Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (7/8 | 35 B.) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum siebten Teil unserer kleinen Rundreise zwischen der französischen Mittelmeerküste und den Pyrenäen. Im sechsten Teil waren wir von Latour-de-Carol nach Barcelona gefahren und hatten unterwegs die Zahnradbahn von Núria besucht, nun treten wir so langsam die Rückreise an.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/075-Frankreich-Spanien/75-000Karte.jpg)
Tag 7: Barcelona – Paris
Nachdem wir mit Côte Bleue, Cevennenbahn, Ligne des Causses und Ligne de Cerdagne alle Wunschziele und Highlights der Tour abhaken konnten, sollte der siebte Reisetag eigentlich der Rückreise dienen. Ursprünglich hatte ich hierfür die morgendliche TGV-Verbindung von Barcelona nach Paris im Sinn, nachdem mir aber der Vormittagszug zu teuer war und es für die spätere Verbindung noch attraktive Angebote gab, hatte ich mich umgesehen, was man noch einen halben Tag lang in Barcelona machen könnte.
Und so steigen wir am Morgen in die Metro der Linie 7 von der Plaça de Catalunya bis zur Endstation Avinguda Tibidabo.
An der Station Av. Tibidabo beginnt die Tramvia Blau, eine historische Straßenbahn, die im Inselbetrieb zwischen der Metrostation und der Standseilbahn auf den Tibidabo verkehrt. Die Straßenbahn ist als Touristenbahn ausgelegt, der Betrieb beginnt deshalb morgens erst ab 10 Uhr. Und so folgen wir Frühaufsteher den Gleisen zu Fuß durch den hügeligen Stadtteil Sarrià-Sant Gervasi. Unterwegs kommt uns eine erste Bahn entgegen.
Die Straßenbahn endet an der Talstation des Funicular del Tibidabo. Die Standseilbahn aus dem Jahr 1901 führt hinauf auf den Tibidabo, sie hat eine Länge von 1,1 Kilometern und überwindet dabei einen Höhenunterschied von 275 Metern.
Der Tibidabo ist der Hausberg von Barcelona, mit 512 Metern ist er der höchste Gipfel der Bergkette Serra de Collserola. Hoch über der Stadt gibt es hier einen Vergnügungspark...
...sowie mit dem Temple Expiatori del Sagrat Cor auch eine bekannte Kirche. Vorbild für die Kirche war die Basilika Sacré-Cœur de Montmartre in Paris. Zehn Stunden später werden wir vor dem Original stehen – aber dazu später mehr. Allein für den Panoramablick über Barcelona lohnt sich der Weg auf den Tibidabo, auch wenn die Aussicht etwas durch den Dunst getrübt ist.
Mittlerweile fährt die Tramvia Blau und bringt dichtgedrängt die Touristen auf den Berg. Jetzt schlägt unsere Stunde, denn wer antizyklisch unterwegs ist und am Vormittag schon wieder zurück fährt, darf sich über eine leere Bahn freuen.
Die normalspurige Straßenbahn wurde 1901 eröffnet, sie gehört zur gleichen Straßenbahngeneration wie die Tranvía de Sóller auf Mallorca (zum Reisebericht). Mit 5,50 € pro Person und Weg wird ein stolzer Preis für die knapp 1,3 Kilometer lange Strecke aufgerufen.
Während wir die einzigen Fahrgäste bei der Talfahrt sind, bringt der Gegenzug wieder zahlreiche Touristen und Ausflügler auf den Berg. Die beiden Fahrzeuge 6 und 7 stammen aus dem Jahr 1904.
Mit der Metro-Linie 7 fahren wir schließlich zurück in die Innenstadt, holen das Gepäck aus dem Hotel und fahren dann weiter zum Bahnhof Barcelona Sants.
Nachdem wir in den letzten Tagen nur sehr kleinteilig, mitunter sehr langsam und ausschließlich in Nahverkehrszügen unterwegs waren, treten wir nun wieder ein in die Welt internationaler Hochgeschwindigkeitszüge.
Doch halt – vor dem Betreten eines Fernzugs hat die Renfe das Boarding-Prozedere gesetzt: zunächst geht es durch die Vor-Kontrolle der Fahrkarte am Zugang zum Wartebereich, dann wird die Fahrkarte an der nächsten Station mittels Scanner geprüft und es geht weiter zur Durchleuchtung des Gepäcks. Schließlich ist auch diese Station gemeistert und wir dürfen hinab zum Bahnsteig, ein TGV Duplex steht bereit zur Fahrt nach Paris.
Bei der Fahrt zwischen Barcelona und Girona bietet sich ein letzter Blick auf die katalanischen Vorpyrenäen, dann heißt es Abschied nehmen von der Gebirgskette, die wir in den letzten drei Tagen auf Schienen erkundet hatten.
Bei unserer letzten Spanien-Reise vor einigen Jahren mussten wir noch hier in Figueres-Vilafant umsteigen, seit 2013 gibt es durchgehenden Fernverkehr auf der Schnellfahrstrecke von Barcelona zur französischen Grenze und weiter auf der LGV nach Perpignan.
Neben dem über acht Kilometer langen Tunnel Col du Perthus gibt es mit zahlreichen Brücken weitere Kunstbauten an der LGV, zudem wurde auch ein Überwerfungsbauwerk errichtet, auf dem der Zug vom Rechtsverkehr (Katalonien) auf den Linksverkehr (Frankreich) wechselt.
Die Hochgeschwindigkeitsstrecke endet in Perpignan, auf der Altstrecke geht es nun in gemächlicherem Tempo aber landschaftlich interessant weiter. Die Strecke führt entlang des Étang de Leucate, ein Brackwassersee an der Mittelmeerküste.
Auf einem Damm quert der Zug die Lagunenlandschaft, in der Ferne ist die Küste zu sehen.
Diesen Anblick kennen wir doch schon, im dritten und vierten Teil des Reiseberichts waren wir in Béziers unterwegs.
Mit der LGV Méditerranée haben wir mittlerweile wieder eine Schnellfahrstrecke erreicht und machen nun bis Paris richtig Kilometer. Es ist mir gerade zu mühsam, die Kilometer zusammenzusuchen, Luftlinie sind es von Barcelona nach Paris 830 Kilometer, der Mann von Sitz 61 gibt die Strecke mit 1.073 Kilometern an.
Der Blick reicht bis zu den französischen Alpen, wenn ich es richtig deute, sollte das der Gebirgsstock Vercors sein. Mittlerweile fahren wir auf der LGV Rhône-Alpes...
...und daran anschließend auf der LGV Sud-Est, wobei sich die Landschaft langsam ändert und zunehmend flacher wird.
Nach 6 Stunden und 36 Minuten ist der Bahnhof Paris Gare de Lyon erreicht. Es ist schon toll, wie Europa auf Schienen zusammenwächst und man an einem halben Tag eine solche Strecke zurücklegen kann.
Unser Abendprogramm ist nun eigentlich klar; nachdem wir am Vormittag die Kopie in Barcelona besucht haben, fahren wir jetzt zur Basilika Sacré-Cœur de Montmartre und genießen von dort die Aussicht über das nächtliche Paris.
Mit der Metro fahren wir schließlich an den Bahnhof Paris-Est. Ich hatte den Gare de l’Est bisher als großen und bedeutsamen Bahnhof wahrgenommen und bin nun etwas überrascht, dass jetzt nach 22 Uhr der letzte Zug bereits abgefahren ist und die Anzeigetafeln schon die Züge für den nächsten Tag auflisten.
Der dritte Zug nach Belfort ist übrigens der unsere, aber da liegt zunächst noch eine Nacht dazwischen. Und diese Nacht verbringen wir nun im Bahnhof – genauer gesagt in einem Hotel im Obergeschoss des Gare de l’Est. Das ist doch mal eine für Bahnreisende standesgemäße Unterkunft, und am nächsten Morgen ist der Weg zum Bahnsteig kurz.
Und zum Abschluss dieses Reiseberichtsteils werfen wir einen Blick aus dem Hotelzimmer auf den Vorplatz des Gare de l’Est und den Boulevard de Strasbourg.
In den nächsten Tagen folgt Teil 8 mit der letzten Etappe unsere Reise, dann fahren wir über Belfort zurück an den Bodensee.
Viele Grüße
Tobias
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TD,
04.11.2017, 17:05
- Yeah! - Blaschke, 04.11.2017, 18:17
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Lumi25,
04.11.2017, 22:21
- Hotel in Paris -
TD,
04.11.2017, 22:42
- Hotel in Paris - Lumi25, 05.11.2017, 18:40
- Hotel in Paris -
TD,
04.11.2017, 22:42