Mit dem Gottardino zur Ferrovia Genova–Casella (2/4 m 67 B) (Reiseberichte)

TD, Mittwoch, 29.11.2017, 17:29 (vor 3036 Tagen)
bearbeitet von TD, Mittwoch, 29.11.2017, 17:29

Hallo zusammen,

willkommen zum zweiten Teil unserer kleinen Rundfahrt nach Italien und Frankreich. Im ersten Teil hatten wir den Gotthard-Basistunnel besucht und waren anschließend nach Mailand gefahren, hier setzen wir den Bericht nun fort.

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Tag 2: Mailand – Chambéry – Lyon – Nizza

Heute wollen wir die Bahnstrecke von Mailand in Richtung Frankreich erkunden. Die anderen beiden grenzüberschreitenden Verbindungen über die Tendabahn und an der Küste kannte ich bereits, heute soll es nun der TGV sein.

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Zunächst werfen wir vom Hotelzimmer einen Blick auf die Gleise am Bahnhof Porta Garibaldi. Rechts der Torre Unicredit, in der Mitte die Torri Maire Tecnimont und links die begrünten Zwillingstürme Bosco Verticale, an deren Fassaden rund 900 Bäume gepflanzt wurden.

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Hier stehen wir dann vor dem Bahnhof Milano Porta Garibaldi. Den TGV nach Paris hat man an den zweitgrößten Bahnhof der Stadt verbannt, die SNCF betreibt in einem Pavillon am Bahnsteigzugang einen eigenen Schalter.

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Und das ist er, der TGV Mailand-Paris. Die Triebköpfe haben eine spezielle Beschriftung eigens für die Verbindung. Es gibt täglich drei Direktverbindung mit dem TGV nach Paris, die Reisezeit für die Gesamtstrecke beträgt zwischen sieben und acht Stunden, wir werden jedoch nur eine Teilstrecke mitfahren.

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Zwischen Mailand und Turin nutzt der TGV die Altstrecke, wir fahren durch die Norditalienische Tiefebene, am Horizont sind die Alpen zu sehen.

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Nach Turin wird es für mich dann interessant, denn diese Strecke kenne ich noch nicht. Die Bahnlinie verläuft durch das Susatal (Val di Susa) nach Osten und folgt dem Fluss Dora Riparia in die Berge.

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Die Bahnstrecke von Turin ins französische Modane ist auch als Frejus-Bahn bekannt. Die Bahnstrecke gewinnt nun deutlich an Höhe und die Landschaft wird alpin, vor dem Zugfenster ziehen die Gipfel der Grajischen Alpen vorbei.

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Bardonecchia ist der letzte Ort auf der italienischen Seite, der Bahnhof liegt auf 1.258 Metern über dem Meer, hier ist auch der Scheitelpunkt der Gebirgsstrecke. Wenig später fährt der Zug in den Mont-Cenis-Tunnel oder Fréjus-Tunnel ein. Der Eisenbahntunnel wurde 1871 eröffnet, er war damals der erste Tunnel durch den Alpenhauptkamm. Bis zur Eröffnung des Gotthard-Tunnels war der Mont-Cenis-Tunnel mit gut 12 Kilometern zudem der längste Tunnel der Welt.

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Und hier sind wir in Frankreich angekommen, der Grenzbahnhof befindet sich in Modane. Die Bahnstrecke führt in einem 180-Grad-Bogen in den Ort. Auf der französischen Seite wird die Bahnstrecke Maurienne-Strecke genannt.

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Die Maurienne ist ein Gebiet in den französischen Westalpen rund um das Tal des Flusses Arc; die Bahnstrecke folgt dem Fluss talabwärts. 1917 ereignete sich auf der Strecke einer der schwersten Eisenbahnunfälle mit geschätzt bis zu 700 Toten. Ein vollbesetzter Militärzug mit unzulässig hohem Gewicht war nicht mehr zu bremsen, entgleiste und geriet in Brand.

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Schließlich lassen wir die Alpen hinter uns und erreichen die sanfte Landschaft Savoyen. Die Bahnstrecke von Modane bis Chambéry wurde ab 1925 als Pilotstrecke elektrifiziert, damals setzte man noch auf eine seitliche Stromschiene, wobei sich später doch die Oberleitung durchsetzte. Die klassische Mont-Cenis-Bahn endet in Chambéry, hier verlassen wir den TGV.

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Die Departementshauptstadt hat etwa 60.000 Einwohner, hier haben wir eine knappe Stunde Zeit für einen Spaziergang durch die schmucke Altstadt.

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Bekannt ist der Ort insbesondere für das Schloss Chambéry, der ehemalige Wohnsitz der Herzöge von Savoyen. Auch der Fontaine des Éléphants aus dem Jahr 1838 gehört zu den Sehenswürdigkeiten.

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Doch nun zurück an den Bahnhof, er wurde 1923 umbenannt und heißt offiziell Chambéry - Challes-les-Eaux, um auch dem bahnhofslosen Kurort Challes-les-Eaux formal einen Bahnanschluss zu bieten. Mit einem Regionalzug fahren wir weiter nach Lyon, der TER ist ein lokbespannter Wagenzug.

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Die Strecke führt am Ufer des Lac d’Aiguebelette entlang, weiter geht es durch den ländlich geprägten Teil Savoyens.

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Nach der Ankunft im Bahnhof Lyon-Part-Dieu holen wir noch ein Außenbild des Zugs nach, dann drehen wir eine Runde um den Bahnhof. Für eine Stadtbesichtigung sind die 55 Minuten Übergangszeit zu kurz, und so nutzen wir die Zeit, um den Reiseproviant wieder aufzufüllen...

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...und dann geht es auch schon weiter. Mit einem TGV Duplex fahren wir durch bis Nizza, etwa viereinhalb Stunden trennen uns noch von der Côte d’Azur.

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Bis Marseille machen wir jetzt auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke kräftig Kilometer, mal mit Blick auf die französischen Alpen,...

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...dann über die Rhone...

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...und auf beeindruckenden Brücken über das Land.

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Bei Bandol gibt es einen ersten Blick auf das Meer. Ab Marseille fährt der TGV auf der Altbaustrecke entlang der Côte d’Azur nach Nizza. Für weitere Streckenfotos wird es nun aber zu dunkel.

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Nach der Ankunft in Nizza bringen wir das Gepäck ins Hotel und starten zu einem Abendspaziergang durch die Stadt, vom Place Masséna...

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...mit der Fontaine du Soleil...

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...und den Wasserspielen auf der Promenade du Paillon.

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Und mit einem Blick auf den Strandboulevard beenden wir den zweiten Reisetag.

Es geht gleich weiter...

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Mit dem Gottardino zur Ferrovia Genova–Casella (Fortsetzung)

TD, Mittwoch, 29.11.2017, 17:31 (vor 3036 Tagen) @ TD

Tag 3: Nizza – Genua – Casella - Genua

Heute steht zunächst der Thello-Zug zwischen Frankreich und Italien auf dem Programm, die zweite Tageshälfte verbringen wir dann mit verschiedenen Verkehrsmitteln in und um Genua.

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Der Bahnhof Nice-Ville wurde 1867 eröffnet, er wurde im Louis-treize-Stil erbaut und soll die Verbundenheit des mediterranen Nizza mit der Metropole Paris zum Ausdruck bringen. Nizza ist so ein Ort, der dem Bahnreisenden die Qual der Wahl auferlegt, es locken beeindruckende Strecken wie die Tendabahn hinauf in die Seealpen, der Train des Pignes in die Provence oder illustre Züge wie der russische Nachtzug nach Moskau.

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Heute sollen es der Thello-Zug und die Strecke entlang der Côte d’Azur und der Italienischen Riviera sein. Das Unternehmen Thello gehört mittlerweile vollständig der Trenitalia, es betreibt Tages- und Nachtverbindungen zwischen Frankreich und Italien. Im Tagesverkehr gibt es zwei Zugpaare zwischen Marseille und Mailand sowie ein drittes Zugpaar ab und bis Nizza. Wir haben uns für den EC Thello 139 entschieden, der morgens gegen 8 Uhr in Nizza beginnt.

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Ja, ich habe auch kurz gestutzt, wo denn Marsiglia liegt. Thello war anfangs ein Gemeinschaftsprojekt mit Transdev, heute findet sich nur noch das Trenitalia-Logo. Die Wagen stammen ebenso von der Trenitalia.

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Bis Genua liegen nun rund 3 Stunden Fahrt vor uns – und wenn die Strecke nicht gerade in einem der vielen Tunnel verläuft, bietet sich den Fahrgästen einen toller Ausblick auf die Küste, hier der Ort Villefranche-sur-Mer, kurz darauf die Insel L'Isoletta bei Èze.

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Unterwegs nutzen die Gunst des letzten Wagens für einen Blick auf die Strecke.

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Wir haben zwar noch im Hotel gefrühstückt, aber ein Espresso wäre jetzt schön und so schauen wir kurz im Barwagen vorbei.

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Architektur- und Kirchenkenner werden wahrscheinlich an der Chiesa di San Matteo von Laigueglia erkennen, dass wir mittlerweile in Italien unterwegs sind, Bahnkenner werden das hingegen an den für das Land typischen weißen Schienen festmachen.

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Aus der französischen Côte d’Azur ist mittlerweile die italienische Riviera geworden, dort wo die Strecke noch nicht ins Hinterland oder in Tunnel verlegt ist, bieten sich weiterhin reizvolle Blicke auf das Meer, gleich folgt die Insel Gallinara.

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Kurz nach elf Uhr sind wir in Genua – doch für den Rest des Tages wird uns in Genua nicht langweilig werden, hier gibt es viele interessante Verkehrsmittel zu entdecken. Der Bahnhof Genova Piazza Principe liegt zwischen zwei Tunneln, wir laufen nun hoch zum westlichen Tunnelportal und werfen von dort einen Blick über die Bahnsteige. Hier sind nicht nur die Schienen weiß, sondern auch das Gleisbett. Während das Weiß auf den Schienen dem Temperaturausgleich dient, ist das Gleisbett aus hygienischen Gründen gekalkt.

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Der Grund, warum wir hier oben sind, ist jedoch das hier: die Talstation der Zahnradbahn Principe–Granarolo. Die Zeit bis zum Eintreffen der Bahn verbringen wir damit, uns anhand der Bilder und Tafeln im Warteraum einen ersten Eindruck zu verschaffen.

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Und hier kommt das urtümliche Gefährt. Die Zahnradbahn wurde im Jahr 1901 eröffnet, sie führt mit einer Spurweite von 1.200 mm steil bergauf zu höhergelegenen Stadtteilen von Genua. Betrieben wird die Zahnradbahn wie die anderen öffentlichen Verkehrsmittel in Genua von der AMT.

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Die Bahn verkehrt im 40-Minuten-Takt, durch die Häuserschluchten gewinnt die Bahn rasch an Höhe, die maximale Neigung liegt bei 214 Promille. Bald schon bietet sich ein imposanter Blick über die Stadt und die Küste sowie das Bergland rund um Genua.

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Nach 1,1 Kilometern und einer Fahrzeit von 6 Minuten ist die Bergstation Granarolo erreicht. Der Höhenunterschied zur Talstation liegt bei 194 Metern.

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Man könnte jetzt hier oben spazieren oder auch eine Rundwanderung durch die Hügel von Granarolo unternehmen, das wäre sicherlich reizvoll bei dem Wetter und mit dem Panoramablick – aber wir möchten die Region noch mit einem anderen Verkehrsmittel „erfahren“ und nehmen deshalb die nächste Verbindung wieder hinab.

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Die Bergstation dient gleichzeitig als Abstell- und Wartungshalle, auf der Strecke ist nur noch ein Fahrzeug unterwegs, somit ist auch die Ausweiche auf der Streckenmitte nicht mehr in Betrieb.

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Und mit den letzten Bildern der Talfahrt beenden wir diesen Teil des Reiseberichts. In den nächsten Tagen folgt der dritte Teil mit der Ferrovia Genova–Casella und weiteren Verkehrsmitteln in Genua.

Viele Grüße

Tobias

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Auch von mir vielen Dank!

JanZ, HB, Mittwoch, 29.11.2017, 18:26 (vor 3036 Tagen) @ TD

Die weißen Schienen in Italien und die Thello-Tageszüge waren mir bisher unbekannt, daher dafür meinen besonderen Dank!

Mit dem Gottardino zur Ferrovia Genova–Casella (Fortsetzung)

Splittergattung, Donnerstag, 30.11.2017, 20:41 (vor 3035 Tagen) @ TD

Hier sind nicht nur die Schienen weiß, sondern auch das Gleisbett. Während das Weiß auf den Schienen dem Temperaturausgleich dient, ist das Gleisbett aus hygienischen Gründen gekalkt.

Ach das ist der Grund dafür... mir war das bei meinem ersten Italienbesuch schon aufgefallen, damals vor allem im Bahnhofsbereich, und ich mutmaßte dann, das diene dazu, dass man (die Dinger reflektieren des Nachts ganz gut) bei Dunkelheit im unbeleuchteten Bahnhof nicht über die Schienen stolpert... ;-) danke für den schönen Bericht!

Wie immer sehr schön! :) Danke!

sflori, Mittwoch, 29.11.2017, 18:13 (vor 3036 Tagen) @ TD

- kein Text -

Danke!

GUM, Donnerstag, 30.11.2017, 13:40 (vor 3035 Tagen) @ TD

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