Wenn ich groß bin, werde ich mal ein ICE-Halt [m20B] (Reiseberichte)

PhilippK, Samstag, 06.01.2018, 21:02 (vor 3000 Tagen)

Hallo zusammen,

der Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs dürfte wohl zu den Bauprojekten gehören, zu denen man nicht all zu viel Worte verlieren muss. Die Kurzform: den Bahnhof ein paar Meter tiefer und um 90 Grad drehen. Mehr ggf. unter http://www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/aktuell/

Dieses Wochenende sind wieder der traditionellen jährlichen Tage der offenen Tür und man kann sich einen persönlichen Eindruck vom aktuellen Stand der Arbeiten verschaffen. Ein paar Eindrücke vom gestrigen Tag (Die Bilder sind nicht chronologisch, sondern thematisch gruppiert):

Fangen wir mit dem Bahnhofsturm an, zentrales Element des alten und auch des neuen Bahnhofs. Er thront über allem und von oben hat man einen guten Blick auf die Bauaktivitäten und das Gleisvorfeld.
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Ein Blick von der westlichen Seite. Die vier Bahnsteige sind schon gut zu erkennen. Auch zu erkennen ist, dass der Bau in mehreren Abschnitten erfolgen ist - anders kann man aus geologischen Gründen in Stuttgart kein größeres Loch graben (der letzte Versuch dazu endete in einem U-Boot-Einsatz und einem großen "Schwimmbecken"). Rechts sieht man den alten Querbahnsteig, links den zurückverlegten Hauptbahnhof. Zwei Brücken verbinden den alten Querbahnsteig mit den Gleisen.
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Genehmigen wir uns einen seitlichen Blick:
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Blick von der östlichen Seite:
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Und einmal ohne Bauzaun:
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Dreht man sich um, ist man immer noch mitten in der Baustelle. Auf der anderen Seite sieht man schon den Rohbau der ersten Kelchstützen, die zentrales Element des neuen Bahnhofs sein werden. Sie tragen künftig das Bahnhofsdach mit seinen Lichtaugen:
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Auf der westlichen Seite konnte eine der Tunnelröhren begangen werden.
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Die ersten Gleise liegen schon :-)
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Etwas tiefer im Tunnel. Der ICE nach Mannheim wird künftig den linken Tunnel in Richtung Feuerbach nehmen, der InterCity nach Nürnberg den rechten in Richtung Bad Cannstatt.
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Auch ein Bahn-Gebäude: die alte Bundesbahndirektion.
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So löst man das heute, wenn einem ein historisches Gebäude im Weg steht: man setzt Stelzen drunter und lässt es so über der Baustelle schweben:
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Wir springen zur östlichen Seite: hier entsteht auch ein Tunnel - allerdings nicht für die Eisen- sondern die Stadtbahn. Die U-Bahn-Haltestelle Staatsgalerie ist dem Tunnel im Weg und wird daher etwas höher gelegen neu gebaut. Links sieht man den künftigen Tunnel.
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Der Blick von der anderen Seite zeigt etwas die Dimensionen:
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Ein paar Meter weiter kommt auch schon die B14, einer der beiden zentralen Bundesstraßen, die die Stadt queren. Viel Platz ist nicht zwischen Baustelle und der weiteren Bebauung. Die andere große Straße (B27) ist übrigens direkt auf der anderen Seite der Baustelle.
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Mittendrin im ganzen Trubel: das Stuttgarter Planetarium. Derzeit (fast) von allen Seiten von einer Baustelle umgeben.
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Es folgen noch ein paar Bilder, die nirgend so ganz reinpassen, aber einen guten Eindruck von der Baustellen und dem Tag der offenen Tür geben:

Provisorische Straßenquerung (Jägerstraße):
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Hier üben schon mal die Tunnelbauer von morgen:
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Für die etwas älteren gab es schon mal WLAN aus einem umfunktionierten Bus:
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Zum Abschluss noch zwei Bilder von der alten Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie. Die leidet wohl mit am stärksten unter dem Bau (hinter der Wand in Bildmitte folgt die Baustelle). Früher war sie mal gut belebt und ein Umsteigepunkt, heute trifft der Begriff "trostlos" es wohl am besten:
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Am Bahnsteig zwar etwas mehr Farbe - aber man ist froh, wenn einen die Bahn fortgebracht hat.
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Wer morgen noch spontan einen Ausflug machen will, hat von 10 bis 16 Uhr die Gelegenheit zu einem Besuch (letzter Einlass 15:30). Und wenn er sich nicht den Hals heiser geredet hat, wird unser User Bigbug21 sicherlich auch morgen kompetent für Fragen vor Ort sein.

Viele Grüße,

Philipp

Vielen Dank

Holger2, Samstag, 06.01.2018, 21:19 (vor 3000 Tagen) @ PhilippK

...und woran erkennt man den User Bigbug21 unter den zahlreichen Fachleuten vor Ort?

Noch ein Tipp: Der Glühwein von der Bahnhofsmission schmeckt am besten :)

Was ich nicht verstehe ...

Blaschke, Samstag, 06.01.2018, 21:27 (vor 3000 Tagen) @ PhilippK

Huhu.

Warum eigentlich hat man Teile des Bonatz-Baus stehen gelassen? Das ist doch nur noch ein Torso, ein Fremdkörper und hat mir der ursprünglichen Architektur des Bahnhofs nach meinem Empfinden doch nun gar nichts mehr zu tun.

Also entweder hätte man den Bau komplett erhalten müssen mit Seitenflügeln und den neuen Bahnhof integriert. Oder man hätte den Rest auch gleich noch mit abreissen können. Ganz oder gar nicht. So wie jetzt aber fühlt es sich wie eine Vergewaltigung des Baus an, zumindest ging es mir so bei meinem Besuch.

Schöne Grüße von

jörg

Groß ist er ja schon...

462 001, Taunus, Samstag, 06.01.2018, 21:37 (vor 3000 Tagen) @ PhilippK

...nur bisher halt nicht als Bahnhof, sondern als Loch^^

Nabend,

auch von mir Danke.

Ich war heute selber vor Ort um mir mal einen Eindruck zu verschaffen und dann brauch ich meine Bilder ja nicht mehr zeigen, da ich fast immer an den gleichen Stellen gestanden habe;-)

Sieht doch eigentlich schon ganz gut aus. Hoffen wir mal, das es ohne weitere Verzögerungen 2024 dann endlich soweit ist.


Gruß aus dem Taunus

--
Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1619
- Euro. Ausland: 717

Stand: 20.02.2026

Was ich nicht verstehe ...

agw, NRW, Samstag, 06.01.2018, 21:47 (vor 3000 Tagen) @ Blaschke

Also entweder hätte man den Bau komplett erhalten müssen mit Seitenflügeln und den neuen Bahnhof integriert. Oder man hätte den Rest auch gleich noch mit abreissen können. Ganz oder gar nicht. So wie jetzt aber fühlt es sich wie eine Vergewaltigung des Baus an, zumindest ging es mir so bei meinem Besuch.

Ich glaube, seit Berlin Hbf ist die DB da schmerzfrei.

Was ich nicht verstehe ...

ffz, Samstag, 06.01.2018, 22:13 (vor 3000 Tagen) @ Blaschke

Das Zauberwort heißt: "Denkmalschutz" da nur das Haupgebäude des Stuttgarter Hbf unter Denkmalschutz steht und auch nur das Hauptgebäude der ehemaligen Bundesbahndirektion Stuttgart mussten beide Gebäude laut EBA-Auflage erhalten bleiben die Seitenflügel die nicht unter Denkmalschutz standen durften "beseitigt" werden. Der Erbe von Paul Bonatz hat noch versucht die Seitenflügel beider Gebäude unter Denkmalschutz zu stllen ist damit aber leider gescheitert.

Noch lustiger wird Stuttgart Hbf ab Dezember 2019 weil dann wird der Fussboden der Querbahnsteighalle abgerissen um den neuen Zugang zum Tiefbahnhof zu schaffen da bedeutet das Reisezentrum, das IC-Hotel, die DB Lounge und alle anderen Mieter müssen für 2 Jahre das Gebäude räumen, ein Zugang ist dann nur noch über den Steeg zum LBBW Gebäude möglich. Das wird dann richtig interessant...

Was ich nicht verstehe ...

Holger2, Samstag, 06.01.2018, 23:15 (vor 3000 Tagen) @ ffz
bearbeitet von Holger2, Samstag, 06.01.2018, 23:16

Hallo,
also von mir aus hätte man die alte Bahnhofsdirektion gleich mit abreißen können. Gebäude dieser Art sieht man Deutschland noch zu 1000en.
Selbst abreißen und wieder aufbauen wäre billiger gewesen - aber gut, ist halt ein Politikum.
Was den Bahnhof angeht, die Flügel waren schon länger ungenutzt. Und amputiert wirkt der Bahnhof m.E. nicht, da man die Seitenflügel aus den meisten Richtungen nicht sichtbar waren. Mir fehlen sie nicht.
Einige Gruppen erheben Bonatz ja gleichsam zum Stararchitekten, wobei der Bahnhof zum Zeitpunkt der Fertigstellung bereits ein wenig aus der Zeit gefallen wirkt. Zeitgenossen wie Peter Behrens, Mies van der Rohe oder Corbusier waren damals schon viel mutiger und moderner.

Holger

Was ich nicht verstehe ...

ffz, Samstag, 06.01.2018, 23:44 (vor 3000 Tagen) @ Holger2

Hallo,

was die Bundesbahndirektion angeht möchte ich dir wiedersprechen, was man auf den Bildern sieht ist ja nur die Rückseite, die Vorderseite ist vom Baustiel her eine 1 zu 1 Kopie vom Querbau vom Stuttgarter Hbf.

Das die Seitenflügel ungenutzt waren zu letzt ist eine klare Lüge, bis zu letzt war im Südflügel die DB Kantine(bekannt unter der Marke "zum dreckigen Löffel"), die Meldestelle und die Personaleinsatzplaner und Umkleideräume von DB Fernvekehr und ganz vorne DB Regio mit Verwaltung. Am Ende Richtung Querbau hatten Europcar und Sixt ihren Sitz und ihre Büros. Der Nordflügel war Lagerraum und wurde teilweise vom IC-Hotel und DB Regio mitgenutzt.

Der Abriß der Seitenflügel steht für die Stadt Stuttgart und für die BRD für ein Aufbegehren der Bevölkerung gegen die Politik und dagegen sich einfach Alles gefallen zu lassen. Das war das Erste Mal dass die Bevölkerung der Stadt Stuttgart, egalb ob reicher Killesberg oder armer Stuttgarter Osten zusammen miteinander gegen die Politik protestiert haben. Es hat im Politikverständnis vieler Deutscher etwas verändert. Seit dem gibt es bei jedem Bahngroßprojekt eine intensive Bürgerbeteiligung was ich richtig und wichtig finde. Nicht umsonst sind die Baustellenwände die damals von den Projektgegenern verzirt wurden bis heute in Stuttgart im Haus der Geschichte erhalten, S21 steht in BaWü für das Ende der alten CDU unter der Ära Schuster und Mappus und für ein nie gegelaubtes Erstarken der Grünen in der BaWü Landespolitik.

Ob Bomatz ein Stararchitekt war darüber möchte ich mir kein Urteil erlauben, ich bin kein studierter Architekt, aber Bonatz hat die Stadt Stuttgart mit vielen Gebäuden nachhaltig geprägt und ihr nach dem 2. Weltkrieg wieder ein Gesicht gegeben, wäre es damals nach dem OB und dem Stadtrad gegegangen hätte man alle alten Gebäude abgerissen und die Stadt wäre heute so austauschbar wie Essen, Duisburg, Emden und viele andere Städte.

Was ich nicht verstehe ...

Holger2, Sonntag, 07.01.2018, 00:55 (vor 3000 Tagen) @ ffz

Hallo,

was die Bundesbahndirektion angeht möchte ich dir wiedersprechen, was man auf den Bildern sieht ist ja nur die Rückseite, die Vorderseite ist vom Baustiel her eine 1 zu 1 Kopie vom Querbau vom Stuttgarter Hbf.

Nunja das einzige was 1:1 ist, ist der verwendete Baustoff. Die Direktion steht als Solitär isoliert im Raum, vom eigentlichen Bahnhof durch eine riesige Kreuzung abgetrennt. Eine Ensemblewirkung entsteht hier sicher nicht. Auch Größe und Formensprache der Direktion finden sich nicht im Bahnhof wieder. Im Gegenteil, die Direktion scheint den Bahnhof zu dominieren.

Das die Seitenflügel ungenutzt waren zu letzt ist eine klare Lüge,

Hier solltest Du sprachlich abrüsten. Nicht alles, was einem nicht gefällt, ist gleich eine Lüge.

Natürlich wurden die Räume irgendwie genutzt, sie waren nunmal da. Aber die Räume waren viel zu eng und nicht mehr zeitgemäß. Letztlich sind alle Einrichtungen auch nach Abriss irgendwo wieder untergekommen, was zeigt dass die Räume eben doch entbehrlich waren.


Der Abriß der Seitenflügel steht für die Stadt Stuttgart und für die BRD für ein Aufbegehren der Bevölkerung gegen die Politik und dagegen sich einfach Alles gefallen zu lassen. Das war das Erste Mal dass die Bevölkerung der Stadt Stuttgart, egalb ob reicher Killesberg oder armer Stuttgarter Osten zusammen miteinander gegen die Politik protestiert haben. Es hat im Politikverständnis vieler Deutscher etwas verändert. Seit dem gibt es bei jedem Bahngroßprojekt eine intensive Bürgerbeteiligung was ich richtig und wichtig finde. Nicht umsonst sind die Baustellenwände die damals von den Projektgegenern verzirt wurden bis heute in Stuttgart im Haus der Geschichte erhalten, S21 steht in BaWü für das Ende der alten CDU unter der Ära Schuster und Mappus und für ein nie gegelaubtes Erstarken der Grünen in der BaWü Landespolitik.

Ich glaube Du überhöht die Proteste etwas. IN der Geschichte der BRD hat es mehrere Demonstrationen gegen politisch relevanter Themen gegeben, bspw. Wiederaufbereitung, Nato - Doppelbeschluss, Wiederbewaffnung, Aufarbeitung der Nazi - Vergangenheit. Hier geht es nur um einen Bahnhof.

Dass sich im Demokratieverständnis etwas geändert hat, finde ich auch. Die Proteste stehen dafür, dass demokratische Prozesse heute nicht mehr akzeptiert werden (Volksabstimmung, Planfeststellung), sie stehen für mangelnde Bereitschaft zur Kompromissfindung (Schlichtung). In meinen Augen finden diese Proteste im anderen politischen Lager ihr Pendant im Erstarken der AfD.


...aber Bonatz hat die Stadt Stuttgart mit vielen Gebäuden nachhaltig geprägt und ihr nach dem 2. Weltkrieg wieder ein Gesicht gegeben, wäre es damals nach dem OB und dem Stadtrad gegegangen hätte man alle alten Gebäude abgerissen und die Stadt wäre heute so austauschbar wie Essen, Duisburg, Emden und viele andere Städte.

Selbstverständlich geht es nach dem OB und dem Stadtrat, er ist das gewählte Organ. Genau um dieses Demokratieverständnis geht es mir.
Bonatz hat nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr viel in Stuttgart gewirkt. Einziges Bauwerk von ihm ist noch das Museum des Kunstvereins am Schlossplatz.
Und Essen ist übrigens gar nicht so schlimm, wie Du denkst.

Holger

Was ich nicht verstehe ...

Murrtalbahner, Sonntag, 07.01.2018, 01:28 (vor 3000 Tagen) @ Holger2

Ich stimme User ffz voll und ganz zu! Die Seitenflügel wurden rege genutzt. Dass sie nicht mehr top modern waren, das stimmt! Da wurde aber auch jahrzehntelang nichts mehr daran gemacht. Wenn ich an meinem Haus jahrzehntelang nichts mache wird es auch irgendwann marode. Mit einer Grundsanierung hätte man sehr viel machen können, da Platz ohne Ende zur Verfügung stand.

Und was die Proteste betrifft: Da bist leider Du auf dem Holzweg und nicht User ffz. S21 und die damit verbundenen Massenproteste haben zumindest in Baden-Württemberg ein Erdbeben ausgelöst. Auch die heutige Bürgerbeteiligung ist einzig und allein auf diese Proteste zurückzuführen, auch wenn die heutige Form eigentlich nicht "Beteiligung" genannt werden sollte, sondern eher "Information wenn eh alles schon gesprochen und beschlossen ist". Eine Beteiligung wäre ein Einbinden und Mitarbeiten von der ersten Stunde an inklusive aller Untersuchungen aller Varianten und vor allem müssten externe Meinungen auch akzeptiert und berücksichtigt werden.

Nein S21 und die Proteste waren ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Stadt und des Landes. Sie haben zwar den Bahnhof nicht verhindert, aber es wurde doch einiges erreicht, das zumindest lindernd wirkt: Die Eisenbahndirektion blieb in Teilen erhalten, der Flughafenbahnhof wird nicht ganz so vermurkst wie geplant, man befasst sich ernsthaft mit dem Weiterbetrieb der Panoramabahn als Ausweichstrecke bei S-Bahn-Störungen, die DB musste ihr Betriebskonzept in wesentlichen Teilen nachbessern, bei Rohr wurden Verbesserungen erreicht und auch die Wendlinger Kurve steht an, noch erweitert zu werden.

Was ich nicht verstehe ...

Holger2, Sonntag, 07.01.2018, 02:16 (vor 3000 Tagen) @ Murrtalbahner
bearbeitet von Holger2, Sonntag, 07.01.2018, 02:20

Ist ja süß, da ist sie wieder, die S21 - Fundamentalkritik. Leute, es geht nicht einmal um ein Haus.

Ich stimme User ffz voll und ganz zu! Die Seitenflügel wurden rege genutzt.

Nein, aber im Lauf der Zeit wird alles größer und schöner

Mit einer Grundsanierung hätte man sehr viel machen können, da Platz ohne Ende zur Verfügung stand.

Eben, zu viel nicht nutzbarer Platz. Die Räume waren vor allem durch die Gebäudegeometrie bedingt zu eng und nicht vernünftig nutzbar.


Und was die Proteste betrifft: Da bist leider Du auf dem Holzweg und nicht User ffz. S21 und die damit verbundenen Massenproteste haben zumindest in Baden-Württemberg ein Erdbeben ausgelöst. Auch die heutige Bürgerbeteiligung ist einzig und allein auf diese Proteste zurückzuführen,

Welche Bürgerbeteiligung?

auch wenn die heutige Form eigentlich nicht "Beteiligung" genannt werden sollte, sondern eher "Information wenn eh alles schon gesprochen und beschlossen ist".

Nein, das S21 Turmforum besteht schon seit 1998, jeder hatte die Möglichkeit, sich dort zu informieren und eine Meinung zu bilden. Damals wäre auch der richtige Zeitpunkt gewesen, sich gegen das Projekt einzubringen. Bloß hat es außer Gangolf Stocker niemanden interessiert. Die Proteste sind erst 12 Jahre später losgegangen, als alle rechtlich relevanten Verträge unterschrieben waren und der Abriss gestartet wurde.

Eine Beteiligung wäre ein Einbinden und Mitarbeiten von der ersten Stunde an inklusive aller Untersuchungen aller Varianten und vor allem müssten externe Meinungen auch akzeptiert und berücksichtigt werden.

Richtig, wenn es denn welche gegeben hätte, s.o. Ich habe mir mit Gangolf Stocker mehrere Wortgefechte geliefert. Wie gesagt, er war aber weit und breit der einzige.

Zu demokratischem Verständnis gehört auch, Entscheidungen zu akzeptieren, wenn sie einmal gefällt worden sind.

Ich warte übrigens noch darauf, dass der grüne OB endlich mal die Bevölkerungsmehrheit in das Rosenstein - Stadtentwicklungsprojekt einbindet. Die bisherigen Veranstaltungen waren alles andere als repräsentativ und entscheidungsoffen.

Die Eisenbahndirektion blieb in Teilen erhalten,

War immer schon so geplant (m.E. leider)

der Flughafenbahnhof wird nicht ganz so vermurkst wie geplant,

er bekommt ein zusätzliches politisches (eigentlich unnötiges) Gleis

man befasst sich ernsthaft mit dem Weiterbetrieb der Panoramabahn als Ausweichstrecke bei S-Bahn-Störungen

Nein da die Strecke in den Besitz der Stadt Stuttgart übergeht. Es gibt Ideen, die Strecke in eine Stadtbahn umzuwandeln, wobei ich mich frage, wer da mitfahren soll.

die DB musste ihr Betriebskonzept in wesentlichen Teilen nachbessern

Welches Betriebskonzept??

bei Rohr wurden Verbesserungen erreicht und auch die Wendlinger Kurve steht an, noch erweitert zu werden.

Damit hätte man spätestens in der Schlichtung den Konflikt befrieden können, war den Gegnern aber nicht genug.

Ich glaube hier hat jemand seine rosarote Brille aufgesetzt. Die S21-Proteste sind letztlich zurecht gescheitert, weil demokratisch nicht legitimiert und juristisch nicht durchsetzbar (pacta sunt servanda).

Die S21 - Gegner haben für sich in Anspruch genommen, über den Gesetzen der Demokratie zu stehen. Darum ist diese Bewegung für mich eher kritisch zu sehen. Mit dieser Grundhaltung, aufgrund ihres vermeintlichen Expertenwissens, bräuchten sie sich einem demokratischen Prozess nicht unterzuordnen, stehen sie eben im Geiste in der Haltung vieler AfD - Wähler.

Holger

Wenn ich groß bin, werde ich mal ein ICE-Halt [m20B]

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 07.01.2018, 08:42 (vor 2999 Tagen) @ PhilippK

Moin Philipp,

besten Dank für die Eindrücke.

Viele Grüße
Sören

Vielen Dank...

bigbug21, Sonntag, 07.01.2018, 20:12 (vor 2999 Tagen) @ PhilippK

... für wissenshungrige Besucher und sachlich-faire Diskussionen reden wir uns doch gerne den Hals heiser ... ;)

--
unterwegs für freie Eisenbahn-Geodaten

Was ich nicht verstehe ...

s103, Sonntag, 07.01.2018, 22:26 (vor 2999 Tagen) @ Holger2

Nein, das S21 Turmforum besteht schon seit 1998, jeder hatte die Möglichkeit, sich dort zu informieren und eine Meinung zu bilden. Damals wäre auch der richtige Zeitpunkt gewesen, sich gegen das Projekt einzubringen. Bloß hat es außer Gangolf Stocker niemanden interessiert. Die Proteste sind erst 12 Jahre später losgegangen, als alle rechtlich relevanten Verträge unterschrieben waren und der Abriss gestartet wurde.

Es hat mich auch sehr gewundert, dass das weitestgehend verschlafen wurde. Es wäre der bessere Zeitpunkt gewesen, das Projekt besonders in den Details intensiver zu prüfen. Politisch gewollt war das damals freilich nicht.

Zu demokratischem Verständnis gehört auch, Entscheidungen zu akzeptieren, wenn sie einmal gefällt worden sind.

Unbenommen auch, Dinge weiterzuentwickeln, wenn sich neue Gesichtspunkte ergeben, siehe große Wendlinger Kurve, die hoffentlich noch rechtzeitig auf den Weg gebracht werden kann.

der Flughafenbahnhof wird nicht ganz so vermurkst wie geplant,

er bekommt ein zusätzliches politisches (eigentlich unnötiges) Gleis

Ohne zusätzliches Gleis wäre die Situation so, dass einer der beiden S-Bahnsteige auf 76cm umgebaut würde. M. E. nach würde das aus Gründen der Barierrefreiheit dazu führen, dass nur der hohe weiter für die S-Bahnfahrplangestaltung zur Verfügung steht. Das wiederum würde bedeuten, dass ein zukünftiger Viertelstundentakt im Kreuzungsverkehr für eine der Linien eine große Herausforderung ist, für beide Linien wahrscheinlich ausgeschlossen.

Für die nächsten 50 Jahre sind weitere Fahrgaststeigerungen im S-Bahnverkehr zu erwarten. Dafür sprechen allgemeines Wachstum im ÖPNV als auch des Standorts Flughafen/Messe, eine (politisch gewollte und hier m. E. tatsächlich sinnvolle, d. h. unser gemeinschaftliches Bürgerwohl fördernde) Verlagerung von Indivdualverkehr zur Bahn sowie ein möglicher Attraktivitätsgewinn ähnlich wie in der Schweiz, wenn auch in Deutschland irgendwann einmal mehr Wert auf Anschlüsse gelegt wird (oder kurze Takte ohnehin dafür sorgen, aber das ginge an dieser Stelle dann nicht mehr einfach).

Natürlich kann man bei Verspätungen außerplanmäßig am niedrigen Bahnsteig halten, klar ist auch, wer die Leidtragenden sind.

Man kann argumentieren, ein drittes Gleis dann zu bauen, wenn die Not zu groß wird. Dann würde man den bestehenden Bahnsteig wieder erhöhen. (Ironie: Oder gleich höhenverstellbar, so wie einige Straßenbahn-Bahnsteige bewusst beweglich waren, um auf Stadtbahnhöhe umzubauen.)

Ich allerdings bin schwer dafür, jetzt zu bauen. Dann kann man gleich von den Vorteilen profitieren, zumal bereits jetzt der Platz zwischen bestehenden Bauwerken eng begrenzt ist.

man befasst sich ernsthaft mit dem Weiterbetrieb der Panoramabahn als Ausweichstrecke bei S-Bahn-Störungen

Nein da die Strecke in den Besitz der Stadt Stuttgart übergeht. Es gibt Ideen, die Strecke in eine Stadtbahn umzuwandeln, wobei ich mich frage, wer da mitfahren soll.

Ursprünglich ist man wohl wirklich davon ausgegangen, die Strecke gar nicht mehr zu benötigen.
Schon vor einigen Jahren hat der Regionalverband die Trasse für den Bahnbetrieb auch unabhängig von konreten Betriebsplanungen im Bestand geschützt.

Ob S-Bahn oder Stadtbahn wird sich zeigen. Meiner Meinung nach werden Anbindungsmöglichkeiten an Infrastrukturen im Kessel den Ausschlag geben. Was am Ende wirklich entstehen wird oder ggf. bleibt, steht möglicherweise weniger fest als es die Stuttgart21-Hardliner sehen. Ein zusätzlicher Gleisbedarf am Standort Hauptbahnhof zeichnet sich mit jedem Jahr stärker ab. Sicher scheint zu sein, dass in Tieflage keine Gleise 9/10 kommen werden - eine solche anfangs noch theoretische Option wird von keiner Seite mehr genannt.


Schöne Grüße
Gero

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