Mit dem Gottardino zur Ferrovia Genova–Casella (3/4 m 58 B) (Reiseberichte)

TD, Samstag, 02.12.2017, 20:45 (vor 3031 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum dritten Teil unserer kleinen Rundfahrt nach Italien und Frankreich. Im zweiten Teil waren wir von Mailand über die Mont-Cenis-Bahn nach Nizza gefahren und von dort mit dem Thello weiter nach Genua.

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Wir schreiben noch immer den dritten Reisetag; nachdem wir zuletzt in Genua die Zahnradbahn Principe–Granarolo besucht hatten, sieht unser Nachmittagsprogramm einen Besuch bei der Ferrovia Genova–Casella vor.

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Vom Bahnhof Genova Piazza Principe fahren wir nun zum zweiten Hauptbahnhof der Stadt, nämlich dem Bahnhof Genova Brignole. Allerdings nutzen wir hierfür nicht die Eisenbahn, sondern die U-Bahn. Die Metropolitana di Genova wurde 1990 eröffnet, sie besteht aus einer Linie mit einer Streckenlänge von gut sieben Kilometern.

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Unser eigentliches Ziel ist aber der Bahnhof Piazza Manin. Zu Hause auf Googlemaps sah der Weg zu dem Bahnhof ja noch simpel aus, in der Realität ist der Fußweg durch das Straßengewirr zu dem unscheinbaren Bahnhof auf einem Hügel mitten in der Stadt dann doch nicht so leicht zu finden – aber wir schaffen es rechtzeitig für den angepeilten Zug.

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Die meterspurige Ferrovia Genova–Casella (FGC) ist eine Privatbahn, die Genua mit dem Hinterland verbindet. Für unsere Fahrt wird ein Solo-Triebwagen bereitgestellt, der Elektrotriebwagen A11 gehört zur jüngsten Fahrzeuggeneration der FGC aus dem Jahr 1998. Im Hintergrund der Turm des Castello Mackenzie.

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Die Strecke verlässt recht bald das Stadtgebiet von Genua und es beginnt der Aufstieg in den Ligurischen Apennin, die Bahn windet sich nun am Berghang entlang nach oben.

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Ich würde fast sagen, hier gilt „das Beste zu erst“, denn ich finde die erste Etappe hinauf in die Berge mit dem Panoramablick über Genua und den Golf von Genua am spektakulärsten.

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Die FGC wird auch „Ferrovia delle tre valli“ (Eisenbahn der drei Täler) genannt. Nach einem ersten Scheitelpunkt bei Trensasco geht es nun in das nächste Tal der ligurischen Alpen.

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In Torrazza folgt eine Begegnung mit dem Gegenzug, der Triebwagen A10 ist fünf Jahre älter als das Fahrzeug, mit dem wir unterwegs sind. Während unseres Besuchs sieht der Fahrplan täglich neun Zugpaare vor.

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Schließlich erreicht der Zug das Betriebswerk Casella Deposito, dies war früher der Endbahnhof der FGC. Hier gibt es einen Fahrtrichtungswechsel und die Strecke führt nun noch etwa einen Kilometer weiter bis ins Zentrum von Casella.

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Casella ist ein 3.000-Einwohner-Ort im Ligurischen Apennin. Um den abgelegenen Ort im Hinterland besser an Genua anzubinden, ging die Initiative für den Bau des „Trenino di Casella“ (Bähnchen von Casella) von der Landbevölkerung aus. Der Hauptplatz von Casella wird geprägt vom Palazzo Fieschi, der Renaissance- und Barockpalast wurde Ende des 17. Jahrhunderts erbaut von den Fieschi, einer bedeutenden genuesischen Familie, er wurde als Verwaltungsgebäude und Sommerresidenz genutzt.

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Die zweite Sehenswürdigkeit von Casella ist die Chiesa di Santo Stefano, sie wurde zwischen 1718 und 1722 erbaut.

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Der Bahnhof von Casella – formal Casella Paese – wurde 1953 als neuer Endpunkt der Bahnstrecke eröffnet. Wir fahren mit dem gleichen Zug zurück, noch bleibt aber Zeit, um uns am Bahnhof umzusehen und uns über die Geschichte der FGC zu informieren. Das Gebäude selbst wird während unseres Besuchs gerade renoviert.

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Auf der Hinfahrt war eine Seniorin im Zug, die sich mit einem vermeintlichen Volkshochschul-Italienisch mit den einheimischen Fahrgästen zu unterhalten versuchte. Hier am Bahnhof spricht sie uns nun auf Englisch an – ich antworte auf Deutsch und mein Verdacht ‚deutsche Touristin‘ bestätigt sich. Die gute Frau versucht, uns für die Rückfahrt den Bus nach Genua schmackhaft zu machen, der sei bestimmt interessant und eine Mitfahrt lohnenswert; ich glaube aber, die will uns nur von der Bahnfahrt abhalten, damit auf der Rückfahrt niemand mehr das Fenster öffnet für ein paar Fotos. Also machen wir uns auf die Suche nach der Bushaltestelle – nein, Quatsch, wir fahren natürlich mit dem Zug zurück, soll sie doch selber mit dem Bus fahren.

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Die kurze Fahrt zwischen dem Endbahnhof Casella und dem Depot führt über den Fluss Scrivia. Obwohl wir nur etwa 15 Kilometer von Genua und der Küste entfernt sind, sind wir jenseits der Wasserscheide; der Fluss fließt nach Norden zum Po und somit zur Adria.

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Hier befahren wir die Spitzkehre ins Depot, rechts die Strecke aus Casella, links die Strecke nach Genua. Der ältere Streckenteil wurde schon 1929 eröffnet.

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Die Gesamtstrecke beträgt 24 Kilometer, 65 Minuten dauert eine Fahrt. Hier oben bei Crocetta d’Orero liegt der höchste Punkt der Strecke mit 458 Metern über dem Meer.

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In Busalletta gibt es ein Wiedersehen mit dem Triebwagen A10, diesmal sogar mit einem weiteren Wagen.

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Die Ferrovia Genova–Casella ist auf jeden Fall einen Besuch wert, allein schon die Streckenführung und der Ausblick über die Berglandschaft bis hin zur Küste sind ein Erlebnis.

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Schade, wir erreichen schon wieder die Endstation Genua Piazza Manin. Die Diesellok D1 hat übrigens deutsche Wurzeln, von der DB ging sie zunächst zur SWEG an den Kaiserstuhl und landete schließlich bei der FGC.

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Hier ist auch der Triebwagen A5 aus dem Jahr 1957 abgestellt. Die FGC hat häufig Rollmaterial anderer Bahnen übernommen, der A5 kam von der damaligen Ferrovia Spoleto-Norcia.

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Nach diesem Ausflug in die Berge stürzen wir uns nun wieder in das Großstadtgetümmel und fahren mit der Metropolitana in Richtung Altstadt.

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Da ich meinem Bruder diesmal keinen Angeltag auf der Tour bieten kann, soll es wenigstens auch für seine Interessen einen Programmpunkt geben, deshalb legen wir jetzt eine Pause von den schienengebundenen Verkehrsmitteln ein und besuchen das größte Aquarium Europas am Porto Antico – diesen Programmpunkt überspringen wir an dieser Stelle.

Es geht gleich weiter...

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Mit dem Gottardino zur Ferrovia Genova–Casella (Fortsetzung)

TD, Samstag, 02.12.2017, 20:47 (vor 3031 Tagen) @ TD

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Aber wir haben ja auch noch den Abend zur Verfügung, und so machen wir uns bei Einbruch der Dunkelheit erneut auf den Weg. Vom Porto Antico...

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...laufen wir über die Piazza de Ferrari mit dem monumentalen Springbrunnen...

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...zur Talstation des Funicolare Sant'Anna. Aufgrund der Hanglage der Stadt am Fuße des Apennin gehören zum Portfolio des örtlichen Verkehrsunternehmens AMT auch Aufzüge und zwei Standseilbahnen. Der Funicolare Sant'Anna ist mit rund 350 Metern Streckenlänge die kürzere der beiden Bahnen – da fahren wir mal eine Runde mit.

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Die Bahn überwindet rund 50 Höhenmeter und hat keine Zwischenstationen, entsprechend kurz ist die Fahrt. In der Bergstation erläutern Infotafeln die Geschichte der Bahn, sie wurde 1891 eröffnet, damals als Wasserballastbahn.

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Besonders spektakulär ist die Strecke nicht – da hätte es wahrscheinlich auch bei Tageslicht nicht viel mehr zu entdecken gegeben. Als fahren wir gleich wieder runter.

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Und weiter geht es durch die Altstadt, ein Ziel haben wir noch...

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...nämlich die zweite Standseilbahn, den Funicolare Zecca-Righi. Mit einer Streckenlänge von 1,4 Kilometern und sieben Stationen hat diese Bahn ein anderes Kaliber.

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Zum Einsatz kommen zwei Doppelkabinen, die auch mit Personal besetzt sind. Ursprünglich gab es zwei Standseilbahnen mit einer Umsteigestation, später wurden die Bahnen zusammengelegt.

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Die Bergstation befindet sich auf der Righi, einem hügeligen Stadtteil von Genua. Die Standsteilbahn überwindet etwa 280 Höhenmeter – und die Fahrt hier hoch lohnt sich durchaus und wird mit einem Blick über das nächtliche Genua belohnt. Das muss ich mir für eine nächste Genua-Reise merken, bei Tageslicht ist es auf der Righi bestimmt auch schön. (Bitte nicht verwechseln, Rigi ohne h ist auch ein reizvolles Reiseziel, aber woanders – zum Reisebericht).

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Teilweise verläuft die Strecke durch Tunnel und erinnert an eine U-Bahn. Die Gesamtfahrtdauer zwischen Berg- und Talstation beträgt 12 Minuten.

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Ich denke, diesen Reisetag haben wir gut ausgenutzt, ich bin selbst erstaunt, was wir heute alles geschafft haben, am Vormittag die Fahrt von Nizza nach Genua, dann die Zahnradbahn, die FGC, das Aquarium und zwei Standseilbahnen – da haben wir das selbstgesteckte Soll noch übertroffen. Vorbei an der Basilica della Santissima Annunziata del Vastato und durch die Altstadt geht es jetzt aber zum Hotel.

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Und damit beenden wir auch diesen Teil des Reiseberichts. Vor uns liegt jetzt eigentlich nur noch die Rückfahrt an den Bodensee über die Gotthard-Bergstrecke, doch das pimpen wir noch durch einen Fahrt nach Rapallo – aber dazu dann mehr in den nächsten Tagen im letzten Teil.

Viele Grüße und einen schönen ersten Advent

Tobias

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Mit dem Gottardino zur Ferrovia Genova–Casella (Fortsetzung)

moonglum, Hagen, Samstag, 02.12.2017, 21:38 (vor 3031 Tagen) @ TD

Ganz toll!!!

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Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen, keine Mikrowelle und kein in Schüsseln gepamptes Essen gibt.

https://adobe.ly/2PMZyEV

Mit dem Gottardino zur Ferrovia Genova–Casella (Fortsetzung)

heinz11, Samstag, 02.12.2017, 22:32 (vor 3031 Tagen) @ TD

Ein sehr schöner Bericht, das macht Lust aufs Nachfahren. Vielen herzlichen Dank!

Super geschrieben, danke!

Jonas1543, Sonntag, 03.12.2017, 01:01 (vor 3031 Tagen) @ TD
bearbeitet von Jonas1543, Sonntag, 03.12.2017, 01:02

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