber war frei zugänglich. Blick gen Knautnaundorf.


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41 Die Brücke.


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42 Blick südwärts mit dem Anschlußgleis des Werkes.


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43 Dort, wo einst Eythra und Bösdorf lagen, befindet sich heute der Zwenkauer See. Hinten sorgt das Kraftwerk in Lippendorf für warme Wohnzimmer. Und direkt neben der Bahnstrecke fließt die verlegte Weiße Elster.


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44 Ich glaube, sowas nennt man Zweckbau.


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45 Die Wartehalle. Der Fahrplankasten ist korrekterweise leer, dieser Bahnsteig ist außer Betrieb. Und dennoch fand sich hier ein grün leuchtender Entwerter.


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46 Der Schornstein des Stahl- und Hartgußwerkes ist mit 205 Metern Leipzigs höchstes Bauwerk.


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47 Die Fußgängerbrücke.


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48 Treppenbild.


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49 Der Zug ist weg.


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50 Und der Pendlerparkplatz leer.


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Viele Grüße
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Knautkorrektur

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 07.01.2018, 11:34 (vor 2996 Tagen) @ Sören Heise

Eine Korrektur, die Bearbeitungszeit ist abgelaufen. Das ist im driten Absatz.

Das hat mit Stillegungstourismus allerdings nichts zu tun, denn es ist Knautnaundorf, wo seit dem Fahrplanwechsel an Werktagen außer Samstag jeweils ein Zug weniger (bedarfs)hält.

alter Adel?

Blaschke, Sonntag, 07.01.2018, 16:42 (vor 2995 Tagen) @ Sören Heise

Hallo.

Da es Knaut nicht gibt, erübrigt sich die Frage nach der Bedeutung.

Eine Aussage, die neugierig macht. Irgendwo muss das Knaut ja herkommen.

Kann es sein, dass sich dahinter ein altes Adelsgeschlecht verbirgt? Nach etwas googeln stieß ich auf einen Wiki-Artikel über die Knutonen. Was "kampfeslustig" bedeuten soll.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Knutonen

Geografisch würde es ja durchaus einigermaßen passen.

Vielleicht ließt ja ein Nachfahre oder ein Kenner mit und kann bestätigen oder dementieren oder ergänzen.

Schöne Grüße von

jörg

alter Adel?

FrankenBahn111, Sonntag, 07.01.2018, 16:47 (vor 2995 Tagen) @ Blaschke

Wikipedia spricht:

Die Knutonen ließen sich auch in der Grafschaft Groitzsch, südlich von Leipzig, nieder. Die Orte Knauthain, Knautnaundorf und Knautkleeberg (Herrensitz 1190) sowie Knöteberg (Knateberg, wüst) waren in deren Besitz und verdanken dem Geschlecht Knaut ihren Namen.

Habe das auch anderswo schon so gelesen, wird also stimmen.

alter Adel?

uwe roth, Sonntag, 07.01.2018, 22:21 (vor 2995 Tagen) @ FrankenBahn111

Hallöchen.da beschäftigt sich der tiefste westen mit dem tiefsten osten und findet so interessante sachen raus... alle achtung
wohne um die ecke und hab all dies nicht gewusst..
guts nächtle..

Danke!

Sören Heise, Region Hannover, Dienstag, 09.01.2018, 14:39 (vor 2993 Tagen) @ uwe roth
bearbeitet von Sören Heise, Dienstag, 09.01.2018, 14:40

Moin,

besten Dank.

Danke auch an Jörg und die 111. Adel liegt immer nahe, wenn es ums Mittelalter geht und kein Heiliger in Sicht ist. ;-)

Viele Grüße
Sören

Knautdank:)

462 001, Taunus, Sonntag, 07.01.2018, 22:37 (vor 2995 Tagen) @ Sören Heise

- kein Text -

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