Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (4/8 | 56 B.) (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 24.10.2017, 18:44 (vor 3071 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum vierten Teil unserer kleinen Rundreise zwischen der französischen Mittelmeerküste und den Pyrenäen. Im dritten Teil hatten wir die Zahnradbahn „Panoramique des Dômes“ besucht und waren von Clermont-Ferrand auf der Ligne des Causses nach Béziers gefahren, hier setzen wir den Bericht nun fort.

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Tag 4: Béziers – Narbonne – Toulouse - Latour-de-Carol

Der heutige Reisetag ist ganz entspannt, Béziers verlassen wir erst mit einem Zug gegen 11 Uhr. So bleibt Zeit, nach dem Frühstück nochmals eine Runde durch die Stadt zu drehen. Gut beschirmt laufen wir durch die Altstadt...

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...und lassen von der Anhöhe bei der Kathedrale den Blick über das Land und den Fluss Orb schweifen.

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Die bekannteste Stadtansicht von Béziers ist der Blick über den Orb mit der Brücke Pont Vieux aus dem 13. Jahrhundert und der Kathedrale St. Nazaire.

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Zurück durch die Altstadt...

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...laufen wir zum Bahnhof. In Béziers trifft die Ligne des Causses, auf der wir am Vortag aus Clermont-Ferrand angereist waren, auf die Hauptstrecke Bordeaux–Sète.

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Mit einem TER fahren wir nun eine Station weiter bis ins 20 Minuten entfernte Narbonne. Der Triebwagen trägt das rote Livree von TER Languedoc-Roussillon.

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Gut, da hätten wir uns den Fußweg hinab zum Fluss vorhin sparen können, wenn sich am Zugfenster fast die gleiche Perspektive bietet. Die weitere Strecke verläuft unspektakulär über das flache Land und weit ist es ja ohnehin nicht mehr bis Narbonne.

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In Narbonne machen wir schon wieder Pause, in der 52.000-Einwohner-Stadt haben wir einen Zwischenstopp von knapp zwei Stunden eingeplant. Vom Bahnhof laufen wir ins Zentrum mit dem Palais des Archevêques, dem ehemaligen Bischofssitz mit den markanten Türmen.

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Durch das Zentrum verläuft der Canal de la Robine, der von der historischen Pont des Marchands überspannt wird.

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Doch nun zurück an den Bahnhof. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht, dass es einst einen DB Autozug nach Narbonne gab, der Zug fuhr 2014 letztmalig. Auf den Hinweistafeln im Bahnhof findet sich noch ein Relikt aus jener Zeit.

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Vor zwei Tagen hatten wir bereits den IC 4756 auf dem Teilstück von Marseille bis Nîmes genutzt, jetzt will es der Zufall, dass wir den gleichen Zuglauf für die Weiterfahrt von Narbonne bis Toulouse nutzen. Diesmal bespannt eine Lok im silbergrauen Farbkleid den Zug.

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75 Minuten dauert die Fahrt durch den mitunter kargen und trockenen Landstrich, die Bahnlinie folgt hier einer alten Handelsstraße zwischen Mittelmeer und Atlantik.

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Der Gare de Toulouse-Matabiau ist der Hauptbahnhof von Toulouse. Eine Stadtbesichtigung von Toulouse hätte mich schon auch interessiert – aber wir müssen uns ja noch ein paar Ziele für zukünftige Touren aufsparen, und so steigen wir direkt um in den Regionalzug nach Latour-de-Carol in die Pyrenäen.

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Der Zug befährt zunächst für einige Kilometer die Bahnstrecke von Toulouse nach Bayonne, dann zweigt die Transpyrénéen Oriental nach Südosten ab und quert den Fluss Garonne.

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Die Bahnstrecke von Toulouse nach Latour-de-Carol an der französisch-spanischen Grenze wurde zwischen 1861 und 1929 abschnittsweise eröffnet. Die erste Etappe führt noch unspektakulär über das flache Land, dann wird es landschaftlich zunehmend interessanter und die Strecke folgt dem Fluss Ariège in die Pyrenäen.

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Zahlreiche Tunnel und Viadukte prägen nun den Anstieg der eingleisigen Bergstrecke hinauf zum Pass Col de Puymorens. Südlich von Mérens Les Vals durchfährt der Zug einen Kreiskehrtunnel, dann folgt der Bahnhof Andorra - L'Hospitalet auf 1.429 Metern über dem Meeresspiegel. Die Bezeichnung Andorra ist jedoch etwas irreführend, wer in das Fürstentum möchte, muss hier in den Bus umsteigen.

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Dann folgt der Puymorens-Tunnel, mit 5.414 Metern hat er eine ganz beachtliche Länge, zudem befindet sich hier mit einer Höhe von 1.567 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Punkt Europas, der mit Normalspurbahnen im Adhäsionsbetrieb erreicht wird.

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Südlich des Tunnels führt die Strecke nun hinab in das Tal des Carol. Auf der Strecke verkehren ein Nachtzug von und nach Paris (Intercités de nuit) sowie eine überschaubare Anzahl von Regionalzügen.

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Nach drei Stunden Fahrzeit und rund 160 Kilometern ist der Endbahnhof Latour-de-Carol – Enveitg erreicht. Der Bahnhof ist recht berühmt, da er drei Bahnstrecken mit unterschiedlichen Spurweiten und Stromsystemen verknüpft und weltweit der einzige Bahnhof ist, in dem die Spurweiten von 1000, 1435 und 1668 Millimeter aufeinandertreffen. Eine der drei Strecken können wir nun schon abhaken, die anderen beiden Strecken stehen für die nächsten beiden Reisetage auf unserem Programm.

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Der Grenzbahnhof liegt auf 1.283 Metern über dem Meeresspiegel, er wurde 1928 eröffnet. Gegenüber an Gleis 1 sehen wir übrigens den längsten überdachten Bahnsteig Frankreichs.

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Der Bahnhof liegt auf dem Gemeindegebiet von Enveitg, ein Bergdorf mit knapp 700 Einwohnern. In fußläufiger Entfernung liegt das Nachbardorf Latour-de-Carol mit rund 400 Einwohnern. Für zwei Nächte nehmen wir Quartier in einem Hotel in Latour-de-Carol.

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Vom Hotelzimmer gibt es einen Blick auf den Bahnhof, an Gleis 1 steht mittlerweile der Nachtzug nach Paris. Der weiträumige Güterbahnhof wird nicht mehr genutzt.

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Und mit einem Bild aus Latour-de-Carol mit der Kirche Saint-Étienne aus dem 15. Jahrhundert beenden wir den vierten Reisetag.

Es geht gleich weiter...

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Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (Forts. Teil 4)

TD, Dienstag, 24.10.2017, 18:46 (vor 3071 Tagen) @ TD

Tag 5: Latour-de-Carol - Mont-Louis - Villefranche-de-Conflent - Thuès-Carenca - Latour-de-Carol

Den heutigen Reisetag wollen wir ganz der Ligne de Cerdagne und dem Train Jaune widmen. Und so machen wir uns auf den Weg zum internationalen Bahnhof. Aufgrund ihrer touristischen Bedeutung hat es die Schmalspurbahn auch auf die Wegweiser gebracht.

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Eine Infotafel am Bahnhof gibt schon einen Vorgeschmack auf das, was uns heute erwartet. Die Ligne de Cerdagne ist eine Meterspurbahn, deren gelbe Züge auch Canari (Kanarienvogel), petit train jaune (kleine gelber Zug) oder auf Katalanisch tren groc genannt werden. Das Farbschema mit gelb und rot greift die Farben Kataloniens auf.

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Und das ist der gelbe Zug: am südlichen Ende von Bahnsteig 1 liegt das Schmalspurgleis der Gebirgsbahn, die von der SNCF betrieben wird. Wir sind extra zeitig am Bahnhof, um uns einen Platz im offenen Sommerwagen zu sichern, auch wenn hier gilt: „Sitzung zwingend“.

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Die ersten Kilometer sind zunächst unspektakulär und haben noch wenig vom Charakter einer Gebirgsbahn, dann wird es im Hochtal der Cerdagne zunehmend interessanter.

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Viele der Unterwegshalte sind Bedarfshalte. Entweder stimmt mein ausgedruckter Fahrplan nicht oder das Personal erwartet an den teils einsamen Haltepunkten ohnehin keine Fahrgäste, jedenfalls durchfahren wir die Bahnhöfe mehrere Minuten vor Plan.

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Die Strecke gewinnt nun an Höhe, der Scheitelpunkt bei Bolquère – Eyne liegt rund 300 Meter höher als der Startpunkt Latour-de-Carol – Enveitg. Mit 1592 Metern über dem Meer ist der Scheitelpunkt der Strecke auch der höchste Punkt im Netz der SNCF. Die ersten Viadukte wie der Viaduc d’Eyne künden mittlerweile den Beginn der landschaftlich interessanteren Etappe an.

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Bei dem schönen Wetter streben auch die anderen Fahrgäste dem offenen Wagen zu und bald sind alle Plätze besetzt. Mit etwas Wehmut geben wir nun unsere schönen Plätze auf und verlassen am Bahnhof Mont-Louis – La Cabanasse den Zug.
Da nur zwei Zugpaare die komplette Strecke von und nach Latour-de-Carol – Enveitg befahren, gibt es für einen Tagesausflug von dort nur eine Fahrmöglichkeit, nämlich mit dem ersten Zug zu starten und mit dem letzten Zug wieder dort anzukommen. Dadurch hat man am anderen Endbahnhof Villefranche – Vernet-les-Bains jedoch einen sehr langen Aufenthalt. Um das etwas zu strecken, legen wir deshalb sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückfahrt einen Zwischenhalt ein.

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Und für die Hinfahrt ist die Wahl des Zwischenhalts auf Mont-Louis gefallen. Der kleine Ort wurde im 12. Jahrhundert gegründet, in den Jahren 1681 bis 1691 wurde hier eine Festung errichtet. Die Zitadelle und die Stadtmauern sind Teil der Festungsanlagen von Vauban und gehören zum Unesco-Welterbe. Der Eingang zum Ort führt durch die Festungsanlage...

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...in das 200-Einwohner-Dorf mit der Kirche aus dem Jahr 1737.

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Von den Festungsanlagen fällt der Blick über die Landschaft des Naturparks Pyrénées Catalanes. Wir sind hier rund 1.600 Meter über dem Meeresspiegel, 11 Kilometer entfernt verläuft die Grenze zu Spanien.

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Wir laufen nun zurück hinab zum Bahnhof, um mit dem nächsten Zug die Fahrt fortzusetzen, denn der spektakulärste Streckenabschnitt kommt erst noch – aber bitte noch etwas Geduld, das sind dann genug Bilder und Eindrücke für einen eigenen Teil. In den nächsten Tagen folgt Teil 5 mit der Fahrt hinab nach Villefranche – Vernet-les-Bains und mit der Rückfahrt nach Latour-de-Carol – Enveitg.


Viele Grüße


Tobias

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Reisebericht Narbonne, ici Narbonne!

Blaschke, Dienstag, 24.10.2017, 19:39 (vor 3070 Tagen) @ TD

Huhu.

In Narbonne machen wir schon wieder Pause (...)
Doch nun zurück an den Bahnhof. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht, dass es einst einen DB Autozug nach Narbonne gab, der Zug fuhr 2014 letztmalig. Auf den Hinweistafeln im Bahnhof findet sich noch ein Relikt aus jener Zeit

Dazu ein thematisch passender Reisebericht

Datum: 31.03.07 15:05


Hallihallo liebe Forengemeinde, 

Letzten Sonntag ging es mit dem AZ-Uex Hamburg – Narbonne – Hamburg mal wieder auf Tour. Auf der Hinfahrt habe ich überwiegend mein Schlafdefizit der letzten Tage ausgeglichen. In Hamburg eingestiegen war natürlich die erste Frage an meinen Zug-Betreuer, wie viele Mitreisende ich in meinem Abteil haben würde. Interessanterweise stand ich dann auf der Liste gar nicht drauf – hm, ob mich da jemand die Gelegenheit nutzen will und den Quengelkopp Blaschke ausweisen wollte…? Das ganze stellte sich dann aber als „EDV-Problem“ dar, UEx-Reisende werden nicht erfasst – nur AZ-Reisende – zumindest auf der Liste, die der Betreuer hatte! So blieb es spannend. In Hildesheim beglückte mich dann eine ältere nette Dame. Wir zwei blieben auch unter uns bis Narbonne. Kurz vorm Ziel forderte sie mich dann auf, endlich mal wach zu sein, gleich sähe man das Mittelmeer. Wir fuhren durch Seté – ein Städtchen, in welches ich mich auf der Rückfahrt gleich „verliebte“. Muss ich noch mal hin. 

Interessant an der Hinfahrt war noch, dass die DB sich nicht an die Turnuszugvorhersage der DSO hielt – es ging nicht über Fulda, sondern über Gießen – und den Halt in Neu-Isenburg gibt’s gar nicht. Dafür erreichten wir Karlsruhe 20 Min. vor(!) der Zeit; die zahlreichen Hunde konnten sich so auf dem Bahnsteig entleeren… 

In Narbonne mit gut 15 Min. Verspätung angekommen, hatte Blaschke natürlich wieder einen Volltreffer gelandet: Im Gegensatz zur Heimat regnete es!!! So kaufte ich ein paar deutsche Zeitungen und machte es mir im Bahnhof bequem. Ich schaute dem Zugverkehr und der Abfahrt des Dortmunder Autozuges eine Stunde vor Abfahrt unseres Zuges zu. Und lauschte der Kundschaft unseres Zuges beim Genöle über die zu frühe Autoverladung – Deutsche können halt nicht aus ihrer Haut… Angenehmer war da schon die Stationsansage. Wer einmal die französische Lady und ihr „Narbonne, ici Narbonne“ gehört hat, der weiß, was deutschen Bahnhöfen an Flair fehlt. Ich hab’s jedenfalls extra aufgenommen. Wir fuhren dann mit +10 wieder ab. Diesmal hatte ich ein tschechisches Päarchen im Abteil, wo mich mein Betreuer aber um Verständnis bat, dass die in Karlsruhe schon ausstiegen und er sie um 4.15 Uhr wecken würde. War mir sehr recht, denn ich wollte eh ab Strasbourg wach sein, um der 181 zu lauschen. 

In Avignon brachte ich das Kunststück fertig, wie schon bei der ersten AZ-Fahrt 2005 während des Aufenthaltes am Bahnsteig am Handy mit der Frau meines Herzens zu „diskutieren“ – könnte eine Art Tradition werden, wenn ich da noch öfters hin komme. Egal, die Rechnung über das Gespräch kommt zum Glück erst in einigen Wochen… Tradition auch, zwischen Avignon und Lyon im gemütlichen 70er-Jahre-Look-Speisewagen das zu essen, was noch als Vorrat da ist. Zurück im Abteil stellte ich fest, dass meine beiden Tschechen in einer Gruppe unterwegs waren und 4+2 Plätze in 2 Abteilen gebucht hatten. Schlafensmäßig machten sie da aber 5+1 draus – nur „er“ blieb bei mir. Der Grund wurde schnell klar: Er schnarchte! Aber auch hier verlor Tschechien gegen Deutschland auf ganzer Linie: Gegen 132 Kilo Schnarchmasse meinerseits kam er dann doch nicht an. Wie sagte meine Hinreise-Dame so schön: Dass sie gut geschlafen haben, hörte man. 

Kurz vor Strasbourg wurde ich zum Glück von alleine wach, so lauschte ich noch ein wenig dem Lärm des Fahrweges. Wo die Franzosen so alles drüberheizen und mit was für einer Geschwindigkeit teilweise – das EBA wird keine Europa-Einrichtung sein und in Frankreich auch nie eine werden. Zum Glück – gerade die Bahnhofsein- und –durchfahrten sind wahre Musik für mein Gehör! 

In Strasbourg ging es dann leider bis zum Ausfahrsignal vor – konnte ich nicht den Stand der Bauarbeiten sehen. Dafür fuhr ein einsamer Baggerfahrer morgens um 4 Uhr dort schon rum – Europa im Aufbruch. Ab hier lauschte ich dann der 181 – man muss sich ja langsam auf Abschied einstellen – schade, wo ich die Baureihe erst jetzt so richtig kennenlerne. Pünktlich ging es rüber nach Deutschland, welches seine Gäste mit einer 70er-La begrüßte sowie passend zum noch aktuellen SPIEGEL-Titel mit einem schönen Halbmond, der wie ich am zunehmen war. In Kehl durfte dann der französische Zugbegleiter seinen sicherlich angenehmen Dienst auf unserem Zug beenden. 

Ein Betreuer hatte, wie ich durch Zufall sah, den altbekannten Diercke-Weltatlas mit im Abteil – man will ja wissen, wo man ist. Als sofort-Zurückreisender fiel ich natürlich dem Zugpersonal auf – eine Betreuerin erkannte mich sogar von der Fahrt vor einem Jahr nach Bourg St. Maurice wieder – ob es nun an meiner beide Male getragenen Nahkampf-Hose oder an meinem unvergleichlichem Charme lag, fand ich aber nicht heraus. Vor Schreck über soviel Erinnerungsvermögen verabschiedete ich meine Tschechen in Karlsruhe glatt auf Französisch: „Au revoir, ähm ja, äh, tschüss, bye“ – ich wusste gar nicht, wie sprachbegabt ich in Schrecksituationen bin… *g* 

In Karlsruhe gab es frische Brötchen und ich erhielt sodann mein Frühstück. Wie man 3 Komponenten (Schmierkäse, Wurst und Marmelade) auf 2 Brötchenhälften unterbringen soll, wäre sicher mal eine Aufgabe für Logistiker. Hat bei mir schon auf der Hinfahrt für einige Probleme gesorgt. Tja, Blaschke hat Probleme mit dem Essen – so was gibt’s nur im Autozug… 

Gemütlich ging es dann durch deutsche Lande, ich genoß das eigene Abteil und die Fahrt am offenen Fenster und natürlich die jetzt vorgespannte 120! Heidelberg erreichten wir plan – danach schaffte man das Kunststück, die Planfahrzeit von gut 1:15 Stunden bis Neu-Isenburg (lt. DSO-Turnuszugübersicht) noch um 30 Minuten zu überziehen. Wir standen wirklich überall. Immerhin lernte ich so die gesamte Bergstraße mal kennen. Schön, dass man auf diese Art mal viele viele Details sieht, die einem bei üblichen Fernzugfahrten ohne Fensteröffnungsmöglichkeit alle entgehen. Und ein Nahverkehrszug oder Sonderzug ist auch kein Vergleich – hier im AZ/UEx stören keine Verkehrshalte, kein „Fußvolk“, keine kontrollierenden Zugbegleiter, keine Dampflok und deren Fans (jetzt hab ich aber auch keinen ausgelassen *g*) Auch sieht man mal andere Signalbilder – herrlich, wenn man einer Cargo- oder Regioschnecke hinterherzuckelt und immer alle Vorsignale kurz vorm Erreichen auf Grün umschalten. Die Lokführer beherrschten allesamt das gemütliche, sanfte Fahren – wunderbar! 

In Neu-Isenburg war eine außerplanmäßige gut 10-minütige Hunde-Pinkelpause angesagt, der Zugchef deckte sich wie ich beim örtlichen Kiosk mit Ware ein (er Zigaretten, ich Bild, Spiegel und Mampfe) und man schäkerte ein wenig mit dem örtlichen Rangierpersonal und dem Lokführer. Richtig familiär und urlaubsmäßig ging es zu. Abfahrt war mit gut +30, dieses Mal ging es auch über Bebra wie vorgesehen. Wunderbar, bei gemütlichem Tempo, Sonnenschein und manchem Überholaufenthalt auf der „alten“ NSS in Erinnerungen an vergangene TMT-Zeiten mit Fernverkehr auf diese Strecke zu schwelgen. Wie oft wurde man im Gang schlafend im Nachtzug gen Süden – wenn es wieder galt, eine TMT-Nacht zu überbrücken - beim großen Bebraer Bogen gegen die Seitenwand „geschleudert“ und wach und überlegte, in Bebra aussteigen und im Gegenzug sein Glück zu probieren oder bis München im Zug bleiben. Und dann – war sie hier nicht einst, die Grenze? Viele Gedanken gehen einem durch den Kopf, wenn man so am offenen Fenster steht. Das Herz hüpfte vor Begeisterung. 

Und ganz nebenbei, das ist auch mal ein schönes Gefühl, da bin ich ja ganz ehrlich: Was gibt es schöneres, als auf der Hinfahrt Sonntag mittags durch den wie immer vollbesetzten Hamburger Hauptbahnhof einmal langsam durchzufahren(!) und den etwas neidischen Gesichtern zuzuschauen, die ihrerseits unsereins „begaffen“. Gleiches galt insbesondere für den morgendlichen Berufsverkehr auf der Rückfahrt zwischen Heidelberg und Frankfurt – dass da nur ein armer Zeitungszusteller aus dem Fenster schaut, sieht man mir ja zum Glück nicht an… Wie oft schaute man früher neidvoll und sehnsüchtig selbst rüber zu solchen Zügen?! 

Hildesheim erreichten wir schon wieder plan – die Überholung in Uelzen wurde nach Lüneburg verlegt und pünktlich wie die Eisenbahn erreichten wir Hamburg-Altona nach knapp 21 Stunden Fahrt um 14.17 Uhr. Wie immer war nichts schlimmer als das Ankommen und den 2x 21 Stunden-Fahrt-Trip beenden zu müssen – die noch notwendige Heimfahrt im IC nach Osnabrück ist da nur ein schwacher Trost. 

Und so endet dieser Bericht mit dem üblichen Fazit: Körperlich etwas anstrengend mittlerweile – dem Geiste und der Seele tat es sehr gut. Und das ganze mit 98 Euro dank 2x Sparnight auch noch recht günstig. Wenn man dann noch Glück mit der Abteilbelegung und dem Unterwegs-Wetter hat – was will man mehr? 

So, Ende der Kopie :-)

Schöne Grüße von 

jörg

Danke, auch an Jörg!

462 001, Taunus, Dienstag, 24.10.2017, 21:48 (vor 3070 Tagen) @ TD

- kein Text -

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Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1619
- Euro. Ausland: 717

Stand: 20.02.2026

Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (Forts. Teil 4)

Splittergattung, Mittwoch, 25.10.2017, 00:37 (vor 3070 Tagen) @ TD

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Und das ist der gelbe Zug: am südlichen Ende von Bahnsteig 1 liegt das Schmalspurgleis der Gebirgsbahn, die von der SNCF betrieben wird. Wir sind extra zeitig am Bahnhof, um uns einen Platz im offenen Sommerwagen zu sichern, auch wenn hier gilt: „Sitzung zwingend“.

Da war es natürlich clever, dass du von Latour aus gestartet bist - ich kam letztes Jahr aus Perpignan und ab Villefranche war natürlich alles sofort voll, so schnell konnte ich gar nicht in den Zug stürmen - die Schlange am Eingang zum Bahnsteig (ja, das gibt es da) war von mit dem Auto nach Villefranche Gereisten so lang, dass ich zwischenzeitlich schon befürchtete, gar nicht mehr mitgenommen zu werden...

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Viele der Unterwegshalte sind Bedarfshalte. Entweder stimmt mein ausgedruckter Fahrplan nicht oder das Personal erwartet an den teils einsamen Haltepunkten ohnehin keine Fahrgäste, jedenfalls durchfahren wir die Bahnhöfe mehrere Minuten vor Plan.

Das hatte ich auch. Aus Font-Romeu noch mit +10 raus, waren wir dann an einigen Zwischenhalten Richtung Latour vor Plan unterwegs. Aber es saß eh kaum noch jemand im Zug und wahrscheinlich kommt niemand auf die Idee, da noch einzusteigen, zumal es ja in Latour auch nicht allzu viele tolle Anschlüsse gibt, und dann lässt man den Halt eben wirklich mal weg oder hält kurz pflichtbewusst an und fährt sofort noch vor Plan weiter.

Danke natürlich für den schönen Bericht!

Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (4/8 | 56 B.)

mrhuss, FKON, Mittwoch, 25.10.2017, 16:28 (vor 3070 Tagen) @ TD

Vielen Dank für den Bericht und die vielen Fotos, da denke ich doch gerne an meinen eigenen Besuch dort vor zwei Jahren zurück!

Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (4/8 | 56 B.)

MC_Hans, 8001376, Freitag, 27.10.2017, 12:23 (vor 3068 Tagen) @ TD

Schick, tolle Reise und tolle Bilder!

Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (4/8 | 56 B.)

JanZ, HB, Freitag, 27.10.2017, 12:34 (vor 3068 Tagen) @ TD

Danke für den Bericht!

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Genau das Gleiche habe ich vor kurzem im Le Caudan Waterfront in Port-Louis auf Mauritius gesehen. Da es da keine Gleise gibt, gibt es auch keinen Reisebericht :-).

Ansonsten habe ich den Eindruck, dass so ungefähr jeder von uns schon mal in der Ecke war. Und ich habe es jetzt schriftlich, dass ich zu den Älteren gehöre :-P.

Gruß Jan

Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (4/8 | 56 B.)

TD, Freitag, 27.10.2017, 16:43 (vor 3068 Tagen) @ JanZ

Genau das Gleiche habe ich vor kurzem im Le Caudan Waterfront in Port-Louis auf Mauritius gesehen. Da es da keine Gleise gibt, gibt es auch keinen Reisebericht :-).

Gruß Jan

Das ist jetzt auch schon mein zweites Schirm-Bild, in Klagenfurt hatten wir das schon mal...

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Viele Grüße

Tobias

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