Mit dem Gottardino zur Ferrovia Genova–Casella (Fortsetzung) (Reiseberichte)
Tag 3: Nizza – Genua – Casella - Genua
Heute steht zunächst der Thello-Zug zwischen Frankreich und Italien auf dem Programm, die zweite Tageshälfte verbringen wir dann mit verschiedenen Verkehrsmitteln in und um Genua.
Der Bahnhof Nice-Ville wurde 1867 eröffnet, er wurde im Louis-treize-Stil erbaut und soll die Verbundenheit des mediterranen Nizza mit der Metropole Paris zum Ausdruck bringen. Nizza ist so ein Ort, der dem Bahnreisenden die Qual der Wahl auferlegt, es locken beeindruckende Strecken wie die Tendabahn hinauf in die Seealpen, der Train des Pignes in die Provence oder illustre Züge wie der russische Nachtzug nach Moskau.
Heute sollen es der Thello-Zug und die Strecke entlang der Côte d’Azur und der Italienischen Riviera sein. Das Unternehmen Thello gehört mittlerweile vollständig der Trenitalia, es betreibt Tages- und Nachtverbindungen zwischen Frankreich und Italien. Im Tagesverkehr gibt es zwei Zugpaare zwischen Marseille und Mailand sowie ein drittes Zugpaar ab und bis Nizza. Wir haben uns für den EC Thello 139 entschieden, der morgens gegen 8 Uhr in Nizza beginnt.
Ja, ich habe auch kurz gestutzt, wo denn Marsiglia liegt. Thello war anfangs ein Gemeinschaftsprojekt mit Transdev, heute findet sich nur noch das Trenitalia-Logo. Die Wagen stammen ebenso von der Trenitalia.
Bis Genua liegen nun rund 3 Stunden Fahrt vor uns – und wenn die Strecke nicht gerade in einem der vielen Tunnel verläuft, bietet sich den Fahrgästen einen toller Ausblick auf die Küste, hier der Ort Villefranche-sur-Mer, kurz darauf die Insel L'Isoletta bei Èze.
Unterwegs nutzen die Gunst des letzten Wagens für einen Blick auf die Strecke.
Wir haben zwar noch im Hotel gefrühstückt, aber ein Espresso wäre jetzt schön und so schauen wir kurz im Barwagen vorbei.
Architektur- und Kirchenkenner werden wahrscheinlich an der Chiesa di San Matteo von Laigueglia erkennen, dass wir mittlerweile in Italien unterwegs sind, Bahnkenner werden das hingegen an den für das Land typischen weißen Schienen festmachen.
Aus der französischen Côte d’Azur ist mittlerweile die italienische Riviera geworden, dort wo die Strecke noch nicht ins Hinterland oder in Tunnel verlegt ist, bieten sich weiterhin reizvolle Blicke auf das Meer, gleich folgt die Insel Gallinara.
Kurz nach elf Uhr sind wir in Genua – doch für den Rest des Tages wird uns in Genua nicht langweilig werden, hier gibt es viele interessante Verkehrsmittel zu entdecken. Der Bahnhof Genova Piazza Principe liegt zwischen zwei Tunneln, wir laufen nun hoch zum westlichen Tunnelportal und werfen von dort einen Blick über die Bahnsteige. Hier sind nicht nur die Schienen weiß, sondern auch das Gleisbett. Während das Weiß auf den Schienen dem Temperaturausgleich dient, ist das Gleisbett aus hygienischen Gründen gekalkt.
Der Grund, warum wir hier oben sind, ist jedoch das hier: die Talstation der Zahnradbahn Principe–Granarolo. Die Zeit bis zum Eintreffen der Bahn verbringen wir damit, uns anhand der Bilder und Tafeln im Warteraum einen ersten Eindruck zu verschaffen.
Und hier kommt das urtümliche Gefährt. Die Zahnradbahn wurde im Jahr 1901 eröffnet, sie führt mit einer Spurweite von 1.200 mm steil bergauf zu höhergelegenen Stadtteilen von Genua. Betrieben wird die Zahnradbahn wie die anderen öffentlichen Verkehrsmittel in Genua von der AMT.
Die Bahn verkehrt im 40-Minuten-Takt, durch die Häuserschluchten gewinnt die Bahn rasch an Höhe, die maximale Neigung liegt bei 214 Promille. Bald schon bietet sich ein imposanter Blick über die Stadt und die Küste sowie das Bergland rund um Genua.
Nach 1,1 Kilometern und einer Fahrzeit von 6 Minuten ist die Bergstation Granarolo erreicht. Der Höhenunterschied zur Talstation liegt bei 194 Metern.
Man könnte jetzt hier oben spazieren oder auch eine Rundwanderung durch die Hügel von Granarolo unternehmen, das wäre sicherlich reizvoll bei dem Wetter und mit dem Panoramablick – aber wir möchten die Region noch mit einem anderen Verkehrsmittel „erfahren“ und nehmen deshalb die nächste Verbindung wieder hinab.
Die Bergstation dient gleichzeitig als Abstell- und Wartungshalle, auf der Strecke ist nur noch ein Fahrzeug unterwegs, somit ist auch die Ausweiche auf der Streckenmitte nicht mehr in Betrieb.
Und mit den letzten Bildern der Talfahrt beenden wir diesen Teil des Reiseberichts. In den nächsten Tagen folgt der dritte Teil mit der Ferrovia Genova–Casella und weiteren Verkehrsmitteln in Genua.
Viele Grüße
Tobias
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- Mit dem Gottardino zur Ferrovia Genova–Casella (2/4 m 67 B) -
TD,
29.11.2017, 17:29
- Mit dem Gottardino zur Ferrovia Genova–Casella (Fortsetzung) -
TD,
29.11.2017, 17:31
- Auch von mir vielen Dank! - JanZ, 29.11.2017, 18:26
- Mit dem Gottardino zur Ferrovia Genova–Casella (Fortsetzung) - Splittergattung, 30.11.2017, 20:41
- Wie immer sehr schön! :) Danke!
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sflori,
29.11.2017, 18:13
- Danke!
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GUM,
30.11.2017, 13:40
- Mit dem Gottardino zur Ferrovia Genova–Casella (Fortsetzung) -
TD,
29.11.2017, 17:31